400px|rechts|randlos Die Demografie Frankreichs wird vom Nationalen Institut für Statistik und Wirtschaft (INSEE) überwacht. Zum 1. Januar 2023 lebten in Frankreich 68.042.591 Menschen, einschließlich aller fünf überseeischen Départements (2.207.754 Einwohner), jedoch ohne die überseeischen Gebiete und Territorien (604.000 Einwohner). 65.834.837 davon lebten im französischen Mutterland, dem europäischen Festland. Dieses wird als France métropolitaine bezeichnet und gilt als eigentliches Kernland, während die Überseegebiete ein Erbe des Kolonialismus sind. Frankreich liegt in der Rangliste der bevölkerungsreichsten Länder auf Rang 21 weltweit und lag auf Rang drei der bevölkerungsreichsten Länder in Europa hinter Russland, Deutschland und minimal vor dem Vereinigten Königreich. Frankreich war historisch betrachtet für lange Zeit das bevölkerungsreichste Land in Europa. Aufgrund des hohen Entwicklungsstandes des Landes begann der demografische Übergang, der im fortgeschrittenen Zustand zu einem Sinken des Bevölkerungswachstums führt, in Frankreich bereits früh. Deshalb hatten zu Beginn des 20. Jahrhunderts andere europäische Länder wie Deutschland und Russland Frankreich eingeholt. Mit dem Babyboom nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Frankreich schließlich wieder eine deutliche Beschleunigung des Bevölkerungswachstums. Heute zählt Frankreich zu den Ländern mit einer im europaweiten Vergleich relativ hohen Fertilitätsrate von circa 1,9 Kindern pro Frau, was mit einer familienfreundlichen Politik erklärbar ist. Weitere demografische Eigenschaften sind eine der höchsten Lebenserwartungen der Welt und eine fortschreitende Alterung der Bevölkerung, die dank der höheren Geburtenzahlen allerdings weniger schnell verläuft als in vergleichbaren Staaten. In den letzten Jahren verzeichnete das Land deshalb ein langsames aber stetiges Bevölkerungswachstum von etwa 0,5 % pro Jahr. Es wird deshalb ein langfristiges Ansteigen der Bevölkerung auf circa 70 Millionen Einwohner im Jahr 2050 prognostiziert. Andere Quellen haben eine Überschreitung der 70-Millionen-Marke für 2030 vorausgesagt, 75 Millionen Einwohner könnten demnach 2060 erreicht werden.

Seit der Zeit der Französischen Revolution verfügt das Land über eine relativ gute Bevölkerungserfassung. Es dürfen von Behörden jedoch keine Daten zu der ethnischen Herkunft und der Religionszugehörigkeit erhoben werden, da dies dem in der Verfassung verankertem Gleichheitsprinzip widersprechen würde. Derartige Daten können deshalb nur geschätzt werden.

Historische Entwicklung mini|Bevölkerungsentwicklung von 15000 v. Chr. bis 2010 mini|Bevölkerungsentwicklung im 19. und 20. Jahrhundert Jahr Bevölkerung Jahr Bevölkerung Jahr Bevölkerung17.000.000181130.271.000190140.681.0001207.200.000181630.573.000190641.067.0008506.000.000182632.665.000192139.108.000122616.000.000183133.595.000192640.581.000134520.200.000183634.293.000193141.524.000140016.600.000184134.912.000193641.502.000145719.700.000184636.097.000194640.506.639158020.000.000185136.472.000195442.777.162159418.500.000185636.715.000196246.519.997160020.000.000186137.386.000196849.780.543167018.000.000186638.067.000197552.655.864170021.000.000187237.653.000198254.334.871171519.200.000187638.438.000199056.615.155174024.600.000188139.239.000199958.520.688179228.000.000188639.783.000200661.399.733180129.361.000189139.946.000201664.513.000

Die Bevölkerung des heutigen französischen Territoriums betrug im Jahre 120 während der römischen Ära schätzungsweise etwa 7,2 Millionen. Mit dem Niedergang des Römischen Reiches begann ein Rückgang der Bevölkerung auf etwa 6 Millionen Mitte des 9. Jahrhunderts. Die Bevölkerung erlebte mit dem Königreich Frankreich einen langsamen, aber stetigen Aufschwung. Im Mittelalter waren schließlich mehr als ein Viertel der europäischen Bevölkerung Franzosen; im 17. Jahrhundert war es noch ein Fünftel.

1550 hatte Frankreich mit 19 % der Bevölkerung die höchste Alphabetisierung in Europa (in Italien lag sie bei 18 %, in Deutschland bei 16 % und in Schweden bei 1 %). Ab dem Jahr 1800 war die historische Entwicklung der Bevölkerung in Frankreich für Europa untypisch. Anders als im übrigen Europa gab es in Frankreich im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kein starkes Bevölkerungswachstum. Die Geburtenrate in Frankreich ging zum Teil viel früher zurück als im übrigen Europa, wohl auch weil die Erbschaftsgesetze die Aufteilung des Vermögens an alle Kinder zu gleichen Teilen vorschrieben, während im Vereinigten Königreich das Vermögen an den ältesten Sohn oder das älteste Kind weitergegeben werden konnte. In Frankreich war außerdem die Empfängnisverhütung schon sehr früh weit verbreitet. Zudem versetzten die Napoleonischen Kriege dem demografischen Wachstum einen schweren Schlag. Allein der Russlandfeldzug 1812 kostete etwa einer halben Million Franzosen das Leben.Tarlé: Napoleon. Rütten & Loening, Berlin 1963, S. 399. Der niedrigere Bevölkerungsdruck Frankreichs im 19. Jahrhundert spiegelte sich in der sehr niedrigen Auswanderungsrate des Landes in die Neue Welt wider. Es kam allerdings zu Abwanderung in die französischen Kolonien, vor allem nach Algerien. Schon in dieser Zeit erhielt Frankreich Zuwanderer aus Spanien und Italien, die von den höheren Löhnen angelockt wurden.

Die französische Bevölkerung wuchs zwischen 1871 und 1911 nur um 8,6 %, während die deutsche um 60 % und die britische um 54 % wuchsen. Die langsame Bevölkerungsentwicklung führten zu weit verbreiteten Ängsten vor dem nationalen Niedergang des Landes, der durch die Gebietsverluste im Deutsch-Französischen Krieg 1871 verstärkt wurden. Die Nationale Allianz für das Wachstum der französischen Bevölkerung (ANAPF) wurde 1896 gegründet, und der Prix Cognacq-Jay und andere Preise wurden für die Eltern von Großfamilien ins Leben gerufen. Dennoch alterte und stagnierte die Bevölkerung weiter. Einige Historiker vermuten, dass das Deutsche Reich Frankreich 1914 angriff, weil man meinte, die gealterte Nation schnell besiegen zu können. Der Erste Weltkrieg stellte für das Land ein beispielloses Desaster dar, welches zu einem nationalen Trauma wurde. Insgesamt kamen 1,4 Millionen Franzosen ums Leben. Diesen demografischen Verlust konnte Frankreich nur schwer kompensieren, da ein bedeutender Teil der jungen männlichen Bevölkerung im Krieg ausgelöscht wurde, was zur schnellen deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg beigetragen haben könnte.

Zwischen 1931 und 1946 verzeichnen Volkszählungsergebnisse ein Sinken der Bevölkerung von 41,5 auf 40,1 Millionen Einwohner. Frankreich erlebte nach 1945 schließlich eine deutliche Steigerung der Geburtenzahlen, der auch mit einem wirtschaftlichen Aufschwung zusammenfällt.Colin L. Dyer, Population and Society in 20th Century France (1978) Ab den 1960er Jahren kehrten zudem mehr als eine Million Franzosen aus Algerien zurück und die Einwanderung nach Frankreich aus den ehemaligen Kolonien und Südeuropa stieg deutlich an. Seit 1975 hat sich das Bevölkerungswachstum in Frankreich erheblich verringert, ist aber immer noch etwas höher als im übrigen Europa und viel schneller als Ende des 19. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. So hat sich das Verhältnis inzwischen umgekehrt und Frankreichs Bevölkerung wächst schneller als der Rest Europas, nachdem es davor genau umgekehrt war.

Folgende Tabelle gibt Überblick über die historische Bevölkerungsentwicklung von Frankreich (Metropolitan):

Bevölkerungszentren

Das mit weitem Abstand größte Bevölkerungszentrum bildet der Ballungsraum Paris (Île-de-France) im Nordwesten des Landes mit etwa zwölf Millionen Einwohnern. Weitere Zentren stellen die Mittelmeerküste mit den Hafenstädten Marseille und Nizza, der Großraum Lyon im Osten und die Region um Lille im Norden dar. Das Zentrum Frankreichs ist dagegen deutlich dünner besiedelt und erlebt seit Jahrhunderten Abwanderung in die städtischen Zentren. 2018 betrug die Urbanisierungsrate in Frankreich circa 80 % (1960 noch circa 60 %), womit Frankreich zu den stark urbanisierten Ländern gehört. Die Kernstadt von Paris ist außerdem die europäische Großstadt mit der höchsten Bevölkerungsdichte (etwa 20.000 Personen pro km²).

Größte Agglomerationen Rang Agglo­meration Ein­wohner(2020)1Paris10.858.8742Lyon1.693.1593Marseille - Aix-en-Provence1.618.4794Lille1.053.6365Toulouse1.047.8296Bordeaux994.9207Nizza955.1548Nantes671.6939Toulon590.47910Douai-Lens505.589

Ethnische Gruppen

Die heutigen indigenen Franzosen sind keltischen (Gallier) Ursprungs, mit einer Mischung aus romanischen (Römer) und germanischen (Franken) Elementen. Verschiedene Regionen spiegeln dieses vielfältige Erbe wider, mit bretonischen Einflüssen in Westfrankreich, aquitanischen im Südwesten, skandinavischen im Nordwesten, alemannischen im Nordosten und ligurischen Einflüssen im Südosten. Die französische Volksidentität bildete sich im Zeitalter des Absolutismus, als die verschiedenen regionalen Elemente zu einer Nation verschmolzen. Die Zugehörigkeit zu dieser wird in Frankreich stärker über kulturelle und linguistische Kriterien definiert als allein über die ethnische Abstammung. Zu den einheimischen Minderheiten gehören die Basken im französischen Baskenland, die Deutschen in Elsass und Lothringen und die Korsen auf Korsika. Durch Einwanderung ist Frankreich ein zunehmend multikulturelles und multiethnisches Land geworden. Schätzungen zufolge stammen bis zu 40 % der französischen Bevölkerung von den verschiedenen Einwanderungswellen, die das Land seit dem frühen 20. Jahrhundert erlebt hat, ab. In einer Studie aus dem Jahre 2015 wurde die Anzahl der Angehörigen ethnischer Minderheiten in Frankreich im Jahr 2011 auf 30 % geschätzt, wenn die Abstammung auf drei Generationen zurückverfolgt wird. 15 % waren davon europäischen Ursprungs und weitere 15 % stammten aus anderen Teilen der Welt. Die größte nichtwestliche Gruppe bilden Nordafrikaner mit Herkunft aus den Staaten des Maghrebs.

Im Jahr 2008 schätzte eine vom französischen Statistikamt durchgeführte Umfrage, dass fünf Millionen Einwohner italienischer Abstammung waren, gefolgt von drei bis sechs Millionen Einwohnern nordafrikanischer Herkunft, zweieinhalb Millionen Einwohnern mit Herkunft aus der Afrika südlich der Sahara und 200.000 Einwohnern türkischer Herkunft. In Frankreich gibt es über 300.000 ethnische Armenier. Die größte ostasiatische Gruppe bilden die Vietnamesen, deren Zahl auf 350.000 geschätzt wird.https://ssl.webs.uvigo.es/actas2002/05/07.%20Thanh%20Binh%20Minh%20Tran.pdf Es gibt auch beträchtliche Minderheiten anderer europäischer ethnischer Gruppen, zu den größten gehören Spanier, Portugiesen, Polen und Griechen. Seit 2004 nimmt die Zahl der Rumänen und Bulgaren in Frankreich zu. Aufgrund der besseren wirtschaftlichen Möglichkeiten migrieren viele Menschen aus den Überseegebieten auf das Festland. Diese Personen gelten nicht als Ausländer, werden in den meisten Fällen jedoch de facto als ethnische Minderheiten wahrgenommen.

Durch Migration und höhere Geburtenraten nimmt der Anteil an ethnischen Minderheiten zu. Im Jahr 2010 hatten 27,3 % der Neugeborenen im französischen Mutterland mindestens einen im Ausland geborenen Elternteil und 23,9 % mindestens einen außerhalb Europas geborenen Elternteil (in Übersee geborene Eltern gelten als in Frankreich geboren).

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