Die ersten Neubauten von Einheiten für den Geleitdienst der Royal Navy nach dem Weltkrieg waren zwei Sloops der Bridgewater-Klasse, die 1928/29 bei Hawthorn, Leslie & Co. in Hebburn entstanden. Im Frieden sollten die Schiffe auf Auslandsstationen eingesetzt werden. Im Haushalt 1929 wurden noch vier weitere Sloops bestellt, die als Folkestone- oder auch Hastings-Klasse bezeichnet wurden. Von den ersten Bauten unterschieden sie sich im Buggeschütz, dessen Lafettierung nun den Einsatz zur Flugzeugabwehr ermöglichte. Dazu entstand noch die Sloop Hindustan 1929/30 bei Swan Hunter für die Royal Indian Navy, die den anderen Schiffen glich, aber wesentlich länger war.
Zwischen 1929 und 1933 entstanden dann für die Royal Navy noch Sloops der Shoreham-Klasse. Diese acht Schiffe wurden von den Staatswerften in Devonport und Chatham gefertigt und unterschieden sich von den Vorgängern durch einen längeren Rumpf.
Zwei weitere Sloops der kürzeren Ausführung baute 1931 bis 1933 Hawthorn Leslie für die Portugiesische Marine als Gonçalo Velho und Gonçalves Zarco, die in Portugal als Avisos II. Klasse eingestuft wurden. Mit drei 120-mm-Kanonen waren die Exportschiffe stärker bewaffnet als die bis dahin gelieferten britischen Neubauten.
Geschichte der Bridgewater-Klasse Aus Mitteln des Navy-Haushalts für 1927 entstanden bei Hawthorn, Leslie & Company in Hebburn ab September 1927 die beiden ersten für den Geleitdienst konzipierten Sloops Bridgewater und Sandwich. Die 250 Fuß langen und 34 Fuß breiten Schiffe verdrängten 1045 t und waren mit ihren beiden Turbinensätzen von insgesamt 2000 PS Leistung bis zu 17 Knoten schnell. Der Treibstoffvorrat von 282 t ermöglichte den Sloops eine Reichweite von 4750 Seemeilen bei einer Marschgeschwindigkeit von 15 kn.
Bewaffnung Die Anfangsbewaffnung der beiden Sloops bestand aus zwei 102-mm-Mk.V-Geschützen. Dazu kamen zwei 47-mm-L/40-3pdr-Hotchkiss-Kanonen, eine mechanische Minensuchausrüstung und zwei Abwurfschienen für acht Wasserbomben. Noch vor dem Kriegsbeginn wurde auf beiden Schiffen die hintere 102-mm-Kanone so umgerüstet, dass sie auch zur Flugzeugabwehr eingesetzt werden konnte. Auch wurden die alten Dreipfünder durch zwei schwere 0.50-MG-Vierlinge von Vickers ersetzt.Bridgewater class Sloops
Während des Krieges wurde die Bewaffnung der beiden in der Geleitzug-Sicherung eingesetzten Sloops verstärkt. Gleich nach dem Kriegsbeginn wurden zwei zusätzliche Wasserbomben-Werfer installiert und der Wasserbomben-Vorrat auf 40 erhöht. Dazu erhielten beide Sloops eine Asdic-Anlage zum Aufspüren von U-Booten. 1942 erhielten beide Schiffe eine zweite Abwurfschiene, zwei weitere Wasserbombenwerfer und der Wasserbomben-Vorrat stieg auf 80. Dazu wurde auf beiden Schiffen eine Radaranlage installiert. Bis zum Kriegsende wurden die Radar- und Sonar-Ausrüstung dann im Rahmen der routinemäßigen Instandsetzungen verbessert. Für den Kampf gegen U-Boote erhielten beide Einheiten der Klasse im Laufe des Jahres 1943 auch noch einen 24-rohrigen-Hedgehog-Werfer. Auch die Luftabwehrfähigkeit der beiden Sloops wurde verstärkt, in dem 1942 auf beiden Booten die beiden schweren Fla-MG-Vierlinge durch zwei 20-mm-L/70-Oerlikon-Maschinenkanonen ersetzt wurden und man 1943 noch zwei weitere Oerlikon-Kanonen installierte.
Einsatz Die beiden Sloops kamen 1929 in den Dienst der Royal Navy und kamen, obwohl für den Einsatz im Persischen Golf vorgesehen, zuerst auf der China Station zum Einsatz. Während die Sandwich dort bis zum Kriegsbeginn 1939 verblieb, verlegte die Bridgewater 1935 nach Südafrika.
Bridgewater wurde für ihre Dienste im Zweiten Weltkrieg mit den Battle Honours North Sea 1942 und Atlantic 1942/43 ausgezeichnet. Die gerade in der Heimat überholte Sloop wurde Anfang des Weltkriegs aus Simonstown und Freetown eingesetzt. Die Fahrten zu den notwendigen Überholungen in die Heimat führten auch zu Einsätzen in anderen Seegebieten und zum Erwerb der genannten Battle Honours. Nach der Überholung 1943 führte der Zustand der Sloops nach der erneuten Einfahrzeit die Abordnung zur 3rd Submarine Flotilla als Zielschiff, wo die Sloop bis zur Außerdienststellung im Juli 1945 verblieb. Nach Nutzung als stationäres Ziel wurde die Bridgewater im Mai 1947 zum Abbruch verkauft, der in Milford Haven erfolgte.Lt Cdr Geoffrey B Mason RN (Rtd): HMS BRIDGEWATER (L 01) – Bridgewater-class Sloop.
Das Schwesterschiff Sandwich war schon Anfang 1946 im Mittelmeer zum Abbruch verkauft worden. Die zuletzt in der zweiten Hälfte des Jahres 1938 in Hongkong überholte Sloop war im März 1939 dort wieder in Dienst gestellt worden. Nach ersten Einsätzen nach dem Kriegsausbruch vor der chinesischen Küste verlegte sie ab November 1939 in die Heimat, wo sie im Dezember mit dem Konvoi HG 11 eintraf. Für ihre folgenden Kriegseinsätze wurde das Schiff mit den Battle Honours Atlantic 1939 bis 1944 und North Africa 1942 ausgezeichnet. Anfangs zwischen Liverpool und Gibraltar eingesetzt, folgten ab Mitte 1940 Einsätze bis Freetown. Inzwischen der 45th Escort Group zugeteilt, konnte die Sandwich mit den Sloops Erne und Rochester am 31. Juli 1942 das deutsche U-Boot U 213 vom Typ VIID östlich der Azoren mit seiner gesamten Besatzung versenken. Anschließend wurde die Gruppe vor Nordafrika zur Sicherung der alliierten Landung eingesetzt. Eine routinemäßige Überholung in Bizerta und Gibraltar zeigte erhebliche Mängel an der Sandwich und die Sloop wurde in Bizerta aufgelegt. Ein Verkauf zur weiteren zivilen Nutzung scheiterte, sodass Anfang 1946 der Verkauf zum Abbruch erfolgte.Lt Cdr Geoffrey B Mason RN (Rtd): HMS SANDWICH (L 12) – Bridgewater-class Sloop. Name Pennant Werft Kiellegung Stapellauf in Dienst Schicksal Bridgewater L/U 01 Hawthorn, Leslie (BauN°555) ab Februar 1944 kein aktiver Einsatz, Zielschiff, Juni 1945 außer Dienst,Mai 1947 zum Abbruch verkauft Sandwich L/U 12 Hawthorn Leslie(BauN°556) am 31. Juli 1942 an der Versenkung von U 213 beteiligt, Oktober 1944 außer Dienst, 1945 zum Abbruch verkauft
Geschichte der Folkestone-/Hastings-Klasse Nach der Indienststellung der beiden Sloops der Bridgewater-Klasse erteilte die Royal Navy noch im gleichen Jahr Aufträge für vier weitere Sloops, die sich nur in kleinen Details von den Vorgängern unterschieden; wesentlich war die neue Lafette der vorderen 4-Zoll-Kanone, die den Einsatz gegen Flugzeuge erlaubte. Dazu konnten die neuen Sloops 30 Tonnen Treibstoff mehr fassen.
Im Krieg wurden diese Schiffe ähnlich wie die Vorgänger umbewaffnet. Die drei überlebenden Schiffe verfügten bei Kriegsende über zwei 4-Zoll-Flak, je zwei 20-mm-Oerlikon-Zwillings- und -Einzel-Kanonen und einen Vorrat von 90 Wasserbomben.
Einsätze Die vier neuen Sloops wurden zwischen Juni 1930 und Januar 1931 in den Dienst der Navy übernommen. Hastings wurde Ende 1930 zur East Indies Station an den Persischen Golf und dann in das Rote Meer verlegt. Ihr folgte im Januar 1931 das Schwesterschiff Penzance. Ende 1931 waren die Schwesterschiffe Scarborough in Bermuda auf der America & West Indies Station und Folkestone auf der China Station.Dr Graham Watson:BETWEEN THE WARS: ROYAL NAVY ORGANISATION AND SHIP DEPLOYMENTS 1919–1939, chapter 10: SLOOP DEVELOPMENT 1919–1939.
mini|Die Penzance, der einzige Kriegsverlust der Klasse
Bis 1939 wechselten die Aufgaben der Schiffe, Penzance, seit Mitte 1939 in Bermuda stationiert, war bei Kriegsausbruch auf dem Weg nach Curaçao. Die Sloop blieb bis zum Frühjahr 1940 in der Karibik, sicherte im März 1940 Transporte zwischen Kanada und Bermuda und geleitete dann als einziges Sicherungsschiff den ersten Konvoi SC 1 von Kanada nach dem Großbritannien. Am 24. August 1940 wurde die Penzance 700 Seemeilen südwestlich von Island vom deutschen U-Boot U 37 bei torpediert und zerbrach.HMS PENZANCE (L 28) – Hastings-class Sloop. Von den 104 Mann an Bord konnten nur 15 gerettet werden, von denen ein Mann kurz nach der Rettung starb. Das deutsche U-Boot versenkte am folgenden Tag auch den Frachter Blairmore mit sieben Geretteten, die auch diese Versenkung überlebten.Blairmore, British Steam Merchant Die Penzance wurde noch mit der Battle Honour Atlantic 1940 ausgezeichnet.
Das Schwesterschiff Hastings war durch eine Strandung am 11. Juni 1935 auf dem Shab Kutb Reef nahe Suakin erheblich beschädigt worden. Die damals auch im Roten Meer stationierte Penzance wurde in die Bergungsarbeiten eingebunden. Sie transportierte Material und Personal zum und vom Havaristen, bis das Schwesterschiff am 6. September mit Hilfe eines Schleppers abgebracht werden konnte. Mit nur einem 4-Zoll-Geschütz ausgerüstet diente die sechste Hastings nach diesem Unfall seit 1937 als Fischereischutzboot. Der Kriegsausbruch führte zur wieder zur vollständigen Bewaffnung des Schiffes und zum Einsatz als Geleitboot an der britischen Ostküste. Sie hatte im ersten Einsatzjahr keine Feindkontakte, war aber in zwei Kollisionen beteiligt. Es folgten Einsätze bei vielen Escort Groups. Die Hastings gehörte zu den Schiffen, die erstmals von der deutschen Luftwaffe in der Biskaya mit Hs 293-Gleitbomben angegriffen wurden. Sie suchte als Teil der 40th EG mit den Fregatten Exe, Moyola und Waveney der River-Klasse sowie den Sloops HMS Landguard (Y56) ex USCGC Shoshone und Bideford der Shoreham-Klasse im Seegebiet vor Kap Finisterre und Kap Ortegal deutsche U-Boote auf dem Aus- oder Rückmarsch von/zu den Basen an der von den Deutschen besetzten französischen Atlantikküste. Als der Suchverband sich mit der zur Ablösung anmarschierenden kanadischen 5th Support Group mit zwei britischen Fregatten und drei kanadischen Korvetten traf, wurden die alliierten Schiffe von zwölf Dornier Do 217 der II./KG.100 mit den neuen Fernlenkbomben und sieben Junkers Ju 88C der I./ZG.1 angegriffen. Landguard wurde durch drei Nahtreffer schwer beschädigt, Bideford erhielt von den angreifenden Maschinen einen Treffer, der jedoch nicht detonierte (1 Toter, etliche Verletzte).HMS Hastings (L 27 / U 27)Rohwer: Seekrieg. 23.–29. August 1943, Biskaya Ein zweiter Angriff auf den neu zusammengestellten U-Jagd-Verband von 18 deutschen Bombern mit den Fernlenkwaffen am 27. August 1943 führte zur Versenkung der Sloop Egret (197 Tote) und beschädigte den Zerstörer Athabascan schwer. Die Hastings sicherte in der 37th Escort Group noch den für das Mittelmeer bestimmten Konvoi KMS27 vom Kanal bis Gibraltar und dann in der 39th EG (mit einer Fregatte und drei Korvetten) MKS28 auf der Strecke zurück. Im November 1943 wurde entschieden, die Hastings außer Dienst zu stellen. Sie wurde dann noch vom September 1944 bis zum Februar 1946 als Zielschiff für U-Boote genutzt und im April 1946 zum Abbruch verkauft. Obwohl wenig erfolgreich, war das Schiff mit den Battle Honours Atlantic 1940 bis 1943 und Biscaya 1943 ausgezeichnet worden.HMS Hastings (L27) _Hastings-class Sloop.