mini|Zionsfriedhof (2010) Stadtgrenze = ––––; Grüne Linie = 30px 250px Der Zionsfriedhof in Jerusalem (; ) ist ein protestantischer Friedhof. Er wurde 1848 angelegt, ist heute im Besitz der Episkopalkirche von Jerusalem und dem Nahen Osten und wird auch von der deutschsprachigen Erlöserkirchengemeinde genutzt. Zugang besteht vom Rechov Arawnah ha-Jevussi durch die Anlage der ehemaligen Bischof-Gobat-Schule, die seit 1967 ans Jerusalem University College vermietet ist.
Geschichte Samuel Gobat, der zweite Bischof des preußisch-anglikanischen Bistums Jerusalem, erwarb 1848 ein Gelände am Zionsberg, südwestlich der Jerusalemer Altstadt, um dort einen Friedhof anzulegen. Auch als der Bistumsvertrag 1886 gekündigt wurde, verwalteten Engländer und Deutsche den Zionsfriedhof weiterhin gemeinsam.
Auf dem 1917 angelegten Kriegsgräberfeld wurden gefallene deutsche und österreichische Soldaten, unabhängig von ihrer Konfession, beigesetzt.
Zwischen 1949 und 1967 lag der Zionsfriedhof im Niemandsland, wurde weder genutzt noch gepflegt. Von Zerstörungen blieb er verschont. Im Sommer 1968 richtete ihn die Commonwealth War Graves Commission wieder her.Gottfried Mehnert: Der englisch-deutsche Zionsfriedhof in Jerusalem. Leiden 1971, S. 50.
Im November 2013 schändeten Unbekannte 20 Gräber. Das seit 2015 laufende archäologische Grabungsprojekt auf und neben dem Friedhofsgelände soll auch der künftigen Erschließung des Areals für Besucher dienen, so dass Akten von Vandalismus vorgebeugt würde.Barbara Gierull: „Evangelisch-in-Jerusalem“ im Dialog. LIT Verlag, Berlin 2017, S. 245 f.
Eine interreligiöse Gruppe von Freiwilligen pflegt den Zionsfriedhof ebenso wie die anderen Friedhöfe in der Nachbarschaft.
Grabstätten (Auswahl) Grabstein Name Geburtsdatum Sterbedatum Beschreibung140x140pxMichael Salomo Alexander* 1. Mai 1799 in Schönlanke, Provinz Posen, Preußen† 22. November 1845 in Bilbeis bei KairoErster anglikanisch-lutherischer Bischof von Jerusalem (1842–1845)140x140pxErnst Gustav Schultz* 20. Mai 1811 in Döbern, Ostpreußen† 22. Oktober 1851 in JerusalemPreußischer Konsul in Jerusalem und Orientforscher140x140pxHans Nicolajsen (John Nicolayson)* 1. Juni 1803 in Løgumkloster† 6. Oktober 1856 in JerusalemDänischer Judenmissionar (Church’s Ministry among Jewish People)Johannes Roth* 4. September 1815 in München† 26. Juni 1858 in Hasbeya am Berg HermonZoologe und Forschungsreisender140x140pxSamuel Gobat* 26. Januar 1799 in Crémines, Kanton Bern† 12. Mai 1879 in JerusalemZweiter anglikanisch-lutherischer Bischof von Jerusalem (1846–1879)Joseph Barclay* 1831 nahe Strabane, County Tyrone† 23. Oktober 1881 in JerusalemDritter anglikanisch-lutherischer Bischof von Jerusalem (1880–1881)Horatio Gates Spafford* 20. Oktober 1828 in Troy, New York† 16. Oktober 1888 in JerusalemRechtsanwalt, presbyterianischer Liederdichter (It Is Well with My Soul) und Gründer der utopischen Gemeinschaft American Colony140x140pxJohann Ludwig Schneller* 15. Januar 1820 in Erpfingen, Württemberg† 18. Oktober 1896 in JerusalemPädagoge und Missionar, Gründer des Syrischen Waisenhauses140x140pxMax Sandreczky* 1839 Insel Syros, Griechenland† 22. Juni 1899 in JerusalemKinderchirurg, Gründer des ersten Kinderkrankenhauses in Palästina („Marienstift Kinderhospital“)140x140pxEdmund Schmidt* 6. März 1855 in Deutsch Krone† 27. März 1916 in Jerusalemdeutscher Generalkonsul140x140pxConrad Schick* 27. Januar 1822 in Bitz, Württemberg† 23. Dezember 1901 in JerusalemMissionar, Architekt und Archäologe140x140pxJames Leslie Starkey* 3. Januar 1895 in London† 10. Januar 1938 in Bayt Jabrin bei HebronArchäologe140x140pxWilliam Matthew Flinders Petrie* 3. Juni 1853 in London† 28. Juli 1942 in JerusalemArchäologe und ÄgyptologeClarence Stanley Fisher* 17. August 1876 in Philadelphia† 20. Juli 1941 in JerusalemArchäologe, Direktor der American School of Oriental ResearchGeorge Francis Graham Brown* 27. Januar 1891† 23. November 1942 in JerusalemAnglikanischer Bischof von Jerusalem (1932–1942)William Irvine* 7. Januar 1863† 9. März 1947 in JerusalemEvangelist der Pfingstbewegung140x140pxBertha Harz (im Grab mit Charlotte Pilz)* 3. Dezember 1890 in Eisenach† 17. Oktober 1982 in JerusalemSchwester der Kaiserswerther Diakonie, Schulleiterin von Talitha Kumi
Ausgrabungen mini|Ausgrabung auf dem Friedhofsgelände (2017) Zwischen 1894 und 1897 führten Frederick Bliss und Archibald Dickie die ersten archäologischen Grabungen auf dem Friedhofsgelände durch. Bliss identifizierte Reste einer antiken Toranlage mit dem bei Flavius Josephus erwähnten Essener-Tor.
Seit 2015 führt das DEI unter Leitung von Dieter Vieweger Grabungskampagnen auf dem Zionsberg durch, und zwar auf dem Gelände des Zionsfriedhofs (Areal I) und in dem angrenzenden sogenannten Griechischen Garten (Areal II).
Literatur
Weblinks
Erlöserkirche Jerusalem: Der protestantische Zionsfriedhof (Flyer, PDF) Die Friedhöfe auf dem Zionsberg Deutsches Evangelisches Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes: Die Ausgrabungen auf dem Zionsberg
Einzelnachweise
Kategorie:Christentum in Jerusalem Jerusalem Kategorie:Friedhof in Asien Kategorie:Berg Zion Kategorie:Erbaut in den 1840er Jahren Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Israel Kategorie:Episkopalkirche von Jerusalem und dem Nahen Osten Kategorie:Friedhof in Jerusalem Kategorie:Geographie (Jerusalem) Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Asien