mini|hochkant=1.3|Stolpersteine in Wolfenbüttel Die Liste der Stolpersteine in Wolfenbüttel enthält die Stolpersteine, die vom Kölner Künstler Gunter Demnig in Wolfenbüttel verlegt wurden. Sie erinnern an das Schicksal der Menschen aus dieser Gemeinde, die von Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben worden sind. Sie werden im Regelfall vor dem letzten selbstgewählten Wohnort des Opfers verlegt.

Die erste Verlegung erfolgte am 7. Mai 2011.

Verlegte Stolpersteine Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben 120pxHIER WOHNTELORE ADLERJG. 1921DEPORTIERT 1942RICHTUNG OSTEN? ? ? Am alten Tore 6 wurde am 2. Oktober 1921 in Halle an der Saale geboren. Ihre Eltern waren Sigmund Adler und Else, geborene Rosenthal (siehe unten als Else Singer). Lore Adler war behindert. Ihre Eltern ließen sich scheiden. Mutter und Tochter zogen nach Wolfenbüttel und wohnten im Haus der Großmutter, Henriette Rosenthal (siehe unten). Die Mutter von Lore Adler konnte im April 1939 nach England flüchten. Lore Adler und ihre Großmutter mussten in ein sogenanntes Judenhaus übersiedeln. Die erste Zwangsunterkunft befand sich in der Karrenführerstraße 5, die zweite in der Langen Straße 34. Vom Herbst 1941 bis Frühjahr 1942 war Lore Adler im Heim Isenburg untergebracht. Am 11. Juli 1942 wurden Lore Adler und ihre Großmutter von Wolfenbüttel nach Braunschweig verbracht und von dort nach Auschwitz deportiert. Lore Adler und ihre Großmutter kehrten nicht zurück.Stolpersteine Wolfenbüttel: LORE ADLER, abgerufen am 8. August 2019Stolpersteine Wolfenbüttel: HENRIETTE ROSENTHAL, abgerufen am 8. August 2019 Es gibt zwei Versionen, was Lore Adler widerfahren sein könnte. Laut Yad Vashem und dem Gedenkbuch für das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg wurde Lore Adler am 31. März 1942 mit dem Transport Da 6 von Hannover in das Warschauer Ghetto deportiert.Gedenkbuch Neu Isenburg: Adler, Lore, abgerufen am 8. August 2019 Bei der Auflösung des Ghettos wurde auch Lore Adler ermordet.The Central Database of Shoah Victims' Names: LORE ADLER, eingereicht von ihrer Mutter Else Singer mit einem Foto von Lore Adler, abgerufen am 8. August 2019The Central Database of Shoah Victims' Names: LORE ADLER, beruhend auf dem Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933–1945, abgerufen am 8. August 2019

Die Mutter von Lore Adler heiratete in England Isidor Singer, konnte das NS-Regime überleben und kehrte 1945 nach Wolfenbüttel zurück.Stolpersteine Wolfenbüttel: ELSE SINGER, abgerufen am 8. August 2019 120pxHIER WOHNTEEVA BACHGEB. MOSESJG. 1926FLUCHT 1938USAÜBERLEBT Am alten Tore 6 geb. Moses wurde am 31. August 1926 in Wolfenbüttel geboren. Sie war die älteste Tochter des Schuhkaufmannes Berthold Moses und dessen Frau Klara, geborene Katzenstein (beide siehe unten). Sie hatte eine drei Jahre jüngere Schwester namens Therese (siehe unten Therese Lapidus). Sie besuchte die Schule an der Wallstraße und später das Lyceum im Schloss. Nach zwei Jahren musste sie den Besuch der Schule im Schloss abbrechen, die Familie hatte sich zur Emigration entschieden und flüchtete 1938 über Hamburg in die Vereinigten Staaten. In New York ging sie bis zum 16. Lebensjahr zur Schule. Danach arbeitete sie in einer Fabrik. Sie lernte Max Bach kennen, der ebenfalls 1938 mit seiner Familie aus Freiburg im Breisgau in die USA emigrierte. Sie heiratete ihn mit 21 Jahren. Sie hielt so lange als möglich Kontakt zu Freundinnen in Wolfenbüttel. 2002 schrieb sie in einem Brief dorthin:

Ihre Elten und ihre Schwester konnten den Holocaust ebenfalls in der Emigration überleben. Ihre Schwester Therese hieß zuerst Freudenthal, später nach der zweiten Eheschließung dann Lapidus.Stolpersteine Wolfenbüttel: THERESE LAPIDUS, abgerufen am 12. August 2019 120pxHIER WOHNTEJACOB BERGERJG. 1884DEPORTIERT 1942GHETTO WARSCHAU? ? ? Großer Zimmerhof 21 wurde am 19. Juni 1884 in Bukowsko, Galizien, geboren. Seine Eltern waren Abrahm und Jentha Berger. Er kam 1909 nach Deutschland und lebte vorerst in Flensburg und Kiel. Am 16. Oktober 1916 heiratete Berger die ebenfalls aus Gallizien stammende Rosa Laiter. Das Paar hatte drei Söhne, Kurt, Leo und Max. Stolpersteine Wolfenbüttel beschreibt ihn als „eine eher zierliche Persönlichkeit“. Er war Altproduktenhändler und sammelte mit einem Handwagen Papier, Metall und Kleidungsstücke ein. Gemeinsam mit seiner Frau betrieb er einige Jahre lang einen Gebrauchtwarenladen in der Kommissstraße. Im Vergleich zu den meist gut situierten jüdischen Familien der Stadt waren die Bergers sehr arm. Sie wohnten zu fünft in zwei Zimmern in einem Hinterhaus und bedurften immer wieder der Unterstützung durch die jüdische Gemeinde. Beleidigungen durch Nationalsozialisten und Diskriminierungen nahmen massiv zu, insbesondere nach der Machtergreifung. Im Juli 1935 unternahm Jacob Berger einen Selbstmordversuch, wurde jedoch durch die Intervention eines Nachbarn gerettet. Die Familie stand finanziell am Abgrund, da Berger aufgrund der politischen Verhältnisse kein Geld mehr verdienen konnte. Seine Frau verdingte sich als Putzfrau. Sie konnte nur bei wohlhabenden jüdischen Familien arbeiten, doch auch denen ging es zunehmend schlechter. In der Reichspogromnacht im November 1938 wurde Jacob Berger verhaftet und im Wolfenbütteler Gefängnis inhaftiert, entging aber der Deportation in das KZ Buchenwald und wurde bald wieder nach Hause geschickt. Das Ehepaar musste in ein sogenanntes Judenhaus ziehen und wurde wahrscheinlich am 11. April 1942 nach Warschau deportiert. Jacob Berger und seine Frau haben die Shoah nicht überlebt, ihr Schicksal ist unbekannt.Stolpersteine Wolfenbüttel: Jacob Berger, abgerufen am 16. Dezember 2022The Central Database of Shoah Victims' Names: JACOB BERGER, eingereicht von seinem Sohn Norman Barley, aus dem Jahr 1984 (mit einem Porträtbild).