Karl Georg Brandt (* 5. November 1898 in Karlsmarkt bei Brieg; † 16. Februar 1945 in Posen) war ein deutscher Polizeibeamter und Täter des Holocaust im Rang eines SS-Untersturmführers, der während des Zweiten Weltkrieges im deutsch besetzten Polen das Judenreferat beim Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD im Distrikt Warschau des sogenannten Generalgouvernements leitete.

Leben Brandt war in der Zeit des Nationalsozialismus als Kriminalsekretär in Bielefeld tätig, er beantragte am 27. Juli 1937 die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.840.483).Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/3720272Josef Wulf: Das Dritte Reich und seine Vollstrecker. Die Liquidation von 500.000 Juden im Ghetto Warschau, Berlin 1961, S. 299 Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde er zum Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD nach Warschau kommandiert, wo er zunächst in der Abteilung III und ab 1941 in der Abteilung IV (Gestapo) eingesetzt war. Bei der Gestapo in Warschau leitete er das Judenreferat (Abteilung IVB4).Barbara Schieb, Martina Voigt (Hrsg.): Frederick Weinstein. Aufzeichnungen aus dem Versteck: Erlebnisse eines polnischen Juden 1939–1946. Aus dem Poln. übers. von Jolanta Woźniak-Kreutzer. Lukas-Verl., Berlin 2006, S. 504., Fußnote 79 Er war im Sommer 1942 beim Sonderkommando Umsiedlung der Sicherheitspolizei tätig.Klaus-Peter Friedrich (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945 (Quellensammlung) Band 9: Polen: Generalgouvernement August 1941–1945. Berlin 2014, ISBN 978-3-486-71530-9, S. 343, Fußnote 2 Am 19. August 1942 erschossen Gestapomänner im Sanatorium Zofiówka in Otwock unter der Leitung Brandts 108 weibliche und männliche Insassen.Klaus-Peter Friedrich (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945 (Quellensammlung) Band 9: Polen: Generalgouvernement August 1941–1945. Berlin 2014, ISBN 978-3-486-71530-9, S. 388 Anm. 4.

Brandt war maßgeblich in die Deportation Warschauer Juden involviert. Laut überlebenden Zeitzeugen war Brandt im Warschauer Ghetto überaus gefürchtet und galt als extremer Sadist.Josef Wulf: Das Dritte Reich und seine Vollstrecker. Die Liquidation von 500.000 Juden im Ghetto Warschau, Berlin 1961, S. 299 So soll er dort an Selektionen teilgenommen haben, bei denen er als nicht arbeitsfähig geltende jüdische Menschen zur Deportation in das Vernichtungslager Treblinka und sogenannte Arbeitsfähige zur Zwangsarbeit einteilte. Während Razzien im Warschauer Ghetto und der Begleitung von Gruppen jüdischer Menschen zum berüchtigten Umschlagplatz am Warschauer Ghetto soll er an Mordaktionen beteiligt gewesen sein.Josef Wulf: Das Dritte Reich und seine Vollstrecker. Die Liquidation von 500.000 Juden im Ghetto Warschau, Berlin 1961, S. 299ff.

Brandt fiel am 16. Februar 1945 während der Schlacht um Posen.Josef Wulf: Das Dritte Reich und seine Vollstrecker. Die Liquidation von 500.000 Juden im Ghetto Warschau, Berlin 1961, S. 302

Literatur Josef Wulf: Das Dritte Reich und seine Vollstrecker. Die Liquidation von 500.000 Juden im Ghetto Warschau. Arani-Verlags GmbH, Berlin 1961, S. 299–302 (Kapitel II: Biographien der Liquidatoren und Helfershelfer, Abschnitt 7).

Einzelnachweise

Kategorie:Täter des Holocaust Kategorie:Gestapo-Personal Kategorie:Person (deutsche Besetzung Polens 1939–1945) Kategorie:Warschauer Ghetto Kategorie:SS-Mitglied Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1898 Kategorie:Gestorben 1945 Kategorie:Mann