Bei den I. Olympischen Winterspielen 1924 in Chamonix fand ein Wettbewerb im Skispringen statt. Alle Nordischen Skiwettbewerbe der Spiele galten gleichzeitig als 1. Nordische Skiweltmeisterschaften. Austragungsort war die Sprungschanze im Ortsteil Le Mont.

1921 hatte das Internationale Olympische Komitee beschlossen, eine „Internationale Woche des Sports“ abzuhalten. Diese wurde 1924 in Chamonix erstmals veranstaltet und ein so großer Erfolg, dass das IOC sie 1926 nachträglich zu den ersten Olympischen Winterspielen erklärte. Neben olympischen Medaillen wurden auch Weltmeisterschaftsmedaillen vergeben. Bilanz

Medaillenspiegel Platz Land 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze Gesamt 1 1 1 – 2 2 – – 1 1 Gesamt 1 1 1 3

Medaillengewinner Spezialsprunglauf Jacob Tullin Thams (NOR) Narve Bonna (NOR) Anders Haugen (USA) Ergebnisse

Das norwegische Team bestand aus zwei Springern, Narve Bonna und Jacob Tullin Thams, sowie den zwei Allroundern Einar Landvik und dem dreifachen Goldmedaillen-Gewinner Thorleif Haug. Letzterer galt nicht als einer der besten vier norwegischen Skispringer, aber sein Platz im Team wurde ihm zu Ehren seiner großen Allroundfähigkeiten im Skisport gegeben. Als einzig ernstzunehmender Konkurrent gegen die norwegische Vormachtstellung galt der norwegischstämmige US-Springer Anders Haugen, der für seine weiten und waghalsigen Sprünge, aber auch für seinen robusten Stil und instabile Landungen bekannt war.

Im ersten Durchgang ging Thams mit einem Sprung von 49,0 m vor Bonna und Haugen in Führung. Haug lag mit 44,0 m sowie hervorragenden Haltungsnoten auf Platz 4. Im zweiten Durchgang gelang Thams erneut ein Sprung auf 49,0 m, jedoch mit besseren Stilnoten als noch beim ersten Versuch. Haugen machte mit 50,0 m den weitesten Sprung des Wettkampfes, wurde jedoch abermals mit schlechten Haltungsnoten für seine Landung bestraft. Haug sprang 44,5 m mit ebenfalls verbesserter Haltung. Bonna egalisierte die 49,0 m von Thams, aber es gelang ihm nicht, seinen Landsmann im Gesamtergebnis zu überbieten. Somit kam es zu einem erneuten Medaillenrausch für die Norweger: Gold für Thams, Silber an Bonna sowie Bronze für Haug. Nach Ende des Wettkampfes zeigten sich noch einige Springer in einem Schauspringen dem Publikum und sprangen von höchstmöglicher Anlauflänge. Thoralf Strømstad erreichte mit 57,5 m den weitesten Sprung. Seine Marke wurde jedoch kurz darauf von Thams und Bonna gleichgestellt.

Knapp 40 Jahre später kontaktierte Strømstad den norwegischen Skihistoriker Jacob Vaage und behauptete, dass die Punkte des Skisprung-Wettkampfes für Thorleif Haug falsch berechnet worden seien und sich dieser somit hinter Anders Haugen befinden müsse. Vaage überprüfte den Fall und stimmte Strømstad zu. 1974 beschloss das IOC, die Bronzemedaille dem zu diesem Zeitpunkt bereits 86-jährigen Haugen zu verleihen. Er wurde nach Norwegen eingeladen und bei einer feierlichen Zeremonie wurde ihm Haugs Bronzemedaille von dessen jüngster Tochter übergeben. Thorleif Haug selbst war bereits im Dezember 1934 an einer Lungenentzündung verstorben.

Platz # St. Ordn. Land AthletSprung 1Sprung 2 ∅ PunkteWeitePunkteWeitePunkte 1 9 3 Jacob Tullin Thams49,0 m18,793 49,0 m 19,127 18,960 2 43 21 Narve Bonna47,5 m18,375 49,0 m 19,000 18,688 3 26 14 Anders Haugen49,0 m18,333 50,0 m 17,500 17,917 4 35 16 Thorleif Haug44,0 m17,750 44,5 m 17,875 17,813 5 2 1 Einar Landvik42,0 m17,167 44,5 m 17,877 17,522 6 10 4 Axel-Herman Nilsson42,5 m16,960 44,0 m 17,333 17,147 7 42 20 Menotti Jakobsson43,0 m17,167 42,0 m 17,000 17,083 8 49 25 Alexandre Girard-Bille40,5 m16,710 41,5 m 16,877 16,793 9 23 12 Nils Lindh41,0 m16,667 41,5 m 16,808 16,738 10 11 5 František Wende40,5 m15,877 44,0 m 17,083 16,48011 45 22 Sulo Jääskeläinen42,5 m16,54342,5 m16,29316,41812 52 27Nils Sundh41,5 m16,29341,0 m16,50016,397 13 39 19 Tuure Nieminen42,5 m16,192 41,0 m 16,333 16,262 14 37 17 LeMoine Batson43,5 m16,208 42,5 m 16,192 16,200 15 8 2 Kléber Balmat36,0 m15,167 39,0 m 15,833 15,50016 48 24Harry Lien40,0 m15,33341,5 m14,50214,91717 25 13Luigi Faure34,0 m14,08333,5 m13,93714,01018 38 18Peter Schmid33,0 m13,50033,5 m13,37513,43819 14 7Mario Cavalla32,0 m12,75032,5 m12,46012,60520 20 10Karel Koldovský33,5 m9,25239,0 m15,75012,50121 50 26Andrzej Krzeptowski33,0 m12,75032,0 m12,16712,45822 17 8Gilbert Ravanel32,5 m12,96032,0 m11,83312,39723 22 11Hans Eidenbenz42,0 m16,460Sturz4,16710,31324 19 9Xaver AffentrangerSturz2,66732,5 m12,9607,81325 12 6Martial PayotSturz3,50032,5 m11,2107,35526 47 23Josef BímSturz2,667Sturz2,0002,33327 29 15Louis AlbertSturzSturz DNS ? - Franciszek Bujak- DNS ? - Guy Clarkson- DNS ? - Ivo Demenego- DNS ? - István Déván- DNS 27–32 - Verner Eklöf- DNS 30–34 - Aladár Háberl- DNS ? - Pio Imboden- DNS ? - Alex Keiller- DNS ? - Chris Mackintosh- DNS ? - Henryk Mückenbrunn- DNS 13/15 - Sigurd Overby- DNS ? - Armas Palmros- DNS ? - Milda Prokopec-

Weblinks

Offizieller Bericht der Olympischen Winterspiele 1924 (PDF-Datei; 83,57 MB)

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