Andrea Manga Bell (* 27. Januar 1902 in Hamburg; † 10. Oktober 1985 in Paris) war eine deutsche Grafikerin, Journalistin und Übersetzerin. Sie war die Ehefrau von Alexander Douala-Bell und die Lebensgefährtin von Joseph Roth. Biografie Andrea Manga Bell wurde als Andrea Jimenez Berroa in Hamburg geboren. Sie war die Tochter der Hamburgerin Margaretha Sophie Emma Filter (1870–1942) und des afro-kubanischen klassischen Pianisten José Manuel Jiménez Berroa (1855–1917).John Eichler: Die Entmenschlichung der Juliette Martens in Klaus Manns Roman "Mephisto", Eine Verteidigungsschrift für Andrea Manga Bell, Huffington Post 2. Dezember 2017; Text auch Ihr Vater war ein Sohn von José Julian Jiménez (1833–1890), einem Geiger und Musikdirektor am Konservatorium in Trinidad. Von seiner Tante mütterlicherseits, der Organistin, Komponistin und ersten Dirigentin in Kuba, Catalina Berroa Ojea (1849–1911), lernte er das Klavierspielen. Mit zwölf Jahren kam er zusammen mit seinem Halbbruder, dem Cellisten Nicasio Jiménez († 1891), und seinem Vater nach Deutschland. José Manuel studierte in Leipzig und Paris und trat als Konzertpianist und zusammen mit Vater und Bruder als Trio auf. Nach dem Studienabschluss ging Jiménez-Berroa zurück nach Kuba, wo er konzertierte und eine Musikschule aufbaute. 1890 zog er nach Hamburg, wo er 1897 die fünfzehn Jahre jüngere Emma Filter heiratete. Andrea war das jüngste der drei Kinder dieser Ehe.

Zwei Jahre nach dem Tod ihres Vaters heiratete sie siebzehnjährig 1919 den aus der deutschen Kolonie Kamerun stammenden Alexander Douala-Bell, den Sohn des von den Deutschen hingerichteten Douala-Königs Rudolf Manga Bell. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, Sohn Jose Emmanuel (1920–1947) und Tochter Andrea Emma Ekedi, genannt Tüke (1921–2003).Alexandra Lübcke, Stefanie Michels: Theoretische Überlegungen zu Erinnerungskonzepten. In: Elisabeth Boesen, Fabienne Lentz (Hg.): Migration und Erinnerung. Konzepte und Methoden der Forschung. Berlin 2010, S. 205 und 208, ISBN 978-3-643-10341-3. Nachdem ein Teil Kameruns (Cameroun) durch den Versailler Vertrag unter französische Verwaltung gekommen war, zog das Ehepaar Mitte 1919 nach Paris. Bereits vor der Geburt der Tochter trennten sie sich. Alexander Douala-Bell ging 1922 nach Kamerun, jedoch ohne seine Frau und die Kinder, die in Europa blieben.Richard Joseph: The Royal Pretender: Prince Douala Manga Bell in Paris, 1919-1922. in: Cahiers d'Études Africaines, Band 14, Nr. 54, S. 339–358, Paris 1974

Andrea Manga Bell kehrte daraufhin mit den Kindern nach Deutschland zurück, wo sie in Berlin als Redakteurin bei der Ullstein-Zeitschrift Gebrauchsgraphik arbeitete, während die Kinder bei der Großmutter in Hamburg lebten. Zwischen 1928 und 1930 veröffentlichte die Zeitschrift mehrere ihrer Übersetzungen von Texten Roger-Louis Dupuys aus dem Französischen ins Deutsche. Im August 1929 lernte sie den Schriftsteller Joseph Roth kennen und wurde seine Lebensgefährtin. Bald bezogen die beiden zusammen mit den Kindern eine gemeinsame Wohnung.

Als Roth 1933 emigrieren musste, folgte ihm Andrea Manga Bell mit ihren Kindern nach Frankreich. Im Laufe der Zeit kam es zwischen dem Alkoholiker Roth und Andrea Manga Bell zu Spannungen. Finanzielle Probleme kamen hinzu, so dass es 1936 zum Bruch kam. Andrea Manga Bell schreibt später über diese Zeit in einem Brief an Karl Retzlaw, sie habe von ihrem Bruder in Hamburg Geld aus ihrem Erbe erhalten. „Das Geld, das er mir mit Lebensgefahr über Holland hat zukommen lassen, hat Roth restlos versoffen.“

Andrea Manga Bell lebte wieder in Paris und musste während der deutschen Besatzung zeitweise untertauchen. Ihre beiden Kinder kämpften in der französischen Armee, Jose Emmanuel im Regiment von Lattre de Tassigny und Tüke als Fliegeroffizier und Dolmetscherin.

Nach dem Krieg nahm ihr Mann Alexander, inzwischen Abgeordneter für Kamerun in der französischen Nationalversammlung, wieder Kontakt zur Familie auf und bezahlte 1947 die Hochzeitsfeier seiner Tochter. Bei einem Besuch des Sohnes Jose Emmanuel bei seinem Vater in Douala 1947 kam es zu einem Streit zwischen beiden, in dessen Verlauf Alexander seinen Sohn erschoss. Die Mordanklage wurde niedergeschlagen. Bemühungen von Andrea Manga Bell, doch noch ein Gerichtsverfahren zu erzwingen, scheiterten.

1985 starb Andrea Manga Bell im Alter von 83 Jahren in Paris. Übersetzungen

Roger-Louis Dupuy: R. De Valerio. Ein Tausendkünstler der Illustration. In: Gebrauchsgraphik. Monatsschrift zur Förderung künstlerischer Reklame 5/10, Okt. 1928, S. 21–25. Roger-Louis Dupuy: Der französische Modezeichner Hemjic. In: Gebrauchsgraphik. Monatsschrift zur Förderung künstlerischer Reklame 6/2, Feb. 1929, S. 3–6. Roger-Louis Dupuy: Jean Carlu. A French Poster-Artist. In: Gebrauchsgraphik. Monatsschrift zur Förderung künstlerischer Reklame 6/12, Dez. 1929, S. 23–29. Roger-Louis Dupuy: E.A. Marty. In: Gebrauchsgraphik. Monatsschrift zur Förderung künstlerischer Reklame 7/4, April 1930, S. 2–4. Roger-Louis Dupuy: Francis Bernard. In: Gebrauchsgraphik. Monatsschrift zur Förderung künstlerischer Reklame 7/8, Aug. 1930, S. 48–52.

Rezeption Möglicherweise war Andrea Manga Bell das Vorbild für die Figur der Juliette Martens in Klaus Manns Schlüsselroman Mephisto. So behauptete es jedenfalls Erika Mann, die Manga Bell über Joseph Roth kannte, 1981. 2023 veröffentlichte Eva Gesine Baur unter dem Pseudonym Lea Singer unter dem Titel Die Heilige des Trinkers einen Roman über Joseph Roth und Andrea Manga Bell.

Literatur

Lea Singer: Die Heilige des Trinkers. Roman. Kampa Verlag, Zürich 2023, ISBN 978-3-311-10050-8.

Weblinks Interview mit Lea Singer über Andrea Manga Bell, geführt von Rebecca Faber, Monacensia 2024

Einzelnachweise

Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Lebensgefährte einer berühmten Person Kategorie:Mitglied der Familie Bell Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1902 Kategorie:Gestorben 1985 Kategorie:Frau Kategorie:Joseph Roth