rahmenlos|rechts|Logo Die Communauté de Taizé (; Gemeinschaft von Taizé) ist ein internationaler ökumenischer Männerorden in Taizé nördlich von Cluny im Département Saône-et-Loire, Frankreich. Bekannt ist die Gemeinschaft vor allem durch die ökumenischen Jugendtreffen, zu denen jährlich rund 100.000 Besucher vieler Nationalitäten und Konfessionen kommen. Die Treffen werden in Taizé und verschiedenen anderen Orten ausgerichtet. Roger Schutz gründete die Gemeinschaft 1942. Bis zu seiner Ermordung im Jahr 2005 war Schutz Prior der Gemeinschaft, sein Nachfolger war bis 2023 Frère Alois Löser. Seit Dezember 2023 ist Frère Matthew Prior. 2024 zählten etwa 80 Brüder aus etwa 30 Ländern zur Communauté; sie sind Katholiken, Anglikaner oder Mitglieder verschiedener evangelischer Kirchen. Weit über die Communauté hinaus sind die dort entstandenen Gesänge verbreitet.

Geschichte mini|Frère Roger, Gründer und langjährige Prior der Communauté Der aus der Schweiz stammende Roger Schutz kam am 20. August 1940 nach Taizé, das nahe der damaligen Demarkationslinie im unbesetzten Teil Frankreichs lag, wo er ein Haus kaufte. Er nahm Kriegsflüchtlinge und Juden auf, die auf der Flucht waren. Als die Wehrmacht die zone libre besetzte, war Schutz gerade in der Schweiz, wo er bis zum Herbst 1944 blieb.Roger Schutz: Dynamique du provisoire: À l’écoute des nouvelles générations 1962–1968, S. 73 (online). Nach der Befreiung Frankreichs durch die Westalliierten kehrte er mit drei Freunden nach Taizé zurück.Taizé (Hrsg.): Wege des Vertrauens, Bilder mit Gedanken von Frère Roger. Taizé 2003. Sie mieteten zwei weitere Häuser an, in denen Rogers jüngste Schwester, Geneviève Schutz-Marsauche (1912–2007), Kriegswaisen betreute.Art. Schutz-Marsauche, Geneviève. In: André Encrevé (Hrsg.): Les protestants (= Dictionnaire du monde religieux dans la France contemporaine, Bd. 5). Beauchesne, Paris 1993, ISBN 2-7010-1261-9, S. 453.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg besuchten sie oft deutsche Kriegsgefangene eines nahen Gefangenenlagers und konnten mit der Zeit auch das Vertrauen der Wachen so weit gewinnen, dass sie Gefangene zum sonntäglichen Gottesdienst in der Dorfkirche Ste-Marie-Madeleine einladen durften.Katryn Spink: Frère Roger – Gründer von Taizé1986, S. 18 ff.

1949 beschlossen die Brüder, deren Zahl weiter angewachsen war, sich dem gemeinsamen einfachen Leben in Ehelosigkeit zu verschreiben. Am 17. April 1949 legten die ersten sieben Brüder, alle evangelischen Bekenntnisses, Roger Schutz, Max Thurian, Pierre Souvairan, Daniel de Montmollin, Robert Giscard, Axel Lochen und Albert Lacour ihr Gelübde ab.vgl. Beim katholischen Ortsbischof holten sie die Erlaubnis ein, die romanische Dorfkirche mitnutzen zu dürfen. Der Bischof wurde von dem damaligen päpstlichen Nuntius und späteren Papst Johannes XXIII. in dieser Entscheidung bestärkt.vgl. Christian Feldmann: Frère Roger, Taizé, Gelebtes Vertrauen. 2005, S. 64. Nachdem schon die ersten katholischen Brüder in der Gemeinschaft mitgelebt hatten, legte Ostern 1969 ein junger belgischer Arzt als erster Katholik sein Gelübde ab. François Kardinal Marty, der damalige Erzbischof von Paris, gab dazu sein Einverständnis.Vgl. S. 119, Endnote 5. Damit wurde die Communauté de Taizé „die erste ökumenische Brüdergemeinschaft der Kirchengeschichte“.Christian Feldmann: Frère Roger, Taizé, Gelebtes Vertrauen. 2005, S. 42f.

Frère Roger – Sohn eines evangelischen Pfarrers – lag von Anfang an viel an einem Austausch mit der katholischen Kurie. Nach einem ersten Kontakt mit Frère Roger beim Zweiten Vatikanischen Konzil besuchte 1964 und 1968 Karol Wojtyla Taizé als Krakauer Erzbischof. Nach seiner Wahl zum Papst besuchte er als Johannes Paul II. 1986 Taizé erneut. Der Papst beschrieb Taizé bei der Begrüßung in der Kirche der Versöhnung: „Man kommt nach Taizé wie an den Rand einer Quelle.“ Jedes Jahr empfing Papst Johannes Paul II. Frère Roger zu einer Privataudienz. So setzte er die Verbundenheit des Papstes mit der Gemeinschaft von Taizé fort, die schon sein Vorvorvorgänger Johannes XXIII. durch die Begrüßung: „Oh, Taizé, dieser kleine Frühling!“ zum Ausdruck gebracht hatte.

Geschichte der Jugendtreffen In den 1960er Jahren besuchten zunehmend auch Jugendliche den Orden. Die Brüder boten den Jugendlichen eine Möglichkeit des Austauschs über biblische und spirituelle Themen in internationalen Gruppen. Für einfache Unterkünfte und Verpflegung gegen ein geringes Entgelt war gesorgt. Unterstützung erhielten die Brüder von Ordensschwestern der Gemeinschaft von Saint-André.

Durch die vielen Besucher war die romanische Dorfkirche häufig überfüllt. 1961 begann die Communauté am Rande des Dorfes den Bau der Versöhnungskirche. Der Bau wurde durch einen Bauorden und deutsche Freiwillige der Aktion Sühnezeichen unterstützt.vgl. Christian Feldmann: Frère Roger, Taizé, Gelebtes Vertrauen, 2005, S. 43. Seither kamen immer mehr Jugendliche nach Taizé, und 1966 fand das erste Jugendtreffen mit 1400 Teilnehmern aus 30 Ländern statt.

1970 kündigte Frère Roger ein Konzil der Jugend an, dessen Hauptversammlung 1974 stattfand und an dessen Eröffnung zwischen dem 30. August und 1. September 40.000 Jugendliche teilnahmen.vgl. Josef Höglauer: Der Einfluss von Taizé auf die Spiritualität Jugendlicher Das Konzil wurde vier Jahre einberufen, und 1979 vorläufig ausgesetzt. Im Dezember 1982 kündigte Frère Roger einen „Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde“ an.vgl. Christian Feldmann: Frère Roger, Taizé, Gelebtes Vertrauen, 2005, S. 50f.

Attentat auf Roger Schutz Am 16. August 2005 wurde Frère Roger während des Abendgebetes in Taizé von einer psychisch kranken Frau mit einem Messer so schwer verletzt, dass er wenig später seinen Verletzungen erlag. Frère Alois übernahm am 17. August 2005 die Aufgaben des Priors.

Fälle von sexuellem und geistlichem Missbrauch Im Jahr 2019 machte die Bruderschaft fünf Fälle von sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige öffentlich, die sich über einen Zeitraum von den 1950er- bis in die 1980er-Jahre erstreckten. Begangen worden seien sie von drei Mitgliedern der Bruderschaft, von denen zwei bereits vor mehr als 15 Jahren gestorben seien.evangelisch.de: Taizé-Bruderschaft legt Missbrauchsfälle offen, 5. Juni 2019. Daraufhin wurden nach Angaben der Gemeinschaft zwei weitere Vorwürfe von sexueller Gewalt an damals Minderjährigen aus den 1960er- und 1970er-Jahren angezeigt; sie betrafen einen Bruder der Communauté, der vor mehr als zwanzig Jahren gestorben war, ein weiterer Täter habe die Gemeinschaft vor über vierzig Jahren verlassen. Ferner wurden weitere Fälle von Missbrauch an schutzbefohlenen Volljährigen gemeldet, die von einem vor über fünfzehn Jahren verstorbenen Bruder begangen worden waren. Im Oktober 2019 meldete sich eine Frau, die berichtete, dass ein Mitglied der Gemeinschaft sie seit 2003 als Teilnehmerin an einem Jugendtreffen in Taizé in ein Abhängigkeitsverhältnis gebracht und geistlich, psychologisch und sexuell missbraucht hatte. Prior Alois Löser setzte die Behörden in Kenntnis, die Polizei nahm Ermittlungen auf und erhob Anklage gegen den Bruder. Er wurde Anfang Mai 2022 unter Auflagen freigelassen, weitere Untersuchung folgten. Die Communauté trennte sich von ihm.taizé.fr: Unser Bemühen um Wahrhaftigkeit, abgerufen am 14. Dezember 2022.

Anfang Dezember 2022 gestand der Ordensleiter ein, dass durch mangelnde Transparenz und Aufklärungswille das Leiden der Opfer verstärkt worden sei.Taize-Brüder wollen Kampf gegen Missbrauch fortsetzen. In: vaticannews.va, 5. Dezember 2022, abgerufen am 14. Dezember 2022. Wenige Tage später berichtete der Deutschlandfunk über die Fälle und deren unzureichende Aufarbeitung durch die Gemeinschaft. Im Zuge der Recherchen wandten sich viele Betroffene an den Sender und äußerten Sorgen hinsichtlich der Sicherheit von Heranwachsenden auf dem bevorstehenden Europatreffen des Ordens in Rostock.Stefan Hunglinger: Missbrauchtes Vertrauen – sexuelle Übergriffe in der Gemeinschaft von Taizé. Deutschlandfunk vom 13. Dezember 2022, Podcast 22:53 Minuten, 0:00–02:25 Minuten.

Schutzkonzept Inzwischen hat Taizé ein strukturiertes und umfassendes Schutzkonzept gegen Missbrauch etabliert. Es deckt Prävention, Meldung, reaktive Unterstützung, externe Kontrolle und fortlaufende Reflexion ab.Taizé: Schutz von Personen, abgerufen am 27. August 2025.

Spirituelle Grundlagen und Veranstaltungsformen

Ordensregeln Die Brüder der Communauté leben nach den von Frère Roger verfassten Regeln. Sie gehen zurück auf erste Niederschriften aus dem Jahr 1941.Vgl. S. 51. Zur Abfassung der Regel von Taizé kam es erst im Winter 1952/1953.Regel von Taizé von 1953 (PDF; 168 kB) Seine Lebenserfahrungen und die Erfahrungen der jungen Communauté fasste Frère Roger als „das Essentielle, das das gemeinsame Leben ermöglicht“ in Worte.S. 79: „l’essentiel permettant la vie commune.“ Diese erste Regel von Taizé wurde in den Jahren 1966, 1975 und 1980 angepasst.Vgl. S. 80. Die Ergänzungen des Jahres 1966 waren von den Erfahrungen Rogers als Beobachter des Zweiten Vatikanischen Konzils geprägt.Vgl. S. 113. 1980 erschien die Regel nicht mehr unter dem Titel die Regel von Taizé, sondern als die Quellen von Taizé. Schon einige Jahre zuvor stellte Frère Roger fest: Das Niedergeschriebene „hat nichts von einer Regel im eigentlichen Sinn, es will einen einfachen Weg aufzeigen, um ein Gleichnis der Gemeinschaft zu leben.“S. 155: „Elle n’a rien d’une règle au sens habituel, elle indique un simple chemin pour vivre une parabole de communion.“ Zitat aus Vivre l’inespéré 1976.

1990 wurden die Quellen von Taizé umfangreich überarbeitet, 2001 erhielten sie ihre endgültige Fassung.Vgl. S. 9.

Gebet Im Zentrum des Lebens in Taizé steht das drei Mal am Tage stattfindende Gebet. Der Charakter des Gebets ist einfach gehalten: Eine kurze Bibellesung in den Sprachen der an den Jugendtreffen teilnehmenden Jugendlichen, ein mehrsprachiges kurzes Gebet durch den Prior. Einen großen Teil des Gebets nehmen die Gesänge ein. Zentrum eines jeden Gebets ist die etwa achtminütige Stille. mini|Brüder ziehen beim Mittagsgebet in die Kirche ein

In täglichen Fürbitten nehmen die Brüder Gebetsanliegen der Jugendlichen auf, die Taizé besuchen. Auch Gebetsanliegen aus den Fraternitäten Taizés in aller Welt werden berücksichtigt. Außerdem finden aktuelle weltpolitische Themen ihren Niederschlag. Ein persönliches Gebetsanliegen kann auch online hinterlegt werden. Oft werden die Bitten auch bei der freitäglichen Kreuzanbetung aufgenommen. mini|Kreuzanbetung der Gemeinschaft von Taizé

Im Anschluss an das Abendgebet besteht die Möglichkeit, mit einigen Brüdern Gespräche zu führen, die hierzu zur Verfügung stehen, etwa Fragen des Glaubens und des Lebens zu erörtern. Auch besteht die Möglichkeit der Beichte: Katholische Priester, die als Gäste in Taizé sind, ermöglichen das Bußsakrament in verschiedenen Sprachen.

Osterzyklus in einer Taizé-Woche In jeder Woche durchleben die Besucher den Zyklus der Ostertage: Am Freitag wird an den Tod Jesu erinnert, am Ende des Abendgebetes wird symbolisch an und um das auf dem Boden liegende Kreuz gebetet. Am Samstagabend wird im Lichtergebet Ostern, die Auferstehung Jesu Christi gefeiert. Während des Gottesdienstes wird an der Osterkerze ein Licht entzündet, das von Kindern, die zu Besuch bei der Gemeinschaft sind, an die Brüder und von dort an die Jugendlichen weitergegeben wird.

Eucharistie mini|Eucharistie in Taizé