mini|hochkant=1.5|Greetings from Los Angeles, James R. Powell Route 66 Collection Curt Otto Teich (* 23. März 1877 in Greiz; † 12. Januar 1974 in Indian Rocks Beach) war ein deutsch-amerikanischer Drucker, Publizist und Unternehmer. Der deutsche Immigrant war von 1905 bis zu seinem Tod im Ansichtskarten-Geschäft tätig, das er durch neue Produktionsverfahren und Massenproduktion revolutionierte.

Seine Firma Curt Teich & Company machte sich mit ersten Kleinstauflagen von Postkarten einen Namen. „Und obwohl sie Tausende von Entwürfen produzierten, die Hotels, Motels, Restaurants und Touristenattraktionen in ganz Amerika hervorhoben, wurde er am bekanntesten für seine ‚großen Buchstaben‘. Diese charmanten und farbenfrohen Postkarten sind heutzutage sehr begehrt, auch weil die einzigartige Kombination aus Talent und Technik, mit der sie hergestellt wurden, selbst mit den raffiniertesten Werkzeugen kaum noch zu kopieren ist.“Gene Gable: Heavy Metal Madness: Greetings from Big Letters USA. Auf: Creative pro, 8. April 2004 Zudem repräsentieren sie den nordamerikanischen Postkartenmarkt der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.Teich Archives Transferred to Newberry Library. Lake County Forest Preserves, 21. Oktober 2016

Familie Vorfahren mini|Curt Teich im Jahr seiner Immigration, 1895 mini|hochkant|Curt Teich sen. mit Frau und Curt jun., ca. 1910 Obwohl die Akten der Familie Teich in den Luftangriffen auf Dresden während des Zweiten Weltkriegs verloren gegangen sind, ist seine Vorgeschichte durch ihn dokumentiert worden. Im Alter von 80 Jahren sah es Curt Teich als notwendig an, seine Erinnerungen und Erfahrungen niederzuschreiben. Die Familie Teich lebte im 18. Jahrhundert in Norddeutschland, dem „Land der Windmühlen“, wie er es nannte. Auch seine Vorfahren, namentlich sein Vater und Großvater, waren schon mit der Druckerei beschäftigt. Er wurde als fünftes von sieben Kindern – davon fünf SöhneThe picture postcard king, Curt Otto Teich, Under Every Tombstone, 2016. – von Christian Teich (1843–1920) und Elise, geborene Tamm (1848–1919), in der reußischen Residenzstadt Greiz geboren. Schon bald zog die Familie nach Lobenstein, wo sein Urgroßvater Johann Karl Teich (1760–1845) von seinem Freund, wahrscheinlich Heinrich Reuß LXXII. (1797–1853), einen Familienbesitz erhalten hatte. Dieser reußische Familienzweig (Reuß zu Lobenstein und Ebersdorf) starb 1853 aus. Der Zweig des Urgroßvaters Johann besaß ein Familienwappen, auf dem der Doppelkopfadler die Insignien des Druckerhandwerks in seinen Klauen hält., Immigrant Entrepreneurship, German-American Business Biographies, Collection Curt Teich Postcard Archives.

Sowohl Curts Großvater Friederich Karl Wilhelm Teich (1819–1890), der auch Gedichte und geschichtliche Abhandlungen für verschiedene Zeitungen schrieb, als auch sein Vater, der als Drucker, Zeitungsverleger und Buchhändler tätig war, sind durch die Familienaufzeichnungen heute noch fassbar. Bis zu seinem 15. Lebensjahr besuchte er das Gymnasium in Dresden, danach trat er in das Gewerk seiner Vorväter ein und lernte in Lobenstein das Druckerhandwerk. 1893 reisten sein Vater und sein älterer Bruder Max (1873–1964) zur World’s Columbian Exposition, der Weltausstellung in Chicago. Weil Max dort blieb und fortan im Hotelgewerbe arbeiten sollte, ermunterte Christian seinen Sohn, auch sein Glück in Amerika zu versuchen. Neben Curt wanderten bis auf ein Geschwister alle fünf anderen im Laufe der Jahre ebenfalls in die USA aus.

Nach seiner Einreise in die USA im Mai 1895 absolvierte er dort erneut die Druckerlehre, für die er eigentlich überqualifiziert war. Aber er musste Geld verdienen und wollte das Handwerk vor Ort von Grund auf lernen. Zum Jahresbeginn 1898 zog er nach Chicago – dem Zentrum der Druckindustrie in den USA – und eröffnete an der Clybourn Avenue 59–61 (heute 1258 N.) seine eigene Druckerei. Das Gebäude ist heute nicht mehr vorhanden. Am 24. November 1899 wurde er von der Einwanderungsbehörde Immigration and Naturalization Service eingebürgert.

Nachkommen Am 15. Juli 1909 heiratete er Anna Louise, geborene Niether (1889–1959). Sie hatten zusammen fünf Kinder: Curt (1910–1980), Walter Ernst (1912–1972), Louise Teich Chmelik (1913–2005), Lawrence Edward (1918–1942) und Ralph Donald (1925–2000). Für das Jahr 1920 ist ihre Wohnadresse Malden Street, doch schon fünf Jahre später zog die Familie in den nördlichen Vorort Glencoe und bewohnte in der 535 Longwood Avenue mit mehreren Angestellten ein ansehnliches Anwesen. Die weitläufige Gartenanlage reichte bis zum Ufer des Lake Michigan. Die Viktorianische Villa steht heute zwar noch, ist aber stark in die verdichtete Bebauung eingeschlossen, und das damalige Ambiente ist daher verschwunden.Google Street View, September 2018.

1939 musste Curt Teich zwei Herzinfarkte verkraften, die ihn dazu veranlassten, kürzerzutreten und die Verantwortung auf die Schultern seines Erstgeborenen zu legen. Im Zweiten Weltkrieg verstarb/fiel? im April 1942 ihr Sohn Lawrence auf der Insel Corregidor während der Eroberung durch feindliche japanische Truppen. Da er nie gefunden und 1946 für tot erklärt wurde, gibt es von ihm auch kein Grab und nur eine Gedenkplakette auf dem Manila American Cemetery erinnert heute noch an ihn.

Mitte der 1950er Jahre entschied sich das Ehepaar Teich, aus gesundheitlichen Gründen nach Florida zu ziehen. Ihr neues Domizil war westlich von Tampa in Belleair Shore mit direktem Zugang zum Golf von Mexiko. 1958 löste Curt sein Versprechen an seine Nachkommen ein und erstellte die Familienchronik Teich Family Tree, die die im Krieg verlorengegangenen Dokumente weitgehend ersetzte. 1959 starb Curts Frau Anna im Alter von 69 Jahren.

Curt Teich starb im Alter von 96 Jahren und liegt heute zusammen mit seiner Frau im Mausoleum des Memorial-Park-Friedhofs in Skokie.

Berufliches Engagement mini|hochkant|Kaiserhof Hotel seines Bruders Max, etwa 1914. Curts Firmengründung 1898 wurde von seinem Bruder Max finanziell unterstützt, der sich zu diesem Zeitpunkt mit dem Kaiserhof Hotel bereits etabliert hatte und unabhängig war. Dieser besaß zur Firmengründung 130 Aktien, Curt 80 und sein Onkel Alfred (1880–1931), der kürzlich in die USA eingewandert war, besaß 40 Aktien. Das Drucken von Postkarten war eine Nische, die er erst im Laufe der Zeit fand, denn zu Beginn war das Unternehmensziel viel weiter gesteckt. Zum Tätigkeitsumfang heißt es im Handelsregister: Drucke und Lithografieren, Veröffentlichungen, Importieren von Kunstdrucken, Herstellen und Importieren von Souvenirartikeln.Amtliche Gründungsunterlagen, eingereicht beim Cook County, Illinois Secretary of State, James A. Rose (1850–1912), 15. März 1904. Nach der Weltausstellung hatten sich viele Besucher in Chicago niedergelassen, die ihr Glück versuchen wollten. „Die Rahmenbedingungen waren schlecht und alle Berufe waren überfüllt“ notierte Teich in seiner Familienchronik Teich Family Tree zu dieser Periode.

mini|Straßenansicht von Steiny's Inn in Eureka an der Route 66, vor 1966. Um die Jahrhundertwende ergriff ein Postkartenrausch die Nation, der sich seit etwa 25 bis 30 Jahren bereits in Europa abgezeichnet hatte. Auf der Weltausstellung wurden Bildpostkarten gezeigt, die erstmals vom United States Postal Service herausgegeben wurden, auch wenn sie nicht die ersten Karten in den USA gewesen sein dürften. Die Post beförderte diese zum halben Preis gegenüber Briefen und viele private Druckereien fingen an, ebenfalls Postkarten zu drucken. Zudem war bis 1906 der Großteil der Postzustellungswege in ländlichen Gebieten der Vereinigten Staaten endgültig eingerichtet, was den Standard für diese Dienstleistung enorm steigerte. Das Schreiben von Postkarten wurde populär. Teich wurde von dieser Mode angesteckt und er erforschte, wie dieses neue Interesse an der Postkarte erfolgreich gehandhabt werden konnte. Deshalb fuhr er 1904 zurück nach Deutschland, wo die Postkarte bereits seit über einem Jahrzehnt sehr erfolgreich florierte. Dort studierte er die neuen Lithografie- und Druckmethoden. Wahrscheinlich dürften ihn auch die aufstrebende touristische Postkartenindustrie und speziell das Postkartenphänomen „Grüße aus…“ inspiriert haben, das in den frühen 1890er Jahren in Deutschland seinen Ursprung hatte.

1905 fuhr Curt Teich per Zug von Chicago nach Saint Petersburg in Florida und von dort aus 2500 Meilen weiter bis zur Westküste. Auf dem Weg dorthin stieg er bei jedem Halt mit der Kamera in der Hand aus der Bahn, ging die Hauptstraßen entlang und fotografierte die Geschäfte, die sich zahlreich in den kleinen Städten befanden. Diese Bilder waren die Grundlage für seine erste große Auflage von illustrierten Postkarten. Mit einem US-Dollar Verkaufspreis pro tausend Karten war Teich überaus erfolgreich und erzielte während dieser Reise für erstaunliche 30.000 Dollar Abschlüsse. Damit war die Basis für seine Ausrichtung auf die Postkartendruckindustrie gelegt. Während die ersten amerikanischen Postkartendruckereien ihre Materialien im Ausland druckten, hatte Curt Teich das Bestreben, seine eigenen Postkarten zu drucken. In der Folge wurde er bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einer der produktivsten Postkartendrucker in Amerika und verkaufte bis zu 250 Millionen Karten im Jahr.

Zum Schutz des einheimischen Druckereimarktes wurde 1909 das protektionistische Payne-Aldrich-Zollgesetz erlassen, mit dem sich im Ausland gedruckte Postkarten um 1,28 Dollar pro 1000 Stück verteuerten. Teich, der von Anfang an auf die Produktion im eigenen Land gesetzt hatte, war damit im Vorteil und steigerte seine Produktion erheblich. 1912 war seine Jahresproduktion von Postkarten auf bereits 150 Mio. gestiegen.Payne-Aldrich Tariff Act. Columbia Encyclopedia, Sechste Ausgabe 2001-05 auf Internet Archive, 22. Februar 2006.

Diese positive Entwicklung ging einher mit der Entwicklung der Autoindustrie, dem Straßenbau und des Tourismus. 1916 wurde der Federal Aid Road Act of 1916 erlassen, was dem im Dezember 1914 gegründeten American Association of State Highway Officials (AASHO) die vertraglichen Grundlagen und die finanziellen Mittel bereitstellte. Die Planungsgrundlage für das übergeordnete Straßennetz wurde 1921 in der Pershing Map festgeschrieben, die den Bau von 126.000 km Straßen festschrieb.Richard F. Weingroff: Public Roads. US Department of Transportation. Federal Highway Administration, Online-Magazin auf Internet Archive, Frühjahr 1996, Ausgabe 59, Nr. 4 Mit dem Straßenbauprogramm des Federal Aid Highway Act of 1921 und dem Ford Modell T wurden ferne Ziele für viele Menschen plötzlich erreichbar. Das massenhafte Aufkommen der Postkarten beförderte umgekehrt die Reiselust. Passend war auf vielen Karten wie beispielsweise auch auf denen der Niagarafälle, die zu den Bestsellern gehörten, aufgedruckt: „I was here (and you did not)“.Fresko, das Magazin für Kunst- und Kulturgenießer. Quartalsbeilage der FAZ, 02/2019, S. 3 Bis zum Ende seiner Geschäftstätigkeit hatte Teich Motive und Kunden aus über 100 Ländern in seinen Auftragsbüchern.

mini|Lake Quinsigamond, 1900er Jahre