Mit West- und Nordkamm des Hohen Fichtelgebirges wird eine naturräumliche Untereinheit (394-A) des Hohen Fichtelgebirges (Haupteinheit 394) in den oberfränkischen Landkreisen Wunsiedel, Bayreuth und Hof sowie im oberpfälzischen Landkreis Tirschenreuth bezeichnet. Sie enthält das Kern-Fichtelgebirge mit den Hauptbergen Schneeberg (), Ochsenkopf () und Kösseine () am nach Südosten gehenden Kamm sowie den schmaleren, nach Nordosten weisenden Kamm des Waldsteingebirges (bis ) und des durch die Lamitz abgetrennten Massivs des Kornbergs ().
Systematik Die Naturräumliche Haupteinheit Hohes Fichtelgebirge (394) wurde in den Arbeiten zum Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands als Untereinheit der Haupteinheitengruppe Thüringisch-Fränkisches Mittelgebirge (39) ausgewiesen. Da jedoch in der verfeinernden Gliederung 1:200.000 die Blätter 142 Plauen (Süd) und 154/155 Bayreuth nie erschienen sind, hatte es bis in die 2010er Jahre hinein keine Verfeinerung dieser Gliederung gegeben.
Inzwischen hat das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) eine auf den Haupteinheiten aufbauende Gliederung aller Naturräume Bayerns vorgenommen, die gegebenenfalls jeweils eine weitere Unterebene enthält – also bis zur 5. Ordnung reicht. Da es keine darüber hinausgehende Verfeinerung gibt, wurden den Haupteinheiten keine Nachkommastellen nachgestellt, sondern die Kennziffern der Unter-Naturräume werden mit einem nachgestellten Buchstaben versehen. Beim West- und Nordkamm des Hohen Fichtelgebirges als erster von vier Untereinheiten war dies der Buchstabe A.Naturräumliche Gliederung Bayerns des LfU
Lage und Grenzen Die Einheit West- und Nordkamm des Hohen Fichtelgebirges endet nach Süden unmittelbar nördlich Kemnaths und nach Norden unmittelbar südlich Rehaus. Im Osten reicht sie bis vor Marktredwitz, im Westen bis vor Bad Berneck. Im Selb-Wunsiedler Hügelland liegen die Namensgeber Selb (im äußersten Norden) und Wunsiedel (im Süden) in unmittelbarer Nachbarschaft. An größeren Städten ist Bayreuth etwa 9 km (vom Zentrum gemessen) südwestlich des Gebirgsrandes und Hof etwa 10 km nordwestlich des Nordrandes.
Die Einheit 394-A nimmt mehr als die Hälfte der Fläche des Hohen Fichtelgebirges ein und hat nach Südosten am Pilgramsreuther Sattel (394-A), an dem die Kammlinie auf bis sinkt, Anschluss an den östlichen Teil des Hohen Fichtelgebirges mit der ebenfalls montanen (bis ) Einheit Steinwald (394-C). Nach Nordosten stößt das Kern-Fichtelgebirge und nach Südosten der Waldsteinzug ans submontane Selb-Wunsiedler Hügelland (395-A). Nach Nordosten verlängert sich der Kamm des Waldsteinzugs noch etwas ins Obere Vogtland (412), nach Nordwesten geht die Einheit über in die Münchberger Hochfläche (393).
Deutlich flachwelliger sind das Obermainische (071) und das Oberpfälzische Hügelland (070), die sich nach Südwesten anschließen.
Untergliederung Die naturräumliche Gliederung Bayerns nach LfU kennt keine feineren Teileinheiten, jedoch werden landläufig diverse Untergruppen benannt, die sich an den wichtigsten Scharten und Tälern voneinander trennen. Die insgesamt etwa 444 km² der Einheit 394-A lassen sich etwa wie folgt aufteilen (Grenzziehungen siehe Unterabschnitte): Schneebergmassiv (etwa 71,4 km²) Mainbergrücken (Hohe Heide; etwa 14,3 km²) Ochsenkopfmassiv (etwa 22,0 km²) Königsheide (etwa 61,3 km²) Kreuzsteingruppe (Nasse Heide; 82,6 km²) Kösseinemassiv (etwa 61,7 km²) Fichtelnaabtal (etwa 34,2 km²) Waldstein (etwa 61,0 km²) Kornberg (etwa 54,7 km²)
Schneebergmassiv Über den Schneeberg führt ein Kamm, der im Südosten an der Hohen Matze () beginnt und über Platte (), Seehügel () und Nußhardt () zum Schneeberg auf ansteigt und mit fallender Höhe dann Hohe Heide () und Wetzstein () erreicht, um vor Gefrees schroff abzufallen. Als Berge wirklich eigenständig sind hiervon neben dem Schneeberg nur die Hohe Matze (Prominenz: 93 m) sowie, mit Abstrichen, die Hohe Heide (51 m) und die Platte (47 m).
Einen vom Schneeberg nach Nordosten ausgehenden Riedel bildet der Rudolfstein (). Südlich desselben verläuft der Hang von Schneeberg bis Platte nach Nordosten sehr schroff; so kommt der dem Seehügel vorgelagerte Wolfstein auf gerade noch , bei noch geringerer Schartenhöhe. Im Bereich des Kornbacher Sattels nördlich der Hohen Heide sind die Flanken weniger steil, und der Übergang von der Hohen Heide (bzw. dem Wetzstein) zum Mainbergrücken verläuft durch eine nur auf etwa eingetiefte Scharte.
Nach Südosten ist das Schneebergmassiv gut durch die nah dem Ehewaldbach verlaufende St 2665 vom Süden Tröstaus bis Nagel abgegrenzt, nach Südwesten ab dort durch die Gregnitz bachaufwärts bis zum Abzweig der St 2981 in Richtung Fichtelberg von der B 303, ab dort von der Bundesstraße bis zum Nordwesten Bischofsgrüns (Rangen), verlängert über die Scharte zum Mainbergrücken und den Köhlersgrundbach bis vor (Gefrees-)Schamlesberg; eine Nordgrenze zum Waldsteinzug bildet die St 2180 zwischen dem Ostrand von Gefrees und Voitsumra westsüdwestlich von Weißenstadt. Das so begrenzte Gebiet nimmt eine Fläche von etwa 72,7 km² ein, von denen allerdings etwa 1,3 km² auf das darin eingeschlossene Siedlungsgebiet von Nagel inklusive Wurmloh entfallen, die man wohl eher dem Fichtelnaabtal zurechnen würde. Es verblieben etwa 71,4 km², davon 10,1 km²Will man die Hohe Matze abgrenzen, so wäre nach Nordosten nicht genau der B 3 zu folgen, da diese ja ab der Scharte ganz auf der Matze verläuft, sondern dem Zinnbach. für die Hohe Matze.
Mainbergrücken Von der Hohen Heide bzw. vom Wetzstein zweigt nach Südwesten der Rücken des Mainbergs ab, der nach einer Scharte auf etwa nur noch auf maximal ansteigt und bis zum namentlichen Mainberggipfel () sehr sanft abfällt, um dann vor dem Weißmain sehr schroff abzubrechen. Die Südostflanke des Riedels ist zum Weißmain mit der B 303 von Bischofsgrün nach Bad Berneck durchgängig steil. Dieser Riedel wurde früher insgesamt auch als Hohe Heide bezeichnet.
Der Rücken, der durch die B 3 am Weißmain von Rangen bis zum Weißmainknick südöstlich Bad Bernecks nach Südosten begrenzt wird, nimmt etwa 14,3 km² ein.
Ochsenkopfmassiv Das Massiv des hohen Ochsenkopfs ist durch eine Scharte auf etwa an Bundesstraße und Kreisgrenze gut von dem des Schneebergs getrennt. Es besteht im engeren Sinne aus nur diesem einen Berg, von dem allerdings zwei weitere Berggruppen abzweigen.
Das Ochsenkopfmassiv mit der B 3 bis westlich Bischofsgrüns (Glasermühle) als Nordost- und Nordgrenze sowie der Kreisstraße BT 4 über den Norden Fichtelbergs zurück zur B 303 als Südwest- und Südgrenze nimmt eine Fläche von etwa 22,0 km² ein, die fast das komplette Siedlungsgebiet Bischofsgrüns beinhaltet.
Königsheide Die Königsheide an der westlichen Wasserscheide der Warmen Steinach ist durch eine Scharte auf etwa vom Ochsenkopf getrennt und steigt auf bis zu an. Da im Norden des Rückens noch eine niedrigere Scharte auf etwa liegt, hat der Hauptgipfel Hohberg eine Schartenhöhe von immerhin 110 m. Nach Westen zweigen drei verschiedene Riedel ab, die durch Bachtäler voneinander getrennt sind.
Die Königsheide besteht im Grunde nur aus einem einzigen eigenständigen Berg plus einer hohen, namenlosen Anhöhe im Norden, jenseits der tieferen Scharte und in Nähe jener zum Ochsenkopf.
Die Königsheide mit der B 303 als Nordwestgrenze, der BT 4 bis Hütten als Nordostgrenze und der St 2181 entlang der Warmen Steinach über Warmensteinach bis östlich Weidenbergs als Südostgrenze nimmt eine Fläche von etwa 61,3 km² ein, darunter große Teile der Siedlungsfläche von Warmensteinach (Hälfte des Kernortes plus alle höher gelegenen Ortsteile im Nordosten).
Kreuzsteingruppe Die KreuzsteingruppeZiele für einzelne Teilräume, Regionaler Planungsverband Oberfranken-Ost wurde früher auch als Nasse Heide bezeichnet.Königsheide und Kreuzsteingruppe, Fichtelgebirgsverein Wunsiedel Ihre Scharte zum Ochsenkopf am Hüttener Sattel bei Hütten liegt dicht an der St 2181 zwischen Warmensteinach im Südwesten und Fichtelberg im Südosten und erreicht eine Höhe von etwa . Für den erreichenden, namensgebenden Kreuzstein bedeutet das eine Schartenhöhe von etwa 112 m. Der im Norden mit dem Hüttenberg () beginnende Hauptkamm nach Süden in Richtung Kirchenpingarten liegt auf der Europäischen Hauptwasserscheide, die hier die Warme Steinach vom Einzugsgebiet der Naab trennt.
Unmittelbar am Kreuzstein zweigt ein weiterer, nach Südosten verlaufender Kamm ab, der der Wasserscheide zwischen Fichtelnaab und Haidenaab folgt. Der Naturraum endet in diese Richtung am hohen Rücken des Schwarzbergs; hinter einer Scharte auf etwa bei Oberwappenöst (Oberwappenöster Sattel im Naturraum Pilgramsreuther Sattel) steigt, im Naturraum Steinwald, die Höhe am Armesberg wieder auf an.
Insgesamt ist die Kreuzsteingruppe deutlicher in Einzelrücken und Riedel verzweigt als alle anderen Berggruppen des Naturraums. Die Kuppen auf den kurzen Riedeln in Richtung Warmensteinach im Nordwesten (Eisenberg: , Dürrberg: , Klügel: ) weisen, wie auch der eher plateauartige Hüttenberg im Norden, nur geringe Schartenhöhen auf und sind nur vom Ort aus markant; einzige Ausnahme hiervon bildet der ans Tal der Warmen Steinach stoßende Schanzberg () westlich des Kreuzsteins, dessen Scharte zum Krüger auf etwa liegt.
Neben dem Kreuzstein erreichen drei weitere Berge eine Höhe von mindestens . Ans Oberpfälzische Hügelland nach Süden stoßen von West nach Ost: der in sich eigenständige, von Süden aus im Gegenuhrzeigersinn umflossene Iskaraberg () die auslaufenden Riedel des Muckenreuther Rangen (bis ) die auslaufenden Riedel der Platte (noch in Randnähe erreichend) mit dem Schieferberg () die vom Klausenberg () ausgehenden Riedel mit dem Mittelberg () im Süden die vom Scheibenberg () ausgehenden Riedel mit dem sehr prominenten (knapp 100 m) Tannenberg () in Randlage der ebenfalls vom Scheibenberg ausgehende Schwarzberg ()
Eine relativ scharfe (Nord-)Ostgrenze dieser Gebirgsgruppe bildet das zwischen Fichtelberg und Mehlmeisel und weiter flussabwärts zwischen Brand und Ebnath vergleichsweise dicht besiedelte Tal der Fichtelnaab. Der gerodete Naabrangen gegenüber Ebnaht erreicht noch .
Die Kreuzsteingruppe mit einem kleinen Stück BT 4 zwischen Fichtelberg und Hütten als Nordgrenze, der St 2181 an der Warmen Steinach als Westgrenze und der Fichtelnaab als Nordostgrenze nimmt etwa 89,0 km² ein, darunter insbesondere die Hälfte der Siedlungsfläche des Kernortes Warmensteinach. Vor allem aber beinhaltet diese Fläche im Nordosten etwa 6,4 km² der Siedlungs- und Landwirtschaftsfläche von Fichtelberg im Nordosten und Mehlmeisel südlich davon, die eher dem Fichtelnaabtal zuzurechnen wären. Es verblieben etwa 82,6 km² für die eigentliche Kreuzsteingruppe.
Kösseinemassiv Südöstlich der Hohen Matze trennt eine Scharte auf etwa das Massiv der Kösseine (bis ) als östlichsten Höhenzug des Naturraums vom Schneebergmassiv. Vom Hauptberg aus reichen breitere Riedel bis Marktredwitz im Nordosten (Oberberg: ) und bis Neusorg im Süden (Bärenrangen: ), sie flachen aber schon in geringer Entfernung zum Hauptgipfel deutlich ab. Lediglich der Burgstein () nördlich des Hauptbergs ist sehr markant aus dem Relief präpariert und liegt immerhin 77 m über seiner Scharte. An seinem Nordriedel liegt das Luisenburg-Felsenlabyrinth (von etwa bis herab auf ), nach Nordwesten schließen sich, mit nach außen merklich fallenden Höhen, an den Hauptgipfel die Felsgipfel Haberstein () und Schauerberg () an.