mini|Heraion von Samos, Reste des 2. Tempels Theodoros von Samos war ein antiker griechischer Architekt, Ingenieur und Kunsthandwerker (Erzgießer, Gemmenschneider) in der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr.
Er stammte aus Samos, war laut Herodot und anderen Sohn des Telekles und Kollege des Rhoikos.Herodot 3,41; Pausanias 8,14,8; 10,38,5. Diodor und Diogenes Laertios machten ihn zu dessen Sohn.Diodor 1,98,3; Diogenes Laertios 2,103.
Nach der Naturgeschichte des älteren Plinius erfand er Winkelmaß, Wasserwaage, Drehbank und Schlüssel.Plinius, Naturgeschichte 7,198. Er soll nach Pausanias und Platon eine neue Bronzegussmethode eingeführt und hierbei mit Rhoikos zusammengearbeitet haben.Pausanias 8,14,8; 9,41,1; 10,38,6; Platon, Ion 533b. Möglicherweise ist dies mit der um die Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. aufkommenden Technik zu verbinden, einzeln gegossene Bronzewerkstücke nicht mehr zu vernieten, sondern mit aufgegossener Bronze zu verschmelzen. Nun erst wurden gegossene Bronzestatuen möglich, wie Funde aus Athen belegen.In diesem Sinne schlug Peter Cornelis Bol die Deutung der Überlieferung vor: Peter Cornelis Bol: Antike Bronzetechnik. Kunst und Handwerk antiker Erzbildner. C. H. Beck, München 1985, S. 118. So sieht auch Helmuth Schneider Theodoros und Rhoikos als diejenigen an, die den Hohlguss von Bronze erstmals auf größere Skulpturen übertrugen, während diese Technik für kleinformatige Objekte wie die Greifenköpfe von Kesseln – auch in Samos – schon seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen ist.Helmuth Schneider in: Dieter Hägermann und Helmuth Schneider: Landbau und Handwerk 750 v. Chr. bis 1000 n. Chr. (= Propyläen Technikgeschichte. Band 1). Propyläen Verlag, Berlin 1991, S. 105 f. Theodoros war allgemein für die Qualität seiner Arbeiten auf verschiedensten Gebieten bekannt und einer der ersten „Techniker“, deren Namen überliefert sind.
Ihm wurden von verschiedenen Autoren zugeschrieben: Ein großer Silberkrater mit dem Fassungsvermögen von 600 Amphoren (1800 Liter), Geschenk des Krösus an DelphiHerodot 1,51. ein goldener KraterAthenaios, Gastmahl der Gelehrten 12,514 f. Gravur des Rings des Polykrates, ein goldener Siegelring mit einem SmaragdHerodot 3,41,1, Pausanias 8,14,8 die goldene Rebe, die zum Schatz der Perserkönige gehörteHimerios 31,8. Kultbild des Apollon Pythios auf SamosDiodor 1,98,5; Athenagoras 17. ein SelbstbildnisPlinius, Naturgeschichte 34,83. Theodoros hatte nach Plinius einen Ruf wegen seiner Porträtähnlichkeiten und sein Selbstbildnis (mit Feile in der rechten Hand und eine Quadriga lenkend mit der linken Hand) wegen seiner Feinheit und Kleinheit berühmt gewesen sein und nach Präneste gebracht worden sein.
Er arbeitete viel mit Rhoikos zusammen. Mit diesem baute er das Heraion von Samos (Dipteros).Herodot 3,60; Plinius, Naturgeschichte 34,83. Theodoros schrieb auch über den Tempel auf Samos.Vitruv 7 Praefatio 12. Theodoros soll beim Bau des Dipteros (Artemistempel) von Ephesos einen wichtigen Rat bezüglich der Gründung in einer Sumpfgegend gegeben haben.Diogenes Laertios 2,103. Er hatte bereits Erfahrung beim Heraion mit sumpfigem Baugrund gemacht und schlug in Ephesos eine Schicht aus Holzkohle und Schaffellen vor, die seiner Auffassung nach in der Gründung das Grundwasser aufhalten würde.Wilhelm Osthues: Bauwissen im antiken Griechenland. In: Jürgen Renn u. a.: Wissensgeschichte der Architektur. Band 2, Edition Open Access 2014 Nach Pausanias stammte auch die Skias in Sparta von ihm.Pausanias 3,12,10.
Literatur Susanne Ebbinghaus: Theodoros (I). In: Rainer Vollkommer (Hrsg.): Künstlerlexikon der Antike. Band 2. Saur, Leipzig 2004, Sp. 445–447.
Anmerkungen
Kategorie:Ingenieur, Erfinder, Konstrukteur Kategorie:Griechischer Architekt der Antike Kategorie:Bildhauer der Antike Kategorie:Grieche (Antike) Kategorie:Geboren im 6. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Gestorben im 6. oder 5. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Mann