mini|170px|Im Bürmooser Moor Das Bürmooser Moor ist ein rund 74 HektarMessung auf dem amtlichen Geografischen Informationssystem des Landes Salzburg (SAGIS). großes Moorgebiet in der Gemeinde Bürmoos im Norden des Bundeslandes Salzburg, etwa 25 km nördlich der Stadt Salzburg. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Jahr 2000 wurde darin Torf abgebaut, seither wird das Moor renaturiert. Es bildet zusammen mit dem angrenzenden Weidmoos und dem oberösterreichischen Ibmer Moor mit insgesamt rund 2000 ha das größte zusammenhängende Moorgebiet Österreichs. Das Bürmooser Moor steht seit Dezember 2008 unter Naturschutz und ist als Natura 2000-Schutzgebiet ausgewiesen.
Geschichte Namen und Besitzverhältnisse mini|180px|Birken im renaturierten Moor → Zum Namen Bürmoos siehe auch den entsprechenden Abschnitt im Artikel Bürmoos.
Der Name für das Moor lautete ursprünglich Biermoos (etymologisch zurückgehend auf Birkmoos;Ingo Reiffenstein und Thomas Lindner: Historisch-Etymologisches Lexikon der Salzburger Ortsnamen (HELSON). Band 1 – Stadt Salzburg und Flachgau, Edition Tandem, Salzburg 2015 (= 32. Ergänzungsband der Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde), ISBN 978-3-902932-30-3Franz Hörburger: Salzburger Ortsnamenbuch, bearbeitet von Ingo Reiffenstein und Leopold Ziller, hrsg. von der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Salzburg 1982 Moos gilt trotz unterschiedlicher Wortherkunft schon seit dem Mittelalter besonders in Orts- und Flurbezeichnungen als inhaltliche Variante von MoorVgl. Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, bearbeitet von Elmar Sebold, 24., durchgesehene und erweiterte Auflage, Berlin: de Gruyter 2002 (CD-ROM) und Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, erarbeitet unter der Leitung von Wolfgang Pfeifer, 7. Auflage, dtv, München 2007, ISBN 3-423-32511-9.). Die vermutlich erste Nennung des Moores Biermoos findet sich 1796 in einer Landschaftsbeschreibung von Lorenz Hübner. Im 19. Jahrhundert, als sich im Gebiet eine menschliche Ansiedlung entwickelte, ging der Name auf diese, die heutige Gemeinde Bürmoos, über. Für das Moor selbst entstand damit einhergehend die Zugehörigkeitsbezeichnung Bürmooser Moor.
Als frühere alternative Bezeichnungen werden Ziegelstadelmoos, Stierlingmoos und Bürmoor genannt. Für ersteren nimmt Schreiber (1913) den Umstand an, dass bereits vor der vollen wirtschaftlichen Ausbeute des Moores ab den 1850er Jahren Lehm für die Herstellung von Ziegeln gewonnen wurde und sich folglich die Bezeichnung von der Ziegelhütte ableite. Denn angeblich sprach man schon in Schriften aus der Zeit um 1800 von einem Ziegelstadelmoos.Hans Schreiber: Die Moore Salzburgs in naturwissenschaftlicher, geschichtlicher, landwirtschaftlicher und technischer Beziehung. Verlag des Deutsch-österreichischen Moorvereins in Staab, Böhmen, Staab 1913, S. 164. Auch späterhin ist mit Ziegelstadelmoos der östliche Teil des Moores gemeint, wo seine wirtschaftliche Nutzung ihren Anfang nahm.
Die Variante Stierlingmoos leitet sich von der Ortslage Stierling (heute im Süden von Bürmoos) her. Der Name Stierling wird bereits von Hübner genannt und ist auch im Franziszeischen Kataster vorhanden, das Moorgebiet dort aber nur als Biermoos verzeichnet. Heute existiert noch der Stierlingwald, der im Kataster als südliche Begrenzung des Moores zu erkennen ist.Geographisches Informationssystem des Landes Salzburg (SAGIS), Layer Franciszäischer Kataster.
Das Moor bzw. Teile davon wurden im Laufe der Zeit auch nach den Besitzern benannt. Denn zurückgehend auf einen Erlass des Salzburger Erzbischofs Johann Ernst von Thun von 1700, dass „… alle Möser in den Gerichtsbezirken vor dem Gebirge beschrieben und urbar zu machen seien“, war es privaten Personen möglich, Moorgründe zu kaufen, wenn sie diese entsprechend besorgen würden. Eine tatsächliche Urbarmachung im Sinne einer nachhaltigen Trockenlegung kam aber vielerorts erst ab Beginn des 19. Jahrhunderts in Schwung.Hans Schreiber: Die Moore Salzburgs in naturwissenschaftlicher, geschichtlicher, landwirtschaftlicher und technischer Beziehung. Verlag des Deutsch-österreichischen Moorvereins in Staab, Böhmen, Staab 1913, S. 150.
Ab 1852 war der Hof- und Gerichtsadvokat Johannes Gstirner aus St. Johann im Pongau zu einem Drittel ideeller Miteigentümer des Moores, der mit dessen Erschließung im östlichen Teil, dem Ziegelstadelmoos, begann. 1862 kam es zu einer Realteilung, und die Gründe wurden auf die einzelnen Eigentümer festgeschrieben. Fortan wurde nun das Ziegelstadelmoos als Gstirnermoos bezeichnet. Ein weiterer Teil im Süden war im Besitz des Salzburgers Heinrich von Mertens, der dritte Teil ging an einen deutschen Reichsgrafen Lippe-Weißenfeld. 1877 verkaufte Gstirner seinen Besitz an den ebenfalls aus St. Johann stammenden Rechtsanwalt und Gutsbesitzer Joseph von Meittinger, welcher den Grund 1887 an den Leipziger Rechtsanwalt Eugen Zehme weiterverkaufte. Letzterer ging wieder in die Namensgebung des Moorgebiets ein. Die dort entstandene Ansiedlung Zehmemoos ist heute ein Ortsteil von Bürmoos mit diesem Namen. Von Meittinger ist in einem dortigen Straßennamen verewigt.
Als weitere Bezeichnung für einen Teil des Bürmooser Moores hatte sich der Name Wahamoor gebildet, der in der Gemeinde bis heute für ein Feuchtgebiet westlich von Zehmemoos verwendet wird. Namensgeber war Josef Waha, Bahnhofsvorsteher in Lamprechtshausen und nach Eugen Zehme späterer Besitzer der Ziegelei in Zehmemoos. Nach Waha ist innerhalb der Gemeinde Bürmoos auch der östliche Teil der Bürmooser Landesstraße L115 als Wahastraße benannt.
Der westlichste Teil des heutigen Moor-Schutzgebiets trägt auch die Bezeichnung Rodinger Moos oder Rodinger Winkel, benannt nach dem zur Gemeinde Sankt Georgen bei Salzburg gehörenden Dorf Roding.
Bis zur Bildung der selbständigen politischen Gemeinde Bürmoos im Jahr 1967 lag das Bürmooser Moor auf den Gemeindegebieten von Lamprechtshausen und Sankt Georgen bei Salzburg.
Wirtschaftliche Bedeutung Grund für den Erlass Graf von Thuns zur Nutzung und Ausbeutung der Salzburger Torfmoore war der Umstand, dass im 17. und 18. Jahrhundert die private Nutzung von Holz drastisch eingeschränkt worden war, da der Baumbestand für die Salzgewinnung in Hallein benötigt wurde. Doch erst ab etwa 1850 wurde mit der Nutzung des Bürmooser Moores in großem Ausmaß begonnen, als der dann dort gewonnene Torf als Brennstofflieferant für eine Glashütte interessant wurde. Die Ausbeute des Bürmooser Moores zusammen mit dem angrenzenden Weidmoos wurde von Hübner mit rund 6000 Tagbauen angegeben. (1 Tagbau bzw. Tagwerk entsprach rund 8200 Soden.) Die ursprüngliche Ausdehnung des Bürmooser Moores allein belief sich auf 437 Hektar,So laut Schreiber (1913), S. 161. Dort wird allerdings auch angemerkt, dass bei Moorgebieten die Größenangaben sehr unterschiedlich sein können, da es verschiedene Definitionen davon gibt, was als Moorgebiet gezählt wird. als abbaubares Gebiet werden 375 ha genannt.Andreaus (2002), S. 5. Lange Zeit wurde der Torf händisch abgebaut, maschinell endgültig erst ab 1967 bis zu seiner Einstellung im Jahr 2000, obgleich es schon im 19. Jahrhundert seitens Johannes Gstirners Versuche maschineller Bearbeitung gab.
mini|Karte des Bürmooser Moors von 1856 mit der Grundlosen Straße und ersten verzeichneten Bauten im Osten (Zehmemoos) Eine erste industrielle Nutzung des Moores war der Versuch, Brenntorf zu stechen und auf dem Wasserweg bis nach Wien zu bringen, was aber letztendlich an den hohen Frachtkosten scheiterte. Heinrich von Mertens gründete 1866 eine Teerfabrik, die aber bereits 1868 in Konkurs ging. Lorenz von Stein kaufte aus der Konkursmasse die Fabrik und das Gut mit der Ziegelei und gründete 1871 die „Salzburger Torfmoorgesellschaft“ mit Sitz in Wien. Die Firma begann 1873 mit der Herstellung von Glas, einem Wirtschaftszweig, der bis 1929 Bestand hatte. 1879 ging die Torfmoorgesellschaft in Konkurs und Alois Kupfer und sein Schwiegersohn Ignaz Glaser aus Prag übernahmen die Glashütte.
Ab 1893 wurde auch Torfstreu für die Bauernschaft hergestellt, womit man versuchte, die Beschaffung von Waldstreu für das Vieh einzudämmen, da diese die Wälder oft in Mitleidenschaft zog. Wie der Torf wurde auch diese bis zur Errichtung einer Bahnlinie mittels Fuhrwerken nach Laufen gebracht und von dort auf dem Wasserweg auf Salzach, Inn und Donau weitertransportiert. Die Bauern nahmen die Torfstreu jedoch kaum an und der Betrieb wurde nach einiger Zeit wieder eingestellt.
In der Zeit der großen Wirtschaftskrise in den 1930er Jahren war der Torfstich eine wichtige Erwerbsquelle für die Bewohner von Bürmoos. In privaten oder gemeindeeigenen Torfstichen sowie in ausgewiesenen Gebieten, die im Besitz der Salzburger Landesregierung waren, durfte von der Bevölkerung Torf gestochen werden. Das Heizmaterial wurde zum Eigenbedarf, aber auch als Zahlungsmittel gegenüber Kaufleuten verwendet.
1947 begann die Österreichische Stickstoffwerke AG Linz mit rund 130 Beschäftigten mit der großindustriellen Herstellung von Brenntorf und Torfmull; ab Mitte der 1950er Jahre wurde nur noch Torfmull produziert. 1958 wurde mit dem Fräsabbau begonnen, der bis 2000 betrieben wurde.
Der lehmige Untergrund des Moorgebiets war wohl schon vor Mitte des 19. Jahrhunderts für Ziegelgewinnung verwendet worden. Der Betrieb florierte lange Zeit und wurde 1976 geschlossen.
Die im 19. Jahrhundert aufkommende Kultur der Moorbäder, wie sie in der Region auch in der Salzburger Moosstraße lange Bestand hatte, ist im Gebiet des Bürmooser Moores und des Weidmooses zu jener Zeit nicht vorhanden. Erst 1923 wurde das (im Gemeindegebiet von Sankt Georgen befindliche) Moorbad St. Felix gegründet, das noch heute als Kuranstalt mit eigener Moorgewinnung besteht.
Infrastruktur mini|150px|Die Grundlose Straße heute Den Anfang nahm die Erschließung des Bürmooser Moores im östlichen Bereich bei Zehmemoos. Im Zuge dessen wurde zuerst ein über zwei Kilometer langer Fahrweg angelegt, der als erste Wegverbindung zwischen Lamprechtshausen und dem heutigen Bürmoos gilt und noch heute als Grundlose Straße existent ist. Die Bezeichnung weist auf den unfesten Untergrund hin und schließt sich in der Namensgebung an den damals hier vorhandenen, rund 1,5 m tiefen Grundlosen See an, der bereits bei Hübner genannt wird.
Im weiteren Bereich des Straßenbeginns wurde ein Torflager errichtet, wo das auf Schiene antransportierte Torf ab 1896 auch auf die Salzburger Lokalbahn umgeladen wurde.
Bockerlbahn
Zum Zweck des Torftransports wurde ab 1882 im Bürmooser Moor sowie etwas später im angrenzenden Weidmoos eine Bockerlbahn genannte Feldbahn angelegt. Die 600 mm breite Schmalspurbahn hatte Anfang des 20. Jahrhunderts eine Länge von 14 Kilometer, ihre größte Ausdehnung betrug zur Zeit des maschinellen Torfabbaus 24 Kilometer. Der Fuhrpark bestand über die Zeit aus insgesamt 14 Lokomotiven, 5 Personen- und ca. 150 Torfloren. Der letzte Torftransport wurde Ende Juni 2000 durchgeführt, der Betrieb insgesamt im Oktober des Jahres eingestellt.
Im Zuge der Renaturierung durch den Torferneuerungsverein Bürmoos wurde beschlossen, das Schienennetz weitgehend abzubauen. Versuche, einen Teil der Bahn zum einen als Industriedenkmal zum anderen zu touristischen Zwecken zu erhalten, hatten wenig Erfolg. Im Besucherzentrum sind noch eine Lok und drei Wagen sowie weitere drei Wagen im Kreisverkehr Lamprechtshausen zu sehen. Hauptsächlich im Weidmoos existieren noch Gleisreste.
Funde Die Gegend war wohl schon zu urgeschichtlicher Zeit besiedelt. Denn bei Grabungsarbeiten wurde 1851 in sechs Meter Tiefe eine gut erhaltene Moorleiche gefunden, deren Alter man auf die Jungsteinzeit datiert.
An der Grundlosen Straße wurden 1944 an einem Weiher Bronzenadeln gefunden, woraus man eine keltische Besiedelung ableitet.
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