mini|hochkant=1.3|Stolpersteine für die Geschwister Karl und Rosa Hauser
Die Liste der Stolpersteine in Eichstetten führt die vom Künstler Gunter Demnig verlegten Stolpersteine im baden-württembergischen Eichstetten am Kaiserstuhl auf.
Juden in Eichstetten Die ersten Menschen jüdischen Glaubens kamen Anfang des 18. Jahrhunderts als Flüchtlinge aus der Schweiz und dem Elsass nach Eichstetten. Sie siedelten sich im Gebiet der „Judengasse“ (heute „Eisengasse“, im Volksmund „Judengäßle“) und dem Altweg an. 1721 wurden sechs jüdische Familien gezählt, 1777 lebten 92 Menschen jüdischen Glaubens in Eichstetten. 1871 lebten 420 Menschen jüdischen Glaubens hier, ungefähr 13 % der Gesamtbevölkerung, danach nahm die Anzahl der Juden langsam ab. Zur jüdischen Gemeinde Eichstetten zählten auch die in Endingen und Rigel lebenden Menschen jüdischen Glaubens. Die jüdischen Familien lebten größtenteils vom Viehhandel, einige Familien vom Einzelhandel. Die Eichstetter Gemeinde hatte eine Synagoge mit einem religiösen Bad, eine Schule und einen Friedhof. Der letzte Lehrer der Gemeinde war Leopold Mirwis, der 1940 deportiert wurde. Während des Ersten Weltkrieges wurden auch Eichstettener Juden eingezogen; die Gefallenen sind namentlich auf dem Gefallenendenkmal erwähnt. Um 1924 zählten 130 Menschen zur jüdischen Gemeinde, das waren 6,2 % der Gesamtbevölkerung. 1933 gab es nur noch 91 jüdische Einwohner. Aufgrund von Boykotten, Repressalien und Entrechtungen verließen 50 Menschen jüdischen Glaubens die Stadt, elf weitere starben bis 1940.mini|hochkant|Gedenkstein zur Erinnerung an die in das Camp de Gurs deportierten Juden Bereits 1938, drei Jahre vor der Einführung der Kennzeichnungspflicht im Deutschen Reich durch einen Judenstern, verfügte der Dorfpolizist, dass alle Juden eine gelbe Armbinde zu tragen hätten. Während der Novemberpogrome wurde die Synagoge zerstört, die jüdische Bevölkerung musste bei den Aufräumarbeiten helfen, die Kosten wurden der jüdischen Gemeinde in Rechnung gestellt. 18 Männer wurden im Zuge der Pogrome verhaftet und ins KZ Dachau deportiert. 17 von ihnen kehrten nach und nach zurück, Siegfried Bloch verlor sein Leben aufgrund von Torturen in Dachau. Am 22. Oktober 1940 wurden die letzten 30 jüdischen Bewohner ins Camp de Gurs deportiert. Eichstetten war damit „judenfrei“.Alemannia Judaica: Eichstetten mit Riegel (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) und Endingen (Kreis Emmendingen) Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge, abgerufen am 10. Juni 2020Badische Zeitung: Zeugen einer schlimmen Zeit, abgerufen am 10. Juni 2020
Gedenkarbeit in Eichstetten Im Jahr 1983 wurde nach der Renovierung des einzig noch stehenden Relikts der ehemaligen Synagoge durch die Gemeinde Eichstetten erstmals eine Gedenktafel öffentlich zur jüdischen Vergangenheit im Kaiserstuhldorf angebracht. 1988 wurde ebenfalls nach einer umfangreichen Renovierung der Außenanlagen beim jüdischen Friedhof eine Gedenktafel zur Erinnerung an die jüdischen NS-Opfer Eichstettens enthüllt. Schülerinnen und Schüler der örtlichen Hauptschule gestalteten 2008 einen Memorialstein als Teil des Projektes Mahnmal Neckarzimmer und 2010 wurde zum 70sten Jahrestag der Reichspogromnacht auf der Mauer der ehemaligen Synagoge eine weitere Gedenktafel angebracht.Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum: Eichstetten/Kaiserstuhl (Baden-Württemberg), abgerufen am 10. Juni 2020 - ergänzt v. Helmut Schöpflin (Heimat- und Geschichtsverein Eichstetten) 27. Juni 2023
Der erste Stolperstein in Eichstetten wurde im April 2003 in der Hauptstraße für Abraham Dreifuß verlegt, der im Konzentrationslager Dachau ermordet wurde. Initiiert wurde der Stolperstein von Ursula Kügele. Insgesamt wurden in Eichstetten 47 Stolpersteine verlegt. Die Kosten für Herstellung und Verlegung der meisten Stolpersteine wurden über Spendenaktionen des Heimat- und Geschichtsvereins Eichstetten gesammelt. Eingebettet waren die Stolpersteinverlegungen in eine Reihe von Vorträgen, Begegnungen mit Zeitzeugen und Besuchen von Überlebenden und deren Familien.
Stolpersteine Die Tabelle ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen des Opfers. Die Verlegedaten finden sich in einem eigenen Absatz unterhalb der Liste. Bild Inschrift Standort Leben120px HIER WOHNTEILSE BIEDERMANNGEB. HOFELERJG. 1905DEPORTIERT 22.10.1940GURSERMORDET INAUSCHWITZ Bahlinger Straße 5verlegt am 23. Mai 2009, geborene Hofeler, wurde am 26. Januar 1905 in Eichstetten geboren. Ihre Eltern waren der Viehhändler Alfred Hofeler und Marie, geborene Maier. Sie hatte zwei Brüder: Max (geboren 1906) und Arthur (geboren 1910). Ihre Großmutter war Auguste Hofeler, eine in Eichstetten bekannte Persönlichkeit. Im Juni 1932 starb ihre Mutter. Ab 1935 war ihr Vater von den restriktiven Maßnahmen des sogenannten „Reichsnährstandes“ des NS-Regimes betroffen. Am 21. Februar 1936 heiratete Ilse Hofeler den 35-jährigen Isidor Biedermann aus Randegg. Im April 1936 zog das Paar nach Gailingen am Hochrhein. Ebenfalls im April 1936 wanderte ihr Bruder Max, der bis dahin im väterlichen Viehhandel half, nach Argentinien aus. 1937 verlor ihr Vater aus rassistischen Gründen seine Konzession. Damit war auch die Existenzgrundlage ihrer Großmutter und ihrer zwei verwitweten Tanten in Frage gestellt. Am 7. Februar 1938 wurden Ilse Biedermann und ihr Mann Eltern. Im jüdischen Krankenhaus von Gailingen kam Marianne zur Welt. Ihr Bruder Arthur, der bis 1935 Reisender für die Papierfabrik Epstein war, emigrierte im selben Jahr. Er und seine Ehefrau Else zogen zuerst nach Schmieheim und wanderten dann nach England aus und emigrierten schließlich in die USA. Auch Ilse Biedermann und ihr Ehemann bemühten sich um die nötigen Papiere für die Auswanderung. Es gelang jedoch nicht. Am 22. Oktober 1940 wurden das Ehepaar, deren zweijährige Tochter und der Bruder von Isidor Biedermann nach Gurs deportiert. Auch ihr Vater, dessen 87-jährige Mutter und die zwei verwitweten Tanten wurden inhaftiert. Die Großmutter starb. Alfred Hofeler und seine Schwester Regine Kleefeld wurden in ein französisches Altersheim verlegt und konnten das NS-Regime überleben. Das Ehepaar Biedermann trennte sich von seiner Tochter und übergab sie einer Hilfsorganisation, die sie in Sicherheit brachte. Mitte 1942 begann der Abtransport der jüdischen Gefangenen. Sie kamen in das Sammellager Drancy bei Paris. Am 4. November 1942 wurde sie mit dem Transport 40, Zug DA 901/35 zusammen mit ihrem Ehemann ins Auschwitz deportiert.The Central Database of Shoah Victims’ Names: Ilse Biederman, abgerufen am 22. Dezember 2019The Central Database of Shoah Victims’ Names: Isidore Biederman, abgerufen am 22. Dezember 2019 Dort wurden Ilse Biedermann und ihr Ehemann ermordet.
Bruder Arthur Hofeler hatte in New York über 20 Jahre lang ein Lebensmittelgeschäft, war dort ein weiteres Mal verheiratet. Im Juni 1970 wurde er überfallen und erschossen.New York Times digitalized Version, abgerufen am 22. Dezember 2019 Die Tochter konnte überleben. Sie kam 1946 als 8-jähriges Mädchen in die USA und wurde von Marcel Dreifuss (geboren 1901, ursprünglicher Name Max Dreifuss), einem Freund der Familie,Stolpersteinprojekt Eichstetten: Johanna Dreifuss , erstellt von Ursula Kügele, Stand August 2009, abgerufen am 23. Dezember 2019 und dessen Frau Erna adoptiert. Die Adoptiveltern stammten ebenfalls aus Eichstetten. Marianne Dreifuss-Biedermann verstarb schon früh.Stolpersteinprojekt Eichstetten: Stolpersteinverlegung für Ilse Biedermann, erstellt von Ursula Kügele, Stand August 2009, abgerufen am 22. Dezember 2019120px HIER WOHNTEAUGUSTE BLOCHGEB. WEILJG. 1884DEPORTIERT 1940GURSERMORDET INAUSCHWITZHauptstraße 54verlegt am 29. Sept. 2007 , geborene Weil, wurde am 8. März 1884 in Breisach geboren. Sie war die Tochter der Lebensmittelhändlerin Ernestine Weil und deren Ehemann Isak Weil. Sie hatte den älteren Bruder Emil (geboren 1938). Die Familie zog für einige Jahre in die USA, nach Buffalo, dorthin war ihr Vater vor einem drohenden Konkurs geflüchtet. Dort wurde ihr jüngerer Bruder Jakob 1897 geboren. Ihr Vater starb und ihre Mutter zog mit ihr und ihrem jüngeren Bruder nach Eichstetten. Dort starb Jakob 1890.Stolpersteinprojekt Eichstetten: Ernestine (Esterle) Weil (Kurzbiographie), erstellt von Ursula Kügele, Stand September 2007, abgerufen am 31. Dezember 2019 (mit einem Porträt von Ernestine Weil) Im Jahr 1906 heiratete sie den aus Schmieheim stammenden Siegfried Bloch. Das Ehepaar betrieb ein Kurzwarengeschäft im Haus Hauptstraße 54 und wohnte auch dort. Sie hatten einen Sohn, Isidor Weil, geboren am 17. November 1907. Im Rahmen der Novemberpogrome von 1938 wurden alle jüdischen Männer Eichstettens verhaftet und in das KZ Dachau verschleppt, auch ihr Ehemann. Er konnte, so das Eichstettener Stolpersteinprojekt, „die Haftbedingungen, die Willkürakte und Torturen“ nicht überleben. Ab den Novemberpogromen konnte sich kein Jude in Deutschland mehr sicher fühlen. Spätestens ab Ende 1938 lebte Auguste Blochs Mutter ebenfalls bei den Blochs, sie zog im Januar 1940 nach Unna in ein israelitisches Altersheim. Im Februar 1940 zog Auguste Bloch nach Freiburg im Breisgau, hielt sich aber weiterhin öfters in Eichstetten auf. Sie wurde verhaftet und am 22. Oktober 1940 in das Camp de Gurs nördlich der Pyrenäen deportiert. In Gurs traf sie ihren Bruder Emil und dessen Sohn Manfred wieder. Am 10. August 1942 wurde sie über Drancy mit dem Transport 17, Zug 901-12 in das KZ Auschwitz. Auguste Bloch hat die Shoah nicht überlebt.Yad Vashem hat drei Einträge zur Person, alle abgerufen am 31. Dezember 2019:* Gustl Augusta Bloch, beruhend auf einem Gedenkblatt aus dem Jahr 2019, eingereicht von Xavier Messalati, damals in Israel lebend,* Auguste Augusta Gustl Bloch, beruhend auf dem Gedenkbuch des Bundesarchivs* Augusta Bloch, beruhend auf dem Memorial Book of the Jews deported from France 1942- 1944.
Ihre Mutter wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und verlor dort an dem Tag, an dem Auguste Bloch nach Auschwitz deportiert wurde, ihr Leben. Ihr Bruder Emil wurde ebenfalls 1942 in Auschwitz ermordet. Ihr Sohn konnte rechtzeitig in die USA emigrieren und überleben.Stolpersteinprojekt Eichstetten: , erstellt von Ursula Kügele, Stand September 2007, abgerufen am 31. Dezember 2019 (mit einem Porträt von Auguste Bloch)Stolpersteinprojekt Eichstetten: Stolpersteinverlegung für Auguste und Siegfried Bloch, abgerufen am 31. Dezember 2019120px HIER WOHNTEBERNHARD BLOCHJG. 1863DEPORTIERT 1940TOT INGURSBahlinger Straße 3verlegt am 29. Sept. 2007 wurde am 8. Februar 1863 in Eichstetten geboren. Er war Schuhhändler und heiratete am 10. Dezember 1890 Lina, geborene Hofeler. Das Paar hatte vier Kinder: Sophie genannt Sowe (geboren 1891), Bella (geboren 1892) und Emma (geboren 1898) und ein weiteres Kind, das aber bereits im Kindesalter starb. Emma wanderte nach dem Ende des Ersten Weltkrieges in die USA aus, heiratete dort und hieß Emmy Hamburger. Auch seine Tochter Bella wanderte aus, ebenfalls in die USA, sie starb 1935 in Cedarhurst. 1931 starb Bernhard Blochs Frau Lina, seine Tochter Sophie kümmerte sich um den Vater. Am 22. Oktober 1940 wurde er zusammen mit seiner Tochter ins Camp de Gurs deportiert. Aufgrund der Lagerbedingungen verlor Bernhard Baruch Bloch am 17. November 1940 dort sein Leben.Stolpersteinprojekt Eichstetten: Bernhard Bloch und Sophie Bloch (Kurzbiographien), abgerufen am 3. August 2019Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945: Bloch, Baruch Bernhard, abgerufen am 2. April 2020