mini|Shizuki Tadao: Sakokuron (Handschrift-Kopie, späte Edo-ZeitDer Autor Kaempfer wird als „Kenperu, Ferner Westen“ angezeigt) mini|Kurosawa Okinamaro (Hrsg.): Ijinkyōfu-den. Dieser 1850 herausgegebene Druck von Shizuki Tadaos Sakokuron wurde unmittelbar nach seinem Erscheinen von der Tokugawa-Regierung verboten. Shizuki Tadao (, * 1760Im japanischen Kalender 10. Jahr der Devise Hōreki in Nagasaki, Japan; † 16. August 1806Im japanischen Kalender der 3. Tag des 7. Monats im 3. Jahr der Devise Bunka daselbst) war ein japanischer Dolmetscher und Übersetzer, der einen starken Einfluss auf die Entwicklung der einheimischen „Hollandkunde“ (Rangaku) ausübte.Einen kompakten Überblick bietet Yoshida Tadashi, 2009.
Leben Shizuki Tadao kam als fünfter Sohn des Nakano Yōsuke () in Nagasaki zur Welt, wo sein Vater für die Mitsui, eine der drei großen Handelsfamilien der Edo-Zeit, tätig war. Schon früh wurde er von Shizuki Magojirō (), einem Dolmetscher der niederländischen Handelsstation Dejima, als künftiges Oberhaupt der 8. Generation der Familie und damit auch als Nachfolger im Amt adoptiert.Matsuo Ryūnosuke, 2007, 2009. Neben seinem Rufnamen Tadajirō () verwendete er als Autor die Namen Ryūho (), später vorwiegend Tadao sowie Eichō ().
1776Im japanischen Kalender das 3. Jahr der Devise An’ei wurde er als Übungsdolmetscher (keikotsūji) der Handelsniederlassung eingestellt.Watanabe Kurasuke, 1957. Damit war eigentlich seine weitere Karriere mit einem sukzessiven Aufstieg zum „Kleinen Dolmetscher“ (kotsūji) und „Großen Dolmetscher“ (ōtsūji) vorgezeichnet. Doch gab er 1782 oder 1786 wegen seiner kränklichen Konstitution diese Position auf und wurde Privatschüler des in westlicher Astronomie bewanderten Dolmetschers Motoki Ryōei ().Harada Hiroji, 2007; Isabel Tanaka-Van Dalen, 2007. Fortan beschäftigte er sich mit vorwiegend westlichem Schrifttum, bildete Privatschüler aus und verfasste über 40 Übersetzungen und andere Schriften. Wie viele der damaligen Texte kursierten diese weiträumig in der Form handschriftlicher Kopien und übten auf die „Hollandkundler“ (rangakusha) einen starken Einfluss aus. Die japanische Sprache verdankt ihm eine Reihe neuer Wörter.
Bei etwa der Hälfte der überlieferten Schriften Shizukis handelt es sich um Exzerpte aus westlichen Büchern zur Astronomie und Physik, die in niederländischen Ausgaben Japan erreicht hatten. Durch seine Übersetzungen gelangten von ihm erdachte Neuprägungen wie inryoku (), enshinryoku (), kyūshinryoku (), jūryoku (), kasoku () und daen () in den japanischen Wortschatz. Mit dem 1802 entstandenen „Neuen Buch über Kalender-Phänomene“ (Rekisho Shinsho) lernten seine Landsleute Isaac Newtons Physik und den Heliozentrismus kennen. Hier erscheinen des Weiteren erstmals in einem japanischen Text mathematische Symbole wie +, −, ÷ und √. Das zugrundeliegende Buch, die niederländische Ausgabe von John Keills Introductio ad veram astronomiam, selectiones astronomicae, enthält auch eine Abhandlung über sphärische Trigonometrie, die Shizuki unter dem Titel „Geheime Überlieferung der Dreiecksrechnung“ () bekannt machte.
Etwa ein Drittel seiner Schriften ist der Grammatik der niederländischen Sprache gewidmet. Diese trugen zu einer beachtlichen Steigerung der einheimischen Sprachstudien bei. Unter den von ihm geprägten grammatischen Termini ging hinshi () ins moderne Japanisch ein.Ōshima Akihide, 2018. 2019. Andere Schriften behandeln Fragen der Geographie und des Auslandes.
Mit dem Anwachsen der Kontaktversuche durch westliche Schiffe rückten die Beziehungen Japans zum Ausland immer stärker ins Bewusstsein der Machthaber wie auch der allgemeinen Bevölkerung. Shizuki stieß bei seinen Studien auf eine Abhandlung des Japanforschers Engelbert Kaempfer zur Beziehung Japans mit der Außenwelt.Die Abhandlung wurde von Kaempfer in seinem 1713 gedruckten Werk Amoenitates Exoticae erstmals veröffentlicht und 1727 durch Johann Caspar Scheuchzer dem Anhang zu Kaempfers History of Japan (Originaltitel: Heutiges Japan) beigefügt. Dieses Buch wiederum erschien 1729 auf Französisch und 1733 in einer niederländischen Version (Het Beschrijving van Japan). Bei seiner Übersetzung komprimierte er den sperrigen, langen Titel Kaempfers zu „Abhandlung über den Landesabschluss“ (sakoku-ron).Der zugrunde liegende niederländische Titel lautet: Onderzoek, of het van belang is voor 't Ryk van Japan om het zelve geslooten te houden, gelyk het nu is, en aan desselfs inwooners niet toe te laaten koophandel te dryven met uytheemsche natien 't zy binnen of buyten 's lands. Der hierdurch in die japanische Sprache eingeführte Begriff sakoku setzte sich im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Schlüsselbegriff zur Charakterisierung der japanischen Außenpolitik der Edo-Zeit auch im allgemeinen Sprachgebrauch fest.Ōshima Akihide, 2007, 2009.
Zur Medizin bzw. Pharmazeutik ist bislang nur ein Werk bekannt (Kaijō yakuhin-ki).
Während viele zeitgenössische „Hollandkundler“ sich auf die praktische Anwendung der europäischen Wissenschaft und Technik konzentrierten, verfolgte Shizuki in seinen Schriften das westliche wissenschaftliche Denken. Dank seiner profunden Kenntnisse des Schrifttums der Chinakunde () und Nationalkunde () versuchte er in seinen Interpretationen zugleich, Elemente der japanischen Tradition zu integrieren. Unter seinen Schülern finden sich namhafte Pioniere der Hollandkunde wie Baba Sajūrō (, 1787–1822), Yoshio Gonnosuke (, 1785–1831), Ōtsuki Genkan (, 1785–1838) und Suetsugu Tadasuke (, 1765–1838).
Shizukis persönliches Leben wie auch die Umstände seines Ablebens sind nicht bekannt. Auch das Grab ist nicht erhalten.
Wichtige Schriften Bankoku kanki, 1782 (Exzerpte aus diversen Reisewerken) Tenmon kanki, 1782–85 (Astronomie) Kaijō yakuhinki, 1783 (Pharmazeutische Rezepte) Dōgaku shinan, 1785 (Einführung in die Mechanik) Kaki happōden, 1787 (Physik, Waffenkunde) Hachiengi oyobi sono yōhō no ki, 1798 (Übersetzung von Cornelis Douwes Beschryvinge van het octant en deszelfs gebruik. Amsterdam: Joannes van Keulen, 1749) Sakokuron, 1801 (Übersetzung von Engelbert Kaempfers Onderzoek, of het van belang is voor ’t Rijk van Japan om het zelve geslooten te houden, gelijk het nu is, en aan desselfs Inwooners niet toe te laaten Koophandel te drijven met uijtheemsche Natien ’t zij binnen of buijten ’s Lands aus dem Anhang von Kaempfers De beschryving van Japan, 1733) Rekishō Shinsho, 3 Teile, 1798–1802 (Übersetzung von John Keills Inleidinge tot de waare natuur- en sterrekunde, of de natuur- en sterrekundige lessen van den heer Johan Keill ... : waar by gevoegt zyn deszelfs verhandelingen over de platte en klootsche driehoeks-rekeninge, over de middelpunts-kragten en over de wetten der aantrekkinge, Leiden: Jan en Hermanus Verbeek, 1741) Nikoku kaimeiroku, 1806 (Auszug aus Jean-François Gerbillons Relations du huit Voyages dans la Grande Tartarie (1688–98) mit einer Schilderung des russisch-chinesischen Vertrags von Nerchinsk) Sankakusan hiden, (Hier findet sich die erste japanische Beschreibung der sphärischen Trigonometrie)
Oranda hinshi-kō, („Überlegungen zu den Wortarten des Holländischen“)
Literatur Watanabe, Kurasuke: Oranda tsūji Shizuki-shi jiryaku. Nagasaki Gakkai Sōsho 4. Nagasaki, 1957 () Ōmori, Minoru: Shizuki Tadao „Kaki happō-den“ ni tsuite. In: Gunji Shigaku. 8(3), 1972, S. 34–48 () Rangaku no furonteia – Shizuki Tadao no sekai. Nagasaki: Nagasaki Bunkensha, 2007 () ISBN 978-4-88851-079-0. Harada, Hiroji: Shizuki Tadao-ke ni tsuite. In: Rangaku no furonteia. S. 20–27 () Tanaka-Van Dalen, Isabel: Oranda-shiryō kara mita Nagasaki-tsūji – Shizuki Tadao wo chūshin ni. In: Rangaku no furonteia. S. 28–43 () Oshima, Akihide: Shizuki Tadao „Sakokuron“ no tanjō to sono juyō. In: Rangaku no furonteia. S. 110–122 () S. Noma (Hrsg.): Shizuki Tadao. In: Japan. An Illustrated Encyclopedia. Kodansha, 1993. ISBN 4-06-205938-X, S. 1400. Matsuo, Ryūnosuke: Nagasaki-rangaku no kyojin – Shizuki Tadao to sono jidai. Fukuoka: Genshobō, 2007 () ISBN 978-4-902116-95-3. Oshima, Akihide: Sakoku to iu gensetsu – Kenperu-cho, Shizuki Tadao-yaku „Sakokuron“ no juyōshi. Kyoto: Minerva 2009 () ISBN 978-4-623-05312-4. Matsuo, Ryūnosuke: Shizuki Tadao no jikka – Nakano-ke ni kansuru nōto. In: Yōgakushi Kenkyū. 26, S. 105–111 Fukuoka: Genshobō, 2007 () ISBN 978-4-902116-95-3. Kobayashi, Tatsuhiko: Nakano Tadao-shū „Sankakusan hiden“ ni tsuite. In: Narutaki Kiyō. 10, 2010, S. 1–12 () Ōshima, Akihide: Izumiya-ke kyūzō „Orandago bunpōsho“ to Shizuki Tadao „Joshi-kō“. In: Narutaki Kiyō. 29, 2018, S. 1–8 () Ōshima, Akihide: Kōbe Shiritsuhakubutsukan-zō Shizuki Tadao-jo „Bankoku kanki“ nitsuite. In: Kokubun Kenkyū. 64, 2019, S. 51–68 () Ōshima Akihide: Ranbun wayakuron no tanjō – Shizuki Tadao „Rangaku seizenfu“ to Sorai-Norinaga-gaku. In: Gazoku. 18, 2019, S. 37–54 () Yoshida, Tadashi: Shizuki Tadao – Dokusōteki shisōka. In: Michel, W./Torii,Y./Kawashima, M.: Kyūshū no Rangaku – Ekkyō to kōryū. Kyōtō: Shibunkaku Shuppan, 2009, S. 102–108 () ISBN 978-4-7842-1410-5.
Weblinks Nachweise wichtiger Schriften von Shizuki Tadao in der Database of Pre-Modern Japanese Works (National Institute of Japanese Literature)
Anmerkungen, Einzelnachweise
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