Granville Oral Roberts (* 24. Januar 1918 in Ada, Pontotoc County, Oklahoma, USA; † 15. Dezember 2009 in Newport Beach, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Heilungsprediger, Fernsehevangelist und Unternehmer. Er war einer der bekanntesten und umstrittensten offensiv missionarischen Prediger weltweit.
Roberts wurde 1936 von der Pentecostal Holiness Church zum Pastor berufen, und nach seinem Wechsel in die United Methodist Church 1968 erhielt er auch in dieser Kirche die Ordinationsrechte. Er galt als eine der Führungsfiguren des Wohlstandsevangeliums in der Pfingstbewegung und als Vorreiter der Übertragung von Gottesdiensten im Fernsehen. Mit seinen Auftritten verhalf er der Pfingstbewegung zu einer größeren Beachtung in der amerikanischen Öffentlichkeit. Roberts gründete 1947 die Oral Roberts Evangelistic Association (OREA) und 1963 die Oral Roberts University (ORU) in Tulsa.
Biografie Armut, Krankheit, Heilungserfahrung Oral Roberts’ Eltern waren Ellis Melvin Roberts (1881–1967) und Claudius Priscilla Roberts, geborene Irvin (1885–1974), die in Bebee im ärmlichen und ländlichen Oklahoma lebten. Er war das fünfte und jüngste Kind der Familie, als Geschwister sind namentlich bekannt Elmer P. Roberts (1905–1995), Jewel L. Roberts Faust (1910–2000) und Loyd Vaden Roberts (1915–2004). Mütterlicherseits hatte er Cherokee-Vorfahren; es war ihm wichtig, ein Mitglied der Choctaw Nation of Oklahoma zu sein. Seine Eltern waren Pastoren der Pentecostal Holiness Church.Vinson Synan: Roberts, Oral. In: American National Biography
Nach der Highschool besuchte er die Oklahoma Baptist University und die Phillips University, nach zwei Jahren verließ er die Studienorte ohne Abschluss. Als Jugendlicher war Oral Roberts ein begeisterter Sportler. Im Februar 1935, mit 17 Jahren, kollabierte er beim Basketballspielen. Tuberkulose wurde bei ihm diagnostiziert, eine damals unheilbare Krankheit. Auch zwei seiner Schwestern und sein Großvater starben an Tuberkulose. Fünf Monate war Roberts bettlägerig. Seine Heilung von der Tuberkulose führte Roberts darauf zurück, dass der Evangelist George W. Moncey ihm bei einer erwecklichen Zeltversammlung die Hände aufgelegt hatte. Diese Heilungserzählung, die von Oral Roberts und seinen Medien vielfach wiederholt wurde, steht aber in Spannung zu seinem ersten Heilungbericht 1939, in dem von Tuberkulose nicht die Rede war. Darin hieß es, dass Oral Roberts an Grippe sowie einem Nervenleiden erkrankt gewesen und durch das Gebet seiner Familie geheilt worden sei. Der Unterschied wird unter anderem damit erklärt, dass Tuberkulose in der öffentlichen Meinung als Folge eines sündhaften Lebenswandels galt und Oral Roberts sich deshalb anfangs gescheut habe, über seine Erfahrungen als Tuberkulosekranker zu sprechen.Robert D. McBain: Oral Roberts, A Religious Innovator, 2022, S. 95.
Nach seiner Heilungserfahrung brauchte Oral Roberts noch Monate, um wieder zu Kräften zu kommen, danach ließ er sich taufen und begann, als Reiseevangelist und Wanderprediger der Pentecostal Holiness Church in der Region umherzuziehen, sowohl im Team mit seinem Vater als auch in einer Gruppe mit anderen jungen Männern.David Edwin Harrell Jr.: Oral Roberts: An American Life, Bloomington 1985, S. 37. Im August 1936 wurde Oral Roberts bei einem Camp Meeting in Sulphur zum Pastor ordiniert.David Edwin Harrell Jr.: Oral Roberts: An American Life, Bloomington 1985, S. 36. Er war in mehreren Gemeinden in North Carolina, Georgia und Oklahoma als Pastor tätig, nahm diese Arbeit aber als unbefriedigend und wenig fruchtbringend wahr.
Zeltmission 1947 legte er sein Pastorenamt nieder und gründete seine eigene Oral Roberts Evangelistic Association (OREA), denn er wollte seine Predigt- und Heilungsaktivitäten von Enid in Oklahoma über die ganze USA und sogar weltweit ausdehnen. Lee Braxton, ein Geschäftsmann aus North Carolina, unterstützte ihn finanziell und organisatorisch in den nächsten 33 Jahren. Weil Gottesdiensträume und Kirchen für seine Veranstaltungen zu klein geworden waren, ließ er im Sommer 1948 die Canvas Cathedral, ein gut ausgestattetes Zelt für 3.000 Personen anfertigen. Ein Jahr später beschaffte er ein Zelt für 7.000 Zuhörer, 1950 organisierte Lee Braxton eines für 10.000 Besucher. Im gleichen Jahr kam es in Portland zu einer freundschaftlichen Begegnung mit dem baptistischen Evangelisten Billy Graham. In den 1950er Jahren gewann Roberts mit dem Pastor Bob deWeese einen langjährigen Mitarbeiter und Organisator. Bereits im April 1948 traf er sich in Kansas City, Kansas mit dem Heilungsevangelisten William Branham, der nach ihm der bedeutendste Glaubensheiler des Healing Revival darstellte.David Edwin Harrell Jr.: Oral Roberts: An American Life, Indiana University Press, Bloomington, Indiana 1985 S. 150Roy Weremchuk: Thus Saith the Lord? William M. Branham (1909-1965), Leben und Lehre, Deutscher Wissenschafts-Verlag, Baden-Baden 2019, S. 132 f. 1951 war er an der Gründung der Vereinigung der Geschäftsleute des vollen Evangeliums (englisch: Full Gospel Business Men’s Fellowship International) beteiligt.Who was Oral Roberts? Website gotquestions.org (2024, englisch, abgerufen am 5. März 2026) 1956 war er für eine Veranstaltungsreihe in Australien. Die Gottesdienste in Melbourne mussten wegen massiver Störungen durch streikende Hafenarbeiter abgebrochen werden, und er kehrte mit seinem Team vorzeitig in die USA zurück.Daniel Isgrigg: Who is Oral Roberts? Website danieldisgrigg.com, 24. März 2021 (englisch, abgerufen am 1. Juni 2022)
Teleevangelisation Nachdem er 1952 mit einem evangelistischen Kurzfilm erfolgreich war, kam Oral Roberts zu der Überzeugung, dass Gott ihn zum Teleevangelisten beauftragt habe. Mit Unterstützung seiner Partner begann er 1954 mit dem Programm Your Faith is Power. Roberts war damit nicht zufrieden und wünschte, durch Live-Übertragung einer Zeltmission die dortige Atmosphäre zu vermitteln. Aufgrund technischer Schwierigkeiten ließ sich dies erst 1955 realisieren. Heilungen vor laufender Kamera, nach dem Vorbild Rex Humbards, vermehrten schlagartig seine Berühmtheit.Robert D. McBain: Oral Roberts, A Religious Innovator, 2022, S. 88. 1957 übertrugen bereits 135 der 500 US-Fernsehstationen seine Sendungen. Im Mittelpunkt standen lange Predigten über Bibeltexte, dann folgte der Altarruf, und am Ende der Veranstaltung betete Roberts immer um Heilung der Kranken. Manifestationen von Zungenrede und anderen Geistesgaben, wie sie für pfingstlerische Gottesdienste charakteristisch waren, spielten dagegen keine Rolle mehr.
1967 zog sich Roberts aus der Teleevangelisation zeitweilig zurück, sein darauf folgender Eintritt in die United Methodist Church markierte einen Bruch der bisherigen Entwicklung. 1969 kehrte er wieder zurück, diesmal mit einer wöchentlichen, einstündigen Fernsehshow zur besten Sendezeit. Der Hollywood-Produzent Dick Ross sorgte für die höchst professionelle Umsetzung, mit den World Action Singers traten musikalische Talente der Oral Roberts University auf, und als Gäste konnte Roberts zahlreiche Persönlichkeiten des Showgeschäfts begrüßen. Mit seiner Fernsehshow erreichte Roberts bis zu 64 Millionen Zuschauer.David Edwin Harrell Jr.: Roberts, Oral. In: Samuel S. Hill: The New Encyclopedia of Southern Culture, Band 1: Religion. The University of North Carolina Press, 2014, S. 208. Während der Rassenunruhen in den Vereinigten Staaten gelang es Roberts, mit seinem Wohlstandsevangelium sowohl Afroamerikaner als auch Amerikaner europäischer Abstammung anzusprechen.Robert D. McBain: Oral Roberts, A Religious Innovator, 2022, S. 89–92.
Roberts rief das monatlich erscheinende Magazin Healing Waters ins Leben, das für seine Botschaften und Veranstaltungen warb. Das Magazin erhielt nach mehreren Umbenennungen 1956 den Namen Abundant Life. In Spitzenzeiten erreichte Roberts damit über eine Million Leser.David Edwin Harrell Jr.: Roberts, Oral. In: Samuel S. Hill: The New Encyclopedia of Southern Culture, Band 1: Religion. The University of North Carolina Press, 2014, S. 208.
Oral Roberts University hochkant|mini|Gebetsturm auf dem Campus der Oral Roberts University In den 50er Jahren hatte Roberts die Idee, eine Universität zu gründen. Seine engeren Mitarbeiter standen diesem Projekt zunächst skeptisch gegenüber, aber der Fernsehevangelist Pat Robertson unterstützte es. Am 27. November 1962 wurde die Oral Roberts Universität in Tulsa gegründet. John D. Messick entwickelte das akademische Ausbildungsprogramm, der Religionspädagoge Raymond Corvin wurde Kanzler, Lee Braxton Sprecher des Verwaltungsrats und Roberts Präsident. Ab 1965 konnten die ersten 300 Studierenden aufgenommen werden, 1967 und 1971 wurde die Akkreditierung erteilt und in der Folge bis zu 2.000 Studierende aufgenommen. Die Rede Billy Grahams bei der Einweihung am 2. April 1967 verlieh der neuen Universität mehr Akzeptanz unter den Evangelikalen. Auf dem Campus wurden binnen weniger Jahre 60 Millionen US-Dollar in mehrere Gebäude investiert, unter anderem in das Learning Resources Center, den Gebetsturm, die Christ Chapel, Studentenwohnheime und das Mabee Sport Center, das auch der Stadt zur Verfügung gestellt wurde. Einige Absolventen wie beispielsweise Kenneth Copeland gründeten später eigene Bewegungen.
Wechsel von der Pfingstbewegung zur United Methodist Church Im Jahr 1968 legte Roberts sein Amt als ordinierter Pastor der Pentecostal-Holiness-Kirche nieder und schloss sich einer Methodistenkirche an. Seine Frau Evelyn hatte bereits Jahre zuvor begonnen, sich in der Boston Avenue Methodist Church zu engagieren. Am 17. März wurde auch er Mitglied, zwei Monate später Ältester dieser Gemeinde. Vorübergehend verlor er etwa die Hälfte der Spender aus den Pfingstgemeinden. Andererseits vergrößerte Roberts durch diesen Übertritt sein Zielpublikum, und die United Methodist Church entwickelte sich in den Folgejahren zu der am schnellsten wachsenden charismatischen Denomination.Robert D. McBain: Oral Roberts, A Religious Innovator, 2022, S. 92.
City of Faith Medical Center mini|City Plex Towers, ehemals City of Faith Medical Center Durch seine erfolgreiche Fernsehshow hatte Oral Roberts in den 1970er Jahren das Image des umstrittenen Glaubensheilers weitgehend abgelegt, aber dann erfolgte die Kehrtwende. 1975 teilte er mit, seine Universität werde eine medizinische Fakultät eröffnen. Sein Evangelisationsunternehmen werde ein groß angelegtes Gesundheitszentrum betreiben, das City of Faith Medical Center. Im Jahr 1978 begannen die Bauarbeiten, und 1981 war die Einweihung. Die Finanzierung des Großvorhabens überforderte Roberts’ Organisation, trotz systematisierter und aggressiver Spendenwerbung. Kontraproduktiv war auch, dass die Medien in dieser Phase der intensiven Spendenwerbung Skandale um Jim Bakker und Jimmy Swaggart aufdeckten. Obwohl Oral Roberts persönlich weder sexuelles noch finanzielles Fehlverhalten nachgesagt wurde, war seine Glaubwürdigkeit dadurch ebenfalls beschädigt.David Edwin Harrell Jr.: Roberts, Oral. In: Samuel S. Hill: The New Encyclopedia of Southern Culture, Band 1: Religion. The University of North Carolina Press, 2014, S. 209. Da sein Gesundheitszentrum mit einer medizinischen und zahnmedizinischen Fakultät trotz Spenden nie wirtschaftlich arbeitete, wurde es 1989 geschlossen. Danach wurde ein Komplex mit Seniorenwohnungen auf dem Campus eingerichtet. Im Jahr 2007 umfasste er 22 große Gebäude im Wert von 250 Millionen Dollar.
Methoden der Spendenwerbung