Ernst Riggert, auch Christoph Ernst Riggert oder Ernst Christoph RiggertAngaben im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (* 1. November 1902 in Kutenholz; † 12. November 1977 in Hamburg) war ein deutscher Pädagoge, Journalist und Verleger.o. V.: Riggert, Christoph Ernst in der Datenbank Niedersächsische Personen (Neueingabe erforderlich) der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek in der Version vom 20. April 2014, zuletzt abgerufen am 30. März 2020

Herkunft und Ausbildung Ernst RiggertsAbgesehen von dem Pseudonym Roamer sind in Riggerts Personendaten in der Deutschen Nationalbibliothek noch drei weitere Namensvarianten aufgeführt: Ernst Christoph Riggert, C. E. Riggert, C. Ernst Riggert. Im nachfolgenden Artikel wird ausschließlich die Variante Ernst Riggert benutzt, es sei denn, es handelt sich abweichende Varianten in Zitaten. Vater fiel 1917 als Berufssoldat im Ersten Weltkrieg.Hildegard Feidel-Mertz/Hermann Schnorbach: Lehrer in der Emigration, S. 233, liefern nur einige biografische Daten für die Zeit zwischen 1928 und 1945, die übereinstimmen mit den wesentlich umfangreicheren Daten von Christian Gotthardt. Sofern nicht anders angegeben entstammen alle weiteren Angaben dessen Aufsatz Der Wandervogel. Ernst Riggert 1902 – 1977. Ernst, der der Älteste von fünf Geschwistern war, schloss sich 1914 der Wandervogel-Bewegung an, bei der er bis 1920 Mitglied blieb. Es folgte bis 1923 eine Volksschullehrer-Ausbildung an einer Präparandenanstalt.

Die Unsicherheiten der Weimarer Zeit Die mit der Inflation einhergehende Wirtschaftskrise verhinderte, dass Ernst Riggert eine Anstellung fand, und so musste er sich bis 1928 als arbeitsloser Junglehrer durchschlagen. Er engagierte sich bereits seit 1922 in der linksorientierten Allgemeinen Freien Lehrergewerkschaft Deutschlands (AFLD),Hermann Schnorbach (Hg.): Lehrer und Schule unterm Hakenkreuz. Dokumente des Widerstands 1930 bis 1945, Athenäum Verlag, Königstein/Ts., 1988, ISBN 3-7610-8275-4 wurde 1927 Mitglied in der SPD und engagierte sich in der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Lehrerinnen und Lehrer.100 Jahren „Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen“, heute „Arbeitsgemeinschaft für Bildung“ (AfB) Seine Erfahrungen aus der Zeit der Erwerbslosigkeit beziehungsweise der Zeit nur kurzfristiger Anstellungen verarbeitete er in seinen Schriften Aus der Praxis des Wanderunterrichts. Schule und Alkoholfrage und Wanderpapiere eines Junglehrers.

Riggert war verheiratet und seit 1929 Vater. Näheres über seine privaten Lebensverhältnisse in dieser Zeit scheint nicht bekannt zu sein.Christian Gotthardt: Gebrochenes Leben. Durch die Gestapo erzwungener Verrat

Ebenfalls 1929 wurde Riggert „nicht endgültig angestellte wissenschaftliche Lehrkraft“Christian Gotthardt: Der Wandervogel an der Freien Weltlichen Schule in Harburg-Wilhelmsburg. Bei dieser 1924 gegründeten Schule handelte es sich um eine nicht-konfessionellen Reformschule, eine sogenannte Sammelschule, die von Kindern besucht wurde, deren Eltern keinen Religionsunterricht wünschten. Neben seiner Tätigkeit dort verstärkte Riggert sein gewerkschaftliches Engagement. Er leitete die AFLD-Ortsgruppe und war von 1930 bis 1933 Schriftleiter der reichsweit vertriebenen Zeitschrift Der Volkslehrer des AFLD.Hildegard Feidel-Mertz/Hermann Schnorbach: Lehrer in der Emigration, S. 233 In der Volkslehrer-Schriftenreihe erschienen auch Beiträge von ihm selber.

Politisch beschritt Riggert in jenen Jahren vor 1933 eine Gratwanderung. Er war kommunalpolitisch in der SPD aktiv, schrieb für die SPD-Blätter Volksblatt für Harburg-Wilhelmsburg und Umgebung und Hamburger Echo, leitete Schulungen der SAJ und war als Wahlkämpfer aktiv. Dieser gemäßigten lokalpolitischen Haltung standen seine linkssozialistischen Positionen gegenüber, die vor allem seine Gewerkschaftspublizistik prägten. Er setzte sich auch für eine Zusammenarbeit von SPD und KPD ein.

Emigration und Exil Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurde Ernst Riggert schnell Opfer von Verfolgungen. Zwischen Februar und Oktober 1933 wurde er mehrfach verhaftet und verlor aus politischen Gründen seine Arbeit als Lehrer. Auch die Zeitschrift Der Volkslehrer wurde verboten.

Im Oktober 1933 gelang Riggert über das Saargebiet die Flucht nach Straßburg, wo er Unterstützung durch die französische Volksschullehrergewerkschaft, dem Syndicat National des Instituteurs (SNI), fand und weiterhin publizistisch aktiv blieb. Die SNI war wie die AFLD Mitglied im Internationalen Berufssekretariats der Lehrer (IBSL),Hermann Schnorbach: Lehrer im Internationalen Gewerkschaftsbund. Entstehung und Entwicklung des Internationalen Berufssekretariats der Lehrer von 1918 bis 1945, Juventa Verlag, Weinheim, 1989, ISBN 3-7799-0692-9 und Ernst Riggert verfügte von daher über gute Kontakte zu dem Strasburger ISBL-Vorsitzenden L. C. Klein. Riggert blieb zwei Jahre in Frankreich und reiste dann Ende September 1935 über Dünkirchen nach Kopenhagen. Gründe für diesen Ortswechsel sind nicht bekannt, doch Christian Gotthardt verweist auf die vielen Freunde und ehemaligen Kollegen Riggerts, die dort bereits lebten. Riggert arbeitete in Kopenhagen anfangs als Sprachlehrer, bald aber als Nachrichtenredakteur und Übersetzer für den dänischen Rundfunk. Er organisierte sich in der Emigrantenpolitik vor Ort und blieb auch weiter für den Verband deutscher Lehreremigranten aktiv. Zu seinen Mitstreitern gehörten unter anderem Walter Hösterey, der sich Walter Hammer nannte, Walter A. Berendsohn und Otto Piehl (* 12. September 1906 – † 2. Juli 1999),Jürgen Kolk: Walter Hammer (1888 – 1966). In Jürgen Kolks Dissertation aus dem Jahre 2010 über WALTER HAMMER (1888 – 1966). Verleger der Jugendbewegung – Pionier der Widerstandsforschung findet sich, anders als über Otto Piehl, kein Hinweis auf Ernst Riggert. „Maschinenbauer, Sozialdemokrat, 1933 KZ Fuhlsbüttel, nach Entlassung in den Untergrund und dann zur Fahndung ausgeschrieben, 1934 Flucht nach Dänemark, 1938 ausgebürgert, 1940 nach Schweden. 1953 Rückkehr nach Deutschland, beschäftigt bei der IG Metall in Frankfurt a. M.“.Sozialistische Mitteilungen: Otto Piel

Verhaftung und Abschiebung nach Deutschland Am 9. April 1940 wurde Dänemark von deutschen Truppen besetzt. Ernst Riggert, der inzwischen zusammen mit seiner dänischen Lebensgefährtin ein gemeinsames dreijähriges Kind hatte, wurde am 26. Juli 1940 verhaftet und, wie 79 weitere deutsche Flüchtlinge, im Lager Horserød interniert. Im Jahre 2017 fand Christian Gotthardt bei Recherchen im Bundesarchiv in Berlin „eine augenscheinlich von der Gestapo Hamburg gefertigte undatierte Liste von rund 120 ihrer sogenannten ‘V-Männer’ (‚Verbindungsmänner‘, darunter auch Frauen), das heißt Kontaktpersonen, die für Auskünfte über Dritte oder Lockspitzel-Dienste zur Verfügung standen. Sie enthalten jeweils den Namen der Person, den inhaltlichen Fokus der Berichtstätigkeit (Allgemein, Kommunismus, Außenwirtschaft, Militär usw.), das Maß der Zuverlässigkeit der Informanten sowie die verantwortliche Gestapo-Dienststelle bzw. den Namen des kontaktierenden Gestapo-Mitarbeiters.“ Auf dieser Liste befand sich auch der Name von Ernst Riggert; er soll als V-Mann für die Gestapo Lüneburg tätig gewesen sein.

Nach Abwägung unterschiedlicher Aspekte kommt Gotthardt zu der Erkenntnis, dass Riggerts „Erscheinen auf diesen Listen […] zunächst einmal nichts aus[sagt] über tatsächlichen Verrat, sondern nur über die Wahrnehmung der Gestapo“. Da es über diese Liste hinaus keine belastbaren Indizien für eventuelle Spitzeltätigkeiten von Riggert gibt, plädiert er dafür, diese Frage als Auftrag für weitere Forschungen offenzuhalten.

Neustart 1945 Feidel-Mertz und Schnorbach lassen ihre Kurzbiographie mit dem Jahre 1945 enden und behaupten, Ernst Riggert sei Redakteur in Hamburg geworden. Tatsächlich aber startete Riggert seine Nachkriegskarriere im April 1945 als Bibliothekar bei der britischen Besatzungsverwaltung und arbeitete vom Juli 1945 an bei der Lüneburger Post, einem Nachrichtenblatt der britischen Militärverwaltung, aus der im Januar 1946 die Landeszeitung für die Lüneburger Heide (auch Lüneburger Landeszeitung) hervorging. Ernst Riggert erhielt zusammen mit einigen weiteren Personen die Herausgeberlizenz und wurde Chefredakteur. Im Mai 1947 wurde er auch Mitglied im Aufsichtsrat des Deutschen Pressediensts (dpd). Publizistisch war er darüber hinaus auch für Die Zeit tätig, so erstmals im Dezember 1946 mit dem Artikel Kopenhagener Reise, in dem er sich nach einer zehntägigen Reise mit dem Misstrauen gegen die Deutschen in seinem früheren Exilland auseinandersetzt. Riggerts Fazit: „Dies Mißtrauen muß zunächst hingenommen werden. Es ist auch verständlich, daß die Dänen in Deutschland, einem Lande, das noch so wenig Selbstbesinnung, und Ziel offenbart, in dem der Hunger die Gedanken vertreibt, wenig Ermutigendes für eine Änderung ihrer Haltung finden.“ Aber: „Ein seiner besten Kräfte bewußtes Deutschland, ein Deutschland des Widerstandes gegen die seit Generationen befolgten Irrwege, deren äußerste und letzte Konsequenz der Nationalsozialismus war, würde wieder als Nachbar anerkannt werden. Und unsere Grenze im Norden würde Front des friedlichen Wetteiferns und Brücke in einem sein. Über solche allgemeinen Gedanken kann man sich heute in Kopenhagen, mit Nachdenklichen aus vielen Lagern verständigen. Im übrigen wäre es falsch anzunehmen, daß von dort nur gerichtet und verurteilt wird. Es gibt deutliche natürliche Neigungen, Partei für den am härtesten Bedrängten zu ergreifen, obgleich man offiziell immer wieder warnte, nur ja keine Mitleidskampagne für die Deutschen zu führen – und deswegen erst jetzt beginnt, sich ein Bild der deutschen Wirklichkeit zu machen.“Alle Zitate: Ernst Riggert: Kopenhagener Reise

Christian Gotthardt erwähnt weiterhin von Riggert gegründete Verlage (Verlag „Öffentliche Fragen“ und Verlag „Der nächste Schritt“), „in deren Broschüren – im pathetischen Stil der unmittelbaren Nachkriegszeit – die einschlägigen Fragen des demokratischen Neubeginns“ von ihm besprochen worden seien. Ob in beiden Fällen mehr als ein oder zwei der unten aufgeführten Broschüren erschienen sind, ist ungewiss; Belege für die längerfristige Existenz der beiden in Lüneburg ansässigen Verlage ließen sich nicht finden.

Riggerts Karriere als Chefredakteur fand Ende der 1940er Jahre ihr Ende. In einem Spiegel-Artikel vom 28. Februar 1951 wird er als ehemaliger Chefredakteur der Lüneburger Landeszeitung erwähnt, der bereits seit 1950 einer anderen Beschäftigung in Hamburg nachgehe.Mit dem Geld der Hörer, Der Spiegel, 28. Februar 1951 Die Gründe für seine Ablösung bleiben im Dunkeln; Gotthardt bringt sie in Zusammenhang mit dem Ende der Lizenzpflicht im Jahre 1949. Die erwähnte andere Beschäftigung Riggerts in Hamburg erfolgte für den Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR). Die Folgejahre scheint Riggert ausschließlich als freier Journalist verbracht zu haben. Welche sozialen Zwänge damit verbunden waren, beschreibt Christian Gotthardt. Nach dem Ende seiner Tätigkeit in Lüneburg zog Riggert nach Hamburg. 1956 heiratete er Edith Hirsch (* 1912) und firmierte in den Adressbüchern als „Journalist“ oder „Redakteur“. 1957/58 arbeitete er vorübergehend als Geschäftsführer einer Anzeigen- und Werbeagentur.

Der Militär- und SS-Versteher 1950 erschien im Verlag der Frankfurter Hefte das Buch Der deutsche Generalstab. Geschichte und Gestalt, 1640–1945 von Walter Görlitz. Hierzu veröffentlichte Ernst Riggert im Oktober 1950 in der Zeit eine Rezension, die mit den Sätzen endet: