Mary Bulkley (* 1747 oder 1748, vermutlich in London; † 19. Dezember 1792 in Dumfries, Schottland) war eine englische Tänzerin und komödiantische Schauspielerin des 18. Jahrhunderts. Sie trat in verschiedenen Theatern auf, hauptsächlich jedoch im Covent Garden Theatre, Theatre Royal (Dublin), Theatre Royal (Edinburgh), Theatre Royal Haymarket und dem Shrewsbury Theatre. Sie spielte in allen Komödien Shakespeares, wie auch in einigen seiner Tragödien. Den Hamlet spielte sie mindestens zweimal. Auch erschien sie in vielen anderen zeitgenössischen Komödien.

mini|Mrs. Bulkley (1780)

Sie galt als Schönheit und ihr Talent wurde gelobt. Sie heiratete im Alter von 19 Jahren George Bulkley und später Captain Ebenezer Barresford und hatte dazu etliche Affären. Ihre Karriere verlief recht erfolgreich, jedoch wurde sie gegen Ende und aufgrund ihres Lebenswandels nach und nach gemieden. Bulkley starb verarmt.

Jugend mini|Mary Bulkley (1776)

Ihr Vater war Edward Wilford († 1789), ein Beamter und der Finanzverwalter des Royal Opera House (Covent Garden). Da auch ihr (angeheirateter) Onkel der Theaterbesitzer John Rich war, wuchs Mary „in gewissem Komfort“ innerhalb einer Theaterumgebung auf. Mit Ende zwanzig galt sie als schön, aber „konnte nicht singen“. Dies enthält ein Zitat von Oliver Goldsmith, online unter:

Leben, Heirat und Affären mini|Mrs. Bulkley (1777)

Am 9. oder 16. August 1767 heiratete sie George Jackson Bulkley (1742–1784). Er war Violinist im Orchester des Royal Opera House und stammte aus Yorkshire.On Sunday last. In: Stamford Mercury, 20. August 1767, S. 2, Spalte 2; britishnewspaperarchive.co.uk George Bulkley war „dankbar“ und „nützlich“, aber „ohne Glanz“ („dull“). Mary hatte mindestens drei Kinder, welche alle während ihrer Affäre mit dem Sänger und Komödienschauspieler James William Dodd (ca. 1740–1796) entstanden (Mary Elizabeth, 1768–1859,England births and baptisms 1538–1975 ODM P00157-1/845241 George Wilford, (1769–1844) Deaths Sep 1844 Bulkley George Wilford Greenwich 5 172, William Fisher 1771–1810England births and baptisms 1538–1975 England EASy I04146-3/1595986/3William Fisher Bulkley, ein Kaufmann der Westindien, heiratete Mary Ann Carter am 9. April 1802 in der St Mary’s Lambeth. Er starb 1810 auf Guadeloupe.(IGI))

In der Folge der Affäre mit Dodd am Birminghamer King Street Theatre kam es zum Skandal.Kristina Straub: Dodd, James William (1740? – 1796). In: The Routledge Anthology of Restoration and Eighteenth-Century Drama. S. 38; Die Ehefrau Dodds starb und die Toleranz des Publikums für die Affäre des Hinterbliebenen schwand. Dennoch ging Mary 1774 mit Dodd nach Dublin, sie erhielten aber schlechte Kritiken („Some recent transactions had excited strong Prejudice against them.“ – „Einige Vorkommnisse der jüngeren Zeit erzeugten starke Vorbehalte gegen sie“).R. Hitchcock: An historical view of the Irish stage from the earliest period down to the close of the season 1788. S. 38; Das hatte für beide finanzielle Einbußen zur Folge, so beschloss Mary für eine Zeitlang nach Hause zu ihrem Mann zurückzukehren. Jedoch verließ sie ihn bald wieder, um mit Dodd zu leben. Sie arbeitete 1779 erfolgreich mit Tate Wilkinson, dem Leiter mehrerer Theater, welche unter dem Namen Yorkshire Circuit zusammengefasst wurden.Tate Wilkinson: Memoirs of his own life. T. Wilkinson: The wandering patentee, or, A history of the Yorkshire theatres from 1770 to the present time. Band 4. Auch zu dieser Zeit sorgte sie für einen Skandal, als bekannt wurde, dass sie mit dem Harlekin John Banks in Schottland und 1782 mit dem Schauspieler John (oder James) Brown Williamson († 1802) zusammen lebte.A Biographical Dictionary of Actors, Actresses, Musicians, Dancers, Managers and Other Stage Personnel in London, 1660–1800. S. 396; x

Nachdem 1784 ihr Mann verstarb, ehelichte sie vier Jahre später, am 22. Juli 1788, Captain Ebenezer Barresford.Married, Capt Eben Barresford in the east country trade, to Mr Bulkley, late of Covent Garden. In: Hereford Journal, 31. Juli 1788, S. 3, Spalte 4; britishnewspaperarchive.co.uk Ab 1791 begann sie verstärkt Alkohol zu konsumieren („drinking heavily“). Vermutlich war auch eine Alkoholisierung im Spiel, als sich ihre Kutsche 1785 auf der North Bridge Edinburghs überschlug. Aufgrund der daraus resultierenden Schmerzen konnte sie ihren Auftritt am folgenden Abend nicht wahrnehmen.Edinburgh. In: Caledonian Mercury, 10. Januar 1785, S. 3, Spalte 2; britishnewspaperarchive.co.uk Sie wurde als „alt, kränklich und mit einem sehr roten Gesicht“ beschrieben. Sie starb im Alter von 44 Jahren am 19. September 1792 in „desolaten finanziellen Verhältnissen“ in der schottischen Stadt Dumfries, wo sie auf dem Kirchfriedhof der St Michael’s Church beerdigt wurde – „nicht weit von der Stelle, an der Burns liegt“.

Karriere Mary Bulkley war zwischen 1761 und 1780 (oder 1781) Mitglied des Theaterensembles des Royal Opera House am Covent Garden,Kritina Straub: The Routledge Anthology of Restoration and Eighteenth-Century Drama. 2017; hatte jedoch 1758 im Alter von 10 Jahren dort ihr Debüt als Tänzerin. Dies verfolgte sie bis 1765, als sie erstmals im Alter von 18 Jahren als Komödienschauspielerin auf die Bühne trat. 1769 war sie an einer Pferdeshow beteiligt, welche u. a. auf der Rennbahn Curragh, nahe Kildare in Irland stattfand. Sie assistierte einem Mr. Hyam der, „während er aufrecht auf zwei galoppierenden Pferden stand, ein Glas Wein trinken konnte“.Horsemanship, Mr Hyam and Mrs Bulkley. In: Manchester Mercury, 6. Juni 1769, S. 4, Spalte 3; britishnewspaperarchive.co.ukDublin Mercury, 12. September 1769, S. 1, Spalte 3; newspaperarchive.com

Auftritte (Auswahl)

Royal Opera House (Covent Garden) 1765, als Miranda in The Busie Body, (von Susanna Centlivre, 1709) 1768, als Miss Richland in The Good-Natur'd Man, (von Oliver Goldsmith, Premiere) 1773 als Constantia Hardcastle in She Stoops to Conquer (von Oliver Goldsmith, Premiere) 1775 als Julia Melville in The Rivals (von Richard Brinsley Sheridan, Premiere).

Sie spielte auch in allen Shakespeare-Komödien. Allerdings waren diese dem Geschmack und Sprache jener Zeit angepasst. Sie spielte auch die Tragische Heldin Cordelia in King Lear und die Portia in Der Kaufmann von Venedig.

mini|links|Theateraushang von 1779 (Covent Garden)

Die Premiere des Stücks She Stoops to Conquer wurde mit „great applause“ bedacht; es sei „die erste neue Komödie im Theater seit Jahren“. Mary Bulkley spielte die charakterlich fragwürdige und exzentrische Constantia Hardcastle und brachte auch den Epilog dar. Allerdings wurde das Lied The Humours of Ballamagairy weggelassen, da Bulkley ja nicht singen konnte.Theatrical intelligence, She Stoops to Conquer at Covent Garden. In: Leeds Intelligencer, 23. März 1773, S. 4, Spalte 3; britishnewspaperarchive.co.ukShe Stoops to Conquer. In: The Stage, 18. Juli 1884, S. 17, Spalte 3 und S. 18, Spalte 1; britishnewspaperarchive.co.uk Während der Proben zur Premiere war auch der Autor Oliver Goldsmith zugegen, ebenso wie der Kritiker und Dichter Samuel Johnson, sowie der Maler Joshua Reynolds. Es gab auf der Bühne eine Auseinandersetzung zwischen Bulkley und Ann Catley, wer denn nun den Epilog vortragen dürfe. Goldsmith regte an dieses Nachwort umzuschreiben, sodass beide ihn vortragen konnten. Der Leiter des Theaters George Colman entschied jedoch, dass Bulkley den Epilog vortragen solle.Kapitel XII. In: Illustrated London News, 31. Oktober 1896, S. 8, Spalte 2–3; britishnewspaperarchive.co.uk

Auftritte mit Dodd in Dublin und Shrewsbury mini|James William Dodd (1779)

Am 29. Mai 1774 traf Mary mit ihrem Liebhaber Dodd in Dublin ein.Dublin, June 1st, New garden. In: Saunders’s News-Letter, 30. Mai 1774, S. 1, Spalte 3; britishnewspaperarchive.co.uk Ihr erstes Engagement war die Beatrice in Viel Lärm um nichts am Theatre Royal. In der irischen Zeitung Sanders’s News-Letter wurde das Stück als „Revival“ angekündigt. Als das Shakespeare-Stück einmal bewusst kurz gehalten wurde, wurde eine Farce angehängt mit Namen Miss in her Teens, bei welcher ebenfalls Bulkley mitwirkte.Theatre Royal, Crow-Street. In: Saunders’s News-Letter, 3. Juni 1774, S. 1, Spalte 4; britishnewspaperarchive.co.uk Einige Tage später spielten beide, Bulkley und Dodd, in The Clandestine Marriage (von George Colman und David Garrick, 1766) und der Farce The Citizen (von Arthur Murphy, 1761).On Monday last, Mr Dodd. In: Saunders’s News-Letter, 8. Juni 1774, S. 1, Spalte 3; britishnewspaperarchive.co.ukTheatre Royal. In: Saunders’s News-Letter, 10. Juni 1774, S. 1, Spalte 4; britishnewspaperarchive.co.uk 1775 und 1776 sah man sie in verschiedenen Aufführungen am Shrewsbury Theatre. 1775 in Jane Shore (von Nicholas Rowe, 1714), The English Tars in India (Verf. unbek. ) The Country Girl (von David Garrick, 1766) und The Life and Death of Julius Caesar (von William Shakespeare, 1599).For the benefit of Mr Dodd and Mr Wright. In: Shrewsbury Chronicle, 26. August 1775, S. 3, Spalte 4; britishnewspaperarchive.co.uk Eine 1775 erschienene Kritik im Shrewsbury Chronicle beschreibt die Performance als grundlegend gut angenommen und dass Mr. Dodd und Mrs. Bulkley im Stück, wie auch der Farce, wie stets sehr zufriedenstellende und exzellente Fähigkeiten als Komödianten zeigten, was zu allgemeiner Befriedigung führte."Shrewsbury August 12. In: Shrewsbury Chronicle, 12. August 1775, S. 3, Spalte 2; britishnewspaperarchive.co.uk 1776 spielten sie in Richard III. (von William Shakespeare, 1592) und in einer Farce namens „Bon Ton or High Life Above Stairs“ (Komödie von David Garrick, 1775).For the benefit of Mr Dodd and Mrs Bulkley. In: Shrewsbury Chronicle, Saturday 7. September 1776, S. 3, Spalte 4; britishnewspaperarchive.co.ukFor the benefit of Mr Dodd and Mrs Bulkley. In: Shrewsbury Chronicle, 7. September 1776, S. 5, Spalte 4; britishnewspaperarchive.co.uk

Wieder am Covent Garden Zwischen 1776 und 1778 erschienen Bilder von Mary Buckley in British Theatre, einer Publikation von John Bell.Bell’s British Theatre. In: The Ipswich Journal, 24. Januar 1778, S. 4, Spalte 4: britishnewspaperarchive.co.uk Alle Details der bisher gedruckten Ausgaben, inklusive einer Liste aller Autorenportraits von 1–81The Double Gallant. In: The Ipswich Journal, 16. August 1777, S. 4, Spalte 4; britishnewspaperarchive.co.uk Bell’s British Theatre. In: The Ipswich Journal, 13. Dezember 1777, S. 4, Spalte 4; britishnewspaperarchive.co.uk Beide Artikel enthalten alle Plaketten bis 1777, nos. 1–81Bell’s British Theatre. In: The Ipswich Journal, 6. Dezember 1777, S. 4, Spalte 2; britishnewspaperarchive.co.ukBild in John Bells British Theatre. British Museum. Jedoch auf der anderen Seite wurde sie in der Spielzeit 1779–1780 einmal vom Publikum ausgezischt, als öffentlich bekannt wurde, dass sie mit dem Sohn ihren langjährigen Liebhabers ins Bett gegangen sein soll. Sie unterbrach daraufhin den Kaufmann von Venedig, bei dem sie die Rolle der Portia verkörperte, um dem Publikum zu antworten: 'Als Schauspielerin habe sie immer ihr Bestes getan, um der Öffentlichkeit zu gefallen. Und bezüglich ihres Privatlebens bat sie entschuldigt zu werden' („As an actress she had always done her best to oblige the Public; and as to her private character, she begged to be excused“). Ihr Stern begann danach jedoch zu sinken und sie trat am Covent Garden nun seltener auf.

Während der Spielzeit 1783–1784 wurde sie abermals wegen ihrer Eskapaden auf der Bühne ausgezischt. Nichtsdestotrotz ermöglichte ihre Attraktivität und ihr Talent das Missfallen der Moralisten auszugleichen und erhielt ebenso „Lobesgedichte“ („poems of praise“).

Auftritte mit John Banks in Edinburgh Es war vermutlich um 1781, als sie in Edinburgh mit John Banks eintraf. Als Williamson im selben Jahr nach Edinburgh kam, erregte er ihre Aufmerksamkeit. Banks forderte daraufhin Williamson heraus und schlug ihn im Umkleideraum nieder, was aber die Zuneigung Bulkleys zu Willamson nicht minderte.