mini|alt=Schwarzweißfoto von Lise Tréhot|Lise Tréhot, Aufnahme von 1864 Lise Tréhot (geboren am 14. März 1848 in Ecquevilly; gestorben am 12. März 1922 in Paris) war ein französisches Modell und die Geliebte des Malers Pierre-Auguste Renoir.

Leben Tréhot kam als Tochter eines Postmeisters und späteren Betreibers eines Tabakladens zur Welt.Claude Keisch in Johann Georg Prinz von Hohenzollern und Peter-Klaus Schuster (Hrsg.): Manet bis van Gogh. S. 108. Sie war von etwa 1865 bis 1872 die Geliebte des Malers Pierre-Auguste Renoir. Kennengelernt hatten sich die beiden vermutlich über ihre Schwester Clémence Tréhot und Renoirs Freund Jules Le Coeur, die ein Verhältnis miteinander hatten.Anne Distel: Renoir. S. 295.

Lise Tréhot stand Renoir für mehr als 20 Gemälde Modell. Hierzu gehören sämtliche großformatigen Bilder, die er in der gemeinsamen Zeit mit ihr im Salon ausstellte,Dorothee Hansen: Monet und Camille S. 104. darunter das dort 1868 gezeigte Ganzfigurbild Lise (heute bekannt als Lise mit dem Sonnenschirm). Der Erfolg dieses Bildes bewog Renoir möglicherweise dazu, weitere Bilder mit Lise Tréhot zu malen. Zum Salon des Jahres 1869 reichte er das Gemälde Im Sommer ein, in dem sie sich in mädchenhafter Pose auf einer Terrasse in einem Sessel ausruht.Douglas Cooper: Renoir, Lise, and the Le Coeur Family. S. 168. Darüber hinaus malte Renoir seine Geliebte in sehr unterschiedlichen Rollen. So ist sie mal als Aktfigur zu sehen, in einem anderen Bild stellt sie die Jagdgöttin Diana dar. Weiterhin erscheint sie für das Gemälde Odaliske in einem orientalischen Kostüm und zeigt sich im so genannten Bild Ehepaar Sisley an der Seite des Malers Alfred Sisley in der Rolle einer Ehefrau. Für Renoirs Freund Frédéric Bazille stand Lise Tréhot mindestens bei einem Bild Modell. Im Gemälde La Toilette (Musée Fabre, Montpellier) ist sie neben zwei anderen Frauen als stehende Figur am rechten Bildrand zu sehen.Gary Tinterow, Henri Loyrette: Origins of Impressionism, S. 337.

Lise Tréhot wurde am 14. Dezember 1868 Mutter eines Sohnes, der den Namen Pierre erhielt.Nina Zimmer: Renoir, zwischen Bohème und Bourgeoisie, die frühen Jahre. 2012, S. 101. Es ist möglich, dass Renoir der Vater des Kindes war. Da es keine weiteren Dokumente zu diesem Sohn gibt, wird angenommen, dass er bereits als Kind verstarb.John House: The Many Faces of Lise Tréhot: Pierre Auguste Renoir’s Portraits of Parisiennes, 2013, S. 35. Am 21. Juli 1870 wurde ihre Tochter Jeanne geboren.John House: The Many Faces of Lise Tréhot: Pierre Auguste Renoir’s Portraits of Parisiennes, 2013, S. 33. Lise Tréhot gab das Kind zur Adoption und es wuchs bei Pflegeeltern in der Normandie auf. Renoir war der Vater von Jeanne, obwohl er das Kind nie offiziell anerkannt hat. Vor seiner Familie verheimlichte Renoir die Existenz von Jeanne, hat seine Tochter jedoch mehrfach getroffen und unterstützte sie finanziell bis zu seinem Tod.John House: The Many Faces of Lise Tréhot: Pierre Auguste Renoir’s Portraits of Parisiennes, 2013, S. 34. Nach der Trennung von Renoir verabschiedete sich Lise Tréhot vom Leben der Bohème und führte ein bürgerliches Leben. Sie lebte fortan mit dem Architekten Georges Brière de l’Isle zusammen, den sie 1883 heiratete. Aus dieser Beziehung stammte der am 14. Dezember 1873 geborene Sohn Georges.John House: The Many Faces of Lise Tréhot: Pierre Auguste Renoir’s Portraits of Parisiennes, 2013, S. 34. Für Renoir stand sie seither nie wieder Modell.Sophie Monneret: Renoir, 1990, S. 32. Sie starb 1922 im Alter von 74 Jahren.Claude Keisch in Johann Georg Prinz von Hohenzollern und Peter-Klaus Schuster (Hrsg.): Manet bis van Gogh. S. 108.

Lise Tréhot in den Gemälden Renoirs

Bild Titel Jahr Sammlung 100px Lise mit einem Strohhut 1866 Barnes Foundation, Philadelphia 100px Stehende junge Frau 1866 Privatsammlung 100px Sitzende junge Frau auf dem Land 1866 Privatsammlung 100px Stehende Frau neben einem Baum 1866 National Gallery of Art, Washington, D.C. 100px Frau neben einem Zaun 1866 National Gallery of Art, Washington, D.C. 100px Frau in einem Park 1866 National Gallery of Art, Washington, D.C. 100px Landschaft mit zwei PersonenDas Gemälde ist nur als Fragment mit dem Ausschnitt der sitzenden Frau erhalten. Die Abbildung in der Liste zeigt einen Ausschnitt aus dem 1870 geschaffenen Gemälde Das Atelier des Künstlers in der Rue de la Condamine von Frédéric Bazille, in dem Renoirs Gemälde Landschaft mit zwei Personen als Bild im Bild an der Wand hängt. 1866 Verbleib unbekannt 100px Lise beim Nähen 1867–1868 Dallas Museum of Art, Dallas 100px Diana als Jägerin 1867 National Gallery of Art, Washington, D.C. 100px Porträt von Lise (Lise hält einen Wildblumenstrauß) 1867 Privatsammlung 100px Lise oder Lise mit dem Sonnenschirm 1867 Museum Folkwang, Essen 100px Im Sommer (La Bohémienne) 1867 Nationalgalerie, Berlin 100px Frau im Garten 1868 Kunstmuseum Basel, Basel 100px Das Ehepaar Sisley 1868 Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln 100px Die Nymphe im Fluss 1869–1870 National Gallery of Art, Washington, D.C. 100px Badende mit Hündchen 1870 Museu de Arte de São Paulo, São Paulo 100px Odaliske 1870 National Gallery of Art, Washington, D.C. 100px Jeune femme dans une barque (La Barque) 1870 Privatsammlung 100px La Promenade 1870 J. Paul Getty Museum, Los Angeles 100px Frau mit Papagei 1871 Solomon R. Guggenheim Museum, New York City 100px Lise mit weißem Tuch 1871–1872 Dallas Museum of Art, Dallas 100px Femme demi-nue couchée (Liegender Akt) 1871–1872 Musée d’Orsay, Paris 100px Frau mit Sonnenschirm im Garten 1872 Privatsammlung 100px Pariserin in orientalischem Kostüm 1872 Nationalmuseum für westliche Kunst, Tokio

Literatur Douglas Cooper: Renoir, Lise, and the Le Coeur Family. A Study of Renoir’s Early Development. In: The Burlington Magazine. Band 101, Nr. 674, Mai 1959. Anne Distel: Renoir. Ausstellungskatalog London, Paris, Boston 1985, Harry N. Abrams, New York 1985, ISBN 0-8109-1575-8. Dorothee Hansen, Wulf Herzogenrath (Hrsg.): Monet und Camille. Frauenporträts im Impressionismus. Hirmer, München 2005, ISBN 3-7774-2705-5. Johann Georg Prinz von Hohenzollern, Peter-Klaus Schuster (Hrsg.): Manet bis van Gogh, Hugo von Tschudi und der Kampf um die Moderne. Nationalgalerie Berlin und Neue Pinakothek München 1996, ISBN 3-7913-1748-2. John House: The Many Faces of Lise Tréhot: Pierre Auguste Renoir’s Portraits of Parisiennes. In: Heather MacDonald (Hrsg.): Impressionism and Post-Impressionism at the Dallas Museum of Art, Dallas Museum of Art, Dallas und Yale University Press, New Haven 2013, ISBN 978-0-300-18757-1. Gary Tinterow, Henri Loyrette: Origins of Impressionism. Harry N. Abrams, New York 1994, ISBN 0-87099-718-1. Nina Zimmer (Hrsg.): Renoir, zwischen Bohème und Bourgeoisie, die frühen Jahre. Hatje Cantz, Ostfildern 2012, ISBN 978-3-7757-3240-6.

Einzelnachweise

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