mini|hochkant=1.4|Sitz der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin ist eine Stiftung des bürgerlichen Rechts und Trägerin des Thinktanks Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit (englisch German Institute for International and Security Affairs), das den Deutschen Bundestag, die Bundesregierung sowie politische Entscheidungsträger in für Deutschland wichtigen internationalen Organisationen, vor allem in EU, NATO und den Vereinten Nationen in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik bzw. internationalen Politik berät. Das Institut gehört zu den einflussreichsten deutschen Forschungseinrichtungen für außen- und sicherheitspolitische Fragen.Theo Sommer: Weltläufig. In: Die Zeit, Nr. 39/2005

Geschichte, Organisation und Aufgaben mini|Villa Eggenberg, Sitz der Stiftung bis 2001 Die Gründung der SWP geht auf eine Initiative des Bundesnachrichtendienstes (BND) zurück. Klaus Ritter war während der NS-Diktatur Mitglied des militärischen Nachrichtendienstes Fremde Heere Ost und nach dem Krieg Gründungsmitglied der Organisation Gehlen, aus der der BND hervorging. Ritter war 1959 zu einer Studienreise durch die USA abgestellt und lernte dort die Arbeit von Think Tanks kennen. Außerdem wurde er von US-Außenpolitikern wie Henry Kissinger darauf angesprochen, dass es in Deutschland keine inoffiziellen Stellen gäbe, bei denen man „Gesprächspartner im voroffiziellen Raum [finden könne] – also in jenem Vorfeld offizieller Politik, in dem internationale politische Probleme nicht nur frei erörtert, sondern oft im Austausch von Positionen und Sichtweisen vorformuliert, mit Begriffen belegt und so auch in ihrem Kerngehalt abgegrenzt werden“.Albrecht Zunker: Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Entwicklungsgeschichte einer Institution politikbezogener Forschung. Berliner Wissenschafts-Verlag 2007, ISBN 9783830514749, S. 4 Ritter glaubte, dass eine solche Einrichtung nur außerhalb der ministerialen Hierarchie funktionieren könne, so dass er in enger Abstimmung mit dem Bundesnachrichtendienst die „Arbeitsgemeinschaft Wissenschaft und Politik“ (AWP) ins Leben rief, in der er Vertreter von Wirtschaft und Wissenschaft zusammen brachte.

Mit 50.000 Mark Startkapital aus Industriespenden gründete sich 1962 die SWP in Ebenhausen, südlich von München, einem Nachbarort von Pullach im Isartal, wo der BND bis 2019 seinen Sitz hatte. Anfangs, von November 1961 bis Ende 1963, wurden die laufenden Kosten der SWP aus dem Haushalt des BND bezahlt.Albrecht Zunker, „Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Entwicklungsgeschichte einer Institution politikbezogener Forschung“, Berliner Wissenschafts-Verlag (BWVV), Berlin 2007, S. 41 und S. 71 Am 21. Januar 1965 beschloss der Deutsche Bundestag die Gründung als Stiftung bürgerlichen Rechts mit einem eigenen Haushaltsposten im Bundeskanzleramt und mit Klaus Ritter als Direktor.Wissenschaftsrat: Wissenschaftspolitische Stellungnahme zum Deutschen Institut für Internationale Politik und Sicherheit der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin, 2006, S. 19 Er schied dafür beim BND aus. Ritter leitete die Stiftung bis 1988. 2001 wurde der Sitz der Stiftung nach Berlin verlegt. Er befindet sich in einem denkmalgeschützten Bau am Ludwigkirchplatz.Nachdem das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen dort ausgezogen war, Deutsches Institut auf berlin.de. Zusammen mit dem Umzug wurden das Kölner „Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien“ (BIOST) sowie die gegenwartsbezogene Abteilung des Münchner „Südost-Instituts“ (SOI) in die SWP integriert.

Für die Erfüllung ihres Stiftungszwecks erhält die SWP als Stiftung bürgerlichen Rechts eine institutionelle Zuwendung, die durch den Deutschen Bundestag beschlossen und aus dem Haushalt des Bundeskanzleramts gezahlt wird. Die Zuwendung wird gewährt auf der Grundlage eines jährlich von der SWP zu erstellenden Wirtschaftsplanes. Die institutionelle Zuwendung deckt zu 100 % die Kosten der Kerntätigkeit der SWP. Daneben kann sie auch durch Dritte geförderte Sonderforschungsvorhaben umsetzen. Im Haushaltsjahr 2020 betrug die institutionelle Zuwendung an die SWP insgesamt 15,9 Millionen Euro. Davon waren 73 % Personalkosten und 8,7 % Mietkosten. Zusätzlich erhielt sie 3,16 Millionen Euro Drittmittel, von denen mit 58 % der überwiegende Teil ebenfalls von der Bundesebene kam.

Der Stiftungsrat ist oberstes Entscheidungsgremium und Aufsichtsorgan der Stiftung. Er setzt sich aus drei „Bänken“ zusammen:

„Die Bundestagsbank“: Ein Vertreter für jede im Bundestag vertretene Fraktion. „Die Regierungsbank“: Mindestens sieben Vertreter der Bundesregierung auf Vorschlag des Chefs des Bundeskanzleramtes. „Die private Bank“: Mindestens sieben Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlichem Leben.

Hinzu kommen der Präsident sowie zwei stellvertretende Präsidenten. Während der Präsident und ein stellvertretender Präsident ebenfalls Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlichem Leben sein müssen, ist die andere Stellvertretung dem Chef des Bundeskanzleramtes vorbehalten.

Der Orientierungsrahmen wird vom Forschungsbereich und von der Institutsleitung der SWP alle zwei Jahre neu ausgearbeitet, dem Stiftungsrat zur Bestätigung vorgelegt und zur Abstimmung gestellt. Insgesamt ist der Orientierungsrahmen auf allgemein gehaltene Punkte im Zweijahreszeitraum ausgerichtet und nimmt dabei besonders auf die gegenwärtig und absehbar vorherrschende Lage der internationalen Politik Bezug. Er benennt besondere thematische Herausforderungen und Themenlinien. Im Orientierungsrahmen für die Forschung 2017/2018 beispielsweise wurden u. a. die Schwerpunkte auf die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs), Flucht und Migration, die Auflösung regionaler Ordnungen im Nahen Osten oder das internationale Krisenmanagement gelegt.

Innerhalb des vorgegebenen Orientierungsrahmens kann die SWP frei und ohne Einschränkung Projekte und Forschungsvorhaben tätigen und selbst strukturieren. Dadurch wird gewährleistet, dass sich die SWP sowohl mit sehr langfristigen Thematiken als auch mit aktuell eintretenden Ereignissen der internationalen Politik ungehindert beschäftigen kann. Analysen und Texte zur Krise um die Ukraine oder zum Nuklearabkommen mit dem Iran dienen hierfür ebenso als Beispiel wie die Projekte zu Fluchtbewegungen und Entwicklungszusammenarbeit oder Israel in einem konfliktreichen regionalen Umfeld: Innere Entwicklungen, Sicherheitspolitik und Außenbeziehungen.

Leitung mini|Stefan Mair bei einem Vortrag im März 2025 Die bisherigen Direktoren des Forschungsinstituts für Internationale Politik und Sicherheit waren:

1965–1988: Klaus Ritter 1988–1998: Michael Stürmer 1998–2005: Christoph Bertram 2005–2020: Volker Perthes seit 1. Oktober 2020: Stefan Mair

Erster Leiter der SWP nach ihrer Verlegung nach Berlin im Jahr 1998 war der Politologe Christoph Bertram, der die Integration der Mitarbeiter und der Aufgabengebiete von drei Instituten zu bewältigen hatte. Ab 2005 leitete der Nahost-Experte Volker Perthes das Institut, der mit neuen Methoden die SWP zu einer der führenden Denkfabriken der westlichen Hemisphäre machte. Zum 1. Oktober 2020 löste ihn Stefan Mair ab, bis dahin Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und Non-Resident-Fellow.

Präsident des Stiftungsrats ist Nikolaus von Bomhard, bis 2017 Vorsitzender des Vorstands der Münchener Rückversicherung, seine Stellvertreter sind Angelika Niebler (Mitglied des Europäischen Parlaments) und der ehemalige Chef des Bundeskanzleramts Wolfgang Schmidt. Vorsitzender des Forschungsbeirats ist Christopher Daase, Universität Frankfurt am Main.SWP-Website – Organe der Stiftung. Abgerufen am 12. August 2017.

Uwe Nerlich war von 1965 bis 1995, also 30 Jahre lang, Wissenschaftler der SWP, davon viele Jahre lang ihr Forschungsdirektor.

Stiftungsratspräsidenten

Die Präsidenten des Stiftungsrates der SWP waren bzw. sind: 1964 bis 1978: General a. D. Hans Speidel 1979 bis September 2000: Hans L. Merkle, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH 2000 bis 2007: Ulrich Hartmann, Aufsichtsratsvorsitzender der E.ON AG Dezember 2007 bis Mitte 2017: Hans-Peter Keitel, Vizepräsident des BDI und Mitglied des Aufsichtsrats der Hochtief AG Juni 2017 bis heute: Nikolaus von Bomhard, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Münchener Rückversicherungs-AG

Tätigkeiten und Projekte

Forschungsgruppen und -schwerpunkte

Im Forschungsbereich der SWP gibt es sieben Forschungsgruppen und das Centrum für angewandte Türkeistudien (CATS):

Afrika und Mittlerer Osten, Azadeh Zamirirad Amerika, Laura von Daniels Asien, Felix Heiduk EU/Europa, Nicolai von Ondarza Globale Fragen, Daniel Voelsen Osteuropa und Eurasien, Margarete Klein Sicherheitspolitik, Pia Fuhrhop Türkei/CATS (Centrum für angewandte Türkeistudien), Hürcan Aslı Aksoy

Insgesamt beschäftigt die SWP über 140 Mitarbeiter, wobei rund 60 Wissenschaftler in den Forschungsgruppen in Brüssel und Berlin arbeiten, zuzüglich Gastwissenschaftler und Stipendiaten. Im Januar 2001 wurden Mitarbeiter des aufgelösten Kölner Bundesinstituts für ostwissenschaftliche und internationale Studien (BIOst) und der gegenwartsbezogenen Abteilung des Münchener Südost-Instituts (SOI) von der SWP übernommen.

Alle Mitarbeiter einer Forschungsgruppe können eine akademische Ausbildung vorweisen, die sich generell an der jeweiligen Thematik der Forschungsgruppe orientiert. So gibt es neben Politikwissenschaftlern auch Juristen, Physiker, Naturwissenschaftler, Ökonomen und Sozialwissenschaftler mit verschiedenen akademischen Graden bei der SWP. Außerdem gibt es noch drei Stabsoffiziere der Bundeswehr (ein Heeres-, ein Luftwaffen- und ein Marineuniformträger), die als Gastwissenschaftler tätig sind und die zivilen Wissenschaftlichen Mitarbeiter der SWP mit militärischer Expertise unterstützen.

Die vorgelegten Analysen und Berichte der SWP werden alle veröffentlicht.

Informationsinfrastruktur Etwa 30 Mitarbeiter gehören zum Bereich Informationsinfrastruktur der SWP, in dem Informationsdienstleistungen sowohl für die Wissenschaftler in der SWP als auch für den Deutschen Bundestag und die Bundesministerien erbracht werden. Die SWP ist zudem federführendes Mitglied im „Fachinformationsverbund Internationale Beziehungen und Länderkunde“ (FIV-IBLK). Dieser Fachinformationsverbund (FIV)Offizielle Website des FIV - Fachinformationsverbund Internationale Beziehungen und Länderkunde unter: betreibt eine der weltweit größten sozialwissenschaftlichen Literaturdatenbasen („World Affairs Online“). Über verschiedene Portale, Kataloge und Indizes wird dieses Angebot der (Fach-)Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt und mit dem Fachportal IREON auch ein eigenes Fachinformationsportal betrieben.

Projekt „The Day After“