Dominic Mckenzie Cummings (* 25. November 1971 in Durham) ist ein britischer Politikberater. Er erlangte wegen seiner Rolle im Zuge des EU-Mitgliedschaftsreferendums im Vereinigten Königreich 2016 Bekanntheit.Warum Johnsons neuer Berater polarisiert faz.net, vom 26. Juli 2019
Herkunft Cummings wuchs in seiner Geburtsstadt Durham in Nordostengland auf. Sein Vater war Bauleiter auf Ölplattformen und seine Mutter Sonderschullehrerin.Dominic Cummings tries to reinvent politics now that Brexit is ‘done’, irishtimes.com vom 16. Januar 2020
Ausbildung Er besuchte die private Durham School seines Heimatortes und das Exeter College der University of Oxford, an dem er Alte Geschichte und Zeitgeschichte studierte.Dominic Cummings tries to reinvent politics now that Brexit is ‘done’, irishtimes.com vom 16. Januar 2020 Während seiner Oxford-Studienzeit wurde er geprägt von dem Professor für Moderne Geschichte Norman Stone, der seinerzeit auch außenpolitischer Berater der Regierung Thatcher war. Stone war es auch, der Cummings dazu inspirierte, nach dem Studium in den 1990er Jahren Erfahrungen in den postsowjetischen Staaten zu sammeln.George Parker: Dominic Cummings has ‘done’ Brexit. Now he plans to reinvent politics, ft.com vom 16. Januar 2020.
Berufliche Laufbahn Nach dem Studium hielt Cummings sich von 1994 bis 1997 für drei Jahre in Russland auf und versuchte unter anderem, die Samara Airlines im Verbund mit anderen Fluggesellschaften aufzubauen, um die Stadt Samara – Russlands sechstgrößte Stadt – mit Wien zu verbinden. Cummings spricht fließend Russisch. George Kerevan: Why Boris Johnson has picked Dominic Cummings for key adviser role, thenational.sco vom 29. Juli 2019
Im Jahre 1999 wurde er zunächst Leiter der Recherche und 2002 Kampagnenleiter der von Nick Herbert gegründeten Initiative Business for Sterling, die gegen den Euro und für den Erhalt des Pfund Sterling agierte.Dominic Cummings: brilliant eccentric or evil genius?, theguardian.com vom 4. Januar 20194928
Premierminister David Cameron Im Kabinett Cameron I war Cummings Berater des Bildungsministers Michael Gove.
Brexit Im Zuge des EU-Mitgliedschaftsreferendum im Vereinigten Königreich 2016 leitete Cummings den Wahlkampf für die Kampagnenorganisation Vote Leave, die sich für den EU-Austritt des Vereinigten Königreichs („Brexit“) einsetzte.An interview with Dominic Cummings economist.com vom 21. Januar 2016siehe auch Cummings galt als Erfinder des griffigen Slogans Vote Leave Take Back Control („Stimmt für den Austritt, gewinnt wieder die Kontrolle zurück“), mit dem Vote Leave ins Rennen ging. Außerdem war er hauptverantwortlich für die sehr umstrittene Kampagne, bei der ein roter Bus mit der Aufschrift We send the EU £350 million a week – let’s fund our NHS instead („Wir senden jede Woche 350 Millionen Pfund an die EU – lasst uns stattdessen unser nationales Gesundheitssystem finanzieren“) medienwirksam durch das Land tourte. Die Aussage war in dieser Form nachweislich falsch, hatte aber nach Meinung von Beobachtern bedeutenden Einfluss auf das Ergebnis der Abstimmung.Rob Merrick: "Brexit: Vote Leave chief who created £350m NHS claim on bus admits leaving EU could be 'an error'" independent.co.uk vom 4. Juli 2017independent.co.uk vom 28. Oktober 2018 / Jon Stone: British public still believe Vote Leave ‘£350million a week to EU’ myth from Brexit referendum
Berater von Premierminister Boris Johnson Am 27. Juli 2019 wurde Boris Johnson neuer Premierminister. Dominic Cummings war nach einem Bericht des Guardian vom 24. Juli als Stratege und Berater in Johnsons Kabinett vorgesehen.Dominic Cummings of Vote Leave to be named key Johnson adviser theguardian.com vom 24. Juli 2019 / Peter Walker Tatsächlich ernannte Johnson ihn zu seinem Sonderberater, der an den Sitzungen des Kernkabinetts teilnahm, das den Brexit umsetzen sollte. Cummings koordinierte auch die politischen Berater, die die Regierungspolitik gegenüber der Ministerialbürokratie durchsetzen sollen.Zeit Online, 5. August 2019: Wenig Skrupel, viel Macht.
Der Umstand, dass Cummings nicht Mitglied der Konservativen Partei ist und trotzdem als Berater erheblichen Einfluss auf Regierungsentscheidungen hatte, wurde mehrfach kritisiert. Philip Hammond verteidigte am 3. September 2019 seine politischen Standpunkte gegen „Neuankömmlinge“ und „Eindringlinge“, die „versuchten, die Konservative Partei von einer Kirche mit vielen Glaubensrichtungen in eine enge Sekte umzuwandeln“ und „die sich nicht um die Zukunft der Konservativen Partei scherten“ (incomers [and] entryists, who are trying to turn it from a broad church to a narrow faction [and] who care nothing about the future of the Conservative Party), und bezog sich damit auf Cummings, ohne diesen namentlich direkt zu nennen.siehe auch economist.com 19. November 2020: Dominic Cummings and the unchained ministers
Im November 2019 wurde bekannt, dass Cummings trotz seiner Sicherheitsüberprüfung von einigen Regierungsangelegenheiten ausgeschlossen wurde. Grund hierfür waren offene Fragen bezüglich seiner Kontakte in Russland.thetimes.co.uk 3. November 2019: Labour asks about Dominic Cummings’ years working in Russia
Im Mai 2020 machte Cummings Schlagzeilen, nachdem bekannt geworden war, dass er mehrere lange Autofahrten von London nach County Durham mit seiner Frau unternommen hatte, die Symptome einer COVID-19-Erkrankung zeigte. Cummings bestritt, gegen die Regeln der Selbstisolierung und sozialen Distanzierung verstoßen zu haben, und lehnte Rücktrittsforderungen ab.spiegel.de 25. Mai 2020: Der gefährliche BeraterNZZ.ch / Beat Bumbacher: Boris Johnsons Berater wird zur Belastung für seinen Chef (Kommentar) Die Polizeibehörde von County Durham leitete am 25. Mai 2020 ein formelles Ermittlungsverfahren ein, um zu klären, ob Cummings sich gesetzeskonform verhielt. Laut britischen Medien wurde Cummings auch bei zwei Ausflügen in die Umgebung gesehen.derstandard.at: Johnsons Chefberater Cummings bereut Reisen während Corona-Lockdowns nicht
Am 13. November 2020 beendete Cummings seine Beratertätigkeit in der Downing Street 10.FAZ.net: Das Ende der eisernen Faust von Westminsterthetimes.co.uk: Dominic Cummings resigns after power struggle Die Umstände seines Abschiedes blieben für die Öffentlichkeit unklar. Kurz zuvor hatte auch Regierungssprecher (Director of Communications) Lee Cain, der als enger Verbündeter von Cummings galt, seinen Posten geräumt. Es gab Spekulationen über Meinungsverschiedenheiten und ein Zerwürfnis zwischen Cummings und dem Premierminister, was jedoch von keinem der beiden bestätigt wurde.
Öffentliches Zerwürfnis mit Boris Johnson Einige Monate nach Cummings’ Abschied ging dieser offen auf Konfrontationskurs mit der Regierung Johnson. Cummings charakterisierte in einer öffentlichen Anhörung am 26. Mai 2021 den Premierminister als „nicht zu seinem Amt befähigt“ (unfit for the job) und kritisierte vor allem die Strategie der Regierung in der COVID-19-Krise. Die Regierung habe „keinen Plan gehabt“, die Ratschläge von Wissenschaftlern ignoriert und zu spät einen Lockdown verordnet. Dies habe Zehntausende unnötige Todesopfer gefordert. Den Gesundheitsminister Matt Hancock beschuldigte er, „jedermann angelogen“ zu haben. Es gäbe „mindestens 20 Gründe, ihn zu entlassen“. Über Premierminister Johnson äußerte Cummings, dass dieser ihm gesagt habe, dass er gerne von „Chaos“ umgeben sei, da dann jedermann auf ihn sähe, um zu sehen, wer die Führung habe. In einem Interview am 19. Juli 2021 erhob Cummings weitere schwere Vorwürfe gegen den Premierminister. Dieser habe keinen vollständigen Lockdown verhängt, weil seiner Ansicht nach die an COVID-19 Versterbenden „im wesentlichen über 80 Jahre alt“ seien und man nicht um ihretwillen die ganze Wirtschaft ruinieren könne. Der Premierminister habe seine eigenen politischen Ambitionen über das Leben der Menschen gestellt.
Privatleben Cummings ist seit 2011 mit Mary Wakefield verheiratet, einer Redakteurin beim Spectator und Enkeltochter mütterlicherseits von Evelyn Baring, 1. Baron Howick of Glendale. Das Paar hat einen 2016 geborenen Sohn.https://muckrack.com/mary-wakefieldRabbett, Abigail; Morley, Nicole: "Who is Dominic Cummings? The Durham man behind Brexit played by Benedict Cumberbatch in Channel 4 show", Evening Chronicle vom 8. Januar 2019Dominic Cummings tries to reinvent politics now that Brexit is ‘done’, irishtimes.com vom 16. Januar 2020Who is Dominic Cummings’ wife Mary Wakefield?, The Sun vom 30. März 2020
Rezeption Cummings wurde im britischen Fernsehdrama Brexit – Chronik eines Abschieds (Brexit: The Uncivil War, 2019) von Benedict Cumberbatch gespielt.
Weblinks Dominic Cummings's Blog Peter Nonnemacher: Dominic Cummings: Wie der Chefberater von Boris Johnson den Umbau des Landes plant, Berliner Zeitung vom 24. Februar 2020 Berater Cummings Johnsons "böser Geist", tagesschau.de vom 7. September 2019 ( Wayback Machine archiviert) Frances Perraudin: Dominic Cummings: brilliant eccentric or evil genius? , The Guardian vom 4. Januar 2019 Nicholas Watt: Dominic Cummings and the battle for Downing Street, British Broadcasting Corporation (undatiert)
Einzelnachweise
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