Martin Eden ist ein Filmdrama von Pietro Marcello, das am 2. September 2019 im Rahmen der Filmfestspiele von Venedig seine Weltpremiere feierte und im gleichen Monat beim Toronto International Film Festival gezeigt wurde. Der Kinostart in Deutschland erfolgte am 26. August 2021. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jack London.

Handlung Der junge Martin Eden, seit seinem elften Lebensjahr Matrose, verbringt einen Landurlaub in seiner Heimatstadt Neapel. Bei einem Tanzvergnügen lernt er die Kellnerin Margherita kennen und verbringt die Nacht mit ihr auf Deck seines Schiffes.

Am Morgen hilft er dem gleichaltrigen Arturo aus einer Schlägerei heraus. Arturo, Sprössling einer Industriellenfamilie, lädt ihn in sein Elternhaus ein. Martin ist fasziniert von der kultivierten Lebensweise der Familie, er bewundert die impressionistischen Gemälde im Haus und leiht sich Les Fleurs du Mal aus. Er verliebt sich in Arturos Schwester Elena, die ihn zunächst mit neugieriger Herablassung beobachtet. Um Elenas Zuneigung zu gewinnen, beginnt Martin viel zu lesen und seinen Wortschatz zu erweitern. Auf seinen Seereisen bildet er sich nun weiter, auf Landgang pflegt er weiterhin Umgang mit den Orsinis. Martin bittet Elena, ihm zwei Jahre Zeit zu geben, bis dahin werde er Erfolg haben und könne um ihre Hand anhalten. Er entfremdet sich zunehmend von der Arbeiterklasse, von seinen neuen Bekannten aus der Oberschicht wird er jedoch nicht ernst genommen.

Obwohl Elena ihm nahelegt, Buchhalter in der Firma ihres Vaters zu werden, strebt Martin eine Karriere als Schriftsteller an. Der Mann seiner Schwester Giulia, in dessen Wohnung er lebt, wirft ihn hinaus, weil er nicht im Familienunternehmen mitarbeiten will. In einem Zug lernt Martin die Witwe Maria und ihre Kinder kennen. Maria bietet ihm ein Zimmer in ihrem Haus in der Vorstadt an. Dort widmet sich Martin ganz der Schriftstellerei und unterrichtet nebenbei die Nachbarskinder. Die Manuskripte, die er an Verlage schickt, kommen zunächst ungeöffnet zurück. Auf einem Empfang bei den Orsinis lernt er den älteren Bohèmien und Sozialisten Russ Brissenden kennen. Er bringt Martin in Kontakt zu einer linken Zeitungsredaktion und versucht, ihn für den Sozialismus zu gewinnen. Martin jedoch zeigt sich mehr von Herbert Spencers Sozialdarwinismus beeindruckt. In seinen Gedichten und Geschichten lässt er sich vom Alltag der kleinen Leute inspirieren, was zu ersten Spannungen mit Elena führt: Sie beginnt an einer gemeinsamen Zukunft zu zweifeln. Da seine Texte nirgends veröffentlicht werden, verdingt sich Martin schließlich als Landarbeiter. Dann jedoch kauft ihm die Zeitschrift „L’Eroica“ seine Erzählung „L'apostato“ (Der Abtrünnige) ab und zahlt 200.000 Lire Honorar.

Martin hält auf einer sozialistischen Versammlung eine flammende Rede für den Individualismus. Am nächsten Morgen wird er in der Zeitung als Sozialist bezeichnet, weswegen er keinen Kredit mehr bei der Lebensmittelhändlerin bekommt. Auf einer Abendgesellschaft bei den Orsinis kommt es zum Eklat, als Martin als ungebildeter Sozialist herabgewürdigt wird. Er beschimpft die gesamte Tischgesellschaft, hält eine weitere flammende Rede für den Individualismus und verlässt schließlich aufgewühlt die Runde. Brissenden, der mittlerweile schwer an Tuberkulose erkrankt ist, schenkt ihm das Manuskript seines Werkes „Das Vergängliche“, das er im Geheimen verfasst hat und ihm widmet. Am nächsten Morgen stellt Martin fest, dass Elena und ihre gesamte Familie wegen des Skandals den Kontakt zu ihm abgebrochen haben. So kann er kaum genießen, dass ein weiterer Verlag Interesse an seinen Arbeiten zeigt und der Durchbruch als Schriftsteller endlich gelingt.

Martin trifft Margherita wieder und beginnt ein Verhältnis mit ihr. Der todkranke Brissenden erschießt sich. Martin betrinkt sich wütend und einsam auf einem Feld in der Vorstadt.

Im zweiten Teil des Films ist Martin ein Bestsellerautor geworden und lebt in einer luxuriösen Villa. Er ist mit Margherita zusammen, die er wie eine Bedienstete behandelt. Ehemalige Weggefährten arbeiten für ihn und erdulden seine Extravaganzen. Martin erscheint größenwahnsinnig, verlebt und unglücklich. Er verachtet seine ihn bewundernde Umgebung und wirft mit Geld um sich, das ihm nichts zu bedeuten scheint. Elena besucht ihn und teilt ihm mit, dass sie jetzt bereit für ein Zusammenleben wäre, aber Martin wirft sie aus dem Haus. In der letzten Szene steht Martin an einem Strand. Ein kleinwüchsiger älterer Mann kommt vorbei und verkündet, es sei Krieg ausgebrochen. Anschließend wird der Kleinwüchsige von Soldaten in schwarzen Hemden drangsaliert. Verbittert stürzt sich Martin ins Meer und schwimmt Richtung Horizont.

Stilistische Besonderheit Der Spielfilm spielt gleichzeitig in verschiedenen Epochen des 20. Jahrhunderts bis in die 1980er Jahre. Zwischen den Spielszenen sind immer wieder nachkolorierte Stummfilmszenen, Wochenschauaufnahmen und dokumentarisches Filmmaterial auf Super 8 und 16 mm zu sehen. Popsongs der 1970er und 1980er Jahre, wie z. B. „Salut“ von Joe Dassin untermalen das Geschehen.

Literarische Vorlage

Martin Eden gilt als eines der größten Werke von Jack London. Der zum Teil autobiografische Roman erschien erstmals im Jahr 1909 und erzählt die Geschichte eines ungebildeten, ungehobelten, jedoch weltklugen jungen Mannes, der glaubt, einzig durch das Erlangen von Bildung und Respekt die Zuneigung eines Mädchens aus der gehobenen Schicht gewinnen zu können. Später entschließt er sich, fortan als Schriftsteller zu leben, verfeinert seine Sprache und schreibt fiktive und autobiografische Geschichten von einer Vergangenheit als Seemann. Der Roman, in dem London seine Erfahrungen in einer Welt verarbeitete, die er als scheinheilig und verlogen wahrnahm, gilt inzwischen als sein bedeutendstes Werk.https://www.programmkino.de/content/Filmkritiken/martin-eden/

Produktion Regie führte der Italiener Pietro Marcello, der gemeinsam mit Maurizio Braucci auch Londons Roman frei für den Film adaptierte.Steve Pond: Toronto Film Festival Sets Sarah Gavron, Julie Delpy Films for Platform Section. In: thewrap.com, 7. August 2019. Der Film erhielt eine Produktionsförderung (Aide aux Cinémas du Monde) vom CNC – Institut français und von der Mitteldeutschen Medienförderung in Höhe von 200.000 Euro. Luca Marinelli ist in der Titelrolle von Martin Eden zu sehen. Die Dreharbeiten fanden von Mitte Mai bis Mitte Dezember 2018 in Neapel statt. Die Filmmusik komponierten Marco Messina und Sacha Ricci. Der Soundtrack wurde Mitte November 2019 von RaiCom als Download veröffentlicht.

Die Premiere erfolgte am 2. September 2019 im Rahmen der Filmfestspiele von Venedig.Martin Eden. In: labiennale.org. Abgerufen am 10. August 2019. Im September 2019 wurde er auch im Rahmen des Toronto International Film Festivals als Abschlussfilm in der Sektion Platform vorgestellt. Ende September, Anfang Oktober 2019 wurde er beim New York Film FestivalMike Fleming Jr: 57th New York Film Festival Sets Full Slate; Pedro Almodovar, Bong Joon-ho Bring Their Cannes Prize Winners. In: deadline.com, 6. August 2019. und beim Filmfest Hamburg gezeigt, im gleichen Monat beim London Film Festival.Martin Eden. In: bfi.org.uk. Abgerufen am 29. August 2019. Im Januar 2020 wurde er beim Palm Springs International Film Festival gezeigt.Programmheft des Palm Springs International Film Festivals 2020. In: psfilmfest.org. Abgerufen am 3. Januar 2020. (PDF; 331 KB) Mitte September 2020 wurde er im Rahmen der Filmkunstmesse Leipzig vorgestellt.Die Filme der 20. Filmkunstmesse 2020 . In: filmkunstmesse.de. Abgerufen am 22. August 2020. (PDF; 426 KB)

Ein Kinostart in Deutschland war am 8. April 2021 geplant, bevor dieser aufgrund des anhaltenden Lockdowns im Zuge der Corona-Pandemie zunächst auf den 20. Mai 2021Starttermine Deutschland. In: insidekino.com. Abgerufen am 1. April 2021. und schließlich auf den 26. August 2021 verschoben wurde.Starttermine Deutschland. In: insidekino.com. Abgerufen am 26. August 2021.

Rezeption Kritiken Von den bei Rotten Tomatoes aufgeführten Kritiken sind 87 Prozent eher positiv mit einer durchschnittlichen Bewertung von 7,5 von möglichen 10 Punkten. Zudem landete Martin Eden im IndieWire Critics Poll 2020 auf dem 9. Platz der besten Filme und auf Platz 5 der besten internationalen Filme des Jahres.Eric Kohn und Christian Blauvelt: 2020 Critics Poll: The Best Films and Performances According to Over 200 Critics From Around the World. In: indiewire.com, 14. Dezember 2020.

Michael Meyns von der Gilde deutscher Filmkunsttheater schreibt, von den ersten Bildern an durchziehe eine seltsame Zeitlosigkeit das Geschehen, wodurch es schwer falle, die Bilder einer bestimmten Ära zuzuordnen. Unweigerlich suche man nach Zeichen, nach Kleidung, nach Ausstattungsmerkmalen, die den Film eindeutig dieser oder jener Ära zuordnen würden, doch vergebens. Zusammengehalten werde dieses bewusst irritierende Spiel mit der Zeit zum einen durch die physische Präsenz des Hauptdarstellers Luca Marinelli, zum anderen durch den Gedanken, dass das Individuum unweigerlich daran scheitert, sich gegen die Strukturen der Gesellschaft durchzusetzen: „Nicht Martin Eden verändert durch seinen Ruhm die Gesellschaft, sondern die Gesellschaft verändert ihn. Seine sozialistischen Gedanken gehen verloren, sobald er selbst Teil der sozialen Schicht wird, die er eigentlich ablehnt.“

Einsatz im Unterricht Das Onlineportal kinofenster.de empfiehlt Martin Eden ab der 11. Klasse für die Unterrichtsfächer Deutsch, Politik, Geschichte, Kunst und Ethik und bietet Materialien zum Film für den Unterricht. Dort schreibt Philipp Bühler, im Deutschunterricht könne analysiert werden, inwiefern sich die narzisstischen und selbstzerstörerischen Züge der komplexen Titelfigur schon früher zeigen, etwa in Martins Umgang mit Gönnern und insbesondere Frauen. Im Hinblick auf den zeitgeschichtlichen Kontext der Erzählung lasse sich im Politikunterricht deren universaler Anspruch diskutieren.Philipp Bühler: Martin Eden. In: kinofenster.de, 24. August 2021.

Auszeichnungen Martin Eden erhielt folgende Auszeichnungen und Nominierungen:

David di Donatello 2020 Auszeichnung für das Beste adaptierte Drehbuch (Maurizio Braucci und Pietro Marcello) Nominierung als Bester Film (Pietro Marcello) Nominierung für die Beste Regie Pietro Marcello Nominierung als Beste Produzenten (Pietro Marcello, Beppe Caschetto, Thomas Ordonneau, Michael Weber, Viola Fügen) Nominierung als Bester Hauptdarsteller (Luca Marinelli) Nominierung für die Beste Kamera (Francesco Di Giacomo) Nominierung für die Besten Kostüme (Andrea Cavalletto) Nominierung für die Besten Frisuren (Daniela Tartari) Nominierung für den Besten Filmschnitt (Aline Hervé und Fabrizio Federico) Nominierung für den Besten Ton (Denny de Angelis, Simone Panetta, Stefano Grosso und Michael Kaczmarek)Vittoria Scarpa: The David di Donatello Awards for Best Film and Best Director go to The Traitor. In: cineuropa.org, 9. Mai 2020.

Europäischer Filmpreis 2020 Nominierung als Bester Film Nominierung für die Beste Regie (Pietro Marcello) Nominierung für das Beste Drehbuch (Pietro Marcello und Maurizio Braucci) Nominierung als Bester Darsteller (Luca Marinelli)The 2020 European Film Awards nominations announcement. In: cineuropa.org, 10. November 2020.

European Film Festival Sevilla 2019 Auszeichnung mit dem Golden Giraldillo (Pietro Marcello)David González: Martin Eden emerges triumphant at the Seville Film Festival. In: cineuropa.org, 16. November 2019.

Gotham Awards 2021 Nominierung als Bester internationaler SpielfilmDade Hayes: ‘First Cow’ Leads Field In Gotham Awards Nominations In: Deadline.com am 12. November 2020, abgerufen am 12. November 2020.

Haifa International Film Festival 2019 Nominierung im Golden Anchor Competition for Debuts (Pietro Marcello)Martin Eden. In: haifaff.co.il. Abgerufen am 1. November 2019.

Internationale Filmfestspiele von Venedig 2019