Der 40. Jahrestag der DDR wurde am 7. Oktober 1989 in Ost-Berlin und vielen weiteren Orten mit Feierlichkeiten begangen. Er endete in einigen Städten mit Massenprotesten.
Übersicht miniatur|120px|Fackelzug der FDJ zwischen Brandenburger Tor und Marx-Engels-Platz am Abend des 6. Oktober 1989 Zum 40. Tag der Republik gab es in Berlin verschiedene Höhepunkte, jeweils mit internationalen Ehrengästen. 4. Oktober abends ein Großer Zapfenstreich der Nationalen Volksarmee (NVA) vor der Neuen WacheGroßer Zapfenstreich der Nationalen Volksarmee, 4. Oktober 1989 (Fernsehen der DDR) auf YouTube. 6. Oktober abends ein großer Fackelzug der Freien Deutschen Jugend (FDJ) mit angeblich 100.000 Teilnehmern zwischen Brandenburger Tor und Marx-Engels-Platz, auf der Ehrentribüne saßen Erich Honecker, Michail Gorbatschow und viele weitere Gäste 7. Oktober vormittags die alljährliche Ehrenparade der Nationalen Volksarmee auf der Karl-Marx-Allee zwischen Strausberger Platz und Alexanderplatz, mit vielen Ehrengästen auf der Ehrentribüne 7. Oktober nachmittags Volksfeste in vielen Städten und Dörfern der DDR 7. Oktober abends ein festlicher Empfang im Palast der Republik für ausgewählte internationale und nationale Gäste
miniatur|Festlicher Empfang am Abend des 7. Oktober 1989 im Palast der Republik
Beim Fackelzug und der Ehrenparade befanden sich Gorbatschow und der DDR-Staatsratsvorsitzende und SED-Generalsekretär Erich Honecker auf der Haupttribüne in Gesellschaft von Raissa Gorbatschowa, Willi Stoph, dem Ministerpräsidenten der DDR, und vielen weiteren hochrangigen Vertretern des Systems und Ehrengästen aus dem In- und Ausland.
Ehrenparade der Nationalen Volksarmee mini|hochkant|Schützenpanzerwagen 70 der NVA paradieren vor der Ehrentribüne Organisation Die alljährliche Ehrenparade der Nationalen Volksarmee der DDR zum Tag der Republik wurde bis 1989 vom Chef der Landstreitkräfte der NVA, Generaloberst Horst Stechbarth, kommandiert.Militärparade zum 40. Jubiläum der DDR (7. Oktober 1989), einige Angaben zum Ablauf der Ehrenparade Die Direktübertragung der Parade im Fernsehen der DDR wurde 1989 von dem Reporter Bert Sprafke kommentiert.. Paraden der Nationalen Volksarmee in Ost-Berlin fanden auch zum Tag der Nationalen Volksarmee (1. März) statt.
Ehrentribüne mini|Ehrentribüne am 7. Oktober 1989 zwischen den Hochhäusern Karl-Marx-Allee Nr. 11 und Karl-Marx-Allee Nr. 19Foto: Ehrenparade am 40. Jahrestag der DDR. Die auf die Fahrbahnen der Karl-Marx-Allee ausgerichtete Haupttribüne mit den staatlichen Ehrengästen befand sich auf der Nordseite der Karl-Marx-Allee, und zwar zwischen den in Plattenbauweise errichteten Hochhäusern Karl-Marx-Allee Nr. 11 und Karl-Marx-Allee Nr. 19 (ungefähre PositionUngefähre Position der Haupttribüne mit den staatlichen Ehrengästen: 52° 31' 17.0 N, 13° 25' 13.1 O. ).
Hinter der Tribüne stand eine hohe rote Wand mit der in großen weißen Blockbuchstaben ausgeführten Schrift „40 Jahre DDR“, darunter war das Staatswappen der DDR zu sehen. Entlang der Karl-Marx-Allee unmittelbar gegenüber dieser Tribüne hatten die Militärkapellen Aufstellung genommen, welche für die musikalische Umrahmung der Ehrenparade zu sorgen hatten.
Ehrengäste auf der Tribüne Ämterbezeichnung am 7. Oktober 1989 1. Reihe (v. l. n. r.) Yassir Arafat: Vorsitzender der PLO Daniel Ortega: Staatspräsident, Vorsitzender der FSLN (Nicaragua) 1 Person Brúnó Ferenc Straub: Vorsitzender des Präsidialrats der Ungarischen Volksrepublik Dschambyn Batmönch: Vorsitzende des Präsidiums des Großen Volks-Churals Yao Yilin: Vizeministerpräsident des Staatsrat der Volksrepublik China Nicolae Ceaușescu: Präsident, Staatsratsvorsitzender, Generalsekretär des ZK der RKP (Rumänien) Todor Schiwkow: Generalsekretär der BKP (Bulgarien) Wojciech Jaruzelski: Staatspräsident, General (Polen) Miloš Jakeš: Generalsekretär der KPTsch (Tschechoslowakei) Michail Gorbatschow: Generalsekretär der KPdSU (Sowjetunion) Erich Honecker: Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzender des Staatsrats der DDR, (DDR) Heinz Keßler: Mitglied des Politbüros der SED, Minister für Verteidigung, Armeegeneral (DDR) Willi Stoph: Mitglied des Politbüros der SED, Vorsitzender des Ministerrates, Armeegeneral (DDR) Horst Sindermann: Mitglied des Politbüros der SED, Volkskammerpräsident (DDR) 1 Person Oskar Fischer: Außenminister der DDR Hermann Axen: Mitglied des Politbüros der SED (DDR) Hans-Joachim Böhme: Mitglied des Politbüros der SED (DDR) Horst Dohlus: Mitglied des Politbüros der SED (DDR) Werner Eberlein: Mitglied des Politbüros der SED (DDR) Kurt Hager: Mitglied des Politbüros der SED, Chefideologe der SED (DDR) Joachim Herrmann: Mitglied des Politbüros der SED (DDR) Werner Jarowinsky: Mitglied des Politbüros der SED (DDR) Margot Honecker: Ministerin für Volksbildung, Ehefrau von Erich Honecker (DDR) Günther Kleiber: Mitglied des Politbüros der SED (DDR) Egon Krenz: Mitglied des Politbüros der SED (DDR) Werner Krolikowski: Mitglied des Politbüros der SED (DDR) Erich Mielke: Mitglied des Politbüros der SED, Minister für Staatssicherheit, Armeegeneral (DDR) Günter Mittag: Mitglied des Politbüros der SED (DDR) 1 Person Siegfried Lorenz: Mitglied des Politbüros der SED (DDR) 1 Person Günter Schabowski: Mitglied des Politbüros der SED (DDR) Harry Tisch: Mitglied des Politbüros der SED, Vorsitzender des FDGB (DDR) Gerald Götting: Vorsitzender der CDU (DDR) (Quelle:)
2. Reihe (v. l. n. r.) Mieczysław Rakowski: Erster Sekretär der PZPR (Polen) 2 Freie Plätze Raissa Gorbatschowa: Ehefrau von Michail Gorbatschow (zwischen Keßler und Honecker)
Ablauf, beteiligte Einheiten, Musikstücke Glockenschläge vom Roten Rathaus um 10 Uhr. Abspielen der nach sowjetischem Vorbild gestalteten Paradefanfare.Paradefanfare auf YouTube Vorfahrt des Kommandierenden der Ehrenparade, Generaloberst Stechbarth, zum „Präsentiermarsch der NVA“Präsentiermarsch der NVA (Alfred Pechau) auf YouTube in einem GAZ-13 Tschaika. Meldung Stechbarths an den ebenfalls zum Präsentiermarsch der NVA in einem GAZ-13 Tschaika vorgefahrenen Minister für Nationale Verteidigung, Armeegeneral Keßler. Fahrt beider Generale in ihren Paradefahrzeugen zum Präsentiermarsch der NVA zu den angetretenen Truppenteilen. Begrüßung der teilnehmenden Einheiten durch Minister Keßler, worauf diese jeweils mit einem schnellen „Hurra! Hurra! Hurra!“ antworteten: Gruß an die motorisierten Einheiten Gruß an die Angehörigen der Militärakademie „Friedrich Engels“ Gruß an die Angehörigen der Offiziershochschulen „Ernst Thälmann“ und „Franz Mehring“ Gruß an die Angehörigen der Offiziershochschulen „Karl Liebknecht“ und „Rosa Luxemburg“ Fahrt von Minister Keßler zur Haupttribüne mit den staatlichen Ehrengästen. Meldung Keßlers an den Generalsekretär der SED und Staatsratsvorsitzenden der DDR, Erich Honecker. Keßler blieb anschließend zusammen mit Stechbarth neben Honecker auf der Tribüne. Nationalhymne der DDR, Auferstanden aus Ruinen, gespielt von einem vereinigten Musikkorps des Zentralen Orchesters der NVA und der Grenztruppen der DDR. Kommando zum Abmarsch durch den Kommandierenden der Ehrenparade, Generaloberst Stechbarth. Vorbeimarsch von Einheiten zu Fuß zum „Parademarsch der NVA Nr. 1“Parademarsch der NVA Nr. 1 (Heinz Schulz) auf YouTube: Angehörige der Militärakademie „Friedrich Engels“ Angehörige der Offiziershochschule „Ernst Thälmann“ (Landstreitkräfte) Angehörige der Offiziershochschule „Franz Mehring“ (Luftstreitkräfte) Angehörige der Offiziershochschule „Rosa Luxemburg“ (Grenztruppen) Angehörige der Offiziershochschule „Karl Liebknecht“ (Volksmarine) Vorbeifahrt von motorisierten Einheiten: Angehörige des Luftsturmregiments 40 „Willi Sänger“ in leichten Luftlandefahrzeugen, zum als Marsch gespielten Kampflied „Dem Morgenrot entgegen“ Angehörige des Aufklärungsbataillons AB-1 „Dr. Richard Sorge“ in Schützenpanzerwagen Angehörige des Mot.-Schützenregiments MSR-1 „Hans Beimler“ in Schützenpanzerwagen Angehörige der NVA mit Minenwerfern auf Lastkraftwagen Angehörige der NVA mit Raketenwerfern auf Lastkraftwagen Angehörige der NVA mit 152-mm-Kanonenhaubitzen mit Tatra-Lastkraftwagen als Zugmaschinen Angehörige der Grenztruppen mit Schützenpanzerwagen, zum als Marsch gespielten Kampflied „Es war in den Tagen des August“ Angehörige der Grenztruppen mit Flugabwehrgeschützen auf Kettenfahrzeugen, zum „Marsch der Nationalen Volksarmee“ Angehörige des Panzerregiments PR-23 „Julian Marchlewski“ in T-72-Panzern Angehörige der NVA mit Panzerjäger-Ausrüstung Angehörige der NVA mit schwimmfähigen 122-mm-Panzerhaubitzen, zum als Marsch gespielten Kampflied „Es war in den Tagen des August“ Angehörige des Artillerieregiments AR-1 „Rudolf Gyptner“ mit 152-mm-Kanonenhaubitzen, zum „Marsch der Nationalen Volksarmee“ Angehörige der NVA mit Luftabwehr-Radar auf Radpanzerwagen, zum „Sylvianer Marsch“Sylvianer Marsch (Heinz Schulz) auf YouTube Angehörige der NVA mit 9K33-Osa-Waffensystemen auf Basisfahrzeugen des Typs BAZ-5937 Angehörige der NVA mit 2K12-Kub-Waffensystemen auf ZIL-131-Lastkraftwagen Angehörige des Fla-Raketenregiments 5 „Bernhard Bästlein“ mit 2K11-Krug-Waffensystemen Angehörige der NVA mit schweren Fliegerabwehrraketen mit Lastkraftwagen als Zugmaschinen, zum „Sylvianer Marsch“ Angehörige der NVA mit leichten Fliegerabwehrraketen auf Lastkraftwagen Angehörige des Küstenraketenregiments 18 „Waldemar Verner“ mit mobilen StartrampenDie Teilnahme der KRT an der Ehrenparade der NVA anlässlich des 40. Jahrestag der DDR 1989 Angehörige der NVA mit taktischen Raketen (u. a. 9K79 und 9K714) auf mobilen Startrampen Vorbeimarsch des vereinigten Musikkorps des Zentralen Orchesters der NVA und der Grenztruppen der DDR an der Ehrentribüne, unter den Klängen des „Yorckschen Marsches“ Meldung von Minister Keßler an den Generalsekretär der SED und Staatsratsvorsitzenden der DDR, Erich Honecker.
Letzte Ehrenparade der NVA Die Militärparade am 7. Oktober 1989 war die letzte Ehrenparade der NVA anlässlich eines Jahrestages der DDR. Mit ihr endete in Deutschland die „große Zeit der Militärparaden“.100 Jahre Militärparaden auf dem Roten Platz, 1 DVD (Buchhandelslink)
Erinnerungen Gorbatschows miniatur|Ankunft Gorbatschows in Berlin am 6. Oktober 1989 Als besonderer Gast war der sowjetische Generalsekretär des ZK der KPdSU und Vorsitzende des Obersten Sowjets der UdSSR Michail Gorbatschow bei den Feierlichkeiten am 6. und 7. Oktober anwesend.Gorbatschow soll widerstrebend anwesend gewesen sein, dies jedoch im Geiste der Kameradschaft mit anderen sozialistischen Staaten. In seinen Erinnerungen vermischten sich die Eindrücke vom großen Fackelzug der FDJ am Abend des 6. Oktober mit den Protesten vor dem Palast der Republik am Abend des 7. Oktober.
Proteste
Die Veranstaltungen zum 40. Jahrestag der DDR fanden in einer Zeit von kleineren Veränderungen in einigen realsozialistischen Ländern statt, die in den Wochen zuvor rund 50.000 DDR-Bürgern die Flucht in den Westen ermöglicht hatten. Schon im Vorfeld war es zu Pannen gekommen: Absagen geladener Festgäste, Fernbleiben von für Ordensverleihungen Vorgesehenen, gestrichene Veranstaltungsvorhaben mancherorts. Die Feiern waren von Protesten begleitet.vom 7. Oktober 1989 Chronik der Wende, mit detailliertem Ablauf des Tages Demonstrationen am 7. und 8. Oktober 1989 in Berlin.Lothar Heinke: Der letzte Tanz der Totgesagten beim 40. Geburtstag der DDR; Tagesspiegel, 6. Oktober 2014. Mehr als 1000 Demonstranten wurden verhaftet.
Am Tag des Jubiläums wurde einigen westlichen Journalisten die Einreise verweigert. Da und dort hatten Gegenveranstaltungen Zulauf. In Friedensgebeten wurde auf den 40. Republikgeburtstag teilweise kritisch Bezug genommen.Neubert 2008, S. 123.