U 505 war ein U-Boot vom Typ IX C der deutschen Kriegsmarine. Es wurde am 4. Juni 1944 – als einziges deutsches U-Boot im Zweiten Weltkrieg – von US-amerikanischen Schiffen aufgebrachtaufbringen und erfolgreich bis nach Bermuda abgeschleppt.

Bereits am 28. August 1941 hatte die Royal Navy U 570 erbeutet, nach Island abgeschleppt und am 19. September 1941 als HMS Graph in den Dienst der Royal Navy gestellt. U 570 wurde 1944 außer Dienst gestellt und 1947 abgewrackt. U 505 steht heute im Museum of Science and Industry in Chicago. Deswegen hat U 505 den Nimbus, das „einzige“ aufgebrachte U-Boot gewesen zu sein.

Geschichte Bau und Erprobungszeit Am 12. Juni 1940 wurde U 505 bei der Deutschen Werft in Hamburg-Finkenwerder als Bau-Nr. 295 auf Kiel gelegt. Der Stapellauf erfolgte am 24. Mai 1941, und am 26. August 1941 wurde es unter dem damaligen Kapitänleutnant Axel-Olaf Loewe in Dienst gestellt. Unter dessen Kommando bestand das Turmwappen des Boots aus einem springenden Löwen mit einer Axt in den Klauen. Der Patenort des Bootes war die oberbayerische Marktgemeinde Schliersee.

Unmittelbar nach der Indienststellung wurden die Erprobungs- und Ausbildungsfahrten in der Ostsee durchgeführt. Am 31. August 1941 war die Abnahme in Kiel, worauf sich die Geräuschmessungsfahrten anschlossen, die auch bis zur Danziger Bucht führten. Am 19. Januar 1942 waren sämtliche Arbeiten und Übungen, wie Einsatzausbildung, Torpedo- und Artillerie-Schießübungen, Wasserbombenausbildung und Taktiklektionen beendet. In dieser Zeit war U 505 zunächst der 25. und später der 27. U-Flottille in Danzig zugeteilt. Boot und Besatzung waren nun voll einsatzbereit.

Erste Unternehmung Die Verlegungsfahrt von Kiel nach Lorient vom 19. Januar bis zum 3. Februar 1942 war zugleich die erste Feindfahrt. Es wurden 2562 sm ohne Feindberührung zurückgelegt, davon 2371 sm über Wasser. Auf dieser Fahrt wurden keine Schiffe versenkt. U 505 gehörte nun als Frontboot zur 2. U-Flottille.

Zweite Unternehmung Die zweite Feindfahrt dauerte vom 11. Februar bis 7. Mai 1942 und führte in die Gewässer vor Freetown (Westafrika).

Am 5. März versenkte U 505 den 5920 BRT großen britischen Frachter Ben Mohr auf der Position mit vier Torpedos (zwei Treffer). Ehe Loewe ablief, versicherte er sich, dass die Rettungsboote des Schiffs wasserdicht und mit Proviant versorgt waren. Ein britisches Flugzeug rettete kurz danach die Besatzung des Schiffs. Am 6. März trafen zwei Torpedos auf der Position den norwegischen Tanker Sydhav mit 7587 BRT. Seine Ölladung explodierte, so dass der Besatzung keine Zeit blieb, die Rettungsboote kontrolliert zu wassern. Der Sog des untergehenden Schiffes zog die ins Wasser gesprungenen Männer in die Tiefe. Wenigen Überlebenden gelang es, trotz Haiangriffen ein Rettungsboot aufzurichten und das Seewasser herauszuschöpfen. U 505 tauchte auf und verteilte Proviant, Frischwasser und Verbandszeug für die Verbrennungen. Ein britisches Geleitschiff rettete am nächsten Tag die Überlebenden.

Bei einem erfolglosen Angriff auf ein nicht identifiziertes Schiff am 16. März wurden zwei Torpedos verschossen. Am 29. März erlebte das Boot den ersten Wasserbombenangriff.

Vom 2. bis zum 3. April verfolgte und torpedierte es den amerikanischen Stückgutfrachter West Irmo (5775 BRT). Es wurden mit fünf Torpedos zwei Treffer erzielt. Das Schiff versank am 4. April auf der Position , wobei zwar alle 44 Besatzungsmitglieder überlebten und von einem Geleitschiff aufgenommen wurden, jedoch zehn von 65 afrikanischen Hafenarbeitern starben. Die Versenkung des 5759 BRT großen und mit Wolle beladenen niederländischen Frachters Alphacca mit einem Torpedotreffer am 4. April auf der Position forderte keine Opfer. Nach einem Hecktreffer sank der 14 Jahre alte Frachter rasch. Die Besatzung des U-Bootes wies den Schiffbrüchigen den Weg zur nahen Elfenbeinküste und verließ den Versenkungsort.

Als U 505 am 7. Mai 1942 nach 86 Tagen in See wieder in Lorient eintraf, hatte es 13.252 sm zurückgelegt, davon 12.937 sm über Wasser. Während des folgenden Werftaufenthaltes zwecks Reparatur und Neuausrüstung hatte die Besatzung Urlaub bis zum 6. Juni 1942.

Dritte Unternehmung Diese Fahrt dauerte vom 7. Juni bis zum 25. August 1942 und führte in die Karibik.

Am 28. Juni wurde nördlich der Inseln über dem Wind der amerikanische Frachter Sea Thrush (5447 BRT) auf dem Weg von Philadelphia via Trinidad nach Kapstadt mit drei Torpedos (drei Treffer) auf der Position versenkt. Das Schiff hatte Flugzeugteile geladen. Es gab keine Toten. Das nächste Opfer am 29. Juni war das aus New York kommende amerikanische Liberty-Ship Thomas McKean (7191 BRT). Es wurde auf der Position von einem Torpedo getroffen (ein Fehlschuss). Zur Versenkung des Schiffs wurden weitere 72 Schuss mit der 10,5-cm-Artillerie abgegeben. Bei dem Untergang waren drei Todesopfer zu beklagen. Den Überlebenden ließ U 505 medizinische Hilfe zukommen. Der nur 110 BRT große Segelschoner Roamar wurde nahe der Insel San Andrès mit 22 Schuss der Schiffsartillerie am 22. Juli auf der Position versenkt. Loewe hatte das zunächst unbekannte Schiff mit mehreren Warnschüssen zu stoppen versucht. Dieses versuchte zu fliehen, wohl auch deshalb, da einer der „Warnschüsse“ den Großmast des Schoners zerstört hatte. Erst jetzt zeigte das Schiff seine kolumbianische Nationalflagge. Kolumbien befand sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Krieg mit Deutschland. Hätte die Roamar früher geflaggt, wäre der Angriff unterblieben. Alle 23 kolumbianischen Schiffsangehörigen, darunter auch vier Frauen, kamen ums Leben.

Am 31. Juli wurde die Feindfahrt abgebrochen, da Loewe zunehmend unter den Beschwerden einer Blinddarmentzündung litt. Auf dem Rückmarsch übernahm U 505 von der „Milchkuh“ U 463 Treibstoff. Am 20. August traf es zufällig U 214, dem der bordeigene Teevorrat übergeben wurde. Loewe war der einzige auf U 505, der Tee trank.

Nach 79 Tagen in See machte das Boot am 25. August wieder in Lorient fest. Es hatte diesmal 13.340 sm (12.842 über Wasser) zurückgelegt. Ein Werftaufenthalt bis zum 3. Oktober schloss sich an. In der Zwischenzeit wechselte auf U 505 am 15. September der Kommandant. Loewe übergab das Kommando an Oblt. z.S. Peter Zschech. Loewe, der auf Grund seines nicht autoritären Führungsstils hohe Anerkennung und Autorität bei seiner Mannschaft genoss, wechselte zum Stab des FdU West, um sich mit der Logistik der Bewaffnung der Atlantik-U-Boote zu befassen.

Vierte Unternehmung Unter Zschech wurde das Turmwappen des Bootes geändert, indem der Löwe durch die olympischen Ringe (Wappen der Crew 1936) ersetzt wurde. Die Streitaxt blieb erhalten. Das Operationsgebiet dieser Fahrt, die vom 4. Oktober bis zum 12. Dezember 1942 dauerte, sollte wiederum die Karibik sein.

Bereits beim Auslaufen kam es zu ersten Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Kommandanten und der Besatzung. Der Auslöser war ein alter seemännischer Aberglaube. Danach mussten Blumen vom Schiff entfernt werden, bevor das Festland außer Sicht war, ansonsten würde das Schiff ein Unglück treffen. Der Zweite Wachoffizier hatte befohlen, die zum Auslaufen angebrachten Blumengirlanden zu entfernen, als Zschech empört befahl, dies zu unterlassen. Erklärungsversuche des Offiziers wies er brüsk ab.

Am 1. November erreichte das Boot das Gebiet östlich von Trinidad. Sechs Tage später wurde der britische Frachter Ocean Justice (7173 BRT) mit zwei Torpedotreffern (vier Abschüsse) auf der Position versenkt. Das Schiff war unter anderem mit Manganerz beladen und von Karatschi, Durban und Trinidad nach New York unterwegs.

Es war Zschechs einziger Versenkungserfolg. Der folgende Tag brachte einen erfolglosen Angriff (zwei Torpedofehlschüsse) auf einen unbekannt gebliebenen Frachter.

Am 10. November traten Probleme mit dem Funkmessbeobachtungsgerät (FuMB) auf. Trotz dieses Handicaps fuhr U 505 aufgetaucht. Um 15:14 Uhr wurde das Boot südöstlich von Trinidad von einem britischen U-Jagd-Bomber des Typs Lockheed Hudson (Kommando: Flight Sergeant Ronald Sillcock) überrascht. Er warf vier Wasserbomben, von denen eine das Boot neben dem 3,7-cm-Deckgeschütz traf. Das Achterdeck wurde total verwüstet und im Druckkörper, in den Backbord-Tauchbunkern und einigen Treibstoffbunkern entstanden mehrere Lecks. Beide Dieselmotoren fielen aus. Auf der Brücke wurden zwei Besatzungsmitglieder schwer verletzt. Das britische Flugzeug wurde vom Detonationsdruck dieser Bombe ebenfalls zerstört, alle fünf Flieger kamen dabei ums Leben. Unter Deck rannte Zschech nach den Explosionen bleich in die Zentrale und schrie der Mannschaft zu, sich auf das Aussteigen vorzubereiten. Ein wütender Maschinenmaat stürmte daraufhin in die Zentrale und rief, dass jeder, der wolle, aussteigen könne. Er und die Techniker würden jedoch an Bord bleiben und U 505 schwimmfähig halten. Dies sprach Bände hinsichtlich des mangelnden Respekts der Mannschaft gegenüber ihrem Kommandanten.

U 505 war tauch- und manövrierunfähig, blieb aber den restlichen Tag über unbehelligt. Es wäre gegen jeden weiteren Luftangriff wehrlos gewesen, da die Flugabwehr-Geschütze unbrauchbar waren. Nach stundenlangen Reparaturen war der Steuerborddieselmotor wieder betriebsfähig. U 505 bewegte sich langsam in Richtung Heimat. Nach vier Tagen war die Tauchfähigkeit bis zu einer Tiefe von 30 m wiederhergestellt. Die Erleichterung der Mannschaft über das knappe Entkommen schwand augenblicklich, als Zschech ankündigte, trotz der schweren Beschädigungen vor Port of Spain auf Trinidad nach Schiffen Ausschau halten zu wollen. Diesen bizarren Plan verwarf er erst wieder, als Funksprüche aus Lorient ihn aufforderten, sich mit U 154 zwecks Morphiumübernahme zu treffen. 14 Tage später traf man mit dem Versorger U 462 sowie U 68 zusammen. Der schwer verletzte II. WO wurde auf U 462 zur lebensrettenden medizinischen Behandlung gebracht, da die U-Tanker über einen bordeigenen Arzt verfügten. Nach der Ergänzung des verlorengegangenen Brennstoffs und einer Ersatzteilübernahme setzte U 505 die Heimfahrt fort. Ein gesichtetes Handelsschiff wurde vergeblich verfolgt. Kurz vor der Biskaya wurde ein weiteres Schiff angegriffen. Der abgeschossene Torpedo wurde zum Kreisläufer. Er traf das eigene Boot in schrägem Winkel, detonierte aber nicht. Am 12. Dezember erreichte U 505 schließlich Lorient. Es legte auf dieser Fahrt 10.876 sm zurück, davon nur 626 sm unter Wasser.

Das nächste halbe Jahr lag das Boot in der Werft. In dieser Zeit wurde unterhalb des Wintergartens eine zweite Plattform mit zusätzlichen Flugabwehr-Geschützen installiert. Gleichzeitig wurde das 10,5-cm-Geschütz entfernt, da Überwasserangriffe mit Artillerie wegen der alliierten Luftüberlegenheit 1943 fast unmöglich geworden waren.

Fünfte Unternehmung