mini|300px|Salinenpark in Traunstein Die Saline Traunstein ist eine denkmalgeschützte ehemalige Saline in Traunstein, in der von 1619 bis 1912 Sole aus Bad Reichenhall und ab 1817 auch vom Salzbergwerk Berchtesgaden zu Siedesalz verarbeitet wurde.
Lage Mit der Errichtung der Saline in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstand vor den Toren Traunsteins auch die Hofmark Au, die seit der Übernahme der Liegenschaften durch die Stadt Traunstein am 1. Januar 1914 ein innerstädtischer Ortsteil ist. Die Bauten befanden sich im Bereich der heutigen Straßenzüge Karl-Theodor-Platz, Salinenstraße und Triftweg. Am Triftfeld befanden sich die Triftanlagen und Holzlagerplätze.
Geschichte Vorgeschichte mini|Herzog Georg der Reiche Georg der Reiche, Herzog von Bayern-Landshut, kaufte zwischen 1494 und 1501 die meisten Sudhäuser im heutigen Bad Reichenhall auf und legte damit den Grundstein für eine Verstaatlichung und Monopolisierung der Salzherstellung in Bayern. Sein Werk setzte sein Nachfolger Albrecht IV. fort. Als 1613 bei Ausbesserungsarbeiten am Brunnenschacht der Saline eine neue, ergiebige Solequelle entdeckt wurde, wollte man diese nicht ungenutzt lassen. Einziger Brennstoff zum Sieden der Sole war Holz. Dieses wurde größtenteils aus den heutigen Saalforsten bezogen, mit den Wassern der Saalach und über die Triftanlagen in die Stadt transportiert. Die Saline arbeitete damals schon an der Kapazitätsgrenze und für eine Ausweitung der Produktion hätte man noch mehr Holz nach Reichenhall schaffen müssen. Diese Idee wurde jedoch schnell verworfen, da neben den hohen Kosten auch die ungewisse politische Lage – die Saalforste und auch weite Teile des Transportweges des Holzes über die Saalach lagen auf salzburgischem Gebiet – ein hohes Risiko darstellten. Herzog Maximilian I. folgte dem Vorschlag des Hofkammerrates Oswald Schuß, eine Filialsaline zu errichten. Der Herzog entschied sich jedoch für Traunstein anstatt für Siegsdorf als Standort.Andreas Hirsch: Pionierleistung überwindet Höhen. In: Heimatblätter. 2/2019, 25. Februar 2019 als Beilage des Reichenhaller Tagblatts Traunstein konnte durch reiche Wälder am Oberlauf von Roter und Weißer Traun mit Brennholz versorgt werden. Diese Wälder befanden sich in herzoglich-bayerischem Besitz und auch der Weg, den das Holz auf den Wassern der Traun nahm, lag ausschließlich auf bayerischem Gebiet.
Bau von Soleleitung und Saline Den Auftrag zur Errichtung der Saline und auch der Soleleitung erhielt der Hofbaumeister Hanns Reiffenstuel. Gemeinsam mit seinem Sohn Simon Reiffenstuel erbaute er zwischen 1617 und 1619 die Soleleitung, die Saline Traunstein mit vier Sudhäusern, vier Harthäusern, Werkstätten und Magazinen. Gleichzeitig wurden Wohnhäuser für die Salinenarbeiter und Triftanlagen erbaut. Auch die Triftbarmachung der Traun und die Errichtung von mehreren Klausen fiel in Reiffenstuels Aufgabenbereich.
Betrieb In der zweiten Hälfte des Jahres 1619 ging die Saline in Traunstein in vier getrennten SudhäusernDie Salzsieder von Traunstein auf traunsteiner-tagblatt.de, abgerufen am 20. Juli 2019. in Betrieb. Die Quellen sprechen vom Oswaldtag, dem 5. August,Salzerlebnis Traunstein auf traunstein.de, abgerufen am 20. Juli 2019. oder auch vom Dezember 1619. In den Jahren 1621 und 1622 wurde der Alberti-Ferdinandi-Stock als weiteres Werk- und Wohngebäude errichtet. 1625 betrug die Jahresproduktion der Saline 4400 Tonnen Salz. Um 1630 wurde mit dem Marienstock noch ein Wohngebäude für die Salinenarbeiter erbaut. Mit dem Bau der Salinenkapelle wurde 1631 begonnen.
Modernisierung mini|Georg Friedrich von Reichenbach Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde Johann Sebastian von Clais von Kurfürst Karl Theodor mit der Modernisierung der Salinen in Reichenhall und Traunstein sowie der Soleleitung beauftragt. Nachdem Clais in Reichenhall neue Sudhäuser erbaut und die technische Ausstattung modernisiert hatte, widmete er sich der Soleleitung. Zuletzt setzte er in Traunstein die gleichen Maßnahmen wie ein Reichenhall um. Zuerst ließ er das Karl-Theodor-Sudhaus mit seinem kreuzförmigen Grundriss erbauen. Im Zentrum der Anlage wurde der Siedevorgang in den vier angeschlossenen Sudhäusern überwacht und gesteuert. Durch weitere technische Verbesserungen wie einen zweistufigen Siedevorgang, eine bessere Nutzung der Abwärme sowie eine Standardisierung der Einzelteile der Sudpfannen konnte Clais etwa ein Drittel der Kosten sparen und die jährliche Produktion um 30.000 Zentner steigern. Zwischen 1808 und 1810 erneuerte Georg Reichenbach die Soleleitung und baute den Abzweig ab Siegsdorf zu einer weiteren Filialsaline in Rosenheim. Als nach dem großen Stadtbrand von Reichenhall im Jahre 1834 das dortige Brunnhaus, alle Sudhäuser sowie fast alle Wohnhäuser der Stadt zerstört waren, mussten die Filialsalinen in Traunstein und Rosenheim die Hauptlast der bayerischen Salzproduktion tragen. Nach dem Brand lag das Hauptaugenmerk auf der Reparatur der Soleleitung und so floss zwei Tage nach dem Brand, am 11. November 1834, bereits wieder Reichenhaller Sole durch die hölzernen Deicheln. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in Traunstein die sog. Fünferpfanne als fünftes Sudhaus errichtet, 1895 erhielt die Saline einen eigenen Eisenbahnanschluss.
Stilllegung Die Alte Saline in Bad Reichenhall wurde in den 1880er Jahren schrittweise auf Befeuerung durch Steinkohle umgestellt, die erhöhten Produktionskapazitäten dort wirkten sich auch auf Traunstein aus. Zudem ließ der Konkurrenzdruck durch bergmännisch gewonnenes Steinsalz sowie technische Neuerungen im Bereich der Siedetechnik die in die Jahre gekommenen Anlagen immer weniger rentabel werden. 1910 beschloss der Bayerische Landtag, die Salzproduktion der Traunsteiner Saline einzustellen, was im Sommer 1912 umgesetzt wurde. Der letzte Sud in Traunstein begann am 29. Juni 1912, der wenige Tage später fertig verarbeitet war.Gernot Pültz: Ein Gebäudeensemble der besonderen Art. In: Chiemgau-Blätter. 3/2020, 18. Januar 2020 als Beilage des Traunsteiner Tagblatts
Erwerb durch die Stadt Traunstein Nach langen und schwierigen Verhandlungen zwischen Vertretern der königlichen Generaldirektion der Berg-, Hütten- und Salzwerke und der Stadt Traunstein über den Verkauf der Liegenschaften an die Stadt gab es im Dezember 1913 eine Einigung. Diese sah vor, dass die Stadt Traunstein sämtliche Liegenschaften – mit Ausnahme der Salinenkapelle und des Rupertistadels – zu einem Kaufpreis von 65.000 Mark übernahm. Zusätzlich musste die Stadt ihren Verwaltungsbezirk vergrößern und den bis dahin selbständigen Salinenbezirk Au eingemeinden, um kommunale Aufgaben wie beispielsweise den Straßenbau und die Instandhaltung der Infrastruktur sicherzustellen. Zudem musste sich die Stadt verpflichten, die bestehenden Mietverhältnisse der Arbeiterwohnungen im Alberti-Ferdinandi- und Wilhelmi-Maximiliani-Stock zu übernehmen und „die Arbeiter, die auch nach der Schließung des Betriebs immer noch vor Ort waren und in Diensten der staatlichen Salinenverwaltung standen oder schon in Pension gegangen waren, zusammen mit ihren Familien in den Räumen, die die Wohnungspolizei nicht beanstandete“ nicht auszuquartieren. Anfangs hatten die Stadtväter noch auf einen deutlich geringeren Kaufpreis in Höhe von 10.000 Mark gehofft, letztendlich einigte man sich jedoch auf 65.000 Mark, die „in zwanzig gleichen Jahresraten zu 3.250 m (dreitausendzweihundertfünfzig Mark) zu bezahlen“ waren. Der Vertrag wurde vom Bürgermeister der Stadt Traunstein, Georg Vonficht und dem Finanzminister Georg von Breunig unterzeichnet und liegt in Archiven in Traunstein und München. Der Eigentumsübergang erfolgte zum 1. Januar 1914.
Folgenutzung Die Salinengebäude und die Freiflächen in der Au wurden nach dem Erwerb durch die Stadt unterschiedlich genutzt. Die Wohnhäuser Alberti-Ferdinandi-, Wilhelmi-Maximiliani- und Marienstock dienen bis heute zu Wohnzwecken. Im Eingemeindungsvertrag der Au, der wie auch der Kaufvertrag der Liegenschaften der Saline zum 1. Januar 1914 in Kraft trat, wurde – neben verschiedenen infrastrukturellen Maßnahmen – vereinbart, dass „die Stadtgemeinde Traunstein [...] für die industrielle Verwertung des Fünfersudhauses, des großen Karl-Theodor-Sudhauses und des großen Baustadels in Verbindung mit der Wasserkraft ehestens Sorge zu tragen“ hat. Es gab zwar keine Ansiedelung eines Großbetriebs, jedoch wurden im Erdgeschoß des ehemaligen Sudhauses Gewerbehallen eingerichtet. 1922 planten Bürgermeister Georg Vonficht und der Stadtrat, das baufällige Karl-Theodor-Sudhaus instand zu setzen und in ein Stadthaus umzubauen. Neben dem Erhalt des Gebäudes versprach man sich durch diese Maßnahme eine Unterstützung der heimischen Bauwirtschaft und damit der Sicherung von Arbeitsplätzen. Während im Erdgeschoß weiterhin Gewerbehallen angedacht waren, wollte man im ersten Obergeschoß mehrere Schulen unterbringen. Geplant waren die Knaben- und Mädchenvolksschule, die landwirtschaftliche Kreiswinterschule, eine neu zu errichtende weibliche Berufsfortbildungsschule sowie möglicherweise auch eine Alm- und Weideschule. Nachdem der Architekt Carl Jäger aus München die Renovierung und den Umbau des Karl-Theodor-Sudhauses auf 4,5 Millionen Mark geschätzt hatte, ließ man das Projekt seitens der Stadt fallen. Die viel zu hohen Kosten – an denen sich das Innenministerium mit einem geringen Zuschuss in Höhe von 15.000 Mark beteiligt hätte – veranlassten die Stadt dazu, den Abriss des Sudhauses in Auftrag zu geben. Am 23. April 1924 um 14 Uhr wurde es durch ein Sprengkommando der Reichswehr gesprengt. Ab 1926 wurde die Fläche als Festwiese genutzt, bis 1969 schließlich ein Parkplatz angelegt wurde, der bis heute existiert.
Die Salinenkapelle und das Magazin (der sog. Rupertistadel) verblieben im Staatsbesitz. Die Stadt verpflichtete sich jedoch im Kaufvertrag, die Umgebung der Kapelle von Bebauung freizuhalten sowie den Platz vor der Kapelle und die Zugänge „in einem der Würde eines Gotteshauses angemessenen Zustand zu erhalten“. Im Magazin befindet sich heute die Flussmeisterstelle Traunstein, die Stadt durfte jedoch die Solereserven im Magazin weiterhin als Behälter für Badesole nutzen. Bis in die 1930er Jahre wurde Sole aus Bad Reichenhall für den Kur- und Badebetrieb in Traunstein verwendet.
Salinenpark