mini|Heinz Rühmann (1946) rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|Unterschrift Heinz Rühmann deutscher Schauspieler
Heinrich „Heinz“ Wilhelm Hermann Rühmann (* 7. März 1902 in Essen; † 3. Oktober 1994 in Berg (Starnberger See)) war ein deutscher Schauspieler, Regisseur und Sänger.
Seine Rolle in dem Film Die Drei von der Tankstelle bedeutete 1930 seinen Durchbruch als Filmschauspieler. Seither gehörte er zu den prominentesten und beliebtesten Schauspielern des deutschen Films und wurde einer der bestbezahlten Filmstars der NS-Zeit. Rühmann wurde vorwiegend als komödiantischer Durchschnittstyp eingesetzt wie in seiner bekanntesten Rolle als Hans Pfeiffer in der Komödie Die Feuerzangenbowle.Franz J. Görtz, Hans Sarkowicz: Heinz Rühmann 1902–1994. Der Schauspieler und sein Jahrhundert. München 2001, S. 107. In der Nachkriegszeit konnte er als Charakterdarsteller an frühere Erfolge anknüpfen, so etwa im Hauptmann von Köpenick und in Es geschah am hellichten Tag. Seinen letzten Filmauftritt hatte der Schauspieler 1993 in Wim Wenders’ In weiter Ferne, so nah! 1995 wurde Heinz Rühmann posthum die Goldene Kamera als Größtem deutschen Schauspieler des Jahrhunderts verliehen.
Leben Kindheit und Jugend mini|Der ehemalige Bahnhof Wanne (heute: Herne-Wanne-Eickel Hbf) mit Bahnhofswirtschaft, die von Rühmanns Eltern von 1902 bis 1913 betrieben wurde mini|Das Hotel Handelshof in Essen, das Heinz Rühmanns Eltern 1913 leiteten
Heinz Rühmann wurde 1902 in Essen geboren als Sohn des Hoteliers Hermann Wilhelm Rühmann (1873–1915) und seiner aus Hannover stammenden Frau Margarethe, geb. Stemme (1877–1928).Art. "Rühmann, Heinrich (Heinz) Wilhelm", in: Glenzdorfs Internationales Film-Lexikon. Biographisches Handbuch für das gesamte Filmwesen, 3. Bd.: Peit-Zz, Bad Münder (Deister) 1961, S. 1448. Sein Großvater Georg Heinrich Friedrich Stemme war Ingenieur bei der Firma Krupp in Essen. Rühmanns Eltern hatten im Frühjahr 1902 die Bahnhofsgaststätte in Wanne gepachtet. Heute erinnert der Bahnhofsvorplatz als Heinz-Rühmann-Platz an diese Verbindung. Vor den Gästen des Lokals hatte Rühmann im Alter von ungefähr fünf Jahren seine ersten Auftritte, die er selbst als Urszenen seiner Karriere bezeichnete. Um seine Stammgäste zu amüsieren, holte Hermann Rühmann seinen Sohn regelmäßig abends aus dem Bett, um ihn auf der Theke Gedichte rezitieren zu lassen. Heinz spielte seine Rolle, wie man es von ihm erwartete, und genoss den Applaus seines Publikums.Anja Greulich, Guido Knopp: Heinz Rühmann. In: Guido Knopp (Hrsg.): Hitlers nützliche Idole. 1. Auflage. C. Bertelsmann Verlag, München 2007, ISBN 978-3-570-00835-5, S. 19. Die Geschäfte der Bahnhofsgaststätte entwickelten sich sehr positiv, so dass die Rühmanns 1913 das neu eröffnete Hotel Handelshof in Essen mit Cafés, Restaurants, einem Weinsalon und verschiedenen Geschäften übernehmen konnten.Heinz Rühmann: Das war’s – Erinnerungen. 1. Auflage. Ullstein Verlag, Berlin / Frankfurt am Main / Wien 1982, S. 23. Der wirtschaftliche Erfolg blieb jedoch aus, sodass sie bereits Ende desselben Jahres Insolvenz anmelden mussten. In der Folge zerbrach die Ehe der Eltern, im März 1915 wurde sie geschieden. Hermann Rühmann zog nach Berlin, wo er wenig später wahrscheinlich Suizid beging. Die genauen Todesumstände konnten nie geklärt werden.Anja Greulich, Guido Knopp: Heinz Rühmann. In: Guido Knopp (Hrsg.): Hitlers nützliche Idole. 1. Auflage. C. Bertelsmann Verlag, München 2007, ISBN 978-3-570-00835-5, S. 14 ff.
Margarethe Rühmann und die Kinder Heinz, Hermann und Ilse blieben zunächst in Essen. Die Familie siedelte jedoch 1916 nach München über, da eine Freundin der Mutter erzählt hatte, dies sei die Stadt mit den niedrigsten Lebenshaltungskosten in Deutschland.Heinz Rühmann: Das war’s – Erinnerungen. 1. Auflage. Ullstein Verlag, Berlin / Frankfurt am Main / Wien 1982, S. 24. Allerdings war es auch in der bayerischen Landeshauptstadt schwierig, die drei Kinder mit der schmalen Witwenrente durchzubringen. Heinz Rühmann wechselte im Frühjahr 1919 an die Luitpold-Oberrealschule, um dort das Abitur abzulegen. Er verfolgte jedoch den Unterricht lustlos. Sein Ziel war es inzwischen, Schauspieler zu werden. Er trat einer Münchner Laienspielbühne in der Augustenstraße bei. Seine Mutter unterstützte ihn bei seinen Bemühungen. Um auf die professionelle Ebene zu gelangen, sprach er bei Ernst von Possart vor, der ihm abriet, Schauspieler zu werden, was Rühmann aber nicht irritierte. Er wandte sich an den Schauspieler Friedrich Basil vom Hoftheater,Rühmann selbst schrieb über seinen Lehrer: „Friedrich Basil […] war eine imposante Erscheinung im Münchner Kulturleben. Er verkörperte noch den Hoftheaterstil mit rollendem Zungen-R. Bei ihm nahm auch der Schriftsteller Frank Wedekind Schauspielunterricht, und später hörte ich, er habe Adolf Hitler in Gestik unterwiesen. Zuzutrauen wäre es beiden.“ Vgl. Heinz Rühmann: Das war’s – Erinnerungen. 1. Auflage. Ullstein Verlag, Berlin / Frankfurt am Main / Wien 1982, S. 28. um Schauspielunterricht zu bekommen. Im zweiten Anlauf nahm Basil ihn an.
Frühe Laufbahn, erste Heirat Bereits sechs Monate später wurde Richard Gorter auf ihn aufmerksam. Gorter, der in Breslau zwei Theater leitete, darunter das Lobe-Theater, bot Rühmann ein Engagement an beiden Bühnen für 80 Mark Monatsgage an. Basil, der die Ausbildung gefährdet sah, protestierte zunächst. Er ließ sich schließlich von seinem Kollegen überzeugen, dass sein Schützling in Breslau gut aufgehoben sei. Kurz bevor Rühmann die Reise an seinen neuen Arbeitsplatz antreten sollte, wachte er morgens mit einer Gesichtslähmung auf der linken Seite auf. Ein Arzt diagnostizierte eine Entzündung des Fazialisnervs infolge einer verschleppten Erkältung. Rühmann reiste dennoch ab und wurde von seinen neuen Arbeitgebern erst einmal wieder nach Hause geschickt, um sich auszukurieren.
Nach wenigen Wochen war die Lähmung verschwunden, und Rühmann hatte seine ersten Auftritte. Der erhoffte große Erfolg blieb in Breslau aber aus. Seine Rollen waren zu oft auf einen männlichen, heldenhaften Typen ausgelegt. Seine relativ geringe Körpergröße und sein jungenhaftes Aussehen standen hierzu im Widerspruch. Die negativen Kritiken versuchte Rühmann durch exzentrische Kleidung und entsprechenden Habitus in der Öffentlichkeit zu kompensieren.Anja Greulich, Guido Knopp: Heinz Rühmann. In: Guido Knopp (Hrsg.): Hitlers nützliche Idole. 1. Auflage. C. Bertelsmann Verlag, München 2007, ISBN 978-3-570-00835-5, S. 22 f.
Nachdem der Schauspieler ungefähr ein Jahr in Breslau gearbeitet hatte, wechselte die Direktion. Gorter ging und wurde durch Paul Barnay ersetzt. Dieser übernahm das gesamte Ensemble; als einzige Ausnahme wurde Heinz Rühmann unter Hinweis auf mangelnde Begabung nicht wieder engagiert. Als ihm in dieser Situation das Residenz-Theater Hannover ein Angebot unterbreitete, nahm er es sofort an.Heinz Rühmann: Das war’s – Erinnerungen. 1. Auflage. Ullstein Verlag, Berlin / Frankfurt am Main / Wien 1982, S. 41. Auch an seinem neuen Betätigungsort verfolgte ihn sein offensichtliches Problem: Rühmann war zu klein, zu jungenhaft, um Heldenrollen zu übernehmen. Während bei Rühmann diese Erkenntnis wuchs und er sich überlegte, wie er dieser Schwierigkeit begegnen sollte, schloss das Residenztheater 1922 seine Pforten. Die damals herrschende Wirtschaftskrise hatte ihm die wirtschaftliche Basis entzogen. Dennoch gab es hier während einer Aufführung ein für seine schauspielerische Leistung wegweisendes Ereignis: Verärgert und beleidigt über eine kleine Nebenrolle sprach Rühmann seinen Text mit Absicht in einem entsprechenden Tonfall, wofür es aber überraschend den ersten Szenenapplaus seiner Karriere und gute Kritik gab. Er griff dieses rhetorische Stilmittel später vor allem in seinen Filmen auf und die zuweilen leicht beleidigt und distanziert wirkende Rhetorik wurde Teil vieler von ihm verkörperter Figuren.
Nach einer kurzen Rückkehr nach München konnte Rühmann eine neue Anstellung in Bremen finden. Hier wurde ihm die Hauptrolle in Der Mustergatte angetragen. Sie entsprach exakt seiner persönlichen Ausstrahlung und wurde für ihn zum großen Erfolg. Weit über 2000 Mal spielte er sie in den folgenden dreißig Jahren. 1937 wurde der gleichnamige Film zum Kassenschlager.Anja Greulich, Guido Knopp: Heinz Rühmann. In: Guido Knopp (Hrsg.): Hitlers nützliche Idole. 1. Auflage. C. Bertelsmann Verlag, München 2007, ISBN 978-3-570-00835-5, S. 25 f. Anders, als er es selbst in seinen Erinnerungen darstellt,Heinz Rühmann: Das war’s – Erinnerungen. 1. Auflage. Ullstein Verlag, Berlin / Frankfurt am Main / Wien 1982, S. 49. war Der Mustergatte für das Bremer Schauspielhaus die erfolgreichste Aufführung des Jahres 1922. Im Dezember desselben Jahres kündigte Rühmann seinen Vertrag, da es Schwierigkeiten mit der Leitung des Hauses gegeben hatte, an denen er selbst wegen seines teilweise recht heftigen Extemporierens nicht unschuldig war.Anja Greulich, Guido Knopp: Heinz Rühmann. In: Guido Knopp (Hrsg.): Hitlers nützliche Idole. 1. Auflage. C. Bertelsmann Verlag, München 2007, ISBN 978-3-570-00835-5, S. 26 f.
In der Folge war es aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Situation schwer, ein Engagement zu bekommen. Heinz Rühmann unternahm vergebliche Versuche in Braunschweig und am Düsseldorfer Schauspielhaus. Schließlich nahm ihn die Bayerische Landesbühne unter Vertrag. Hierbei handelte es sich um ein Tourneetheater ohne festes Haus. 1921 durch das Bayerische Kultusministerium gegründet, lag die Leitung zur damaligen Zeit bei Otto Kustermann, der sich als Oberregisseur am Bremer Schauspielhaus einen Namen gemacht hatte. Kustermann hatte seine Schauspieler in zwei Gruppen aufgeteilt, die sich nie sahen, weil jede Truppe ein anderes Gebiet bereiste. Während seiner Arbeit hörte Rühmann von einer attraktiven Frau, einem Ensemblemitglied, die unter dem Künstlernamen Maria Herbot auftrat, aber eigentlich Maria Bernheim (1897–1957)Torsten Körner: Ein guter Freund: Heinz Rühmann. Aufbau-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-351-02525-4, S. 334. hieß. Die beiden lernten sich kennen, und Bernheim, über vier Jahre älter und gut zehn Zentimeter größer als Rühmann, gab ihren eigentlichen Beruf auf und wurde, wie er es selbst nannte, seine Privatregisseurin.Heinz Rühmann: Das war’s – Erinnerungen. 1. Auflage. Ullstein Verlag, Berlin / Frankfurt am Main / Wien 1982, S. 54.
Am 9. August 1924 heiratete Rühmann Maria Bernheim.https://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/heinz-ruehmann/ Statt einer Hochzeitsfeier gab es die Premiere von Slangs Die Erwachsenen, in der Rühmann eine der Hauptrollen übernommen hatte.Hans Josef Görtz, Hans Sarkowicz: Heinz Rühmann, 1902–1994: der Schauspieler und sein Jahrhundert. 1. Auflage. Verlag C. H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-48163-9, S. 55 ff. Als der Mime an das Deutsche Theater nach Berlin berufen wurde, sahen die beiden sich selten.
Rühmann blieb nur wenige Monate an der Bayerischen Landesbühne, dann ereilte ihn ein Ruf an die Münchner Kammerspiele. Die damalige Direktorin der Kammerspiele, Hermine Körner, sah in ihm die wesentliche Bereicherung ihres Ensembles ins komische Fach, und so stimmte er zu. Zu dieser Zeit bekam Heinz Rühmann auch sein erstes Angebot, in einem Stummfilm mitzuwirken. Grundsätzlich nicht sehr begeistert von diesem Medium, überzeugte ihn letztlich die Bezahlung. Für zehn Drehtage wurden 500 Mark Gage in Aussicht gestellt. Rühmann nahm an, und so kam er in dem Film Das deutsche Mutterherz auf die Leinwand.
Karriere als Filmschauspieler