Emmelsbüll-Horsbüll (, friesisch: Ämesbel-Hoorbel) ist eine Gemeinde an der Nordseeküste im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein. Sie entstand 1974 aus dem Zusammenschluss der beiden Gemeinden Emmelsbüll und Horsbüll.
Geographie Geographische Lage Das Gemeindegebiet erstreckt sich im nördlichen Bereich des Naturraumszum Begriff vgl. Naturräumliche Großregionen Deutschlands#Nordwestdeutsches Marschland Schleswig-Holsteinische Marschen und Nordseeinseln (D21) am Nordfriesischen Wattenmeer. Das zur Gemeinde zählende Marschgebiet ist Bestandteil vom Wiedingharder Alter Koog, Emmelsbüller Kleiner Koog und der südwestliche Teil vom Gotteskoog. Das Gemeindegebiet zählt wasserbaulich zum Zuständigkeitsbereich des Deich- und Hauptsielverbands Südwesthörn-Bongsiel und wird durch eine Vielzahl von landeskulturell angelegten Entwässerungsgräben geprägt. Das Schöpfwerk Südwesthörn liegt im südwestlichen Gemeindegebiet im angrenzenden Bereich zum Priel der Norderaue und angrenzenden Wattflächen im Nordfriesischen Wattenmeer.
Gemeindegliederung Weite Bereiche der Gemeinde Emmelsbüll-Horsbüll entsprechen dem Siedlungstyp der Streusiedlung. Hauptsiedlungspunkte sind die Ortsteile Emmelsbüll (ein Straßendorf) und die Großwarft (Alt)Horsbüll. Weitere Siedlungen wurden im amtlichen Wohnplatzverzeichnis Schleswig-Holstein 1987detaillierte Aufzählung unter Wohnplatzverzeichnis für Schleswig-Holstein 1987 für die Volkszählung in der Bundesrepublik Deutschland 1987 noch verzeichnet.
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeindegebiete von Emmelsbüll-Horsbüll sind:
Geologie Die Marsch im Gemeindegebiet ist durch den bereits am Übergang des Spätmittelalters zur frühen Neuzeit erfolgten Landesausbau bereits fortgeschrittenen Alters. Die seither durchzogene Entwicklung im Zuge eines landeskulturellen Landschaftsausbaus führt heute (bis zu 400 Jahre nach Eindeichung) zur Klassifizierung einer überwiegenden Kleimarsch. Erhebungen in der typischen flachen Schwemmlandschaft sind die, teils in historischer Zeit, errichteten alten Deichlinien; außerdem Warften.
Klima Das Gemeindegebiet von Emmelsbüll-Horsbüll wird gemäß der Effektiven Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger zur Klasse „Cfb“ gerechnet. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 8,3 °C. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt im Mittel 825 mm.
Geschichte Erste Siedlungsspuren stammen aus der Völkerwanderungszeit.
Horsbüll Horsbüll, heute der kleinere der beiden Orte, wurde 1231 erstmals im Waldemar-Erdbuch als Mittelpunkt der damaligen Horsbüllharde erwähnt. Die Kirche stammt aus dieser Zeit. Sturmfluten erzwangen wiederholt die Rückversetzung des Deichs. Auf diese Weise verschwand im Laufe der Jahrhunderte der westliche Teil der Horsbüllharde, so dass die Horsbüller Kirche seit 1805 direkt am Deich steht. Heute liegt dahinter allerdings nicht mehr die Nordsee, sondern der Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog. Außer dem halligartigen alten Dorfkern rund um die Kirche gehören zu Horsbüll das Straßendorf Neu-Horsbüll, Humwerthusum und Diedersbüll.
Den Namen erklärt eine Sage, nach der bei einer großen Sturmflut an der Stelle, wo heute die Horsbüller Marienkirche steht, ein Landeigner von seinem Pferd (= Hors) aus den Fluten gerettet worden sein soll. Büll ist im friesischen Raum häufig vertreten und bedeutet Siedlung, Dorf. Bei J. A. Petersen finden sich weitere Versionen zur Entstehung des Ortsnamens.
Emmelsbüll Emmelsbüll am südlichen Rand der Wiedingharde wurde ebenfalls erstmals im Waldemar-Erdbuch erwähnt. Es bestand außer dem Dorfkern mit der Kirche aus mehreren auf Warften liegenden Höfen, darunter dem ehemals adeligen Gut Toftum. Durch die Gewinnung des Kleinen Emmelsbüller Koogs 1554 und des Gotteskoogs 1566 erweiterte sich das zur Gemeinde gehörende Gebiet. Ab den 1950er Jahren wurde das Dorf durch mehrere Neubaugebiete vergrößert. In Südwesthörn, wo heute ein Schöpfwerk das im Sielzug (Alter Sielzug) gesammelte Wasser aus dem Gotteskoog und dem Alten Wiedingharder Koog in die Nordsee entwässert, befand sich bis ins 20. Jahrhundert hinein ein kleiner Hafen.
Gemeindebildung Am 1. Februar 1974 wurden die damaligen Gemeinden Emmelsbüll und Horsbüll zur neuen Gemeinde Emmelsbüll-Horsbüll zusammengeschlossen.
Einwohnerentwicklung 1845 1885 1900 1925 1933 1939 1961 1970 2004 2008 2011 Horsbüll 436 418 413 410 400 646 394 449 Emmelsbüll 797 862 792 750 819 1086 957 947 gesamt 1233 1280 1205 1160 1219 1732 1351 1396 1051 984 936 Quellen: 1845, 1900, 1885, 1925, 1933 und 1939, 1961 und 1970, 2008
Erläuterungen: Die Zunahme zwischen 1933 und 1939 erklärt sich durch die Einrichtung von Lagern des Reichsarbeitsdienstes (RAD).
Politik Gemeindevertretung Die im Zuge der Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein 2023 durchgeführte Gemeindewahl am 14. Mai 2023 brachte für Emmelsbüll-Horsbüll folgendes Ergebnis:
Die Aktionsgemeinschaft der Wähler (ADW) erhielt 44,6 Prozent der Stimmen und 5 Sitze im Gemeinderat, die Kommunale Wählervereinigung Emmelsbüll-Horsbüll (KWEH) 29,6 Prozent (3 Sitze) und die Aktuelle Arbeitsgemeinschaft für Kommunalpolitik (AAE-H) 25,8,Prozent (3 Sitze). Die Wahlbeteiligung lag bei 57,6 Prozent.
Bürgermeister In der Wahlperiode 2023–2028 ist Hans Harro Nissen Bürgermeister.Gemeindewebsite (Impressum)
Wappen Blasonierung: „Von Blau und Grün mit goldenem Bord durch einen schräglinken silbernen Wellenbalken geteilt, oben und unten jeweils ein goldener fünfzackiger Stern.“[ Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein]
Gemeindepartnerschaften Partnergemeinde ist seit 2000 Unteregg im Landkreis Unterallgäu.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Liste der Kulturdenkmale in Emmelsbüll-Horsbüll Die Horsbüller Marienkirche aus dem frühen 13. Jahrhundert ist die älteste Kirche der Wiedingharde. Heute liegt sie direkt neben dem 1802 zurückversetzten Deich. Der Turm ersetzte 1897 einen abgebrannten Vorgänger.
Emmelsbüll besitzt mit der Rimbertikirche von 1768 eine sehenswerte Kirche.
Wirtschaft und Infrastruktur Allgemeine Wirtschaftsstruktur Die Gemeinde Emmelsbüll-Horsbüll weist eine vielfältige Wirtschaftsstruktur auf, die über die traditionelle Landwirtschaft hinausreicht. Ein bedeutender lokaler Arbeitgeber ist ein muschelverarbeitender Betrieb, der die maritime Prägung der Region widerspiegelt. Ergänzend dazu prägen zahlreiche Windenergieanlagen sowie ein Bürgerwindparkprojekt das wirtschaftliche Profil der Gemeinde.
Eine wichtige Rolle spielt der Tourismus. Viele Einwohner vermieten Ferienunterkünfte oder arbeiten auf der nahegelegenen Insel Sylt. Die im Zuge der Deicherhöhung entstandene Seenlandschaft wird als Badestelle, Angelgewässer und Rastplatz für Zugvögel genutzt und erweitert das touristische Angebot.
Wirtschaftlich hervorzuheben ist zudem der Unternehmenssitz der Schleswiger Versicherung, eines überregional tätigen Versicherungsunternehmens, das der Gemeinde zusätzliche Bedeutung verleiht.
Verkehr Die Verkehrsinfrastruktur wurde im Laufe der Zeit reduziert. Der frühere Haltepunkt Emmelsbüll an der Marschbahn wurde in den 1980er Jahren aufgegeben; erhalten blieb lediglich der Betriebsbahnhof Lehnshallig, der aktuell ausschließlich für Zugkreuzungen genutzt wird. Die wichtigste Verkehrsachse bildet heute die schleswig-holsteinischen Landesstraße 6, die die Gemeinde mit der dänischen Grenze und der Bundesstraße 5 verbindet.
Bildung, Schulen Am 11. Mai 1967 wurde der Schulneubau, der die gegenüber der Kirche gelegene bisherige Schule ablöste, als Dörfergemeinschaftsschule Emmelsbüll-Horsbüll-Marienkoog eingeweiht. Zum Neubau gehörten auch eine Turnhalle und ein Freibad sowie eine Hausmeisterwohnung. 1977 wurde aufgrund der zurückgegangenen Schülerzahlen der Hauptschulbetrieb nach Neukirchen verlegt. Dafür wurden die Grundschüler(innen) aus Klanxbüll und dem Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog hier eingeschult. 1983 wurde die letzte Hauptschulklasse entlassen. Die 1973 eingerichtete Vorklasse wurde 1998 aufgelöst. Aufgrund weiter zurückgehender Schülerzahlen wurde die Schule mit Ablauf des Schuljahres 2009/2010 geschlossen.
Die Grund- und Regionalschule befindet sich in Neukirchen. Weiterführende Schulen befinden sich in Niebüll.
Südwesthörn mini|Südwesthörn
Am Außendeich südlich des Schöpfwerks Südwesthörn befindet sich die Badestelle Südwesthörn (). Hier findet man eine Liegewiese mit Strandkörben, eine öffentliche Dusche und einen Steg in das Wattenmeer. Ursprünglich befand sich an dieser Stelle ein kleiner Hafen, in den aktuellen Seekarten ist dieser noch verzeichnet. Bis 1977 befand sich an der Stelle des Schöpfwerkes Südwesthörn ein Siel in Form eines (geschlossenen) Ständersiels. Bei Niedrigwasser wurden die Sieltore zur Entwässerung des Binnenlandes geöffnet, bei Hochwasser wurden sie geschlossen. Das Schöpfwerk Südwesthörn verfügt über vier elektrisch betriebene Pumpen mit einer Gesamtförderleistung von 12.000 Litern/Sekunde.Festschrift zur Einweihung des Schöpfwerkes Südwesthörn, Werner Kambeck, Hrsg. Nordfriisk Instituut, Bredstedt, ISBN 3-88007-066-0Von hier aus finden geführte Wattwanderungen in den Nationalpark Wattenmeer statt.Meeresgrund trifft Horizont„De Wattenlöpers“ – Fachverband der Wattführerinnen und Wattführer im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer e. V.
Mit Emmelsbüll-Horsbüll verbundene Persönlichkeiten Jens Adsen (~1685–1737), Lehns- und Deichvogt auf Diedersbüll Friedrich Jacobsen (1853–1919), Schriftsteller und Jurist, in Emmelsbüll geboren Christian Mommsen (1868–1927), in Toftum geboren, Diplomlandwirt und Tierzuchtdirektor in der Provinz Sachsen Peter-Paul Petersen (1893–1945), Offizier, Generalmajor, in Emmelsbüll geboren Friedhelm Rathjen (* 1958), Autor und Übersetzer, lebt und arbeitet in Emmelsbüll-Horsbüll Christian A. Schwarz (* 1960), evangelischer Theologe und Publizist, lebt in der Gemeinde Gunnar Uldall (1940–2017), Senator für Wirtschaft und Arbeit in Hamburg, lebte zeitweise in Horsbüll und stiftete der Marienkirche in Horsbüll zwei Steintafeln mit den zehn Geboten als Vermächtnis.
Literatur Vollständige Ausgabe bei Google Bücher, ca. S. 422–430
Weblinks
Website der Gemeinde Emmelsbüll-Horsbüll Gemeinde Emmelsbüll-Horsbüll beim Amt Südtondern
Einzelnachweise
Kategorie:Gemeindegründung 1974