Die Ocean Viking ist ein Offshoreversorger unter norwegischer Flagge, der seit Sommer 2019 von SOS Méditerranée zur Seenotrettung im Mittelmeer eingesetzt wird.
Geschichte Das Schiff des Ulstein-Entwurfs UT 735 wurde auf der Werft Trosvik Verksted (Baunummer 141) im norwegischen Brevik gebaut und auf der Werft Ulstein Hatlø in Ulsteinvik (Baunummer 206) ausgerüstet.
Das Schiff wurde im Juni 1985 bestellt. Die Kiellegung fand im August 1985 statt, die Fertigstellung des Schiffes erfolgte im Dezember 1986. Das für Wilhelmsen Offshore Services in Tønsberg gebaute Schiff kam als Tender Fighter in Fahrt.
Das Schiff wurde mehrfach verkauft. Im Dezember 1991 wurde es in Viking Fighter und im Oktober 2005 in Ocean Viking umbenannt. Im September 2011 kam das Schiff zu seinem heutigen Betreiber, Høyland Offshore in Steinsland.
Einsatz Das Schiff diente zuerst zur Verlegung von schwimmenden Bohrinseln und der Versorgung von Offshore-Bauwerken. Im Notfall kann es als Rettungsplattform genutzt werden und 200 Personen aufnehmen.
Das Schiff kann auch für die Ölbekämpfung eingesetzt werden. Hierfür ist es mit Skimmern und Pumpen ausgerüstet. Die Tanks für die Aufnahme von der Wasseroberfläche aufgenommenen Öls fassen 1076 m³.
Für die Brandbekämpfung stehen oberhalb der Decksaufbauten drei Löschmonitore zur Verfügung. Ihre Kapazität beträgt 2400 m³/Std. Die Monitore können Löschmittel 150 m weit und 70 m hoch werfen.
Einsatz als Rettungsschiff 2019 Juli und August Mitte 2019 charterten Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranee das Schiff zur Rettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer. Für die Rettung von Bootsflüchtlingen ist ein aus 13 Personen bestehendes Team von SOS Mediterranee verantwortlich, während Ärzte ohne Grenzen das aus neun Personen bestehende medizinische Personal stellt. Die Schiffsbesatzung für den Betrieb des Schiffes besteht aus neun Seeleuten.
Ende Juli 2019 sollte das Schiff seinen Einsatz als Rettungsschiff im Mittelmeer aufnehmen. Es stach am 4. August 2019 von Marseille aus in See in Richtung Libyen. Am 8. August 2019 zog Malta die bereits erteilte Erlaubnis, das Schiff in maltesischen Gewässern betanken zu lassen, ohne Angabe von Gründen zurück.Charity calls for help as Malta and Italy spurn migrant rescue ships, leave 121 in limbo. Japan Times, 7. August 2019, abgerufen am 10. August. Am gleichen Tag wurde die Besatzung durch die Hilfsorganisation Alarm-Phone-Initiative von einem Notruf unterrichtet und rettete im Anschluss 80 Personen. Der rechtspopulistische italienische Innenminister Matteo Salvini kündigte umgehend an, das Schiff nicht in einem italienischen Hafen einlaufen zu lassen."Migranti, Ocean Viking soccorre 80 persone in Libia. Salvini: “Firmo il divieto d’ingresso”. E Open Arms incassa il sostegno di Richard Gere" ilfattoquotidiano.it vom 9. August 2019 Die Aktivisten nahmen in den folgenden Tagen weitere Gruppen Geflüchteter auf, bis sich am 13. August schließlich 356 Migranten an Bord befanden. Eine europäische Regierung, die das Anlanden erlaubte, hatte sich bis dahin nicht gefunden. Ein Angebot libyscher Behörden, die Personen in Tripolis auszuschiffen, lehnten die Aktivisten ab, da Libyen derzeit nicht als sicherer Ort betrachtet werden könne."„Ich bin erschüttert“: Mehr als 300 Flüchtlinge harren auf "Ocean Viking" aus" Focus vom 13. August 2019 Bis zum 23. August 2019 weigerten sich Italien und Malta das Rettungsschiff einlaufen zu lassen. Nachdem sich sechs EU-Länder, darunter Deutschland, zur Aufnahme der Geretteten bereit erklärt hatten, wurden diese von Marinebooten nach Malta gebracht.
September Am 8. September 2019 meldeten die Aktivisten, sie hätten 50 Migranten vor der libyschen Küste aufgenommen."«Alan Kurdi» meldet neuen Suizidversuch eines Minderjährigen" Welt.de vom 8. September 2019 Weitere 34 Personen wurden von der Besatzung wegen schlechten Wetters von der Segelyacht Josefa abgeborgen. Zuvor hatte die Seerettungsgruppe Resqship die vierunddreißig mit der Josefa gerettet."Rettungsschiff „Ocean Viking“ nimmt weitere Migranten auf" Welt.de vom 10. September 2019 Die 82 verbliebenen Personen wurden am 15. September auf Lampedusa angelandet.
Das Schiff lief sofort wieder aus und am 17. September wurden vor der Libyschen Küste 48 Migranten aus einem Holzboot abgeborgen,"Malta verweigert Landung von 90 geretteten Migranten" stol.it vom 18. September 2019 die zuvor Aktivisten der Alarm-Phone-Initiative informiert hatten."45 migrants en difficulté secourus par Malte" lefigaro.fr vom 18. September 2019 Das Aufklärungsflugzeug Moonbird entdeckte im Anschluss ein weiteres Boot mit 61 Personen, die auf die Ocean Viking geholt wurden und am 18. September gaben die Betreiber des Schiffs die Rettung weiterer 73 Personen bekannt."„Ocean Viking“ nimmt weitere Bootsflüchtlinge auf" welt.de vom 19. September 2019 Die Aufforderung aus Libyen, die Personen in Libyen an Land zu bringen, lehnten die Nichtregierungsorganisationen ab, da den Geretteten dort Misshandlungen drohen würden. Den 183 Personen wurde schließlich am 22. September erlaubt, im italienischen Messina an Land zu gehen."Il Viminale assegna alla Ocean Viking il porto sicuro: 182 migranti sbarcheranno a Messina" repubblica.it vom 22. September 2019
Oktober Am 12. Oktober rettete die Besatzung nach eigenen Angaben 74 Personen 50 Seemeilen vor der libyschen Küste."Migranti, 74 persone su un gommone in difficoltà: salvati dalla Ocean Viking" repubblica.it vom 13. Oktober 2019 Wenig später nahmen die Aktivisten 102 weitere Personen auf."„Ocean Viking“ sucht Hafen für 176 Migranten" FAZ.de vom 14. Oktober 2019 Die italienischen Behörden erlaubten den Aktivisten am 15. Oktober die Personen in Tarent anzulanden."Le drammatiche foto dei migranti annegati al largo di Lampedusa" lastampa.it vom 16. Oktober 2019
Zwei Tage nach dem Anlanden der Geretteten in Tarent war die Ocean Viking am 21. Oktober erneut vor der libyschen Küste unterwegs und nahm 104 Personen auf. Bei 40 von ihnen handelte es sich nach Angaben von SOS Méditerranée um Minderjährige. Die Aktivisten weigerten sich erneut die Personen nach Libyen zu bringen und forderten von der Leitstelle einen sicheren Hafen."SOS Méditerranée cherche de nouveau un port sûr pour 104 migrants" lefigaro.fr vom 21. Oktober 2019 Am 28. Oktober meldete das italienische Innenministerium, man habe eine Lösung gefunden: Das Schiff soll in Pozzallo einlaufen, 70 der Migranten werden nach Deutschland und Frankreich gebracht, die übrigen auf andere Europäische Staaten verteilt."Migranti, in 104 sulla Ocean Viking da dieci giorni. La ong: “Dateci un porto sicuro”. Altri 90 sulla Alan Kurdi" ilfattoquotidiano.it vom 28. Oktober 2019
November Am 16. November fand die Besatzung 30 Seemeilen vor der libyschen Küste ein teilweise gesunkenes Schlauchboot."On board the Aita Mari, the migrant rescue ship defying Spain in the Mediterranean" euronews.com vom 16. November 2019
Zwischen 19. und 21. November nahm die Besatzung 215 Personen von insgesamt drei Booten auf. Zwei medizinische Notfälle wurden nach Malta evakuiert,"Zwei Geflüchtete von Rettungsschiff nach Malta geflogen – Mehr als 200 bleiben an Bord" Tagesspiegel.de vom 22. November 2019 die übrigen 213 wurden am 24. November in Italien angelandet. Die Migranten sollen nach Italien, Deutschland, Frankreich und Malta verteilt werden."Schiffbrüchige sollen auch nach Deutschland" ntv vom 24. November 2019
Am 28. November wurden erneut etwa 60 Personen von Bord eines Holzbootes vor Libyen auf die Ocean Viking geholt. Die Aktivisten gaben an, die Personen würden aus Bangladesch, Eritrea, Mali, Elfenbeinküste, dem Südsudan, Äthiopien und Guinea stammen."„Ocean Viking“ und „Alan Kurdi“ retten 144 Menschen aus Seenot" FAZ.net vom 28. November 2019 Am 4. Dezember wurde von Italien die Erlaubnis erteilt die Migranten in Sizilien an Land zu bringen."Italien lässt Rettungsschiffe sizilianische Häfen anlaufen" faz.net vom 4. Dezember 2019
Dezember Am 20. Dezember bargen die Aktivisten nach eigenen Angaben 34 Seemeilen vor der libyschen Küste 112 Personen von einem beschädigten Schlauchboot ab.Alessandra Ziniti: "Migranti, Ocean Viking salva 112 migranti. Una neonata a bordo" repubblica.it vom 20. Dezember 2019 Wenig später wurden nach Angaben der Besatzung 50 weitere Personen von einem großen Holzboot im maltesischen Rettungsbereich aufgenommen."Rettungsschiff "Ocean Viking" - 50 weitere Migranten aufgenommen" zdf.de com vom 21. Dezember 2019 Die Migranten wurden schließlich am 23. Dezember in Tarent angelandet."Ocean Viking, sbarcati a Taranto i 159 migranti: tra loro anche 40 minori" lagazzettadelmezzogiorno.it vom 23. Dezember 2019
2020 Am 17. Januar wurden 39 Migranten aus Bangladesch, Marokko und Somalia an Bord genommen."Flüchtlinge der "Ocean Viking" gehen in Sizilien an Land" Welt-sichten vom 21. Januar 2020 Nach Angaben von SOS Méditerranée hatte man sie auf einem Holzboot 65 Kilometer vor der libyschen Küste entdeckt."Ocean Viking" rettet 39 Migranten vor libyscher Küste t-online.de vom 17. Januar 2020 Die Aktivisten waren von der Alarm-Phone-Initiative von einem Notruf der Migranten unterrichtet worden.Ocean Viking di nuovo in mare e carica a bordo altri migranti ilgiornale.it vom 17. Januar 2020. Das italienische Innenministerium wies dem Schiff Pozzallo auf Sizilien als Hafen zum Anlanden der Migranten zu. 20 Personen, die für eine Umverteilung in Frage kamen, sollten auf Frankreich, Deutschland und Luxemburg verteilt werden.Mauro Indelicato: "Il Viminale apre a Ocean Viking: adesso sbarcano tutte le ong" ilgiornale.it vom 21. Januar 2020.
In der Nacht vom 23. auf den 24. Januar wurde die Besatzung von der Alarm-Phone-Initiative über ein Schlauchboot informiert, das zuvor einen Notruf an die Initiative abgesetzt hatte. Von diesem Boot, etwa 30 Seemeilen vor der libyschen Küste, wurden nach Angaben der Helfer anschließend 92 Personen auf die Ocean Viking geholt.Près de 100 migrants secourus par l'Ocean Viking au large de la Libye infomigrants.net vom 24. Januar 2019. Erneut von der Alarm-Phone-Initiative über die Position eines weiteren Migrantenbootes in Kenntnis gesetzt, nahmen die Aktivisten am 26. Januar zusätzlich 59 Personen etwa 30 Seemeilen vor der libyschen Küste auf."Migranti, 230 salvati nel Mediterraneo. Ma altri 120 sono in pericolo" repubblica.it vom 25. Januar 2020.
Am 18. Februar nahmen die Aktivisten 84 Personen auf, wenige Stunden später, bei einem zweiten Einsatz, 98 weitere. Die Personen stammten aus Nigeria, Ghana, dem Senegal, Guinea, Gambia, Mali, Togo und Guinea-Bissau. In beiden Fällen hatte die Alarm-Phone-Initiative die Ocean Viking informiert.Miodrag Soric: "Ocean Viking" rettet 182 Menschen DW.com vom 18. Februar 2020. Am 23. Februar legte die Ocean Viking in Pozzallo an. Insgesamt 276 Migranten aus drei Rettungseinsätzen am 18. und 19. Februar waren an Bord. Die Behörden nahmen alle Migranten wegen der COVID-19-Pandemie in Quarantäne, die Aktivisten selbst sollen an Bord isoliert bleiben.Coronavirus: 276 migranti della Ocean Viking arrivata a Pozzallo. Subito in quarantena repubblica.it vom 23. Februar 2020. Nach Entlassung aus der Quarantäne teilten die Aktivisten am 19. März mit, dass man unter den Umständen zunächst nicht wieder zu Rettungseinsätzen auslaufen könne, das Schiff aber im Mittelmeer stationiert bleibe.Keine Seenotrettung wegen Corona Pandemie [sic] evangelisch.de vom 19. März 2020.
Wegen der Beschränkungen zur Hafenbenutzung, die Italien und Malta in der COVID-19-Pandemie verhängt hatten, überwarfen sich die Betreiber Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranee Mitte April 2020. Die Seenotretter wollten auf Zusicherungen zum Anlanden von Migranten warten, bevor neue Einsätze gefahren werden, die Mediziner wollten die Einsätze dagegen unvermindert weiterführen und sprangen deshalb ab. Das Schiff verblieb zunächst in Marseille.Ärzte ohne Grenzen beenden Seenotrettungs-Kooperation mit SOS Méditerrannée Die Welt vom 17. April 2020.