Die Evangelisch-reformierte Kirche in Hamburg ist eine reformierte Kirchengemeinde auf dem Gebiet der Freien und Hansestadt Hamburg. Ihre Wurzeln liegen in den Jahren 1588 und 1601. Sie hat sich 1976 zu einer Kirchengemeinde zusammengeschlossen und gehört seit Januar 2012 zur Evangelisch-reformierten Kirche, einer der 20 Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die Gemeinde hat rund 3200 Mitglieder.
mini|Reformierte Kirche in der Ferdinandstraße
Geschichte mini|hochkant|links|1902: Hamburg. Jugendstil-Medaille zur 300-jahrfeier der Evangelisch-Reformierten Gemeinde, Vorderseite mini|hochkant|links|Die Rückseite dieser Medaille von Bruno Kruse mini|Reformierte Kirche an der Kleinen Freiheit (1918) mini|Reformierte Kirche in Hamburg um 1850 (Julius Gottheil)
Wallonische Glaubensflüchtlinge aus den spanischen Niederlanden gründeten am 3. November 1588 eine reformierte Gemeinde in Stade. Der Gottesdienst wurde in französischer und flämischer Sprache abgehalten. Nachdem der protestantische Landesherr Graf Ernst von Schauenburg den Reformierten und Mennoniten von Altona am 27. Oktober 1601 ein Privileg zur freien Religionsausübung erteilt hatte, wurde am 15. Juni 1602 die reformierte Gemeinde des Ortes gegründet. Ihre Mitglieder waren Hugenotten aus Frankreich, Niederländer und Deutsche. Gepredigt wurde in französischer, nieder- und hochdeutscher Sprache. Die im folgenden Jahr erbaute reformierte Kirche „auf der Freiheit“ (heute Kleine Freiheit) war die erste Kirche Altonas. Die reformierte Schule bestand von 1602 bis 1896. Die Gemeinde in Stade ging bis 1627 ein, da die reformierten Niederländer sich sprachlich bald assimiliert hatten und die Predigten in deutscher Sprache besuchten.
Die Hamburger Reformierten gründeten 1686 einen Armenhof. Das große Haus an den Kohlhöfen nahm Arme und Kranke auf. Im Jahr 1887 wurde diese Einrichtung als Altenhof an den Winterhuder Weg verlegt; sie ist bis heute ein Werk der evangelisch-reformierten Diakonie.Atiftung-Altenhof: (abgerufen am 30. Juli 2019)
Am 27. März 1686 trennten sich die deutsch-reformierte Gemeinde und die französisch-reformierte Gemeinde. Obwohl Altona seit 1640 dänisch war und 1664 vom dänischen König die Stadtrechte erhielt, besuchten die Hamburger Reformierten die Gottesdienste weiterhin in Altona, da in Hamburg nur die lutherische Konfession erlaubt war. Erst viele Jahre später trennten sich 1716 die deutsch-reformierte Gemeinde und 1761 die französisch-reformierte Gemeinde in jeweils Altonaer und Hamburger Gemeinden.
Jedoch erst am 19. September 1785 erhielten die Hamburger Reformierten das Recht auf freie Religionsausübung. Die Gottesdienste der deutsch-reformierte Gemeinde fanden seit 1716 in der „Privatkapelle“ des niederländischen Gesandten statt, die Platz für mehr als 500 Gläubige bot. Die Französisch-Reformierten hatten sich seit 1686 in Hamburger Wohnungen und privaten Häusern versammelt, mussten jedoch zehn Jahre später 51 Kirchenbänke und eine Kanzel nach Altona bringen, da der Hamburger Senat um Einstellung der „Zusammenkünfte und Predigten im Wandrahm“ ersucht hatte. Nachdem der Senat 1725 wiederum private Zusammenkünfte verboten hatte, trat auch die französische Gemeinde unter exterritorialen Schutz. Seit 1726 bot ihnen der preußische Resident Jean Destinan seine kleine Privatkapelle am Gänsemarkt zur Mitbenutzung an. 1744 erwarb er ein Grundstück an der Königsstraße und ließ dort eine größere Hauskapelle errichten. 1786 erteilte der Senat eine „Concession“ und die Erlaubnis, sich neue Versammlungsräume genehmigen zu lassen, unter der Einschränkung: „Doch darf ein solches Gebäude weder mit Thürmen, Glocken, noch andern, aufseelich in die Augen fallenden Kennzeichen einer öffentlichen Kirche versehen seyn.“
Während der Besatzungszeit wurde die Gesandtschaftskapelle von der französischen Armee beschlagnahmt und nahezu ruiniert. Der Architekt Petitjean erwarb das Grundstück und übernahm den Bau einer neuen Kapelle, die er an die Gemeinde vermietete. Im Jahr 1843 verkaufte die Gemeinde ein gegenüber liegendes Grundstück, da der Baupreis eines geplanten Neubaus nach dem Großen Brand von 1842 nicht mehr zu finanzieren war. Sie ersteigerte das Logenhaus an den Hohen Bleichen, das dort an einem Innenhof lag.
Am 17. Mai 1831 vereinigte sich die deutsch-reformierte mit der französisch-reformierten Gemeinde in Altona zur „Evangelisch-reformierten Gemeinde in Altona“. Im Jahr 1923 trat sie der Evangelisch-reformirten Kirche der Provinz Hannover bei. Im Februar 1963 gründete sie mit den beiden Hamburger Gemeinden die „Evangelisch-reformierte Stadtsynode in Hamburg“. Zwölf Jahre später schlossen sich die Deutsche Evangelisch-Reformierte Gemeinde in Hamburg, die Evangelisch-reformierte Gemeinde in Hamburg-Altona und die Französisch-Reformierte Gemeinde in Hamburg zum 1. Januar 1976 zur „Evangelisch-reformierten Kirche Hamburg“ zusammen. Altona war zuvor aus der Evangelisch-reformierten Kirche in Nordwestdeutschland (ehemals Provinz Hannover) ausgeschieden.
mini|Orgel in Altona
Die drei Kirchengebäude, die klassizistische Kirche aus dem 19. Jahrhundert an der Palmaille am Altonaer Balkon, die deutsch-reformierte Kirche von 1857 und die französisch-reformierte Kirche von 1904 waren im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs untergegangen. In den 1960er Jahren wurden an der Hamburger Ferdinandstraße und an der Altonaer Palmaille zwei moderne Kirchen und Gemeindezentren neu erbaut. Altona erhielt 1969 eine Orgel von Ahrend & Brunzema, Hamburg 2011 im Zuge einer umfassenden Sanierung erstmals einen Gemeindesaal.
Am 1. Januar 2012 trat die Evangelisch-reformierte Kirche in Hamburg der Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer (Ostfriesland) bei.
Wissenswertes Beim Abendmahl versammelt sich die Altonaer Gemeinde um einen langen Tisch auf Hockern sitzend.
Der 1923 eröffnete Altonaer Friedhof hat ein reformiertes Gräberfeld.
Eine Englisch-Reformierte Gemeinde bestand in Hamburg von 1785 bis 1984.
Bestehende Kirchen und Gemeindezentren Abbildung Name Stadtteil, Ortsteil, Straßeund Lage Bauzeit Bemerkungen, Internetseite zentriert|100x100px Gemeindezentrum der Evangelisch-reformierten Kirche in Hamburg AltstadtFerdinandstr. 21 Grundsteinlegung am 17. Mai 1963, Eröffnung am 9. Mai 1965 Backsteingebäude nach Konzeption des Architekten Rudolf Esch († 1962), ausgeführt durch den Architekten Hubert Korndörfer, Orgel von Alfred Führer Webseite zentriert|100x100px Gemeindezentrum der Evangelisch-reformierten Kirche in Altona Altona-AltstadtPalmaille 2 1966 Backsteingebäude von Benedikt Huber, Ahrend-Orgel (1969) Webseite Kapelle im Altenhof der Evangelisch-reformierten Kirche HamburgStiftung-Altenhof.de: Barmbek-SüdWinterhuder Weg 98
Ehemalige reformierte Kirchen in Hamburg (Auswahl) Abbildung Name Ehemaliger Standort Ehemalige Konfession Bauzeit Bemerkungen zentriert|100x100px|Alte Reformierte Kirche Altona (1918) Reformierte Kirche Altona Altona-AltstadtKleine Freiheit 10 reformiert 1603 Erste Kirche Altonas Deutsch-reformierte Gemeinde Hamburg Altstadt deutsch-reformiert 1716 Große Kapelle des niederländischen Gesandten, als deutsch-reformierte Kirche genutzt Französisch-reformierte Gemeinde Hamburg AltstadtKönigstraße französisch-reformiert 1744 Kapelle des preußischen Residenten, als französisch-reformierte Kirche genutzt, 1806–1814 Futtermagazin Französisch-reformierte Gemeinde Hamburg AltstadtKönigstraße / Poststraße französisch-reformiert 1815 Kapelle erbaut durch den Architekten Petitjean, bis 1843 an die französisch-reformierte Gemeinde vermietet Evangelisch-reformierte Kirche Altona Altona-AltstadtPalmaille (Elbseite) reformiert Klassizistisches Gebäude, im Zweiten Weltkrieg zerstört Französisch-reformierte Kirche Hamburg AltstadtHohe Bleichen französisch-reformiert Ehemaliger Freimaurertempel, ab 1844 als Kirche genutzt Deutsch-reformierte Kirche Hamburg AltstadtFerdinandstr. 21 deutsch-reformiert 1857 Zweitürmiges Gebäude von Eduard Averdieck, im Zweiten Weltkrieg 1943 zerstört Französisch-reformierte Kirche Hamburg Hamburg französisch-reformiert 1904 Neugotischer Bau, im Zweiten Weltkrieg zerstört zentriert|100x100px English Reformed Church NeustadtAm Johannisbollwerk englisch-reformiert; als Gast ab 1883: schwedische Seemannsgemeinde (lutherisch) 1826 Klassizistischer Bau von Carl Ludwig Wimmel, 1891 im Zuge des Hafenausbaus abgerissen Kirchsaal Raboisen der Evangelisch-reformierten Kirche Hamburg AltstadtRaboisen Notkirche, die im Sommer 1969 von der Herrnhuter Brüdergemeine übernommen wurde
Literatur Götz Mavius: Die Evangelisch-reformierten Gemeinden in Stade, Hamburg und Altona. Ihre Pastoren und Kirchen 1588–2007. Deutsche Hugenotten-Gesellschaft, Bad Karlshafen 2007, ISBN 978-3-930481-23-1.
Weblinks
Evangelisch-reformierte Kirche Hamburg Evangelisch-reformierte Kirche Hamburg (Seite der Landeskirche)
Fußnoten
Kategorie:Christliche Organisation (Hamburg) Hamburg Hamburg Kategorie:Altonaer Geschichte Kategorie:Gründung einer religiösen Organisation 1976