Chronologie zur Geschichte von Rees und seinen Ortsteilen sowie der Umgebung (bis zum Jahr 1700)
Letzte Kaltzeit mini|hochkant=1.7|Kennzeichnend für das Jungpleistozän in Europa sind die Weichsel-/Würm-Kaltzeiten (hier im Vergleich zum älteren Saale/Riß-Komplex). Die Gletschervorstöße waren unterbrochen von wärmeren Perioden, in denen sich der Neandertaler über die Permafrostgrenze hinaus nach Norden und Nordosten ausbreitete. Ab etwa 40.000 v. Chr. besiedelte der ebenfalls aus Afrika eingewanderte Cro-Magnon-Mensch diese Gebiete.
ca. 110.000 bis ca. 10.000 Letzte Kaltzeit; jungpleistozäne Kaltphase
Mittelsteinzeit Belege menschlichen Lebens im heutigen Stadtgebiet Xanten stellen im Raum Obermörmter gefundene Geweihhacken dar, die aus der ausgehenden Mittelsteinzeit (ca. 9600 bis 6400 vor Christus) stammen.
Jungsteinzeit Im Stadtzentrum von Xanten werden jungsteinzeitliche Gräber, Steinwerkzeuge und Töpfereiprodukte, in den Ortschaften Wardt und Vynen jungsteinzeitliche Beile gefunden. Bei Bauarbeiten zur Autobahn (A 3) im Jahr 1961 entdeckt man auf dem Colettenberg / Wittenhorst bei Haldern (heute zu Rees gehörig) Reste von Grabbeigaben (Becherscherben, Dolche) aus dem Ende der Jungsteinzeit (vor 4000 Jahren).S. H. Hinz: Ausgrabungen auf der Wittenhorst in Haldern, in: Heimatkalender Landkreis Rees 1963, Rheinberg 1962, S. 63–66.
Bronzezeit Bronzezeitliche Schwerter, Dolche und Ziernadeln werden in den Xantener Ortsteilen Lüttingen, Wardt und Vynen entdeckt.
Eisenzeit Spuren einer dauerhaften Besiedlung Xantens sind auf dem Gelände des Archäologischen Parks nachweisbar und stammen aus der Eisenzeit.
800 bis 450 v. Chr. 800 vor Chr. Siedlung aus der älteren Eisenzeit im heutigen Kevelaer (Brunnenanlage, Urnenfunde) 800–450 vor Chr. Bei Bauarbeiten zur Autobahn (A 3) im Jahr 1961 entdeckt man auf dem Colettenberg / Wittenhorst bei Haldern (heute zum Reeser Stadtgebiet gehörend) Reste einer Siedlung aus der Hallstattzeit (800 bis 450 vor Christus). Im Diersfordter Wald findet man ein Hügelgräberfeld aus der gleichen Zeit.S. H. Hinz: Ausgrabungen auf der Wittenhorst in Haldern, in: Heimatkalender Landkreis Rees 1963, Rheinberg 1962, S. 63–66.
450 v. Chr. bis zum Jahr 0 Spuren menschlichen Wirkens auf dem Gebiet des heutigen Mehrhoog reichen bis in die Latènezeit (450 v. Chr. bis zum Jahr 0) zurück.Martin Schönfelde: Das Spätkeltische Wagengrab von Boé., Philipps-Universität Marburg Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaften, Marburg 27. Januar 2004, S. 98 bis 100
Zeit der Römer und Germanen am unteren Niederrhein (ca. 50 vor Chr. bis ca. 350 nach Chr.) mini|Römisches Straßennetz des Niederrheins – Germania Inferior
ca. 50 vor Chr. bis ca. 350 n. Chr. Zeit der Römer am linken Niederrhein zwischen Maas und Rhein, in den heutigen Niederlanden sowie in Belgien (Tongern) Niedergermanischer Limes mit den Städten Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln), (Novaesium) Neuss, Colonia Ulpia Traiana (Xanten) und Ulpia Noviomagus Batavorum (Nijmegen) und weiteren, zwischen den Städten angelegten Römerlagern; der Rhein als natürliche Grenze zum Osten / Norden hin Auseinandersetzungen mit der dort lebenden bzw. eindringenden westgermanischen / fränkischen Bevölkerung (Bataver, Chamaver, Brukterer, Usipeter, Salfranken, Rheinfranken, Sugambrer …) Feldzüge der Römer über den Rhein nach Osten (Lollilus, Augustus, Drusus …)
19–12/10 vor Chr. Bau des Römerlagers Noviomagus auf dem Hunnerberg im heutigen Nijmegen (Niederlande) für zwei römische LegionenInformationen zum Römerlager Noviomagus Film über die Ausgrabungen (niederländisch). 17/16 vor Chr. vernichtende Niederlage des römischen Statthalters Marcus Lollilus (Clades Lolliana, 5. Legion) gegen die Germanen 13/12 vor Chr. Rheinoffensive unter Kaiser Augustus,Vgl. im Folgenden: Römische Stadt "Colonia Ulpia Traiana" Bau des Lagers Vetera I. (13/12 v. Chr. bis 70 n. Chr.) auf dem so genannten Fürstenberg bei Birten, Raum XantenZum Rheinverlauf zur Römerzeit s. fortan immer Standort von mindestens einer Legion. 12 vor Chr. Drusus beginnt seine Offensive. 7 vor Chr. Die Sugambrer, ein westgermanischer Stamm vom Niederrhein, siedeln linksrheinische an der Maas.
mini|Lage der Legionslager Vetera I und II, sowie der Colonia Ulpia Traiana; siehe auch den damaligen und heutigen Flussverlauf
40 Südlich des MonrebergesSiehe auch: Burg Monterberg in Kalkar ist eine Reitereinheit von rund 480 Mann im römischen Hilfstruppenkastell Burginatium (Altkalkar) stationiert. 41–52 n. Chr. Kastell I des Römerlagers Steincheshofs wird zur Zeit des Kaisers Claudius erbaut. Nachbarkastelle waren Quadriburgium (Kastell Qualburg bei Bedburg-Hau) und Burginatium (Altkalkar).. Auf der Webpräsenz des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln am 22. Januar 2011, abgerufen am 23. September 2011. um 50 Germanische Stämme Bataver, Chamaver (Hamaland) und Brukterer leben am unteren Niederrhein. 50 Köln erhält Stadtrechte 67/68 Aufstand der Bataver, Zerstörung des Lagers Vetera I. (Fürstenberg / Birten) Römerlager (14 Hektar) mit mehreren parallelen Gräben, Zeichen einer ungewöhnlich starken Befestigung, nordwestlich von Till-Moyland (erst im Jahr 2015 von der Luft aus entdeckt) nach 69 das Lager Vetera II. wird errichtet (71 n. Chr. bis 275/276 n. Chr.) nach 69 Kastell II des Römerlagers Steincheshofs wird erbaut. 98/99 Colonia Ulpia Traiana, Status einer Colonia, 73 Hektar 2. Jh. Blütezeit der römischen Colonia Ulpia Traiana (Xanten) Stadt Zutphen (heute Niederlande) existiert schon in der Römerzeit. Römisches Reich ist im Innern unstabil und wird von außen bedroht. 275/276 Ende des Lagers Vetera II. Ende 3. Jahrhundert Colonia Ulpia Traiana wird von den Franken überrannt u. zerstört. Colonia Ulpia Traiana verkleinert sich (neun zentrale Stadtbezirke, ca. 30 Hektar – insulae), starke Befestigung Städtisches Leben erlischt in der Römerstadt (Xanten).
Zeit der Franken (Merowinger, Karolinger) am Niederrhein (ca. 350 bis 850) 357 Salfranken erstmals bezeugt; könnten ursprünglich in Salland in der niederländischen Provinz Overijssel beheimatet gewesen sein. 358 überschreiten sie den Rhein nach Südwesten und fallen über die Betuwe in das Römische Reich ein 5. Jh. beginnen sich chattuarische Franken auf dem Gebiet Xanten niederzulassen. Franken siedeln sich auf Gehöften außerhalb der römischen Stadt an (Xanten); Nachfahren der provinzialrömischen Bevölkerung („Romanen“) müssen sich mit den Franken arrangieren. 5. Jh. Frankensiedlung (Friedhof) in Wardt (Xanten).Fundverbleib unbekannt. – Philipp Houben, Franz Fiedler: Denkmäler von Castra Vetera und Colonia Traiana in Ph. Houbens Antiquarium zu Xanten. Xanten 1839, S. 67, Taf. XLVIII. – Bonner Jahrbücher 36, 1864, 85f. – Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34. Rheinland-Verlag, Köln 1998, 435f. ISBN 3-7927-1247-4 (ehemaliger Hof Nederwick). Über dem Gräberfeld im Süden der Stadt Colonia Ulpia Traiana (Xanten) entstehen kleinere Gedenkbauten; zwei Gräber dort werden für Märtyrergräber gehalten (ad santos = zu den Heiligen – Xanten). 496 Schlacht von Zülpich (Salfranken / Rheinfranken kämpfen gegen Alamannen). um 500 Aus einer Kiesgrube östlich von Wissel wird das Fragment eines Schwertes geborgen.Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34. Rheinland-Verlag, Köln 1998, S. 85 u. 439 mit Taf. 219. 6. bis 9. Jh. Die Besiedlung Bislichs beginnt im frühen Mittelalter (Merowinger, Gräberfeld)Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34. Rheinland-Verlag, Köln 1989, S. 278/279. um 500–800 n. Chr. Auf einer erhöhten Stelle, einer „Ward“, entsteht die fränkische Siedlung Rees. Der Name soll auf „Rys“ = Reis = Rees (Weidengehölz mit Röhricht) zurückgehen. um 550 bis 9. Jh. Reste von Grabfunden (bei Kevelaer); Scherbenfunde
mini|Heiliger Willibrord. Buchmalerei, Trier um 1000
7. Jh. Aufwändige Bestattungen in Bislich, u. a. Grab das einer Frau mit einem Wagen.Walter Janssen: Die Sattelbeschläge aus Grab 446 des fränkischen Gräberfeldes von Wesel-Bislich. Archäologisches Korrespondenzblatt 11, 1981, S. 149–169; ders., Das fränkische Gräberfeld von Wesel-Bislich. Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters 18/19, 1990/91, S. 71–116. 7. Jh. Besiedlung von Altkalkar Mitte 7. Jahrhundert Erste Siedlung in Wesel (Christen werden in Holzsärgen beerdigt). 7./8. Jh. Fränkisches Gehöft (Webhütte / Webkeller / screona) auf dem Dünenrücken des Colettenbergs (bei Haldern, heute zu Rees).H. Hinz: Ausgrabungen auf der Wittenhorst in Haldern, in: Heimatkalender Landkreis Rees 1962, Rheinberg 1962, 63–66. 657–735 Der Niederrhein wird durch den angelsächsischen Mönch Willibrord christianisiert. 8. Jh. Als Ursprung der heutigen Stadt Wesel wird ein fränkischer Gutshof vermutet, der im Bereich des heutigen Kornmarkts lag.Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34. Rheinland-Verlag, Köln 1998, S. 438, Taf. 219. ISBN 3-7927-1247-4 Anfang des 8. Jahrhunderts erwähnte eine Urkundenabschrift im Kloster Echternach erstmals den Namen „Wesele“.Camillus Wampach: Urkunden- und Quellenbuch der alt-luxemburgischen Territorien bis zur burgundischen Zeit. Luxemburg 1935-55, I.2, S. 102 mit Nr. 41. um 700 Willibrord gründet die Missionsstation Emmerich im Bistum Utrecht und weiht die erste Martinskirche. 700 Bau einer kleinen Holzkirche in Rees, deren Patron Hl. Dentlinus (Angehöriger des merowingischen Königshauses) ist.S. H. Terlinden: Rees – stille Stadt am breiten Strom, in: Kreis Rees 1974, Wesel 1973, S. 32ff.
mini|hochkant=1.4|Schloss Hueth (Vorderansicht mit Brücke und Rundturm)
vor 750 Merowingisches Krongut in Mehr (Zur Rose), heute zu Rees gehörend. 8. bis 12. Jh. Aus einer Kiesgrube östlich von Wissel stammt eine derart große Zahl von Funden, dass man hier die Lage der ursprünglichen Ansiedlung vermutet, die bei einer Katastrophe in den Rhein abgerutscht ist und zu einer Verlagerung von Wissel an seinen heutigen Standort zwingt. 752 Im Stadtzentrum Xanten ist eine karolingische Kirche belegbar. Um die zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts ist ein Stift zu Ehren Viktors angelegt worden. 750–800 Zur Sicherung der Reeser Umgebung gegen feindliche Überfälle lässt König Karl der Grosse die Häuser / Burgen Bellinghoven, Sonsfeld, Aspel, Empel, Hueth (alle heute zum Reeser Stadtgebiet gehörig) und Offenberg (Emmerich-Praest) errichten. 799–810 Möglicherweise ist die zum Gräberfeld in Bislich gehörige Siedlung identisch mit dem Ort Lippeham, den Karl der Große zwischen 799 und 810 mehrfach besucht. Ende 8. Jh. vermutliche karolingische Gründung der Kirche in Bienen (heute zu Rees)
Die Stadt Rees – ein Spielball der Geschichte
Rees gehört zum Herzogtum Lothringen / Niederlothringen (843–1050 – Lothar, Ludwig, Otto) 828 Villa Embrici (Emmerich) wird erstmals urkundlich erwähnt. 843 Vertrag von Verdun (Aufteilung des Frankenreiches): Der Niederrhein fällt zum Königreich Lothars I. 863 Einfall der Normannen in das Niederrheingebiet; im Gefolge Brandschatzung und Verwüstung. 864 Wikingerüberfall auf Xanten. 870 Vertrag von Mersen (Meerssen) – Aufteilung Lotharingens (Herzogtum Lothringen) nach dem Tod Lothars II. 899 Esserden (Rees) wird erstmals urkundlich erwähnt.Webseite der Stadt Rees 10. Jh. Duisburg wird Königspfalz. Es sind mindestens 18 Königsaufenthalte im 10. Jahrhundert belegt. 929 fand in der Stadt eine Reichssynode statt. Burg mit Siedlung in Kleve (Cleve). 903 Am Nordeingang der Kirche von Bienen heißt es, dass die Kirche St. Lambertus im Jahr 903 am Fest des heiligen Lambertus geweiht wird. 945 Das ehemalige merowingische Krongut Curtis in Mere (Wirtschaftshof zu Mehr) vermacht Luitgart, eine Tochter von Otto dem Großen, der Xantener Propstei. Dieser Hof gilt als der Namensgeber des Dorfes Mehr. Die Propstei entwickelt aus diesem Hof den größten von sechs ihr unterstehenden Oberhöfen (Oberhof zu Mehr).