mini|Café Jelinek in Wien-Mariahilf Das Café Jelinek liegt im 6. Wiener Gemeindebezirk Mariahilf in der Otto-Bauer-Gasse 5 und ist seit 2013 Teil des immateriellen UNESCO-Kulturerbes „Wiener Kaffeehaus“.
Geschichte Gebäude Otto-Bauer-Gasse 5 Das Gebäude mit der Nr. 5 in der heutigen Otto-Bauer-Gasse, bis 1949: Kasernengasse,. an der Identadresse Königseggasse 9, wurde 1903 unter dem Architekten Wilhelm Stiassny erbaut, Hausinhaber war von 1909 bis 1914 ein Emil Feilendorf, der dort auch wohnte.Kaunitz: Otto-Bauer-Gasse 5. (PDF; 433 KB) In: Häuser in Mariahilf auf der Website des Bezirksmuseums Mariahilf, 22. Oktober 2022, abgerufen am 1. August 2026.
Nach wahrscheinlich Vererbung oder Verkauf gehörte die Immobilie im Jahr 1936 einer Fürsorgekommission für das Baugewerbe, die offenbar bis 1940 Eigentümerin blieb. Ab dann sind als Hauseigner eine Katharina Hartl und ein/e K. Brosek sowie mit E. Dumböck ein SS-Oberscharführer nachgewiesen, 1941 und 1942 ein/e S. T. Suchomel. Dumböck war weiterhin als „Aufpasser“ eingesetzt, der nach Erkenntnissen des Bezirksmuseums Mariahilf (2022) auch folgende Deportationen aus dem Haus Kasernengasse 5 (spätere Otto-Bauer-Gasse) beaufsichtigt haben dürfte: Hedwig Freund, geb. am 13. Februar 1889, und Max Freund, geb. am 9. März 1879. Beide am 23. November 1941 nach Kowno deportiert und dort am 29. November ermordet.
Kaffeehausgeschichte Das heutige Café Jelinek mit überliefertem Gründungsjahr 1910 als Kaffeehaus hat bis 1949 eine wechselvolle Geschichte:
Im Jahr 1914 ist als wohl erster Cafetier im Haus ein Josef Wieser nachgewiesen. 1915, es wird vermutet kriegsbedingt durch den Ersten Weltkrieg, keine Gewerbetreibenden nachweisbar. Seit 1926 gehörte das Lokal der jüdischen Anna Begleiter (geb. 21. Dezember 1881 in Sambor) und ihrem Ehemann, der bereits 1937 verstarb. Sie führte ab da das Kaffee Aida (oder Café „Aida“) alleine weiter.
Im Juni 1938, nach dem „Anschluss Österreichs“, wurde von der Vermögensverkehrsstelle ein kommissarischer Verwalter eingesetzt. Am 10. November 1938 kam es zu Gewaltakten gegen das „Aida“: Die Fensterscheiben wurden eingeschlagen, das Lokal zerstört. Teile der Einrichtung wurden entweder zertrümmert oder gestohlen. Wiewohl das Kaffeehaus renoviert und wenig später wiedereröffnet wurde, wurde das Aida im Dezember vom kommissarischen Verwalter liquidiert. 1939 wurde das Aida „arisiert“, die Kaffeesiederin J. RekrutowVgl. AT-OeStA/AdR/E-uReang/VVSt/Gewerbe/2485. In: Alexandra Wiesner (2020): »Arisiert« und entschädigt? konnte übernehmen. Im Jahr 1940 wurde das Lokal als Café „Hannerl“ geführt,
Die im Juni 1938 hinausgedrängte und enteignete Kaffeehausbetreiberin Anna Begleiter, wurde am 3. Dezember 1941, zu diesem Zeitpunkt wohnhaft im Bezirk in der Aegidigasse 5, nach Riga (wahrscheinlich ins Ghetto Riga) deportiert und hat dort nicht überlebt.Begleiter Anna in der Datenbank der Shoah-Opfer. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), abgerufen am 1. August 2026.Alexandra Wiesner (2020): »Arisiert« und entschädigt?
1942 ist weiterhin die Kaffeesiederin J. Rekrutow als Kaffeehausbetreiberin aktenkundig und blieb das bis 1949.
Der heutige Name des Cafés geht auf die Familie Jelinek zurück, die das Kaffeehaus seit 1949 bis 1988 führte:
Von 1988 bis 2003 wurde das Café Jelinek vom Ehepaar Günther und Maria Knapp geführt. Diese waren unter anderem dafür bekannt, im Café Apothekermäntel zu tragen. 2004 wurde es von Stephan Schiffner gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Manfred Haas, welche das Wiener Beisl Steman gegenüber betreiben, übernommen.
Das Café Jelinek gehört zu den wenigen Wiener Kaffeehäusern, in welchen noch die originale Einrichtung vorhanden ist. Von der langen Historie des Hauses zeugen das original erhaltene Fischgrätparkett, die massiven Marmortische, der denkmalgeschützte schmiedeeiserne Koksofen der Marke American-Heating sowie die grün bezogenen Sitzgelegenheiten. Von vielen Gästen sind Autogrammfotos an den Wänden des oft „kleines Hawelka“ genannten Cafés zu sehen. Das Café Jelinek gilt als ein „Kleinod der Wiener Kaffeehauskultur“.
Nachbarlokal Nebenan des Eckhauskaffees befindet sich in der Otto-Bauer-Gasse 5 ebenfalls seit Errichtung des Gebäudes ein weiteres Lokal. Vormals (spätestens seit 1987) befand sich darin die Cafe-Konditorei Kanditz, geführt von einem Herrn Adamec. Von diesem übernahm im Jahr 1990 Heinz Alfons die Lokalität und betreibt darin seither sein Heinzis Beisl.
Literatur Petra Neumann (Hrsg.): Wien und seine Kaffeehäuser. Ein literarischer Streifzug durch die berühmtesten Cafés der Donaumetropole. Wilhelm Heyne, München 1997, ISBN 3-453-12395-6, S. 307–315. Olaf Link: Geschichte(n) Wiener Kaffeehäuser. Königshausen & Neumann, Würzburg 2011, ISBN 978-3-8260-4451-9, S. 83–86. Barbara Rieger: Melange der Poesie: Wiener Kaffeehausmomente in Schwarzweiß. Bildband mit Fotografien von Alain Barbero. Kremayr & Scheriau, Wien 2017, S. 110–111 (). Alexandra Wiesner: »Arisiert« und entschädigt? Die Entziehung von Wiener Kaffeehäusern aus jüdischem Besitz während des Nationalsozialismus und deren Rückstellung in der Zweiten Republik. Masterarbeit an der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät. Universität Wien, 2020 (), S. ?
Weblinks
Kaunitz: Otto-Bauer-Gasse 5. (PDF; 433 KB) In: Häuser in Mariahilf auf der Website des Bezirksmuseums Mariahilf, 22. Oktober 2022.
Einzelnachweise
Kategorie:Mariahilf Jelinek Kategorie:Unternehmensgründung 1910