Die Constitution ( für Verfassung) ist eine hölzerne schwere Fregatte der United States Navy. Sie ist das älteste noch seetüchtige Kriegsschiff der Welt und nach Victory das zweitälteste, das noch in Dienst steht. Ihr Spitzname Old Ironsides geht auf das Gefecht mit der britischen Fregatte Guerriere im Krieg von 1812 zurück, weil Geschosse dieses Schiffs an den starken Bordwänden der Constitution abgeprallt sein sollen. Ihre lange aktive Dienstzeit, der Umstand, dass sie nie besiegt wurde, vor allem aber drei erfolgreiche Gefechte der Constitution gegen britische Kriegsschiffe begründeten die große nationale Bedeutung der Fregatte für die Vereinigten Staaten. Zudem leisteten zahlreiche ihrer Kommandanten und Besatzungsmitglieder wie Stephen Decatur, Isaac Hull, William Bainbridge u. a. in späterer Folge einen namhaften Beitrag beim Aufbau der US Navy. Auch im britischen maritimen Diskurs spielten die unerwarteten Niederlagen gegen die Constitution und ihre Schwesterschiffe eine Rolle.

Entwurf, Bau und Stapellauf 1794–1797 mini|links|Stapellauf der Constitution 1797

Die Constitution war eine von sechs Fregatten, die aufgrund des Marinegesetzes von 1794 gebaut wurden. Anlass für den Aufbau von Seestreitkräften war vor allem die Bedrohung der amerikanischen Handelsflotte durch Freibeuter der Barbareskenstaaten. Drei der vorgesehenen Kriegsschiffe, die Constitution, die President und United States, wurden als nominelle 44-Kanonen-Fregatten gebaut.Die Bezeichnung als 44-Kanonen-Fregatte erscheint im Nachhinein relativ willkürlich. Obwohl in der ursprünglichen Planung tatsächlich nur 44 Kanonen vorgesehen waren, führten die Schiffe der Constitution-Klasse im Einsatz fast immer mehr als diese Geschützzahl. Nach den ersten Einsätzen im Quasi-Krieg wurden die Kanonen des Oberdecks durch leichtere, aber großkalibrige Karronaden ersetzt. Zu Beginn des Kriegs von 1812 hatte die Fregatte eine Bewaffnung von insgesamt 55 Geschützen. Ein Grund für die fortgesetzte Bezeichnung als 44er könnte der Umstand gewesen sein, dass auch britische Fregatten mehr Geschütze führten, als ihre nominelle Bezeichnung nahelegte; so hatte eine 38-Kanonen-Fregatte tatsächlich 46 Geschütze an Bord. Sie waren bedeutend größer, stärker gebaut und schwerer bewaffnet als europäische Schiffe dieser Kategorie. Die Standardfregatten der britischen und französischen Marinen trugen als Hauptbewaffnung meist achtundzwanzig 18-Pfünder-Kanonen, die Constitution wurde hingegen mit dreißig 24-Pfündern bestückt.Zur Hauptbewaffnung kamen sowohl bei den europäischen Typen als auch bei der Constitution noch Geschütze auf Achterdeck und Back bzw. Oberdeck, meist Karronaden und zwei Jagdkanonen. Europäische 18-Pfünder-Fregatten führten insgesamt meist um die 46 Geschütze, die Constitution 54–56. Zur Zählweise der Kanonen bei englischen Kriegsschiffen siehe auch: Rangeinteilung der Kriegsschiffe. Das Konzept der übergroßen Fregatten begegnete allerdings innerhalb der US Navy einigem Widerstand, nicht zuletzt wegen der enormen Kosten, aber bewies spätestens durch die Erfolge im Krieg von 1812 seine Berechtigung.Während der ersten Einsätze erwies sich die Constitution durchaus noch nicht als überragend. Es gab viele Probleme mit der Takelage, heftige Bewegungen in der See und Klagen über den großen Tiefgang. Siehe Donald Canney, Sailing Warships of the US Navy, S. 30 f.

Am Entwurf der Constitution waren die Konstrukteure Joshua Humphreys, William Doughty und Josiah Fox beteiligt. Das Schiff wurde auf der Werft des Edmund Hartt in Boston, Massachusetts gebaut. Die Kiellegung fand am 1. November 1794 statt, die Beaufsichtigung des Baus oblag zu diesem Zeitpunkt Kapitän Samuel Nicholson und dem Schiffbauer George Claghorn.

Der Rumpf wurde hauptsächlich aus Eichenholz, Teile der Beplankung der Seiten und der Decks auch aus Kiefernholz gebaut. Besonderer Wert wurde darauf gelegt, dass eine Anzahl der strukturell wichtigsten Hölzer aus der besonders dichten und festen Virginia-Eiche gefertigt wurde, die zeitraubend aus Gascoigne Bluff in St. Simons, Georgia, herangeschafft werden musste. Die Bordseiten der Constitution erreichten eine Stärke von bis zu 53 cm. Insgesamt wurden gut 24 Hektar Wald für den Bau des Schiffes geschlagen, allein 2.000 Virginia-Eichen wurden für die Constitution verwendet.

Eine wichtige Weiterentwicklung gegenüber britischen Fregatten war die Schaffung eines praktisch durchgehenden Oberdecks. Bei britischen Fregatten waren Achterdeck und Back zu dieser Zeit durch schmale Laufbrücken (gangways) an den Bordwänden verbunden. Bei den größeren amerikanischen Fregatten wurden die Laufbrücken über der Kuhl derart verbreitert, dass in der Mitte nur noch eine Öffnung von etwa halber Schiffsbreite verblieb. Das Spardeck bot den Vorteil, dass die Mannschaften auf dem Batteriedeck im Gefecht besser vor herabfallenden Trümmern der Takelage geschützt waren. Zudem konnten auf dem verbreiterten Bereich Geschütze aufgestellt werden. Der Entwurf der Constitution-Klasse besaß dort Stückpforten, aber zu einer Aufstellung von Geschützen dort kam es nur vorübergehend, weil selbst die großen 44er eine solche Menge an Geschützen nicht dauerhaft tragen konnten. Im Krieg von 1812 waren bei allen drei der großen US-Fregatten die Stückpforten auf dem Oberdeck zwischen Fock- und Großmast wieder verschwunden.Siehe die Abschnitte zu Constitution, President und United States bei Donald Canney, Sailing Warships of the US Navy.

Die Längsfestigkeit des Rumpfs stellte bei der Constitution, einer der größten Fregatten ihrer Zeit, eine besondere Herausforderung dar. Die Constitution war so lang wie ein zeitgenössisches 74-Kanonen-Linienschiff, besaß jedoch ein Deck weniger, das den Rumpf in Längsrichtung gegen das bei langen Holzrümpfen auftretende „Hogging“ (Herabhängen der Enden) hätte stabilisieren können. Als Gegenmaßnahme wurden auf den Decks jeweils zwei Paar Scherstöcke vorgeschrieben, während sonst bei Fregatten nur eines üblich war. Zudem wurden nach Vorschlag Joshua Humphreys’ im Raum des Schiffs (dem Ort zwischen dem unteren Deck und dem Boden) Diagonalverstrebungen (diagonal riders) eingebaut. Diese Diagonalstreben scheinen jedoch nicht den erhofften Effekt gezeigt zu haben und wurden bald wieder ausgebaut.

Zum Schutz des Unterwasserschiffes vor Bewuchs und Bohrmuscheln erhielt die Constitution einen Kupferbeschlag der seit etwa 1780 verbreiteten Art. Das Kupferblech dafür wurde aus Großbritannien importiert.

Am 20. September 1797 sollte der Stapellauf der Fregatte stattfinden. Der Rumpf bewegte sich aber nur 8,2 m weit in Richtung Wasser und blieb dann stecken. Der zweite Versuch zwei Tage später brachte weitere 9,4 m. Erst nachdem die Rampe erneuert worden war, konnte die Constitution endlich am 21. Oktober 1797 in das Hafenbecken von Boston ablaufen. Die Fregatte wurde von Kapitän James Sever getauft, indem er eine Flasche Madeira am Bugspriet zerbrach.

Quasi-Krieg gegen Frankreich Obwohl Frankreich während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges der wichtigste Verbündete der Kolonien gegen Großbritannien gewesen war, wurden Ende der 1790er Jahre amerikanische Handelsschiffe zunehmend Opfer französischer Kaperschiffe. Die neuen amerikanischen Fregatten wurden daher zum Schutz der Handelsrouten und der Bekämpfung der französischen Freibeuter eingesetzt. Die Constitution wurde im Juli 1798 unter Kapitän Samuel Nicholson erstmals in Dienst gestellt. Am 8. September traf sie auf das Kaperschiff Niger (24 Kanonen) und brachte es auf. Obwohl die Besatzung darauf hinwies, unter britischem Schutz gegen das napoleonische Frankreich zu kämpfen, wurde sie auf Nicholsons Befehl in Ketten gelegt. Später stellte sich heraus, dass die Niger tatsächlich unter britischer Flagge operiert hatte, woraufhin die US-Regierung Schiff und Besatzung freiließ und den Briten eine Entschädigung von 11.000 Dollar bezahlte.Tyrone G. Martin: A Most Fortunate Ship. Annapolis 1997, S. 25–27 und S. 29. Am 15. Januar 1799 stoppte die Constitution das Handelsschiff Spencer. Es stellte sich heraus, dass es ein britisches Schiff war, das von der französischen Fregatte Insurgente gekapert worden war und nun mit einer französischen Prisenbesatzung segelte. Da Nicholson glaubte, nach den ihm gegebenen Befehlen nur französische Schiffe angreifen oder gekaperte amerikanische Handelsschiffe zurückerobern zu dürfen, ließ er die Franzosen am nächsten Tag mit ihrer Prise weitersegeln.Tyrone G. Martin: A Most Fortunate Ship. Annapolis 1997, S. 32–34. Diese Fehlentscheidung trug wahrscheinlich dazu bei, dass Nicholson im Juni 1799 durch Kapitän Silas Talbot ersetzt wurde. Während des Krieges mit Frankreich gelang es der Constitution, einige US-Schiffe zurückzuerobern und am 11. Mai 1800 den französischen Freibeuter Sandwich zu kapern.Abbot 1896, Volume I, Part II, Chapter II.

Erster Barbareskenkrieg 1803 mini|Angriff der US Navy auf Tripolis 1804 (die Constitution ist im Vordergrund zu sehen)

Im Jahr 1803 wurde die Constitution unter Kapitän Edward Preble zum Flaggschiff des Mittelmeergeschwaders, das gegen die Barbareskenstaaten Nordafrikas kämpfte. Diese Staaten verlangten von amerikanischen Schiffen Tribut im Gegenzug dafür, dass letztere Mittelmeerhäfen anlaufen durften.

Kampagne gegen Tripolis und Verlust der Philadelphia

1803 begann Kommodore Edward Preble eine Kampagne gegen Tripolis. Er blockierte Häfen, beschoss Befestigungen und griff feindliche Schiffe an. Am 31. Oktober ging dabei die amerikanische Fregatte Philadelphia verloren, als sie bei dem Versuch, ein feindliches Schiff zu stellen, vor Tripolis auf Grund lief. Das Schiff musste vor feindlichen Kanonenbooten kapitulieren und wurde mitsamt seinen 300 Mann Besatzung in den Hafen von Tripolis eingebracht. Kommodore Preble beschloss, die Philadelphia durch ein Enterkommando verbrennen zu lassen, um das wertvolle Kriegsschiff nicht in der Hand des Feindes zu belassen. Am 16. Februar 1804 segelte Leutnant Stephen Decatur, Kommandant des Schoners Enterprise, mit einem Kommando von 75 Mann (Mannschaften von der Enterprise und einige Freiwillige von der Constitution) an Bord einer gekaperten feindlichen Ketsch in den Hafen von Tripolis. Es gelang den Amerikanern, die Philadelphia zu entern, in Brand zu setzen und ohne eigene Verluste wieder zu entkommen.Tyrone G. Martin: A Most Fortunate Ship. Annapolis 1997, S. 97 f.

Trotz der Zerstörung der Philadelphia gelang es den Amerikanern, mit Unterstützung der Regierung von Neapel ihre Blockade aufrechtzuerhalten. Unter diesem Druck sah sich Tripolis zu Friedensverhandlungen veranlasst. Am 5. Juni 1805 wurde ein Friedensvertrag an Bord der Constitution unterzeichnet, nachdem zuvor die Besatzung der Philadelphia auf freien Fuß gesetzt worden war. Am 14. August stimmte auch Tunis einem inhaltlich ähnlichen Friedensvertrag zu.

Die Constitution patrouillierte noch zwei Jahre nach Kriegsende entlang der nordafrikanischen Küste, um die Einhaltung der Vertragsbedingungen zu überwachen. 1807 kehrte sie nach Boston zur Überholung zurück. Danach wurde sie 1809 zum Flaggschiff des Nordatlantikgeschwaders unter Kommodore John Rodgers.

Der Krieg von 1812 mini|Verfolgung der Constitution durch ein britisches Geschwader im Juli 1812. Bei allen Schiffen sind wegen des schwachen Windes beidseits die Leesegel gesetzt. Im Frühjahr 1812 verschlechterten sich die Beziehungen zu Großbritannien dramatisch, und die US Navy begann, sich auf einen bevorstehenden Krieg vorzubereiten. Die Kriegserklärung erfolgte am 20. Juni. Kapitän Isaac Hull, der seit 1810 Kommandant der Fregatte war, stach am 12. Juli ohne Befehl in See, um einer Blockade im Hafen zuvorzukommen. Er beabsichtigte, sich einem Geschwader von fünf Schiffen anzuschließen, welche unter dem Kommando von Kommodore John Rodgers standen.