Das Drama des begabten Kindes ist ein psychoanalytisches Werk von Alice Miller von 1979. Es war ihr erstes und bekanntestes Buch.
Inhalt Das Buch beschreibt die Persönlichkeitsstrukturen von begabten Kindern, die sensibel die Wünsche und Erwartungen ihrer Eltern, besonders ihrer Mutter wahrnehmen, und diesen so gut wie möglich zu entsprechen versuchen. Dabei verlieren sie einen Bezug zu ihren eigenen Bedürfnissen und Wahrnehmungen und richten ihre Verhaltensmuster nach den Vorstellungen der Eltern aus.Georg Parlow, Zart besaitet. Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochempfindliche Menschen, Wien 2003, S. 50f. Das Drama des begabten Kindes Alice Miller, zur Ausgabe von 1979 Diese benutzen ihre Kinder – meist unbewusst –, um von ihnen die Zuwendung und Unterstützung zu erhalten, die sie von ihren eigenen Eltern nicht in ausreichendem Maße erhalten hatten.Karl Haag, Wenn Mütter zu sehr lieben. Verstrickung und Missbrauch der Mutter-Sohn-Beziehung, Kohlhammer, Stuttgart, 2006, S. 33f.
Für die Kinder bedeutet das in deren Erwachsenenalter meist psychische Probleme mit Depressionen und Grandiositätsgefühlen, da sie ihre eigenen Möglichkeiten und Wahrnehmungen zu wenig kennen.
Hintergründe Die polnisch-jüdische Psychoanalytikerin Alice Miller (1923–2010) verarbeitete in ihrem ersten Buch Das Drama des begabten Kindes die Erfahrungen, die sie mit ihrer Mutter in ihrer Kindheit und Jugend gemacht hatte, die sie häufig instrumentalisierte und sehr auf sie fixiert war. (Zu dieser Zeit lebte sie seit über 30 Jahren in der Schweiz.) Nach dem Erscheinen 1979 erregte das Buch große Aufmerksamkeit und wurde eines der bekanntesten deutschsprachigen psychologischen Sachbücher dieser Zeit (neben Die Unfähigkeit zu trauern von Alexander und Margarete Mitscherlich und Die hilflosen Helfer von Wolfgang Schmidbauer). Es wurde in über 20 Sprachen übersetzt und erschien in zahlreichen deutschsprachigen Auflagen., mit 32 Übersetzungen in 22 Sprachen, darunter fünf verschiedene englischsprachige Ausgaben 1994 versah es Alice Miller mit einer veränderten Einleitung, die polarisierender und weniger differenziert die Strukturen der Kindheit beschrieb.
Ihr Sohn Martin Miller veröffentlichte 2013 nach ihrem Tod das Buch Das wahre Drama des begabten Kindes, in dem er die frühe Biographie seiner Mutter rekonstruierte, die sie verheimlicht hatte, und über ihre Beziehung zu ihm berichtete, die sehr vernachlässigend und gefühlsarm gewesen sei.Schattenseiten einer Gefeierten Deutschlandfunk, vom 30. Oktober 2013, Buchrezension von Ulfried Geuter; auch Es war nicht schön, der Sohn von Alice Miller zu sein Deutschlandfunk Kultur, vom 25. September 2013, Interview mit Martin Miller
Ausgaben Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1979 Das Drama des begabten Kindes. Eine Um- und Fortschreibung. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1994, ergänzte AusgabeDas Drama des begabten Kindes. Eine Um- und Fortschreibung Alice Miller; der Sohn Martin Miller bezeichnete diese Änderungen 2013 als verschärfender und weniger nachsichtig gegenüber ihren Eltern Das Drama des begabten Kindes. eBook. Suhrkamp, Berlin 2013 (Digitalisat)
Weblinks Das Drama des begabten Kindes Alice Miller Das Drama des begabten Kindes im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Das Drama des begabten Kindes WorldCat
Einzelnachweise
Kategorie:Sachliteratur (Psychologie) Kategorie:Psychoanalyse