Uranius Satyrus,Voller Name in , Nr. 5. als Heiliger auch Satyrus von Mailand genannt (* um 331 in Augusta Treverorum, heute Trier; † 374/375Todesdatum nach Vgl. auch in Mediolanum, heute Mailand), war ein römischer Anwalt und Provinzstatthalter der Spätantike. Er war der ältere Bruder des bedeutenden Bischofs Ambrosius von Mailand und wird auch selbst als Heiliger verehrt. Sein Gedenktag ist der 17. September. mini|Rechtes Kirchenschiff der Basilika Sant’Ambrogio in Mailand mit der Barockkapelle des hl. Bartholomäus und des hl. Satyrus mit dessen Reliquien
Leben Satyrus entstammte einer römischen Senatorenfamilie und war ein Sohn des Ambrosius, der vermutlich als Prätorianerpräfekt in der Gallia Narbonensis diente. Seine ältere Schwester war die geweihte Jungfrau und Heilige Marcellina von Mailand und sein jüngerer Bruder war der römische Politiker, Bischof von Mailand und Kirchenvater Ambrosius. Er war auch, vielleicht über die Mutter, mit dem wichtigen römischen Senator Quintus Aurelius Symmachus verwandt.Ambrosius von Mailand, De excessu fratris Satyri 32; Quintus Aurelius Symmachus, epistulae 1,63. Vgl. zu diesem Zusammenhang auch Ariane Bodin: A New Approach to Ambrose of Milan’s Kinship. In: Carmen Angela Cvetković, Peter Gemeinhardt (Hrsg.): Episcopal Networks in Late Antiquity. Connection and Communication Across Boundaries. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2019, S. 43–62 (Digitalisat), insbesondere S. 55–58.
Nachdem die Familie von Trier nach Rom gezogen war, erhielt Satyrus eine Ausbildung als Rechtsanwalt, wurde zunächst Anwalt am Hof des Prätorianerpräfekts, dann Statthalter einer römischen ProvinzAmbrosius von Mailand, De excessu fratris Satyri 58. und verwaltete später das Vermögen der Familie. Als sein Bruder Ambrosius im Jahr 374 zum Bischof des Erzbistums Mailand gewählt wurde, legte Satyrus, der unverheiratet geblieben war, sein Amt als Statthalter nieder und übernahm die Verwaltung der weltlichen Angelegenheiten der Erzdiözese.
Als Nachweis für seine sorgfältige Arbeit führte sein Bruder Ambrosius später ein Ereignis an, das sich im Herbst des Jahres 374 zugetragen haben soll. Ein gewisser Prospero, dem Besitz in Africa anvertraut worden war, hatte sich einen Geldbetrag angeeignet, der ihm nicht zustand, und wollte ihn auch nicht zurückgeben. Satyrus, der davon erfahren hatte, intervenierte jedoch und konnte so die Situation um den Streit klären.San Satiro Fratello dei Ss. Ambrogio e Marcellina, 17 settembre (ital.), Autorin: Emilia Flocchini, In: Santiebeati.it, abgerufen am 15. August 2019 In diesem Zusammenhang ist auch ein Brief des Quintus Aurelius Symmachus überliefert, in dem er Satyrus an seinen Bruder Celsinus Titianus empfahl, damals Statthalter der Provinz Africa.Quintus Aurelius Symmachus, epistulae 1,63. Für Satyrus war dies alles nichts Neues, denn er wurde auch bei Meinungsverschiedenheiten zwischen seiner Schwester Marcellina und seinem Bruder Ambrosius um Schlichtung gebeten, was ihm offenbar so gut gelang, dass keiner der beiden verärgert blieb. Die Harmonie unter den Brüdern war so groß, dass Ambrosius, als er wegen seiner großen Ähnlichkeit mit Satyrus mit diesem verwechselt wurde, sich freute, wenn man ihm Lob aussprach, das seinem Bruder galt.
Nach seiner Rückkehr aus Africa wurde Satyrus krank und starb kurz darauf unerwartet. Sein Bruder Ambrosius pries ihn bei seiner Beerdigung in einer Trauerrede Über den Tod meines Bruders Satyrus (lat. De excessu fratris Satyri). Darin sagte dieser: „Aber immerfort und ohne Ende zu leben – das kann doch zuletzt nur langweilig und schließlich unerträglich sein“. Beigesetzt wurde Satyrus neben dem Grab des Märtyrers Victor in der Basilika Portiana, der heutigen Kirche San Vittore in Ciel d’Oro, die heute ein Erweiterungsbau der Kirche Sant’Ambrogio in Mailand ist.
mini|Fassade der Kirche Santa Maria presso San Satiro in Mailand Zu Ehren Satyrus’ ließ Erzbischof Ansperto Confalonieri da Biassono im Jahre 870 eine kleine Kirche als Zentralbau im Komplex der Sakralbauten von Santa Maria presso San Satiro errichten.
Literatur
Odilo Heiming: Das Festdatum des hl. Satyrus von Mailand und die orientalische Quelle des Martyrologium Hieronymianum. In: Orientalia christiana periodica. Band 17, 1951, S. 436–448. Christel Squarr: Satyrus von Mailand. In: Lexikon der christlichen Ikonographie. Band 8. Herder, Freiburg im Breisgau 1975, Sp. 312.
Weblinks
San Satiro di Milano fratello e collaboratore di S.P. Ambrogio (italienisch), In: Regio18.blogspot, abgerufen am 17. August 2019 Ambrosius’ Reden zum Tod seines Bruders Satyrus in christlicher Umsetzung der antiken Traditionen von Totenlob und Todestrost, In: Regesta Imperii Art. Satyrus, Heiliger (330–378), In: Regesta Imperii Über die erste Trauerrede des hl. Ambrosius zum Tode seines Bruders Satyrus, Albers, Paul Bruno (1922), In: FS Albert Ehrhard, S. 24–52 Über die erste Trauerrede des h. Ambrosius zum Tode seines Bruders Satyrus, Albers, Paul Bruno (1921–1928), In: Bulletin d’ancienne littérature chrétienne latine 1 (1921/28), S. 173–176
Anmerkungen
Kategorie:Beamter (römische Spätantike) Kategorie:Heiliger (4. Jahrhundert) Kategorie:Person (Trier) Kategorie:Person (Mailand) Kategorie:Römer Kategorie:Geboren im 4. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 4. Jahrhundert Kategorie:Mann