Estrichschäden sind Bauschäden in einem Estrich. Estrichschäden können in vielen unterschiedlichen Erscheinungen auftreten und werden überwiegend durch mechanischen Einfluss oder physikalisch-chemische Prozesse verursacht.

Schadensursachen

Die Klärung der Ursache ist im Schadensfall besonders wichtig, um die Sanierungsarbeiten erfolgreich durchzuführen. Wenn nur die Symptome, aber nicht die Ursachen behoben werden, besteht die Gefahr, dass sich der Schaden wiederholen wird.

In der Regel gibt es allerdings nicht nur eine einzelne Ursache, sondern eine Kombination aus mehreren sich teilweise auch gegenseitig beeinflussenden Ursachen.

Mögliche Ursachen von Materialveränderung und Materialversagen können physikalischer, chemischer, technischer oder biologischer Natur sein: bei der Herstellung: falsches Mischungsverhältnis oder minderwertige Bindemittel im Ausgangsmaterial; zu schnelles Austrocknen nach dem Einbringen (überwiegend bei Zementestrichen) übermäßige Beanspruchung durch Nutzlasten oder Erschütterungen chemische Materialveränderung (z. B. Korrosion) durch auslaufende Chemikalien, Inhaltsstoffe von Abgasen und instustrieller Atmosphäre oder natürliche Alterung Erhitzung durch Feuer oder Sonnenstrahlung fehlende Schutzmaßnahme (fehlende Abdichtung) biologische Einwirkungen (z. B. Schimmelpilz, Algen, Tierfraß) Oberflächen-Verschleiß unter Nutzung

Allgemeine Schäden bei Estrichen

Risse

Durch äußere Einwirkungen und innere Vorgänge (z. B. Schwinden) entstehen Spannungen im Estrich. Wenn die Zugspannung lokal die Materialfestigkeit übersteigt, bildet sich ein Riss.

Man unterscheidet zwei Schadensformen Risse an der Oberfläche des Estrichs, die sich nach unten verjüngen. Bei dieser Form sind die Risse meist netzartig verzweigt. Der Grund dafür liegt oft in einem ungleichmäßigen Anfangsschwinden des Estrichs. Oben trocknet er schneller aus als unten. Diese Art der Risse kommt überwiegend bei Verbundestrichen vor, da durch die eingeschränkte Bewegung des Estrichs auf dem Untergrund durch Schwindung des frischen Estrichs stärkere Zugspannungen auftreten. Risse mit parallel verlaufenden Rissufern im gesamten Estrichquerschnitt, manchmal sogar bis in den Untergrund. Diese Form tritt überwiegend bei Estrichen auf Dämm- oder auf Trennschicht auf. Sie entstehen zum Beispiel durch fehlenden Schwind-, Rand-, oder Bewegungsfugen oder durch Bruch der Estrichplatte bei ungenügender Dicke bzw. zu hoher Belastung. Auch Verwölbungen der Estrichplatte können eine Ursache sein.

Einbrüche

Einbrüche im Estrich sind relativ selten. Sie entstehen durch zu hohe Einzellasten auf Estrichen mit einer weichen Unterlage. Die Last stanzt einen kreisförmigen Bereich im Estrich aus, wenn die Druck- und Scherkräfte zu stark werden.

Zerfall, Festigkeitsverlust

Zerfall bei Estrichen bedeutet, dass der Estrich in viele kleine Bruchstücke zerbricht oder sich krümelig auflöst. Dies geschieht wenn die Baustofffestigkeit nicht hoch genug ist und den äußeren Lasten und inneren Spannungen nicht standhalten kann. Die Ursache kann in der Rezeptur des Estrichs liegen. Auch fehlende Nachbehandlung (zu schnelle Austrocknung) kann ein Grund sein. Einige Chemikalien greifen das Bindemittel im Estrich an, wodurch auch die Festigkeit auch durch verringert wird. Zudem kann eine zu hohe Feuchtigkeitsbelastung schädigend wirken, besonders in Verbindung mit niedrigen Temperaturen kann es zu Frostschäden kommen.

Verformungen (Absenkungen, Verwölbungen)

Estriche auf Trenn- oder Dämmschichten können sich unabhängig von dem Untergrund verformen. Schwimmende Estriche (auf Dämmschicht oder Trockenschüttung) können sich absenken und verwölben. Erkennbar ist eine Absenkung meist am Übergang vom Bodenbelag zum Randsockel. Wärme- und Trittschall-Dämmschichten geben bereits beim Einbringen des Estrichs nach. Schüttmaterial sackt bei erster Belastung zusammen. Eine unerwünschte Volumenverringerung kann durch Einwirkung Wasser oder Lösungsmitteln auftreten.

Bei Estrichen auf Dämmschicht treten größere Verformungen durch Einzelasten in den Eck- und Randzonen des Estrichs auf. Fertigteilestriche (Trockenestrich) sind dabei empfindlicher als Zementestriche.

Durch thermische und hygrische Einflüsse kann es ebenfalls zu Verformungen kommen. Bei Estrichen auf Dämmschicht kommt es zu „Aufschüsselungen“ durch stärkeres Schwinden in der oberen Zone als in der unteren Zone. Dieser Effekt kann sich bei Heizestrichen noch verstärken, da sich der Estrich durch die thermische Längenänderung im Bereich der Heizelemente (meist in der unteren Zone) stärker ausdehnt.

Auf dem nicht vollständig abgebundenen Estrich aufgebrachte Beläge können das natürliche Schwinden des Estrichs behindern. Insbesondere Hartbeläge, wie Keramik, Naturstein oder Betonwerkstein, bilden an der Oberseite eine steife Schicht, so dass die Unterseite besonders bei Zementestrich stärker schwindet als die Oberseite und der Estrich sich in der Folge in der Mitte aufwölbt. Ungleichmäßige Verformung des Estrichs kann sich am Streifen von Türen auf dem Bodenbelag bemerkbar machen.

Zusammenwirken von anfänglichem „Aufschüsseln“ und späterem Aufwölben von Estrichen auf Dämm- oder Trennschicht Der Estrich schwindet zunächst an der Oberfläche und „schüsselt auf“. Wenn dann Keramikbelag und Randsockel aufgebracht werden, wird das Schwinden an der Oberfläche unterbunden und der Estrich zieht sich an der Unterseite stärker zusammen. Durch den Rückgang der anfänglichen Aufschüsselung senken sich die Ränder ab, wodurch sich Risse in der Verfugung zwischen Bodenbelag und Randsockel bilden können.

Weitere Schäden im Zusammenhang mit Fußboden-Belägen

Beläge aus Holz wie Parkett oder Holzpflaster quellen auf, wenn Wassergehalt des Holzes beim Einbau geringer ist als der Feuchtegehalt des Estrichs oder die Ausgleichsfeuchte, die sich bei der späteren Nutzung einstellt. Entstehende Spannungen werden in den Estrich übertragen. Dies kann Risse im Estrich oder das Ablösen des Belags vom Estrich zur Folge haben.

Wenn wasserdampfdichte Beläge auf die nicht dauerfeuchtebeständigen Calciumsulfat- oder Magnesiaestriche aufgebracht werden, kann sich ein zu hoher Feuchtegehalt im Estrich einstellen, durch den es zu Gefügestörungen und Zerfall kommt.

Ablösungen vom Untergrund

Bei Verbundestrichen oder mehrschichtigen Estrichen können Ablösungen zwischen dem Estrich und dem Untergrund bzw. den einzelnen Schichten vorkommen, wenn kritische Scher- und Zugspannungen erreicht werden. Das Problem kann auftreten, wenn die beiden Schichten ein stark unterschiedliches Schwind- oder thermisches Längenveränderungsverhalten aufweisen. Auch seitliche Stauchungen, nachträgliche Durchbiegungen des Untergrunds oder absprengende Druckkräfte diesen Schadensfall verursachen.

Schlechte Oberflächenbeschaffenheit

Ob die Oberflächenbeschaffenheit als mangelhaft anzusehen ist, hängt von den Anforderungen ab. Risse sowie Farb- und Strukturunterschiede in der Oberfläche können insbesondere bei Nutzestrichen als Mangel angesehen werden. Gründe können in der unzureichenden Durchmischung oder der falschen Rezeptur der Rohmasse liegen. An der Oberfläche können sichtbare Poren entstehen, wenn der beispielsweise Wasserzementwert zu hoch oder die Mörtelkonsistenz ungünstig ist. Durch punktuelle mechanische Überbeanspruchung kann es zu Abplatzungen der Estrichoberfläche kommen, insbesondere wenn ungeeignete Zuschlagstoffe verwendet wurden.

Erhöhter Oberflächenverschleiß, insbesondere im Zusammenhang mit einer absandenden Oberfläche, liegt oft an einer zu raschen Austrocknung von Zementestrich oder einer zu geringen Festigkeit des Estrichs.

Soll der Estrich einen Bodenbelag erhalten, ist die optische Beschaffenheit nicht relevant. Jedoch muss die Haftzugfestigkeit der Oberfläche für das Aufbringen von Spachtelschichten und Kleber ausreichend hoch sein. Ein Absanden der Oberfläche kann auf eine zu geringe Festigkeit hinweisen. Haftvermindernd kann außerdem eine sogenannte Schlämmschicht („Sinterschicht“) wirken, die insbesondere bei Zement- und Calciumsulfatfließestrichen auftritt. Meist ist ein zu hoher Wasser/Bindemittel-Wert die Ursache. Die Estrichmischung ist dann so flüssig, dass das Bindemittel beim abschließenden Glätten des frischen Estrichs an die Oberfläche wandert.

Maßtoleranzüberschreitungen

Wenn die vorgesehene Höhenlage (und damit die Anschlusshöhe) des Estrichs überschritten wird, ergeben sich unerwünschte Absätze an Treppenstufen, Podesten oder Türöffnungen. Bei Gefälleestrichen kann bei fehlender oder falscher Neigung Wasser nicht wie vorgesehen ablaufen. Eine ungenügende Ebenheit kann daraus resultieren, dass der frische Estrich zu früh belastet oder das Abziehen und Glätten nicht sorgfältig ausgeführt wurde.

Einmuldungen und Eindrückungen

Einmuldungen und Eindrückungen treten bei Gussasphaltestrichen durch Einzellasten auf, wenn die erforderliche Härteklasse nicht erreicht wird.

Knackgeräusche

Störende Knack- oder Knirschgeräusche können ebenfalls ein Mangel sein. Bei schwimmenden Estrichen können sie im Bereich von Anschlussfugen auftreten. Bei fehlenden Trennstreifen reiben benachbarte Estrichplatten aneinander oder der Estrich reibt an der Wand. Wenn Trennstreifen nicht gleichmäßig eingebracht, nachträglich beschädigt oder entfernt werden, können Mörtelreste und Steinchen in den Fugenraum fallen und Geräusche erzeugen.

Auch bei Trockenestrichen aus Holzwerkstoffplatten können mangelhaft verklebte Verbindungen zwischen den Platten störende Geräusche hervorrufen.

Bei Heizestrichen können bei behinderter Wärmeausdehnungen Knack-Geräusche entstehen.

Feuchteschäden

Schäden durch Feuchte sind sehr vielseitig und gehören zu den häufigsten Schadensarten an Fußböden.

Häufige Ursachen erhöhter Feuchtewerte: initiale Baufeuchte, hohe Luftfeuchtigkeit infolge der späteren Nutzung; im Keller kann sich im Sommer durch Eintritt feuchtwarmer Luft Kondensat bilden, Wasserschäden durch Lekagen, Rohrbruch, undichte Dächer und Fassaden etc., aufsteigende Bodenfeuchtigkeit bei fehlender oder beschädigter Abdichtung, auch wasserundurchlässiger Beton ist nicht vollständig dampfdicht.

Folgen erhöhter Feuchte: Calciumsulfat- und Magnesiaestriche sind aufgrund wasserlöslicher Bestandteile nicht beständig gegenüber langandauernden Feuchte und daher besonders zu schützen. Bei langandauernder Feuchte verlieren sie ihre Festigkeit, lösen sich auf oder verformen sich. Je nach Material kann die Dämmschicht eines schwimmenden Estrichs bei erhöhter Feuchtigkeit ihre Festigkeit verlieren. Erhöhte Feuchte kann zur Blasenbildung und Verseifung des Kleber von elastischen Bodenbelägen führen. Im Estrich verlegte Rohrleitungen aus Stahl und Kupfer können bei Kontakt mit Feuchte korrodieren.

Spezielle Schäden im Freien

Aufgrund ihrer Beständigkeit gegen dauerhafte Feuchte eignen sich im Außenbereich in der Regel nur Zement- und Gussasphaltestriche. Bei Zementestrichen sind ein bestimmter Zementgehalt und ein niedriger Wasserzementwert erforderlich, um Frostbeständigkeit zu erreichen. Durch bestimmte Zuschläge und Maßnahmen zur Steuerung von Porengrößen und -formen können Schäden durch den Kristallisationsdruck von frierendem Wasser vermieden werden. Eine Abdichtung gegen Regenwasser erhöht die Lebensdauer. Durch Temperaturwechsel kommt es zu thermischer Längenänderungen und Spannungen im Estrich. Alle paar Meter sind Dehnungsfugen anzulegen, um Risse zu vermeiden. Gussasphaltestrich benötigt eine hohe Härteklasse um bei Sonnenbestrahlung nicht zu erweichen.

Chemische Unbeständigkeiten

Chemikalien können sowohl die Bindemittel als auch die Zuschlagstoffe eines Estrichs angreifen. Gussasphaltestrich erweichen bei Kontakt mit Lösemitteln wie Benzin. Zementestrich wird von Säuren sowie teilweise von Chlor- und Schwefelverbindungen angegriffen.

Ausbildung von Fugen