Esther Henseleit (* 14. Januar 1999 in Varel) ist eine deutsche Profigolferin. Sie ist mit Stand 13. Mai 2025 mit Platz 20 der Weltrangliste die höchstrangige deutsche sowie die dritthöchstrangige europäische Golfproette nach Celine Boutier und Charley Hull. Ihr Coach, Caddy und Ehemann ist der britische Golfer Reece Phillips. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris errang sie die Silbermedaille im Einzel der Frauen, zugleich die erste Medaille im Golf für Deutschland.
Amateurkarriere Henseleit wurde im Alter von acht Jahren von ihrer Mutter in den Golfsport eingeführt. Sie spielte als Mädchen im Golfclub am Meer in Bad Zwischenahn; bereits mit neun Jahren hatte sie ein Handicap von 21. Sie wurde im Jahr 2010 Niedersächsische U12-Landesmeisterin sowie in den Jahren 2012 und 2013 Hamburger Jugendmeisterin;; im Jahr 2013 erfolgte der Wechsel zum Hamburger Golf-Club. Im Alter von 13 Jahren wurde Henseleit zudem das erste Mal Deutsche Jugendmeisterin in ihrer Altersklasse.
Seit 2014 ist Henseleit Mitglied der deutschen Nationalmannschaft, mit der sie im Juli jenes Jahres das European Young Masters gewann. Im Jahr 2015 errang sie sowohl den Titel der deutschen Jugendmeisterin ihrer Altersklasse als auch den Titel der deutschen Vizemeisterin; sie gewann 2016 die Bronzemedaille bei der internationalen Amateurmeisterschaft der Damen, und wurde 2017 für den Junior Solheim Cup nominiert. 2018 gewann Esther Henseleit die Deutschen Einzelmeisterschaften sowie mit der Mannschaft des Hamburger Golf-Clubs die Deutschen Mannschaftsmeisterschaften und die European Ladies’ Club Trophy.
Profikarriere Henseleit beendete ihre Amateurkarriere im Januar 2019 mit dem in Europa einmaligen Handicap von +7,1; in der weltweiten Amateurrangliste der Damen nahm sie zu diesem Zeitpunkt den zehnten Platz ein. Nach einer Qualifikation als Dritte der Qualifying School (Lalla Aicha Tour School) mit einem Gesamtergebnis von 342 im Jahr 2018 begann sie im 2019 auf die Ladies European Tour zu spielen (exemption category 5c). Sie gewann die Skaftö Open der LET Access Series und die Magical Kenya Ladies Open der LET; zudem errang sie 2019 vier zweite Plätze und insgesamt zehn Top-10-Platzierungen. Im Mai 2019 qualifizierte Henseleit sich außerdem für die U.S. Women’s Open.
Henseleits Sieg bei den Magical Kenya Ladies Open sicherte ihr sowohl den LET Order of Merit als auch die Auszeichnung als Rookie of the Year; sie war damit in der Geschichte der LET nach Laura Davies (1985) und Carlota Ciganda (2012) erst die dritte Spielerin, der dies gelang. Der Order of Merit sicherte ihr das Spielrecht auf der LET für die nächsten sieben Jahre (exemption category 2a); zudem qualifizierte sich Henseleit bereits im November 2019 mit einem 30. Platz in der Qualifying School („Q school“) für die LPGA Tour, auf der sie seit Anfang 2020 spielt.
Henseleit wurde nach dem Abschluss ihres ersten Profijahres auf der LET zudem zu Hamburgs Sportlerin des Jahres 2019 gewählt.
Im unter dem Eindruck der COVID-19-Pandemie stehenden Jahr 2020 begann Henseleit, ihren Fokus von der LET auf die LPGA zu verlagern. Auf der LET erzielte sie drei Platzierungen unter den ersten fünfzehn – ihr höchstes Ergebnis war ein geteilter zehnter Platz im Einzelturnier der Saudi Ladies Team International –, auf der LPGA hingegen gelangen ihr keine Platzierungen unter den ersten 50. Im Jahresranking der LET, der Race to Costa del Sol, nahm sie am Ende der Saison den 31. Platz ein; im Jahresranking der LPGA, der Race to CME Globe, den 153. Platz.
Im Jahr 2021 konzentrierte Henseleit sich auf die LPGA. Sie nahm an insgesamt 22 Turnieren der LPGA und LET teil, darunter drei Majors, und erreichte sechsmal die ersten Zehn; als ihr größter Erfolg darf der ungeteilte (outright) vierte Platz bei den Marathon LPGA Classic gelten. Im Jahresranking der LPGA erreichte sie den 40. Platz, in jenem der LET den 96. Platz.
Im Jahr 2022 verteidigte Henseleit beim Auftaktturnier der Ladies European Tour ihren Titel als Gewinnerin der Magical Kenya Ladies Open. Zudem erreichte sie nach einem geteilten zwölften Platz auf dem Honda LPGA Thailand-Turnier mit Platz 85 den bislang besten Rang ihrer Karriere auf der Weltrangliste. Ihr geteilter dritten Rang auf dem AmazingCre Portland Classic im September des Jahres war ihr bis zu diesem Zeitpunkt bestes Ergebnis auf der LPGA. Im Jahresranking der LPGA sicherte sie sich mit dem 89. Platz die Spielberechtigung auf der LPGA Tour für 2023. Auf der LET belegte sie den 44. Platz.
Henseleit begann das Jahr 2023 im Februar mit mehreren Turnieren auf der Ladies European Tour. Eine erneute Verteidigung ihres Titels als Gewinnerin der Magical Kenya Ladies Open gelang ihr nicht; der Titel ging an Aditi Ashok. Henseleit belegte den geteilten siebzehnten Rang. Ab März spielte Henseleit ausschließlich auf der LPGA, wo es ihr gelang, ihr erzieltes Preisgeld im Vergleich zum Vorjahr fast zu verdreifachen. Ihren größten Erfolg des Jahres stellte der geteilte zweite Platz auf dem ISPS Handa World Invitational im August dar.
2024 erzielte Henseleit beim Aramco Saudi Ladies International einen ungeteilten zweiten Platz, ließ unter anderem die zu diesem Zeitpunkt Weltranglistenachte Charley Hull hinter sich und errang damit ein Preisgeld von mehr als 400.000 Euro. In der Weltrangliste stieg sie um 32 Ränge auf Rang 76 auf, ließ ihre Landesgenossin Olivia Cowan hinter sich und positionierte sich als die zu diesem Zeitpunkt erfolgreichste deutsche Spielerin. An den Magical Kenya Ladies Open, die sie 2019 und 2022 gewonnen hatte, nahm Henseleit nicht teil. Bei den Turnieren der LPGA platzierte sie sich mehrere Male unter den ersten zehn. Ihr größter Erfolg hier war der ungeteilte zweite Platz auf den ISPS Handa Women's Scottish Open.
Henseleit nahm im August an den Olympischen Spielen in Paris teil, wo sie nach Runden von 72, 73, 69 und 66 Schlägen die Silbermedaille gewann und hierfür am 4. November 2024 vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet wurde. Sie qualifizierte sich weiterhin – als zweite im Punkteranking der LET nach Charley Hull – für das europäische Team im Solheim Cup, der jedoch vom Team USA gewonnen wurde.
Henseleit beschloss das Jahr 2024 mit einem geteilten 42. Rang beim CME Group Tour Championship. Ihre erzielten Preisgelder auf der LPGA (inkl. kosanktionierter Turniere) betrug erstmalig über eine Million US-Dollar; hinzu kamen Preisgelder in Höhe von mehr als 400.000 Euro auf der LET (exkl. kosanktionierter Turniere).
In der Saison 2025 spielte Henseleit 21 Turniere auf der LPGA und schaffte dabei bei 19 davon den Cut. Sie erzielt zwei Platzierungen in den Top 10. Im April spielt sie bei der bei der JM Eagle LA Championship 19 Schläge unter Par und wurde geteilte Dritte, wenige Wochen später im Mai spielte sie bei der Black Desert Championship in Utah 21 Schläge unter Par und wurde geteilte Zweite. Henseleit schaffte bei allen fünf Major-Turnieren des Jahres den Cut.
Die Saison 2026 begann Henseleit mit zwei Top 10 Platzierungen in ihren ersten fünf LPGA-Turnieren, danach verpasste sie allerdings bei ihren vier folgenden LPGA-Turnierstarts im April und Mai den Cut, unter anderem beim Chevron Championship Major Turnier. Auf der Ladies European Tour erspielte sie im Mai beim Amundi German Masters auf dem Green Eagle Golfkurs den geteilten fünften Platz nachdem sie nach der zweiten Runde zwischenzeitlich die Führung übernommen hatte. Henseleit verpasste den Cut beim vierten Major-Turnier des Jahres in Frankreich, der Evian Championship. Im Juni erreichte sie bei den ISPS HANDA Women’s Scottish Open den vierten Platz. In der folgenden Woche nahm sie zum siebten Mal in ihrer Karriere an den Women’s British Open, dem fünften und letzten Damen-Major-Turnier der Saison teil. Ausgetragen im Royal Lytham & St Annes Golf Club, erspielte sich Henseleit insbesondere mit einer −4 Schlägen unter Par Runde am Samstag einen Startplatz im letzten Flight. In der letzten Runde des Turniers lochte Henseleit am achtzehnten und letzten Loch ihrer Runde einen Putt von über 12 Metern Länge und erreicht somit ein Playoff gegen die Japanerin Shiho Kuwaki. Henseleit verfehlte im ersten Playoff-Loch knapp ihren Putt zum Birdie und Turniersieg. Im zweiten Playoff-Loch traf Henseleit mit ihrem Abschlag abseits des Fairways einen Zuschauer, worauf hin der Ball in einen Busch sprang. In der Folge spielte Henseleit einen Bogey und verlor somit das Turnier im Stechen, nachdem Shiho Kuwaki erneut einen Par spielte. Unter anderem durch ihren zweiten Platz bei diesem Turnier qualifizierte Henseleit sich automatisch für das europäische Team des Solheim Cup 2026, ausgetragen in den Niederlanden.
Turniere
Major-Turniere Die Ergebnisse sind nicht in chronologischer Reihenfolge aufgeführt: Turniere20192020202120222023202420252026Chevron ChampionshipT51CUTCUT7T18CUTU.S. Women's OpenT30CUTT51T22T49Women's PGA ChampionshipCUTT15CUTT30T14T12T15The Evian ChampionshipCUTKTT60T27T14T7T49CUTWomen's British OpenCUTCUTCUTT54CUTT37T232 CUT = Cut nicht geschafft „T“ geteilte Platzierung KT = Kein Turnier (Ausfall wegen Covid-19)