mini|Das Lachta-Zentrum – Sitz von Gazprom in St. Petersburg
Die PAO Gazprom (; IPA [ɡɐsˈprom], wiss. Transliteration und engl. Transkription Gazprom, deutsche Transkription Gasprom; Kurzform von , IPA [ˈɡazəvəjə prɐˈmɨʂlʲɪn(ː)əsʲtʲ], deutsche Transkription gasowaja promyschlennost ‚Gasindustrie‘) ist das weltweit größte Erdgasförderunternehmen und mit 98 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung (2019) eines der größten Unternehmen Europas. In Russland ist Gazprom mit rund 473.800 Beschäftigten (2019) einer der größten Arbeitgeber des Landes. Der russische Staat hält 50 Prozent und eine Aktie an dem Unternehmen und im Aufsichtsrat die Mehrheit der Sitze. Der Unternehmenssitz befindet sich in St. Petersburg. Gazprom ist im RTS-Index gelistet. Seit 1992 ist Gazprom eine Aktiengesellschaft. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2019 ergab, dass Gazprom mit einem Ausstoß von 43,23 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent seit 1965 das Unternehmen mit dem weltweit dritthöchsten Ausstoß in diesem Zeitraum war.
Gazprom kontrolliert das russische Pipeline-Netz für Erdgas und verfügt dadurch faktisch über ein Monopol für dessen Export. Andere russische Erdgasproduzenten, unabhängige Unternehmen oder Beteiligungen von Gazprom sind auf dieses Netz angewiesen.Heiko Pleines: Energiewirtschaft und Energiepolitik. In: Heiko Pleines, Hans-Henning Schröder (Hrsg.): Länderbericht Russland. Bonn 2010, ISBN 978-3-8389-0066-7, S. 329 ff. Somit wurden 2019 132,1 Milliarden Kubikmeter Gas von anderen Erdgasproduzenten durch das Transportsystem von Gazprom geleitet.
Mit einem Umsatz von 122,6 Milliarden US-Dollar, bei einem Gewinn von 22,7 Mrd. USD, stand Gazprom laut Forbes Global 2000 im Jahr 2020 auf Platz 32 der weltgrößten Unternehmen.
Gazprom produzierte nach eigenen Angaben 2019 etwa 501,2 Milliarden Kubikmeter Gas und leitete 679 Milliarden Kubikmeter Gas durch sein 175.200 km langes Pipeline-Netzwerk. Davon wurden in den Jahren 2018–2019 zwischen 175 und 180 Milliarden Kubikmeter nach Europa transportiert. Diese Menge fiel auf 63 Milliarden Kubikmeter im Jahr 2022 und weiter auf 28,3 Milliarden Kubikmeter im Jahr 2023.
Entwicklung des Unternehmens Gazprom ist eine Abkürzung für Gasindustrie (, gasowaja promyschlennost) und war früher der Geschäftsbereich Gasförder- und Gastransportindustrie des Ministeriums für Erdöl- und Gaswirtschaft der UdSSR (Mingazprom), eines so genannten Branchenministeriums. Im Zuge der Perestrojka wurde die Behörde im Jahr 1989 in den russischen Staatskonzern Gazprom umgewandelt. Der bisherige Minister für Erdöl- und Gaswirtschaft, Wiktor Tschernomyrdin, wurde zum ersten geschäftsführenden Vorstandsvorsitzenden gewählt. Als Tschernomyrdin 1992 Ministerpräsident wurde, folgte ihm sein Stellvertreter Rem Wjachirew als Gazprom-Vorstandsvorsitzender.
Seit Mai 2001 ist Alexei Miller Vorstandsvorsitzender. Aufsichtsratsvorsitzender ist seit Juni 2008 der ehemalige russische Regierungschef Wiktor Subkow. Beide gelten als enge Vertraute des russischen Präsidenten Putin, die dieser seit seiner Tätigkeit in der Stadtverwaltung in Sankt Petersburg kennt. Bis zur Ernennung Subkows als Aufsichtsratsvorsitzender bekleidete der spätere russische Präsident Dmitri Medwedew diesen Posten.
Die von der Staatsführung gewollte Fusion des Gasproduzenten mit dem staatlichen Ölunternehmen Rosneft wurde am 2. März 2005 gegen das Widersträuben dessen Managements vollzogen. Durch Aktientausch erlangte Rosneft die Anteilsmehrheit an Gazprom.Augsburger Allgemeine vom 2. März 2010: Rubrik Das Datum.
Am 21. Mai 2014 schloss Gazprom einen Vertrag mit dem staatlichen chinesischen Ölkonzern China National Petroleum Corporation über die Lieferung von jährlich mindestens 38 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach China ab 2018 für eine Dauer von 30 Jahren. Insgesamt entsprach der Wert des Geschäftes etwa 400 Milliarden US-Dollar.Russland und China schließen Milliarden-Vertrag über Erdgas, Die Zeit, 21. Mai 2014. Der erwünschte Beitrag zur Finanzierung seitens China blieb aus. Damit wurde ein Ertrag für Gazprom aus dem verpolitisierten Projekt etwas unwahrscheinlicher.
Nachdem Gazprom nach 2022 über 60 Prozent seiner Gasexporte verloren hatte, wurde 2025 die Produktion von Waschmaschinen und Kühlschränke durch das Tochterunternehmen AO Gazprom Household Systems in einer ehemaligen Bosch-Fabrik angekündigt. Gazprom Household Systems stellt bereits Gasherde her und erzielte damit 2024 einen Umsatz von ca. 70 Millionen US-Dollar.
Wichtigste Geschäftsbereiche und Unternehmensstrategie Gazprom kontrolliert die Gaswirtschaft Russlands weitgehend, hat das Monopol für den Erdgasexport aus dem Land und ist weltweit größter Gasexporteur. Es gibt nur wenige andere Förder- und Handelsgesellschaften im Erdgasbereich. Das Unternehmen erbringt rund 85 Prozent der russischen Erdgasförderung, was rund einem Fünftel der weltweiten Förderung entspricht. Während des Zerfalls des Rubels im Jahr 2015 forderten andere Gasproduzenten, allen voran Rosneft, direkten Zugang zum Pipeline-Transportsystem. Gazprom konnte dank dem schwachen Rubel günstig bei anderen Produzenten Gas einkaufen und als monopolistischer Exporteur bei der Ausfuhr davon profitieren.Konkurrenten fordern Gazprom-Aufspaltung, Zeit Online, 1. September 2015.Gazprom monopoly on pipeline gas exports “unshakeable”-Putin aide, Reuters, 23. Juli 2015.
2005 vereinbarten die deutschen Unternehmen E.ON und BASF mit Gazprom, eine Erdgasleitung durch die Ostsee zu verlegen. Gerhard Schröder, nach der Bundestagswahl 2005 nicht mehr Kanzler, nahm ein Angebot von Gazprom zur Mitarbeit im Aufsichtsrat der NEGP an.
Gazprom ist nicht nur im Erdgasbereich tätig. Weitere Geschäftsbereiche sind in Russland – neben dem Erdölbereich – insbesondere die Stromwirtschaft, der Medienbereich und das Bankwesen. Kritiker der Unternehmenspolitik fordern von der Gazprom-Führung eine Konzentration auf die Energiewirtschaft. Sie sehen eine Verzettelung, die das Unternehmen unüberschaubar macht. Gazprom wird in Presseberichten auch immer wieder eine besonders ausgeprägte Anfälligkeit für Korruption vorgeworfen. Die Aktivitäten der Gesellschaft sind derart verpolitisiert, dass Gazprom schlussendlich keine Gewinne erwirtschaften kann. Eine Bankanalyse im Jahr 2018 stellte fest, dass die Profiteure der Investitionen in die Projekte Kraft Sibiriens, Nord Stream 2 oder Turkish Stream wohl eher die Bauunternehmer waren.Gazprom verliert und damit Russland, Nowaja Gaseta, 24. Mai 2018.
Erklärtes Ziel der Gazprom-Führung ist, das Unternehmen zum weltweit führenden Energiekonzern auszubauen. In den letzten Jahren hat sie bedeutende Beteiligungen im Ölbereich (Sibneft) und Strombereich erworben. Dabei will sich Gazprom nicht auf Russland und den Export von Energie aus Russland beschränken, sondern über ihre Exportgesellschaft Gazprom Export auch ihre Aktivitäten im Ausland, einschließlich des Vertriebs von Energie an Endverbraucher, verstärken.
Gazprom äußerte sich auf einer Hauptversammlung am 29. Juni 2007 zu seiner weiteren zukünftigen Strategie. Es möchte auch in Zukunft der wichtigste Gaslieferant in Russland bleiben und daneben den Hauptabsatzmarkt Europa durch den Bau von neuen Pipelines sichern. Wichtig war die Inbetriebnahme der Gasförderung auf der Jamal-Halbinsel in Sibirien 2011. In: stadtwerke-herne.de. 28. November 2011, abgerufen am 26. Januar 2017. Gazprom denkt des Weiteren aktiv über Partnerschaften mit europäischen Partnern nach.Roland Götz: Gasproms Zukunftsstrategie. In: SWP. Juli 2007.
Am 25. Januar 2008 wurde in Moskau in Anwesenheit des russischen Präsidenten Wladimir Putin und des serbischen Präsidenten Boris Tadić ohne vorhergehende Ausschreibung ein Kaufvertrag über die Mehrheitsbeteiligung am staatlichen serbischen Energiekonzern Naftna industrija Srbije (NIS) für 400 Millionen Euro unterzeichnet. Zudem einigten sich die russische und serbische Seite bezüglich des Baus der Gaspipeline South Stream über serbisches Territorium, um damit die Gasversorgung Südosteuropas abzusichern. In: Financial Times Deutschland. 25. Januar 2008.
Nachdem Verlust eines Großteils der Gasexporte über Pipelines nach Europa verlagerte Gazprom seinen Schwerpunkt auf den Export von Flüssigerdgas (LNG). Herzstück dieser Initiative ist ein neues LNG-Terminal mit einer Jahreskapazität von 13 Millionen Tonnen bei Ust-Luga, welches bis 2027 fertig sein soll. Daneben werden kleinere LNG-Werke im Inland ausgebaut.
Zahlen und Fakten Mitarbeiter Gazprom beschäftigt rund 477.600 Mitarbeiter (2020). Diese unterteilen sich in: 54,5 % Arbeiter, 36,1 % Fachkräfte sowie 13,9 % Führungskräfte und weitere Mitarbeiter. Erdgasreserven und -ressourcen Gazprom verfügt über etwa ein Sechstel aller sicher wirtschaftlich gewinnbaren Gasreserven der Welt. Hinzu kommen umfangreiche potentielle Ressourcen, vor allem in West- und Nordsibirien. Erdgasförderung 545 Milliarden Kubikmeter (m³) (2004) Leitungsnetz Das Fernleitungsnetz von Gazprom, mit einer Länge von rund 150.000 Kilometer das weltweit größte, transportiert Erdgas zu 179 Verteilungsstationen. Über ein Weiterverteilungsnetz von 428.000 Kilometer werden Unternehmen und Haushalte in rund 80.000 Städten und Ortschaften in Russland beliefert. Umsatz rund 48 Milliarden US-Dollar (2005, ohne Sibneft) 72,61 Milliarden US-Dollar (2007) 159,97 Milliarden US-Dollar (2013) 67,24 Milliarden US-Dollar (2014) 91,35 Milliarden US-Dollar (2016) 122,6 Milliarden US-Dollar (2019) 75 Milliarden US-Dollar (2025)https://www.kommersant.ru/doc/8513459 Exportumsatz rund 25 Milliarden US-Dollar (2005 geschätzt) Reingewinn 161 Milliarden Rubel oder 4,689 Milliarden Euro (34,3347 Rubel für 1 Euro) Reingewinn geschätzt knapp 25 Milliarden US-DollarJens Hartmann: Gazprom-Chef Alexej Miller. Der mächtigste Gasmann und sein wahrer Boss. In: Die Welt. 25. Dezember 2007Und der Gazprom-Chef schreckt nicht davor zurück, unliebsamen Staaten den Gashahn zuzudrehen. (2007) Schulden rund 63 Milliarden Euro (2025) Wertpapierkennnummern für die ehemaligen ADR: 903276 (WKN) und US3682872078 (ISIN)
Milliarden Kubikmeter 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2020 Erdgas 552,5 555,0 556,0 548,6 549,7 461.5 508.6 454,5 Quellen: Gazprom in Zahlen 2004–2008 (PDF; 5,2 MB); Gazprom Annual Report 2010 (PDF; 4,2 MB)
Die Gazprom-Gruppe förderte 2010 rund 508,6 Mrd. Kubikmeter Erdgas; davon wurden 262,1 Mrd. Kubikmeter entsprechend 52 % der jährlichen Förderung zu einem Durchschnittspreis von 58,2 € pro 1000 Kubikmeter in Russland und 70,2 Mrd. Kubikmeter entsprechend 14 % der jährlichen Förderung zu einem Durchschnittspreis von 159,1 € pro 1000 Kubikmeter in Staaten der ehemaligen Sowjetunion abgesetzt. 2010 wurden 148 Mrd. Kubikmeter entsprechend 29 % der jährlichen Förderung wurden einem Durchschnittspreis von 184 € pro 1000 Kubikmeter in Staaten außerhalb der ehemaligen Sowjetunion exportiert, davon 144 Mrd. Kubikmeter in europäische Staaten. Milliarden Kubikmeter 2010 2019 2020 Deutschland 35,3 44,9 41,6 Türkei 16 15,4 16,4 Italien 13,1 22 20,9 Polen 11,8 9,7 9,7 Großbritannien 10,7 59 8,9 Schweiz 17,4 6,6 9,10 Tschechische Republik 9 2,2 4,1 Frankreich 8,9 13 14 Ungarn 6,9 10,5 8,6 Slowakei 5,8 6,5 7,6 Österreich 5,6 9,1 10,6 Finnland 4,8 2,5 1,6 Niederlande 4,3 16,3 48,1 Rumänien 2,6 1,1 1 Bulgarien 2,3 2,4 2,3 Griechenland 2,1 2,5 3,1 Serbien 2,1 2,2 1,4 Kroatien 1,1 2,3 1,8 Belgien 0,5 1,3 1,3 Slowenien 0,5 0,3 0,4 Bosnien und Herzegowina 0,2 0,2 0,2 Mazedonien 0,1 0,2 0,3 Gesamt 144,1 223,6 203,9 Quellen: Corporate brochure 2020 Results (PDF; 9,5 MB); Gazprom Annual Report 2010
2014 lieferte Gazprom 30,2 Prozent der Gasimporte der Europäischen Union., Wirtschaftsportal, OWC-Verlag für Außenwirtschaft GmbH, 12. Juni 2015.