mini|Fahrgastschiffe am Mainkai vor der Skyline von Frankfurt Der Mainkai ist eine Straße am rechten Mainufer in der Frankfurter Altstadt zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke. Sie entstand ab 1826 durch Aufschüttung und Verbreiterung aus dem seit dem Mittelalter befestigten Anlege- und Landungsplatz am Mainufer. Sie ist heute eine Flaniermeile am Fluss und war ab 30. Juli 2019 versuchsweise für ein Jahr Fußgängern und Radfahrern vorbehalten., abgerufen am 31. Juli 2019
Der Mainkai geht mainabwärts in den Untermainkai mit dem Nizza, einem Teil des Frankfurter Grüngürtels, über. Zusammen mit dem Schaumainkai auf der gegenüberliegenden Mainseite bildet er das Museumsufer.
Am Mainkai verläuft die Verbindungsstrecke der Hafenbahn, die auch für Personensonderzüge der Historischen Eisenbahn Frankfurt genutzt wird. Der Mainkai ist Hauptanlegestelle der Frankfurter Personenschiffahrt und eine Abfahrtstelle der Köln-Düsseldorfer Rheinschiffahrt., abgerufen am 30. Juli 2019.
Lage Der Mainkai beginnt im Osten am nördlichen Brückenkopf der Alten Brücke. Unter der Straßenrampe liegen die 1826 angelegten Fischergewölbe, die im 19. Jahrhundert von den Frankfurter Mainfischern als Liegeplätze ihrer Boote genutzt wurden. Die klassizistische Bebauung in diesem Bereich wurde bei den Luftangriffen 1944 überwiegend zerstört. Die heutige Bebauung stammt zumeist aus der Zeit des Wiederaufbaus 1952 bis 1955., abgerufen am 31. Juli 2019 Westlich der Gasse Zum Pfarrturm entstand eine dreigeschossige Blockrandbebauung, dahinter große begrünte Innenhöfe.
Südlich der Fahrbahn bis zur Kaimauer ist der Mainkai als Mainuferpark gestaltet. Die Kaimauer dient unter dem Namen Fahrtorwerft als Liegeplatz für die Fahrgastschiffe der Primus-Linie. Ein weiterer Anlegeplatz ist die westlich des Eisernen Stegs gelegene Leonhardswerft. Er wird von der Köln-Düsseldorfer und anderen Reedereien genutzt, teilweise als Liegeplätze für Flusskreuzfahrtschiffe während ihres Aufenthaltes in Frankfurt.
mini|links|Lageplan um 1350 Im Bereich um das Fahrtor lag seit dem Mittelalter bis zum Bau des Westhafens der Frankfurter Mainhafen. Der wiederaufgebaute Saalhof mit dem Rententurm ist eines der historisch bedeutendsten Bauwerke Frankfurts. Trotz der Aufschüttungen im 19. Jahrhundert ist dieser Abschnitt des Mainufers der tiefstgelegene Teil der Frankfurter Altstadt. Bei Hochwasser des Mains kommt es gelegentlich zu Überschwemmungen, zuletzt 1995, 2003 und 2011.
Westlich der Gasse Am Leonhardstor tritt die nördliche Blockrandbebauung etwas zurück, sodass die Straße hier auf beiden Seiten als Grünanlage gestaltet ist. An der Seckbächer Gasse, einem schmalen Fußweg, endet der Mainkai. Die zum nördlichen Brückenkopf der Untermainbrücke hinaufführende Rampe gehört bereits zum Untermainkai.
Geschichte Frankfurts Ältester Hafen mini|links|Mainufer vor dem Fahrtor auf dem Vogelschauplan von Matthäus Merian, 1628 mini|Weinmarkt von Osten, Christian Georg Schütz der Ältere, 1760 mini|Der Mainkai von Westen, Domenico Quaglio, 1831 Im Bereich der Frankfurter Altstadt zog sich eine Kalksteinbarriere durch den Main, als Teil einer vom Berger Rücken bis zum Sachsenhäuser Berg verlaufenden geologischen Scholle. Sie bildete im frühen Mittelalter in der ansonsten sumpfigen und von zahlreichen Wasserläufen durchzogenen Mainebene eine gute Zugangsmöglichkeit zum Hauptstrom und eine für Personen und Fuhrwerke passierbare Furt. Einer seit dem 11. Jahrhundert belegten Sage nach soll eine Hirschkuh dem fränkischen Heer diese Frankenfurt gezeigt haben, als es sich unter Führung Kaiser Karls des Großen auf der Flucht vor den Sachsen über den Main zurückziehen musste und keinen Übergang fand. Der Kaiser sei später siegreich zurückgekehrt und habe an der Furt eine Stadt gegründet. Die besiegten Sachsen habe er am gegenüberliegenden Ufer angesiedelt, das danach den Namen Sachsenhausen erhielt.
Tatsächlich findet sich der Name Franconofurd in der ältesten urkundlichen Erwähnung der Stadt von 794. Das Ufer wurde als Schiffslände genutzt, außerdem siedelten sich hier Fischer und Handwerker an, die zur Königspfalz Frankfurt gehörten. Bereits im späten Mittelalter wurde das Ufer mit einer Kaianlage befestigt, wie archäologische Befunde beim Neubau des Historischen Museums zeigten. Die Uferlinie verlief allerdings damals noch erheblich weiter nördlich als heute, etwas südlich der Saalgasse. Im 10. Jahrhundert wurde das damalige besiedelte Gebiet erstmals mit einer Stadtmauer befestigt.
Ende des 12. Jahrhunderts errichtete man an der Stelle des heutigen Saalhofes eine von Ringmauern geschützte Burganlage mit einem dreistöckigen Wohnturm, möglicherweise Sitz eines Reichsministerialen. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Burg erweitert und um eine romanische Kapelle ergänzt, die heute das älteste erhaltene Bauwerk Frankfurts ist. Dieser Bau wurde auch in die etwa gleichzeitig entstandene staufische Befestigungsanlage einbezogen, die das gesamte Mainufer zwischen der 1222 erstmals urkundlich erwähnten Mainbrücke und dem Mainzer Turm schützte. Der Zugang vom Mainkai in die Altstadt wurde durch sechs starke Tore gesichert. Von Osten nach Westen waren dies die Fischerpforte unmittelbar westlich der Brücke, das Metzgertor am Ausgang des Metzgerviertels neben dem Schlachthaus, die Heilig-Geist-Pforte südlich des Heilig-Geist-Spitals an der Saalgasse, das Fahrtor als Verbindung zum Römerberg, die Holzpforte westlich davon sowie schließlich das mit einem zusätzlichen Turm gesicherte Leonhardstor zum Kornmarkt in der westlichen Altstadt.
Das Ufer zwischen Metzgertor und Leonhardstor bildete bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Frankfurts wichtigsten Hafen. Auf dem flussaufwärts gelegenen Uferabschnitt wurde hauptsächlich Holz umgeschlagen, das mit Flößen vom Oberlauf des Mains herbeigeschafft wurde. Unterhalb des Saalhofes lag der Stapelplatz für Wein, der vor allem aus Franken oder dem Rheingau stammte. Seit dem 12. Jahrhundert gab es eine regelmäßige Verbindung zwischen Frankfurt und Mainz, das Mainzer Marktschiff. Seit dem 14. Jahrhundert verkehrten zwei Fahrzeuge im täglichen Wechsel, das eine zu Berg und das andere zu Tal. Die Schiffe dienten dem Personen- und Gütertransport, aber auch der Postbeförderung. Die Abfahrt in Frankfurt erfolgte täglich um 10 Uhr vom Fahrtor aus. Die Fahrzeit nach Mainz betrug etwa sieben bis neun Stunden. Von 1600 bis zum Bau der Frankfurt-Hanauer Eisenbahn 1848 pendelte zudem mehrmals wöchentlich ein Marktschiff zwischen Frankfurt und Hanau.
Ausbau des Handels und der Uferbefestigungen im 19. Jahrhundert mini|Mainufer, um 1900 Im 18. Jahrhundert erwiesen sich die starken Befestigungsanlagen zunehmend als Verkehrshindernisse, zumal sie jeglichen militärischen Nutzen verloren hatten. Als erstes wurde 1769 der Sachsenhäuser Brückenturm abgerissen, 1801 folgte sein Gegenüber am Frankfurter Ufer. Auch danach gab es jedoch noch keine direkte Verbindung vom Mainufer zur Brücke. Erst 1826 wurde der Tiefkai zwischen Alter Brücke und Großer Fischergasse durch Aufschüttungen verbreitert und ein neuer Hochkai, der Brückenquai, errichtet, über den die Straße verlief. Die Unterkonstruktion bildete das aus rotem Mainsandstein gemauerte Fischergewölbe. Die Gewölbekeller waren durch schmale Stichkanäle mit dem Main verbunden und dienten den Fischernachen bis zum Bau der Verbindungsbahn 1859 als Hafen.
1825 gründeten Kaufleute aus Frankfurt, Mainz und Straßburg die Dampfschiffahrtsgesellschaft von Rhein und Main und gaben einen Raddampfer in Auftrag, die Stadt Frankfurt. Sie erreichte am 8. März 1828 als erstes Dampfschiff auf dem Main ihren künftigen Heimathafen am Mainkai. Das Schiff erwies sich jedoch als Fehlkonstruktion; es war für den profitablen Güterverkehr ungeeignet und seine Dampfmaschine erwies sich erst nach mehreren Umbauten als betriebstauglich. Ab 1830 wurde es vornehmlich auf dem Oberrhein zwischen Mainz und Karlsruhe eingesetzt.
Das Verkehrsaufkommen auf dem Main steigerte sich trotzdem beachtlich und benötigte mehr Lager- und Umschlagfläche am Ufer und bessere Verkehrsverbindungen in die Stadt. 1829–30 wurde die Uferbefestigung um 130 Meter nach Westen verlängert. Erst 1839–40 wurde das mittelalterliche Fahrtor abgerissen und der Mainkai um weitere 370 Meter bis hinter das Leonhardstor verlängert. Auf der so gewonnenen breiten Lagerfläche südlich der Alten Mainzer Gasse errichtete 1841 Stadtbaumeister Johann Friedrich Christian Heß als eines seiner letzten Werke das Zollager. Es bestand aus dem klassizistischen Zollgebäude für die Zolldirektion und das Haupt-Steueramt sowie dem Packhof aus mehreren Revisionshallen. Mit der sogenannten Mittelwasserkorrektion verpflichtete sich die Freie Stadt Frankfurt 1846, in ihrem Territorium eine Mindestfahrrinnentiefe von 90 Zentimetern und eine Fahrrinnenbreite von 26 Metern aufrechtzuerhalten.
mini|Haltepunkt am Eisernen Steg Beim Bau der Verbindungsbahn 1850–58 musste die Ufermauer im Bereich des Zollhofes erneut weiter in den Flusslauf verlegt werden, um Platz für die nötigen Rangier- und Abstellgleise zu schaffen. Außerdem verlängerte man die Kaimauer um 900 Meter nach Westen, wodurch das Ufergelände befestigt wurde, auf dem Stadtgärtner Sebastian Rinz 1860 die Grünanlage Nizza schuf.
Direkt am Ufer unterhalb des Zollhofes entstanden 1858 zwei etwa 200 bzw. 100 Schuh lange, eingeschossige, einschiffige Lagerschuppen. Zum Be- und Entladen der Schiffe dienten in regelmäßigen Abständen errichtete, handbetriebene Drehkräne. Einer dieser Kräne, der Herkuleskran, ist erhalten. Er befand sich ursprünglich am Zollhof und wurde später an seinen heutigen Standort am Nizza versetzt.
Die 1859 eröffnete Verbindungsbahn führte von den Westbahnhöfen zum Hanauer Bahnhof. Bis 1869 wurde sie nur für den Güterverkehr genutzt, danach bis zum 1. April 1913 auch im Personenverkehr. Der Haltepunkt Fahrtor vor dem Saalhof besaß sogar zeitweise ein eigenes Empfangsgebäude. Wegen der Zerstörung der Mainbrücken im März 1945 kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Verbindungsbahn im Sommer 1945 nochmals für kurze Zeit im planmäßigen Personenverkehr genutzt. Seitdem dient sie als Betriebsstrecke der Frankfurter Hafenbahn; seit 1978 nutzt die Historische Eisenbahn Frankfurt sie überdies für ihren Museumsbetrieb.
1866 endete die jahrhundertealte Souveränität der Freien Stadt Frankfurt mit der Annexion durch Preußen. Eisenbahnanlagen, Alte Brücke und die in Höhe der heutigen Friedensbrücke gelegene Eisenbahnbrücke wurden verstaatlicht. Eine Erweiterung oder ein Neubau der Alten Brücke, die dem Straßenverkehr schon längst nicht mehr gewachsen war, kam wegen der mit der Annexion verbundenen politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen vorerst nicht mehr in Betracht. Frankfurter Bürger gründeten daher 1867 eine Aktiengesellschaft zur Errichtung einer Brücke am Fahrtor, die 1868/69 den Eisernen Steg erbauen ließ.