mini Der Sechste Sachstandsbericht (, AR6; auch Sechster Weltklimabericht) des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) der Vereinten Nationen ist eine systematische Übersichtsarbeit zum Forschungsstand der Klimaforschung. Die seit 1990 regelmäßig erscheinenden Sachstandsberichte des IPCC fassen auf mehreren Tausend Seiten den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zur globalen Erwärmung, ihren Folgen, Klimaschutz und mögliche Anpassungsstrategien an die globale Erwärmung zusammen. Sie werden innerhalb der Wissenschaft als glaubwürdigste und fundierteste Darstellung bezüglich des naturwissenschaftlichen, technischen und sozioökonomischen Forschungsstandes über das Klima und seine Veränderungen sowie über Möglichkeiten des Umgangs damit betrachtet.Stefan Rahmstorf, Hans Joachim Schellnhuber: Der Klimawandel. Diagnose, Prognose, Therapie. Beck, München 2007, S. 88.

Als erster Teil wurde am 9. August 2021 der Bericht der Arbeitsgruppe I vorgestellt, der den aktuellen naturwissenschaftlichen Erkenntnisstand darstellt. Am 28. Februar 2022 folgte der zweite Teil der Arbeitsgruppe II (Folgen, Anpassung und Verwundbarkeiten). Der dritte Teil zur Minderung des Klimawandels erschien am 4. April 2022. Am 20. März 2023 wurde der als Zusammenfassung des gesamten Bewertungszyklus dienende Synthesebericht publiziert. Verfasst wurde der Bericht von rund 800 Autoren, die über mehrere Jahre mehr als 100.000 Studien auswerteten und in einem mehrstufigen Peer-Review-Verfahren über 300.000 Kommentare von Gutachtern berücksichtigten.Das steht im neuen Bericht des Weltklimarates. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. März 2023. Abgerufen am 20. März 2023.

Mit der Wahl von James Skea, Professor für nachhaltige Energie am Londoner Imperial College, zum neuen Vorsitzenden hat „der siebente Sachstandszyklus des Weltklimarates“ begonnen.

Hintergrund Zuvor gab es fünf Sachstandberichte des IPCC (1990, 1995, 2001, 2007, 2014). Am 9. April 2018 veröffentlichte der IPCC die Autorenlisten des Kernteams (WGI, WG II, WG III) des Sechsten IPCC-Sachstandsberichts. Im Kernteam der 721 Fachleute aus 90 Ländern befanden sich dabei 39 in Deutschland verortete Hauptautoren und Begutachtungseditoren. Damit wurden etwa ein Drittel der von Deutschland Nominierten ausgewählt. Weltweit wurden knapp 3000 Personen von den Regierungen und Beobachterorganisationen nominiert.

Bei der Auswahl der Experten haben die Vorstände der drei Arbeitsgruppen (IPCC Bureau) neben der fachlichen Expertise als wichtigstem Kriterium auch die ausgewogene Zusammensetzung des Autorenteams in Bezug auf regionale Herkunft, die Beteiligung beider Geschlechter und die Mitarbeit von Fachleuten aus verschiedenen Disziplinen mit unterschiedlichem fachlichen Zugang berücksichtigt.

Insgesamt ist der komplette Bericht mehr als 10.000 Seiten lang. Für das Schreiben des Berichtes wurden von den Autoren mehr als 230.000 im Web of Science aufgeführte Studien gesichtet, die seit Veröffentlichung des Fünften Sachstandsberichtes in den Jahren 2013/14 publiziert wurden.FEATURE-'Ridiculous' length? How to make IPCC climate science reports an easier read. In: Reuters, 6. April 2022. Abgerufen am 6. April 2022.

Teilberichte Arbeitsgruppe I: Die physikalische Basis hochkant=1.5|mini|Anstieg der globalen Oberflächentemperaturen im Zeitraum 1850 bis 2020 im Vergleich zu 1850–1900 Der Bericht der Arbeitsgruppe I hat einen Umfang von 3949 Seiten und erschien am 9. August 2021.Climate Change 2021. The Physical Science Basis. Intergovernmental Panel on Climate Change, 9. August 2021 (PDF, ca. 250 MB) Er wurde von 234 Wissenschaftlern aus 66 Staaten verfasst und zitiert mehr als 14.000 Studien.Weltklimarat-Bericht: Klimawandel ist weit verbreitet, schnell und verstärkt sich. In: Redaktionsnetzwerk Deutschland, 9. August 2021. Abgerufen am 1. März 2022. Die 40-seitige Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger (Summary for Policymakers) wurde im Rahmen der 54. IPCC-Session zwischen dem 26. Juli und 6. August 2021 finalisiert und ebenfalls am 9. August 2021 vorgestellt.

Kernaussagen Die Kernaussagen des Berichts sind folgendeHeadline Statements from the Summary for Policymakers. Internetseite des IPCC. Abgerufen am 11. Oktober 2021.:

A. Gegenwärtiger Zustand des Klimas A.1: „Es ist unbestritten, dass der Mensch die Atmosphäre, die Ozeane und das Land erwärmt hat. Weitreichende und schnelle Veränderungen in der Atmosphäre, den Ozeanen, der Kryosphäre und der Biosphäre sind eingetreten.“ A.2: „Das Ausmaß der jüngsten Veränderungen im Klimasystem als Ganzes und der gegenwärtige Zustand vieler Aspekte des Klimasystems sind beispiellos über viele Jahrhunderte bis Tausende von Jahren.“ A.3: „Der vom Menschen verursachte Klimawandel wirkt sich bereits auf viele Wetter- und Klimaextreme in allen Regionen der Erde aus. Belege für beobachtete Veränderungen bei Extremen wie Hitzewellen, Starkniederschlägen, Dürren und tropischen Wirbelstürmen und insbesondere deren seit dem Fünften Bewertungsbericht (AR5) haben sich die Hinweise auf den menschlichen Einfluss verstärkt.“ A.4: „Verbesserte Kenntnisse über Klimaprozesse, paläoklimatische Belege und die Reaktion des Klimasystems auf einen zunehmenden Strahlungsantrieb führen zu einer besten Schätzung der Gleichgewichts-Klimasensitivität von 3 °C, wobei die Spanne im Vergleich zum AR5 kleiner ist.“

B. Mögliche Klimazukünfte B.1: „Die globale Oberflächentemperatur wird bei allen betrachteten Emissionsszenarien mindestens bis zur Mitte des Jahrhunderts weiter ansteigen. Die globale Erwärmung von 1,5 °C und 2 °C wird im Laufe des 21. Jahrhunderts überschritten werden, wenn nicht in den kommenden Jahrzehnten die Emissionen von Kohlenstoffdioxid (CO2) und anderen Treibhausgasen stark reduziert werden.“ B.2: „Viele Veränderungen im Klimasystem werden in direktem Zusammenhang mit der zunehmenden globalen Erwärmung größer. Dazu gehören die Zunahme der Häufigkeit und Intensität von Hitzeextremen, marinen Hitzewellen und Starkniederschlägen, landwirtschaftlichen und ökologischen Dürren in einigen Regionen, und der Anteil intensiver tropischer Wirbelstürme sowie der Rückgang des arktischen Meereises, der Schneedecke und Permafrost.“ B.3: „Die fortgesetzte globale Erwärmung wird voraussichtlich den globalen Wasserkreislauf weiter verstärken, einschließlich seiner Variabilität, der globalen Monsun-Niederschläge und der Schwere von Regen- und Trockenperioden.“ B.4: „In Szenarien mit steigenden CO2-Emissionen werden die Kohlenstoffsenken im Meer und an Land weniger wirksam sein, um die Anreicherung von CO2 in der Atmosphäre zu verlangsamen.“ B.5: „Viele Veränderungen, die auf vergangene und künftige Treibhausgasemissionen zurückzuführen sind, sind für Jahrhunderte bis Jahrtausende unumkehrbar, insbesondere Veränderungen der Ozeane, der Eisschilde und des globalen Meeresspiegels.“

C. Klimainformationen für Risikobewertung und regionale Anpassung C.1: „Natürliche Triebkräfte und interne Variabilität werden die vom Menschen verursachten Veränderungen modulieren, insbesondere auf regionaler Ebene und in naher Zukunft, mit geringen Auswirkungen auf die hundertjährige globale Erwärmung. Diese Modulationen sind bei der Planung für das gesamte Spektrum möglicher Veränderungen zu berücksichtigen.“ C.2: „Bei einer weiteren globalen Erwärmung wird jede Region den Projektionen zufolge zunehmend mit gleichzeitigen und mehrfachen Veränderungen der klimatischen Einflussfaktoren konfrontiert sein. Veränderungen bei mehreren klimatischen Einflussfaktoren wären bei 2 °C im Vergleich zu 1,5 °C globaler Erwärmung weiter verbreitet und bei höheren Erwärmungsgraden noch weiter verbreitet und/oder ausgeprägter.“ C.3: „Wenig wahrscheinliche Folgen wie der Zusammenbruch von Eisschilden, abrupte Änderungen der Ozeanzirkulation, einige zusammengesetzte Extremereignisse und eine Erwärmung, die deutlich größer ist als die sehr wahrscheinliche Bandbreite der künftigen Erwärmung, können nicht ausgeschlossen werden und sind Teil der Risikobewertung.“

D. Begrenzung des künftigen Klimawandels D.1: „Aus physikalisch-wissenschaftlicher Sicht erfordert die Begrenzung der vom Menschen verursachten globalen Erwärmung auf ein bestimmtes Niveau eine Begrenzung der kumulativen CO2-Emissionen, wobei mindestens Netto-Null-CO2-Emissionen erreicht werden müssen, zusammen mit einer starken Verringerung anderer Treibhausgasemissionen. Eine starke, rasche und anhaltende Verringerung der Methan-Emissionen würde auch den Erwärmungseffekt, der sich aufgrund der abnehmenden Aerosolverschmutzung ergibt, begrenzen und die Luftqualität verbessern.“ D.2: „Szenarien mit niedrigen oder sehr niedrigen Treibhausgasemissionen (SSP1-1.9 und SSP1-2.6) führen im Vergleich zu Szenarien mit hohen und sehr hohen Treibhausgasemissionen (SSP3-7.0 oder SSP5-8.5) innerhalb weniger Jahre zu erkennbaren Auswirkungen auf die Treibhausgas- und Aerosolkonzentrationen und die Luftqualität. Bei diesen gegensätzlichen Szenarien würden sich innerhalb von etwa 20 Jahren erkennbare Unterschiede in den Trends der globalen Oberflächentemperatur von der natürlichen Variabilität abzeichnen, bei vielen anderen klimatischen Einflussfaktoren sogar über längere Zeiträume (hohes Vertrauen).“

Weitere Aussagen Weitere im Report enthaltene Aussagen sind unter anderem: Der Report bezeichnet es als „eindeutig“, dass menschliche Aktivitäten Ozeane, Atmosphäre und Landflächen erwärmt haben. Es traten großflächige und rapide Veränderungen in der Atmosphäre, den Ozeanen, der Kryosphäre und der Biosphäre auf. (A.1) Zwischen den Zeiträumen von 1850 bis 1900 und 2011 bis 2020 hat die global gemittelte Oberflächentemperatur um 1,09 °C (Unsicherheitsspanne: 0,95 bis 1,20 °C) zugenommen. Jedes der letzten vier Jahrzehnte war wärmer als das vorangegangene. (A.1.2) Mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 66 % liegt der menschliche Beitrag zu dieser Erwärmung der globalen Oberflächentemperatur zwischen 0,8 und 1,3 °C, wobei der beste Schätzwert 1,07 °C beträgt. Ebenfalls mit > 66 % Wahrscheinlichkeit trugen gut durchmischte Treibhausgase zwischen 1,0 und 2,0 °C zu der Erwärmung zwischen den Zeiträumen von 1850 bis 1900 und 2010 bis 2019 bei, während andere menschliche Faktoren wie z. B. Aerosole mit > 66 % Wahrscheinlichkeit zu einer Abkühlung zwischen 0,0 °C und 0,8 °C führten. Der Beitrag von natürlichen Faktoren lag bei −0,1 °C bis +0,1 °C und der Beitrag natürlicher Variabilität bei −0,2 °C bis +0,2 °C. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 bis 100 % waren gut durchmischte Treibhausgase der Hauptgrund für die Erwärmung der Troposphäre seit 1979, während der von menschlichen Aktivitäten verursachte Ozonabbau in der Stratosphäre mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 bis 100 % die Hauptursache für die Abkühlung der Stratosphäre zwischen 1979 und Mitte der 1990er Jahre war. (A.1.3) Die zurückliegenden fünf Jahre waren die wärmsten seit 1850. Die Rate des Meeresspiegel-Anstiegs hat sich seit 1970 fast verdreifacht. Der menschliche Einfluss ist „sehr wahrscheinlich“ (mit mehr als 90 %) der Hauptantrieb für den Rückzug der Gletscher seit den 1990er Jahren sowie für den Rückgang des arktischen Meereises. Gemittelt über die nächsten 20 Jahre ist zu erwarten, dass die global gemittelte Oberflächentemperatur im Vergleich zum Zeitraum von 1850 bis 1900 um mehr als die Marke von 1,5 °C ansteigen wird, die Teil des Pariser Übereinkommens war.

Arbeitsgruppe II: Folgen, Anpassung und Verwundbarkeiten