Heinz Taxweiler (* 14. Dezember 1920 in Celle bei Hannover; † 13. Mai 1944 in Permiskyl-Saar, Estland) war ein deutscher Antifaschist und Mitglied des Nationalkomitees Freies Deutschland.
Leben Heinz Taxweiler war der Sohn eines Schuhmachers.Willy Wolff: An der Seite der roten Armee. Zum Wirken des Nationalkomitees Freies Deutschland an der sowjetisch-deutschen Front 1943–1945. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1975, S. 118. Er arbeitete als Assistent in der Werkstatt seines Vaters.Gottfried Hamacher: Gegen Hitler. Deutsche in der Résistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition und der Bewegung „Freies Deutschland“. Kurzbiografien. Karl Dietz, Berlin, 2., korrigierte Aufl. 2005, ISBN 3-320-02941-X, S. 200.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Taxweiler in die Wehrmacht eingezogen, und zwar in die 111. Infanteriedivision. Da er das faschistische Regime nicht unterstützen wollte, verließ er seine Einheit. Als „Mykola“ versteckte er sich sechs Monate lang in Besljudiwka in der Region Charkiw unter den Einwohnern. Dort unterstützten ihn die Familien von Jewdokija Grygorijiwna Ponomarenko und Galyna Fedoriwna Doroshenko. Als deutsche Patrouillen Zwangsarbeiter rekrutierten, wurde er von den Dorfbewohnern gedeckt, die vorgaben, er sei taub und stumm. Am 9. März 1942 spürten Feldgendarmen ihn auf.Hans-Peter Klausch: Die Bewährungstruppe 500. Stellung und Funktion der Bewährungstruppe 500 im System von NS-Wehrrecht, NS-Militärjustiz und Wehrmachtstrafvollzug. Edition Temmen, Bremen 1995, S. 332. Taxweiler entging nur knapp der Todesstrafe und wurde zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt; diese Haftstrafe hätte er nach Kriegsende verbüßen müssen. Im November 1942 wurde er zunächst in das Strafgefangenenlager Esterwegen überstellt, von dort im April 1943 in ein Lazarett gebracht, von dort in das Wehrmachtsgefängnis Fort Zinna in Torgau. Schließlich wurde er in das Straf-Bataillon Nr. 561 versetzt und erneut an die Ostfront geschickt.
An der Wolchow-Front lief er am 20. Dezember 1943 zur Roten Armee über. Er trat der Leningrader Gruppe des Nationalkomitees Freies Deutschland als Teil der 59. Armee bei, wo er die Position des Frontbeauftragten innehatte.Bernt von Kügelgen: Die Front war überall. Erlebnisse und Berichte vom Kampf des Nationalkomitees „Freies Deutschland“. Verlag der Nation, Berlin, 2., veränderte und erweiterte Aufl. 1978, S. 126. Er spielte eine herausragende Rolle bei der Organisation von Propaganda, die zum Ziel hatte, Wehrmachtssoldaten aufzurufen, sich von Hitler zu lösen und den Krieg so schnell wie möglich zu beenden. Diese Aufforderung übermittelte er täglich mithilfe eines Megaphons aus den Schützengräben heraus.Е. А. Бродский: Это известно немногим: Воспоминания политработника РККА. Memorialmuseum deutscher Antifaschisten, Krasnogorsk 1996, S. 148.Gottfried Hamacher: Gegen Hitler. Deutsche in der Résistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition und der Bewegung „Freies Deutschland“. Kurzbiografien. Karl Dietz, Berlin 2003, S. 135.Karl Heinz Jahnke: In einer Front: junge Deutsche an der Seite der Sowjetunion im Grossen Vaterländischen Krieg. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1989, S. 32. Der Militärrat der 59. Armee erhielt eine Medaille für Mut und Tapferkeit.Ernst Kehler: Einblicke und Einsichten. Erinnerungen. Dietz, Berlin 1989, S. 165–166.
Am 13. Mai 1944 wurde er bei einem seiner Aufrufe an deutsche Soldaten am Ufer des Flusses Narva in Permiskyl-Saar tödlich verwundet. Zunächst wurde er in dem estnischen Dorf Zagrivye und später in einem Massengrab in der Stadt Slanzy im Leningrader Gebiet beigesetzt.pamyat-naroda.ru
Nachleben Das Nationalkomitee Freies Deutschland gab später ein Propagandablatt heraus: „Fluch den Mördern von Heinz Taxweiler!“Hans Heinrich Düsel: Die sowjetische Flugblattpropaganda gegen Deutschland im Zweiten Weltkrieg, Band 5: Die Frontflugblätter der Nordkaukasusfront, Frontflugblätter unbekannter Fronten. Ergänzungen zu Band 1 bis 4. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2004, ISBN 3-86583-011-0, S. 95 und 125.
Der ukrainisch-sowjetische Schriftsteller Jurij Herassymenko (; 1927–1985) erwähnte Heinz Taxweiler in seinen Geschichten über Besljudiwka „“ und „“.
Quellen Д. Шеваров: Служили два товарища: письмо о павших под Нарвой русском поэте и немецком антифашисте. In: Российская газета, Jg. 2017, Nr. 129 (16 Juni), S. 38. Heinz Taxweiler – ein niedersächsischer Deserteur, Moorsoldat und Widerstandskämpfer Vortrag von Hans-Peter Klausch über Wehrmachtsdeserteure in Gedenkstätte Esterwegen (November 2012) Heinz Taxweiler – ein Celler Deserteur und Widerstandskämpfer
Einzelnachweise
Kategorie:Geboren 1920 Kategorie:Person (Nationalkomitee Freies Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:Mann Kategorie:Gestorben 1944 Kategorie:Militärperson (Heer der Wehrmacht) Kategorie:Häftling im KZ Esterwegen