mini|hochkant=1.5|Festfolge für die Eröffnungsfeier und Weihe des Pelzfach-Museums und der neuen Schulräume der Deutschen Kürschnerschule zu Leipzig am 31. Januar 1939 Die Deutsche Kürschnerschule in Leipzig war eine Fachschule zur Weiterbildung der handwerklichen Berufszweige der Pelzbranche, insbesondere zur Meisterausbildung in der Kürschnerei, der Staffiererei (das Ausfertigen der Pelze) und der Rauchwarenveredlung.

Die Schule wurde am 15. März 1928 eröffnet. Sie bestand, wiedergegründet nach dem Zweiten Weltkrieg, bis etwa Mitte der 1970er Jahre.Nach Recherche des Lehrers der Deutschen Kürschnerschule Wolfgang Müller (* 1934), 9. August 2019. Weitere deutsche Kürschnerschulen entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg in Hamburg und Frankfurt am Main.

Geschichte Vor dem Zweiten Weltkrieg Der Leipziger Brühl war bis zum Beginn der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 und der damit verbundenen Bedrohung der zahlreichen jüdischen Rauchwarenhändler einer der drei Hauptumschlagplätze für Rauchwaren, den zumeist für die Pelzverarbeitung bestimmten Fellen. Diese Weltbedeutung war nach dem Ersten Weltkrieg zunächst einmal verloren gegangen. Die Geschäftsbeziehungen mit dem Ausland mussten neu aufgebaut werden. Zudem konnten bestimmte Pelzveredlungen, in denen einige der Betriebe in und um Leipzig konkurrenzlos waren, inzwischen auch in anderen Ländern hergestellt werden. Es galt, diesen Markt zurückzuerobern. Eine der begleitenden Maßnahmen war die Gründung der Kürschnerschule durch den Reichsbund deutscher Kürschner zur Weiterbildung ausschließlich bereits fortgeschrittener Gesellen und Meister im Pelzhandwerk.Walter Maerz: Zur Einführung. In: IPA – Internationale Pelzfachausstellung, Internationale Jagdausstellung Leipzig 1930 – Amtlicher Katalog. S. 378.

War bis dahin das Wissen um die Bearbeitungsmethoden zum Teil noch Geschäftsgeheimnis, das nur innerhalb der Betriebe weitergegeben und von den Gesellen auf Wanderungen gesammelt werden musste, wurde es hier didaktisch aufgearbeitet und allgemein vermittelt. Bis zum Jahr 1925 waren beispielsweise von den Kürschnern noch keine Einzelheiten über die Rezepte der Rauchwarenfärberei veröffentlicht worden.Autorenkollektiv: Rauchwarenherstellung und Pelzkonfektion. VEB Fachbuchverlag Leipzig 1970, S. 29 (→ Inhaltsverzeichnis). Der erste Fachlehrer, Kürschnermeister Hofmann, wurde anfangs noch verlacht, weil er Haarlängen maß, „schließlich aber von seinen Berufskollegen wohlgeachtet, weil man erkannte, daß sich auf solche Erkenntnisse die modernen Methoden gründen. Der 2. Fachlehrer hatte dann die geniale Idee, durch Schrägumschneiden das Umschneiden und Auslassen in einem Arbeitsgang zu vereinen“.

Geplant war die Schule mit dem Namen Höhere Kürschner-Schule, gegründet wurde sie aber als Deutsche Kürschnerschule, lange geführt jedoch als Meisterschule des deutschen Kürschnerhandwerks, und letztlich dann doch wieder Deutsche Kürschnerschule genannt. Die Eintragung in das Vereinsregister beim Sächsischen Amtsgericht Leipzig erfolgte am 7. April 1928 unter der Nummer 1512.

Die Gründung fiel in eine anfangs ungünstige Zeit, unmittelbar vor Beginn der Weltwirtschaftskrise. Initiatoren und Organisatoren der Gründung waren der Kürschnermeister Walter Maerz und der Gewerbelehrer Friedrich Lorenz. Als Schulträger wird für das Gründungsjahr der Verein Deutsche Kürschnerschule e. V. genannt, später, oder vielleicht verbunden, die Reichsinnung. Die zuständige Aufsichtsbehörde war anfangs das Schulamt Leipzig, dann das Reichswirtschaftsministerium. Im Gegensatz zur Berufsschule galt sie als „gewerbliche Schule“ oder „freiwillige Fachschule“ ohne staatlichen Abschluss, deren Besuch ursprünglich auf eigene Kosten erfolgte. Die Schule war weitgehend auf sich gestellt, sie hatte „vollkommen freie Wahl der Lehrkräfte, Freiheit in der Gestaltung der Lehrpläne und der Lehrmethoden“. Der Rat der Stadt übernahm nur die Aufsichtspflicht, ohne eine materielle Verantwortung.

Die Finanzierung der Schule blieb durch die Abhängigkeit von Zuschüssen der Stadt und des Landes auch in besseren Zeiten ein ständiges Problem. Nur mit Mühe gelang es den Kürschnern, die für sie wichtige Schule zu erhalten: „Oft genug erhielten die Lehrkräfte ihre Gehälter viel zu spät, standen die Miete oder das Gehalt des Hausmeisters aus. Das von den Schülern zu zahlende Schulgeld und die Beiträge der Mitglieder des Vereins reichten bei weitem nicht aus, den Schulablauf finanziell zu sichern. Der damalige Obermeister Maerz half wohl nicht nur einmal mit eigenem Geld der Schule aus einer finanziellen Klemme.“

Voraussetzung für die Aufnahme an der Schule war eine abgeschlossene Lehre und eine mindestens zweijährige Berufspraxis. Eine weitere Einschränkung ergab sich aus der Kapazität der Schule. Für die Schüler bestand die Hürde weniger in dem erhobenen Schulgeld als im Verdienstausfall. Später erhielt die Schule einen Hilfsfonds aus freiwilligen Spenden ehemaliger Schüler von jährlich 100 Mark. Eine große Rolle spielte damals die desolate Wirtschaftslage, fast jeder zweite Schüler war arbeitslos. Im Jahr 1928 hatte die Schule 24 Schüler, im Jahr 1939 waren es 76, die Höchstzahl seit ihrer Gründung. Obwohl der Brühl durch die politischen Verhältnisse inzwischen erheblich an Renommee verloren hatte, hatte die Schule ihre Anziehungskraft durch ihre gute Fachausbildung behalten. Von den 76 Absolventen stammten nur 13 aus Leipzig und Umgebung, 68 waren Ausländer. Aus der Schweiz kamen 13 Schüler, 12 aus Norwegen, 9 aus Schweden, 8 aus Polen, 5 aus Rumänien, 5 aus der Tschechoslowakei, 3 aus Italien, 2 aus Österreich und je einer aus der Sowjetunion, Lettland, Litauen, Griechenland, Chile, Frankreich, Danzig, Luxemburg und Jugoslawien. Alois Stollbrock, ein Absolvent schrieb: „Die Deutsche Kürschner-Schule hat sich zu einer Lehranstalt entwickelt, die in ihrer Art einzig in der Welt dasteht. Nirgendwo finden wir eine organisatorisch so mustergültig aufgebaute und mit so reichem Wissensgebiet ausgestattete Schule in Fachkreisen“.

Zur Tradition der Schule gehörte der Besuch der Leipziger Messe und der Pelzmesse zu Ostern. Die Schüler beteiligten sich an diesen Messen mit eigenen Ausstellungsstücken, so zum Beispiel auch an der Neuheiten-Ausstellung im Leipziger Ring-Messehaus.

Die Meisterschule des Deutschen Kürschnerhandwerks befand sich anfangs in der Zentralstraße 3, wo die Reichszentrale für Pelztier- und Rauchwarenforschung einige Räume zur Verfügung gestellt hatte. Der immer größer werdende Platzbedarf lässt den Zuspruch erkennen, den die Schule erhielt. Von 1932 bis 1938 war sie dann in der vierten Etage von „Schwabes Hof“, Richard-Wagner-Straße 9, wo zwei Werkstatträume und ein Hörsaal zur Verfügung standen. Nur der Hof trennte die Kursusteilnehmer hier vom Zentrum des Ein- und Verkaufs der Rohware. Da die Räume jedoch zu klein waren, zog die Schule 1939 letztlich in die Servièrsche Privatschule in der Sebastian-Bach-Straße 91. Neben dem Lehrerzimmer und einem Klubraum standen hier drei Klassenräume, drei Werkräume, zwei Kürschnerwerkstätten, ein Maschinenraum und ein Hörsaal mit 150 Plätzen zur Verfügung. Zehn Lehrkräfte unterrichteten in 49 Wochenstunden unter der Leitung des Gewerbeoberlehrers Lorenz, größtenteils seit Gründung an der Schule tätig.R. G.: Leipzig bleibt Deutschlands Pelzstadt. In: Stadtblatt der Leipziger Tageszeitung. undatierte Kopie (Januar 1939). Auf Antrag des Reichsinnungsverbandes des Kürschner-, Hut- und Mützenmacherhandwerks erhielt die Schule, als dritte Leipziger Meisterschule, durch das Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung Anfang 1939 die offizielle Bezeichnung Meisterschule des Kürschnerhandwerks (Fachschule) zu Leipzig.

Als fast der gesamte Leipziger Brühl durch einen Luftangriff am 4. Dezember 1943 eingeäschert und zertrümmert wurde, wurde auch das Gebäude der Kürschnerschule zerstört. In der Fachzeitung der Pelzbranche, „Der Rauchwarenmarkt“, fand weder die Zerstörung des Brühls noch der Schule eine Erwähnung. Kriegsbedingt wurde die Zeitung nach der Ausgabe für September 1944 eingestellt.

Unterricht Sehr bald bot die Deutsche Kürschnerschule den Lehrstoff an, der den Bedürfnissen der Pelzbranche entsprach, wie Fellverarbeitung, Schnittzeichnen, Kostümkunde usw. Nur 1935 fand eine grundsätzliche Korrektur statt, als die Lehrgänge von drei auf dreieinhalb Monate verlängert wurden. Es hatte sich als sinnvoll erwiesen, den theoretischen Unterricht durch zwei Wochen praktischer Arbeit zu ergänzen. Die Kürschner erschienen zum praktischen Unterricht, noch bis lange nach der Nachkriegszeit, in ihren bis dahin noch für die Branche charakteristischen weißen Kitteln.Josef Flamm: Erinnerungen an die Deutsche Kürschnerschule in Leipzig. In: Pelz International. Heft 1, 1979, S. 57–60.

Die Lehrkräfte kamen überwiegend aus der Praxis, in den besten Zeiten waren es über zwölf Referenten. Georg Miersemann betreute das Fach Fellverarbeitung. Die Schnittaufstellung lehrte nach eigenem System Otto Dönnicke, der eine Zuschneideschule besaß und Fachbücher zu dem Thema veröffentlichte. Prof. Richard König von der Handelshochschule, Sohn eines Kürschners, unterrichtete die kaufmännischen Fächer. Die Pelztierkunde lehrte der Direktor des Leipziger Zoos, Prof. Dr. Max Schneider, sowie Dr. Heinrich Dathe, Direktorialassistent bei Max Schneider und später Leiter des Tierparks Berlin.

Jeder Lehrgang besuchte das Pelzfach-Museum, die Reichszentrale für Pelztier- und Rauchwarenforschung, verschiedene Pelzveredlungsbetriebe und die Zuchtstation für Karakulschafe in Halle.

In der DDR mini|Schnittmusterlehrgang, Leipzig 1949 Als ein „besonderer Markstein“ einer erneuten Aufwärtsbewegung der Leipziger Pelzwirtschaft galt die Wiedererrichtung der ebenfalls durch Kriegseinwirkung vernichteten Schule durch Leipziger Kürschner, unter besonderem Engagement des Obermeisters Otto Barth. Am 1. September 1948 wurde sie in der Liebknechtstraße 14, 2. Etage, heute Karl-Liebknecht-Straße, damals im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands gelegen, erneut eröffnet. Als Lehrer wurde unter anderem August Dietzsch gewonnen, der zusammen mit seinem ehemaligen Lehrherrn und damaligen Lehrerkollegen Friedrich Malm das wichtige, 1951 veröffentlichte Fachbuch „Die Kunst des Kürschners“ verfasste. Er war neben der Führung seines Kürschnerbetriebs und langjähriger Leitung der Leipziger Meisterprüfungskommission, von 1948 bis 1952 als Lehrer tätig.Ohne Autorenangabe (Gisela Unruh): Ein Kürschnermeister vom Brühl erinnert sich – Ein Gespräch mit August Dietzsch. In: Der Brühl. September/Oktober 1986, VEB Fachbuchverlag Leipzig, S. 34.

In fachlichen Fragen unterstand die Deutsche Kürschnerschule 1953, dem Jahr ihres insgesamt 25-jährigen Bestehens, dem Ministerium für Leichtindustrie. Durch die Erhöhung der Studienzeit auf zwei Semester war die wirtschaftliche Grundlage zum Bestehen der Schule geschaffen worden. Der Festredner zum Schuljubiläum stellte fest, „daß es eine besondere Verpflichtung sei, besonders der volkseigenen Wirtschaft qualitative Arbeitskräfte im Sinne des nationalen Aufbaus zuzuführen“; er schloss seine Rede „mit dem Hinweis auf den Sozialismus, der allen Schaffenden eine glückliche Welt baue, und mit Wünschen an die abgehenden Schüler“.

Die Nachwuchsausbildung fand in Leipzig an der für das Pelzgewerbe „einzigen Berufsschule der Republik“, an der Kommunalen Berufsschule V „Arthur Hausmann“ statt, für eine Woche, einmal im Monat. Zusammen mit den pelzverarbeitenden Betrieben hatten die Lehrkräfte eine reichhaltige Sammlung von Fellen angelegt.Wußten Sie schon. Ausschnitt aus einer Leipziger Tageszeitung, 19. Februar 19??.

Kürschnerschulen der Bundesrepublik