mini|Pfarrkirche Saint-Pierre, Westfassade mit Glockenturm mini|Strebebögen und Wasserspeier am Chor Die römisch-katholische Pfarrkirche Saint-Pierre in Montfort-l’Amaury, einer Gemeinde im Département Yvelines in der französischen Region Île-de-France, geht auf eine romanische Kirche aus dem 11. Jahrhundert zurück. Die heutige Kirche wurde im Wesentlichen im 16. Jahrhundert errichtet. Im Jahr 1840 wurde die zu Ehren des Apostels Petrus geweihte Kirche aufgrund ihrer zahlreichen Bleiglasfenster aus dem 16. Jahrhundert als eines der ersten Gebäude als Monument historique in die Liste der Baudenkmäler in Frankreich aufgenommen.
Geschichte Von der romanischen Kirche ist nur noch die Nordwand des ehemaligen Glockenturms erhalten. Um 1491 ließ Anne de Bretagne, die Gräfin von Monfort, die durch ihre Heirat mit Karl VIII. Königin von Frankreich geworden war, eine neue Kirche im Stil der Gotik bauen. Mit dem Tod Annes im Jahr 1514 wurden die Bauarbeiten unterbrochen. Erst knapp 20 Jahre später, um 1532, unter dem Grafen André de Foix wurden die Arbeiten fortgeführt und der fünfjochige Chor mit Chorumgang fertiggestellt. Außerdem wurde ein weiteres Joch mit dem Südportal im Stil der Renaissance entlang der Südseite des romanischen Glockenturms angefügt. Das Dach und die Wasserspeier wurden 1595 fertiggestellt. Bis Anfang des 17. Jahrhunderts wurde das Kirchenschiff nach Westen um weitere fünf Joche verlängert und die Fassade nach einem Plan von Philibert Delorme errichtet, woran die am Westportal eingemeißelte Jahreszahl 1613 erinnert. Anschließend wurden die Bauarbeiten für über 200 Jahre unterbrochen. Zwischen dem Chor und dem Langhaus stand weiterhin der alte Glockenturm. Erst 1848 wurde der neue Glockenturm über der Westfassade errichtet und das Langhaus auf die Höhe des Chors aufgestockt. Es wurde in Nachahmung des steinernen Kreuzrippengewölbes im Chor mit einem falschen Gewölbe aus Gips gedeckt und die Seitenschiffe wurden in Anlehnung an den Chorumgang mit – wenn auch weniger aufwändigen – Abhänglingen versehen. Der neue Turm erhielt die Spitze und die Glocken des alten romanischen Turms, der danach bis auf die im Langhaus verbaute Nordwand mit ihren zwei rundbogigen Zwillingsfenstern abgebrochen wurde.
Architektur Außenbau Die von einer Zwillingsarkade durchbrochene Nordwand des Glockenturms stammt vermutlich noch aus dem 11. Jahrhundert. Unter dem Turm öffnet sich ein weiter Rundbogen, der von kannelierten, mit korinthischen Kapitellen verzierten Pilastern gerahmt wird, zu einer Vorhalle mit dem Westportal. Die Außenmauern des Langhauses und des Chors werden durch große Maßwerkfenster und massive Strebepfeiler, die von Vasen bekrönt und mit zahlreichen Wasserspeiern besetzt sind, gegliedert. Der noch im Stil der Gotik errichtete Chor und seine halbrunde Apsis werden durch Strebebögen verstärkt, die von den Strebepfeilern, die hier bis zur Höhe der Obergadenfenster reichen, aufgefangen werden. An der Südseite des Langhauses befindet sich das Renaissanceportal mit zwei Türen, über denen kleine Baldachine und Ziergiebel mit den Büsten von André de Foix und seiner Gemahlin, Catherine du Bouchet, angebracht sind.
mini|Innenraum Innenraum Die Kirche hat eine Länge von 65 Metern und eine Breite zwischen 20 und 21 Metern. Im Chor und im Hauptschiff beträgt die Höhe 17,40 Meter, die Seitenschiffe und der Chorumgang sind halb so hoch. Das dreischiffige Langhaus ist in sechs Joche gegliedert, der fünfschiffige Chor mit Chorumgang schließt mit einer halbrunden Apsis. Er wird von Kreuzrippengewölben mit aufwändig skulptierten Abhänglingen gedeckt.
mini|Mittelschiffarkaden Bleiglasfenster Bleiglasfenster aus dem 16. Jahrhundert In der Kirche sind 37 Fenster aus dem 16. Jahrhundert erhalten. Fünf Fenster sind mit Jahreszahlen versehen, die älteste Jahreszahl ist 1543, die anderen Jahreszahlen sind 1544, 1572, 1574 und 1578. Die Fenster tragen keine Signaturen, die Glasmaler sind nicht bekannt. Als Vorlagen dienten vermutlich Stiche von Albrecht Dürer, Lucas van Leyden und Marcantonio Raimondi. Bemerkenswert sind die häufig in Grisailletechnik ausgeführten detailreichen Szenen im Hintergrund. Stifter der Fenster waren neben den Honoratioren der Stadt und der Umgebung die Mitglieder von Bruderschaften und auch einfache Bürger, deren Namen vermutlich in nicht mehr erhaltenen Inschriften verzeichnet waren. Manche Stifter sind durch ihre Wappen identifizierbar. In den Jahren von 1838 bis 1855 erfolgte eine erste umfassende Renovierung der Fenster vor allem durch die Glasmalereiwerkstatt von Laurent-Charles Maréchal und Louis-Napoléon Gugnon in Metz.
Fenster 1 mini|hochkant|Fenster 1 Auf den beiden Lanzetten des linken Chorfensters sind der Mannaregen dargestellt. Im Tympanon sieht man Moses, der Wasser aus dem Felsen schlägt. Das Fenster wird in die Mitte des 16. Jahrhunderts datiert.
Fenster 2 mini|hochkant|Fenster 2 Das rechte Chorfenster stellt die Opferung Isaaks dar. Im Tympanon ist Gottvater mit der Papstkrone dargestellt, umgeben von Spruchbändern und Engeln, die die Leidenswerkzeuge in Händen halten. Das Fenster wurde in den Jahren von 1540 bis 1550 geschaffen. Der Karton für dieses Fenster wie für das Fenster der Versuchungen Jesu (Fenster 12) stammt vermutlich von dem Maler Jean Cousin dem Älteren (um 1490–um 1560).Cécile Scailliérez: Jean Cousin père et fils : une famille de peintres au XVIe siècle. Musée du Louvre, Somogy édition d′art, Paris 2013, ISBN 978-2-35031-455-6, S. 119.
Fenster 3 mini|hochkant|Fenster 3 Das Fenster mit der Darstellung des heiligen Eustachius stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Es wurde stark restauriert und die Scheiben wurden aus verschiedenen Fenstern neu zusammengesetzt. Unter Eustachius ist einer seiner Söhne im Maul eines Wolfes dargestellt. Auf der rechten Lanzette sieht man einen Diakon, darunter das Lamm Gottes.
Fenster 5 mini|hochkant|Fenster 5 Auf den beiden Lanzetten ist die Pfingstszene mit den Stiftern des Fensters dargestellt. Die goldenen Zungen über Maria und den Aposteln symbolisieren die Aussendung des Heiligen Geistes. Das Fenster stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, die Darstellung der Dreifaltigkeit im Tympanon wurde erneuert.
Fenster 6 mini|hochkant|Fenster 6 Auf den beiden Lanzetten sind Kaiser Karl der Große und der französische König Ludwig der Heilige dargestellt, im Tympanon die Kreuzigung Christi mit Maria Magdalena zu Füßen des Kreuzes, darunter Maria und Johannes. Das stark restaurierte Fenster wurde im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts geschaffen.
Fenster 7 mini|hochkant|Fenster 7 Das Fenster wurde um 1540 bis 1550 ausgeführt. Auf den beiden Lanzetten ist der Tod Mariens im Kreise der Apostel und im Tympanon die Krönung Mariens durch die Dreifaltigkeit dargestellt. Die Szene ist eingebettet in eine antikisierende Architektur vor dem Hintergrund einer Landschaft mit Ruinen. Am rechten unteren Bildrand kniet der Stifter vor seinem Schutzpatron, dem heiligen Claudius von Condat, auf der linken Seite sieht man seine Gemahlin mit zwei Töchtern und ihrem Patron, dem heiligen Rochus von Montpellier.
Fenster 8 mini|hochkant|Fenster 8 Das Fenster stammt aus dem zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts. Auf den beiden Lanzetten und im Tympanon sind fünf Episoden aus der Legende des heiligen Eligius dargestellt. Er schmiedet zwei goldene Sättel, vollbringt Wunder und heilt Kranke und wird zum Bischof von Noyon geweiht.
Fenster 9 mini|hochkant|Fenster 9 Das Fenster aus der Mitte des 16. Jahrhunderts zeigt die Bekehrung des Apostels Paulus auf dem Weg nach Damaskus. Im Tympanon erscheint der auferstandene Christus, auf der unteren linken Scheibe kniet ein Heiliger vor einem römischen Soldaten, rechts wird Paulus mit dem Schwert enthauptet.
Fenster 10 mini|hochkant|Fenster 10 Auf den beiden Lanzetten sieht man die zwei Schächer am Kreuz und in der Mitte das Kreuz Christi, darunter die Beweinung des Leichnams Jesu. Im Tympanon ist der Erzengel Michael dargestellt, der Luzifer besiegt. Das Fenster wird in die Mitte des 16. Jahrhunderts datiert.
Fenster 11 mini|hochkant|Fenster 11 Das Fenster stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Auf den drei Lanzetten sind in der Mitte Christus am Kreuz und seitlich die beiden Schächer dargestellt. Maria Magdalena umfasst das Fußende des Kreuzes, im Tympanon begegnet ihr Jesus nach seiner Auferstehung als Gärtner (Noli me tangere), umgeben von Engeln mit den Leidenswerkzeugen. Die Figuren in der rechten unteren Szene, die sich vom Kreuz abwenden, auf der Seite des unbußfertigen Schächers, werden auch als Vertreter der Reformation wie Martin Luther, Johannes Calvin und Zwingli gedeutet, die mittlere, in Ritterrüstung gekleidete Figur als Kaiser Karl V.
Fenster 12 mini|hochkant|Fenster 12 Die Entstehungszeit des Fensters wird um 1540 bis 1550 datiert. Auf den beiden Lanzetten sind die drei Versuchungen Jesu in der Wüste dargestellt. In der Mitte sieht man den Teufel, mit einer Mönchskutte bekleidet, der Jesus zu überreden versucht, einen Stein in Brot zu verwandeln. Im Hintergrund, auf der linken Seite, versucht der Teufel Jesus zu überreden, sich von einem Berg zu stürzen, um sich als Sohn Gottes zu erweisen. Auf der rechten Seite sieht man beide auf einem Tempel stehen, von dem der Teufel auf die Pracht der Welt zeigt, die er Jesus geben wolle, wenn dieser ihn anbete. Im Tympanon wird Jesus von einem Engel mit Nahrung versorgt. Wie der Karton für das Fenster der Opferung Isaaks (Fenster 2) stammt der Karton für dieses Fenster von Jean Cousin dem Älteren.Cécile Scailliérez: Jean Cousin père et fils : une famille de peintres au XVIe siècle. Musée du Louvre, Somogy édition d′art, Paris 2013, ISBN 978-2-35031-455-6, S. 116.
Fenster 13 mini|hochkant|Fenster 13 Das Fenster aus der Mitte des 16. Jahrhunderts ist in drei Lanzetten gegliedert und wurde bereits 1724 restauriert. Es stellt Szenen aus dem Leben des Apostels Petrus dar, seine Gefangennahme und Befreiung aus dem Gefängnis durch einen Engel. In den beiden kleineren Scheiben im Tympanon sucht Petrus nach seiner Befreiung Maria und die Apostel auf, auf der anderen Scheibe wird König Herodes, der Petrus gefangen nehmen ließ, von einem Engel bestraft. Am unteren Bildrand sieht man das Stifterehepaar und ihr Wappen.
Fenster 14 mini|Fenster 14: Auferstehung Christi und Himmelfahrt In der Mitte des dreibahnigen Fensters ist die Auferstehung Christi mit den schlafenden Wächtern am Grab und im Tympanon seine Himmelfahrt vor den Augen der Apostel und seiner Jünger dargestellt. Am unteren Bildrand sieht man die Stifter, links eine Familie mit ihrem Schutzpatron, Johannes dem Täufer, in der Mitte einen Stifter, dem ein Bischof zur Seite steht, mit seinem Wappen, rechts ein Stifterpaar mit dem Apostel Petrus. Das Fenster stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts.
Fenster 15 mini|hochkant|Fenster 15 Das Fenster stellt im Tympanon Jesus und die schlafenden Jünger am Ölberg dar. Auf den drei Lanzetten darunter sieht man rechts den Verrat durch Judas, links die Geißelung Christi und in der Mitte die Szene des Ecce homo. Auf der linken Lanzette ist die Jahreszahl 1544 zu lesen. Am unteren Bildrand kniet das in kostbare Pelzmäntel gekleidete Stifterpaar mit ihrem Wappen in der Mitte.
Fenster 16 mini|hochkant|Fenster 16 Das dreibahnige Fenster ist mit der Jahreszahl 1543 bezeichnet. Es stellt Szenen aus dem Marienleben und der Kindheit Jesu dar, oben die Verkündigung an Maria durch den Erzengel Gabriel, die Geburt Christi und die Verkündigung an die Hirten, unten die Anbetung der Heiligen Drei Könige, die Beschneidung Jesu, die Präsentation im Tempel und im Hintergrund die Flucht nach Ägypten. Die Darstellung der Himmelfahrt Mariens im Tympanon wurde erneuert.
Fenster 17 mini|hochkant|Fenster 17