mini|Steinmetzzeichen Andreas Bühler mini|Reformierte Kirche Thusis, einer der ersten Aufträge als Meister ab 1491 mini|Reformierte Kirche Santa Maria Val Müstair Andreas Bühler (* um 1457 in Gmünd in Kärnten; † nach 1512) war ein aus Österreich stammender Steinmetzmeister und Architekt der Spätgotik, der zwischen 1489 und 1512 in Graubünden mindestens vierzehn (heute meist evangelisch-reformierte) Kirchenbauten schuf und vermutlich an weiteren beteiligt war. Charakteristisch für sein Werk sind meist schmucklose Kirchenräume mit präzise ausgeführten Kreuzrippengewölbe.

Leben mini|Gewölbe im Chor von St. Martin (Zillis), rechts unter 1509 „Meister Andree Buchler“ + Meisterzeichen

Eine direkte urkundliche Fassung von Andreas Bühler in Kärnten ist bisher nur indirekt möglich. Im Pfarrarchiv von Gmünd ist 1441 von einem Kauf die Rede, bei dem ein Anthoni Strasser zu Gmünd einem Bürger der Stadt ein Gut in Oberlammerstarff gen. Görianczitzsch auf dem püchel um 60 Pfund verkauft, das von einem Pächter Andre bewirtschaftet ist. Regest der Urkunde P 301 vom 24. Februar 1441. Das heutige Lammersdorf in der Gemeinde Millstatt ist rund 20 km von Gmünd entfernt. Im oberen, östlich gelegenen Ortsteil Görtschach gibt es auf eine Hügel den Pichler-Bauer, der mit diesem Namen seit 1670 urkundlich erwähnt ist. 1520 hieß der Hof Am Pühl, 1562 Pühler oder 1599 Am Püchel (Größe drei Lehen). Als hypothetisches Geburtsjahr Bühlers wird 1457 angenommen. Es ist vorstellbar, dass der als Pächter erwähnte Andre der Vater von Andreas Bühler war und der neue Hofeigentümer aus Gmünd seinem talentierten Untertan eine Steinmetzlehre in Gmünd ermöglichte, der sich dann nach seiner lokalen Herkunft Püchler nannte aus dem später ein Bühler wurde. Das Ende seiner Ausbildung ist spätestens für den St.-Andreas-Tag 1478 (30. November) im Haller Hüttenbuch, der Inntaler Steinmetzenbruderschaft belegt, wo es heißt andre püchler von Gmund is prueder worden / als ein stainmecz. In einer Bauinschrift von 1489 in der Reformierten Kirche Scharans nannte er sich, bereits in der Funktion als Polier, maister anntres püchler. In den 1480er Jahren arbeitete er mit dem ebenfalls aus Österreich stammenden Meister Steffan Klain zusammen, wobei der ältere Klain, der 1492 starb, für das Chorgewölbe und der jüngere Bühler für das Kirchenschiff zuständig war. Spätestens ab 1490 war er ein eigenständiger Meister.

mini|Wandtabernakel in der Kirche Sent

Andreas Bühler hat zwischen 1489 und 1512 an vierzehn Bündner Kirchenbauten als Steinmetz und Architekt, nachgewiesen durch Inschriften, Steinmetzzeichen und Archivalien gearbeitet. Scharans (Schiff 1489–90), Samedan (Schiff 1492), Santa Maria im Münstertal (1492), Ruschein (1496), Sent (1496), Cazis (Chor 1496/98; Schiff? 1504), Poschiavo (Chor 1497), Masein (1501), Felsberg (1505), Thusis (1491–1506), Obervaz (1499–1507), Zillis (Chor 1509), Safien (1500–1510) und Flims (1512). Für Luzein (Geselle? 1487) und Langwies (Polier 1488) erscheint seine Mitarbeit durch sein Zeichen gesichert.

mini|Poschiavo, San Vittore

Von verschiedenen Autoren werden Bühler im Kanton Graubünden weitere Kirchen zugeschrieben. Das sind Alvaneu, St. Antönien (1493), Klosters (Chor 1493), Ortenstein (Burgkapelle nicht öffentlich zugänglich, Ende 1500), Saas im Prättigau (um 1500), Portein (1505), Casaccia (1514/18) und Surcasti (1515–1520). Für den Raum Kärnten und Steiermark gibt es eine Zusammenstellung von Meister- und Steinmetzzeichen, aber keine Zuschreibungen. Zwei Bauten in Südtirol in Schluderns (1493) und Percha im Pustertal (1525) könnten von Bühler stammen. Ein frühes Steinmetzzeichen von Bühler, das erst später zugeordnet werden konnte, wurde 1950 von Erich Hamböck an einem ramponierten, spätgotischen Tuffsteintor der Burg Gmünd, heute der Zugang zu einem Restaurant, gefunden. In seiner früheren Heimat Oberkärnten wurden außer auf der Gmündner Burg bisher keine Nachweise gefunden. Zwar gab es in den 1990er Jahren des 15. Jahrhunderts in der Schweiz durch den Schwabenkrieg eine reduzierte Bautätigkeit und damit ein Abwandern von Künstlern, aber Andreas Bühler scheint davon nicht betroffen gewesen zu sein. Als Baumeister des Altarraums (Chores) der Pfarrkirche Obervellach in Kärnten ist er, wie lange angenommen, auszuschließen. Auch für das spätgotische Hallenlanghaus Pfarrkirche Gmünd in Kärnten wird Bühler als ausführender Meister vermutet, wofür es aber keine Belege gibt.

Bauwerke

mini|Poschiavo, San Vittore (1497–1503)

vor 1487: Geselle, Tuffsteintor (Restauranteingang Burg Gmünd) 1487: Geselle unter Meister Steffan Klain an der Reformierte Kirche Luzein, Graubünden 1488: Polier unter Steffan Klain an der Reformierte Kirche Langwies, Graubünden 1489–1490: Polier (Namensschreibung Püchler) unter Steffan Klain, Langhaus der Reformierten Kirche Scharans, Graubünden 1491–1506: Reformierte Kirche Thusis, Graubünden 1492: Meister Steffan Klein (Chor), Meister Bühler (Langhaus und Tabernakel) der reformierten Kirche San Peter, Graubünden 1492: Meister, St. Maria im Münstertal, Graubünden 1493: [Zuschreibung] St. Antönien in Alvaneu, Graubünden 1493: [Zuschreibung] Reformierte Kirche Klosters, Graubünden 1493: [Zuschreibung] Bau mit Meisterzeichen von Bühler in Schluderns, Südtirol 1496: St. Georg in Ruschein, Graubünden 1496: Reformierte Kirche Sent, Graubünden 1496/1498: Chor der Klosterkirche St. Peter und Paul, Cazis, Graubünden 1497: Chor von St. Viktor in Poschiavo (S Vittore), Langhaus von Sebold Westtolf 1503, Graubünden 1499–1507: Obervaz, Graubünden 1500: [Zuschreibung] Reformierte Kirche Saas im Prättigau, Graubünden 1500: [Zuschreibung] Burgkapelle auf Schloss Ortenstein, Graubünden 1501: Reformierte Kirche Masein, Graubünden 1504: Schiff (?) der Klosterkirche St. Peter und Paul, Graubünden 1505: [Zuschreibung] Reformierte Kirche Portein, Graubünden 1505: Chor der Reformierten Kirche Felsberg, Graubünden 1509: Reformierte Kirche Safien Platz, Graubünden 1509: Chor der Kirche St. Martin in Zillis (Ziran), Graubünden 1510: Alvaneu (abgetragen), Graubünden 1510: [Zuschreibung] Reformierte Kirche Castiel, Graubünden 1512: Reformierte Kirche Flims, Graubünden 1514/1518: [Zuschreibung] Zusammen mit Bernhard Puschlav, Reformierte Kirche Casaccia (Ruine), Graubünden 1515/1520: [Zuschreibung] Kirche St. Laurenzius in Surcasti, Graubünden 1515: [Zuschreibung] Kirche Sogn Gion, Graubünden 1525: [Zuschreibung] Bau mit Meisterzeichen von Bühler (vollendet Ansem Mair) in Percha, Südtirol

Literatur mini|Ältester Nachweis (vor 1478) seines Steinmetzzeichens auf der Burg in Gmünd Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden. Band I, Birkhäuser Verlag Basel (1937), S. 94–99. Manuel Maissen: Gewölbebau der Spätgotik in Graubünden 1450–1525. Hrsg.: Staatsarchiv Graubünden in der Reihe 'Quellen und Forschungen zur Bündner Geschichte'. Band 40. ISBN 978-3-7965-4749-2.

Manuel Maissen: Gewölbebau der Spätgotik in Graubünden. Dissertation ETH Zürich, 2020.

Weblinks mini|Rechts oben am Hügel vulgo Pichler in Görtschach das Geburtshaus v. Bühler

Einzelnachweise

Kategorie:Steinmetz (Schweiz) Kategorie:Bildhauer des Mittelalters Kategorie:Baumeister Kategorie:Person (Gmünd in Kärnten) Kategorie:Person (Kanton Graubünden) Kategorie:Person (Habsburgermonarchie vor 1804) Kategorie:Geboren im 15. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 16. Jahrhundert Kategorie:Mann