Die Folgen der globalen Erwärmung in Österreich zählen zu den regionalen Auswirkungen der Erderwärmung auf die Gesellschaft, die Gesundheit, die Natur und in technischen Belange, die sich durch das Ansteigen der Durchschnittstemperaturen bemerkbar machen. Durch diese Erwärmung können in Zukunft vermehrt Katastrophen wie Überflutungen, Vermurungen, Waldbrände und Stürme ausgelöst werden. Im Alpenraum tauen Permafrostböden auf, was zu Bergstürzen führen kann, insgesamt werden die Alpen instabiler. Im Osten sind Hitze und Dürre das Hauptproblem. mini|Globale Temperaturveränderung 1973 bis 2023 Der Klimawandel ist in Österreich stärker ausgeprägt als in anderen Ländern Europas. GeoSphere Austria verzeichnete unter den zehn heißesten Sommern der Messgeschichte fünf aus den 2020er Jahren, vier aus den 2010er Jahren und jener aus dem Jahr 2003, wobei der Extremsommer 2026 der heißeste war. 2024 war mit einer mittleren Temperatur von 8,8 °C (3 °C über dem Klimamittel 1961–1990) das heißeste Jahr der Messgeschichte.
Zweiter Österreichischer Sachstandsbericht zum Klimawandel mini|Temperaturentwicklung in Österreich im Vergleich zum weltweiten Durchschnitt. (Abbildung aus dem AAR2)
Im Juni 2025 wurde mit dem Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel (AAR2) die umfassendste Übersichtsforschung zum Status quo des Klimawandels in Bezug auf Österreich veröffentlicht.
Der Sachstandsbericht des APCC fasst auf mehreren Hundert Seiten den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zur globalen Erwärmung, ihren Folgen für Österreich, Klimaschutz und mögliche Anpassungsstrategien an die globale Erwärmung für Österreich zusammen.
Als wichtigste Erkenntnisse gelten die Tatsache, dass die Temperatur in Österreich deutlich stärker als im globalen Durchschnitt ansteigt, dass der Wohlstand in Österreich durch den Klimawandel gefährdet ist und dass dieser derzeit jährliche Schäden in der Höhe von € 2 Mrd. verursacht.
Regionale Klimamodelle für Österreich Globale Klimamodelle berechnen Grundgleichungen des Klimasystems und ermöglichen dadurch Prognosen für Niederschläge und Temperatur. Allerdings haben die globalen Modelle eine Auflösung von 100 km, das ist zu grob für konkrete Vermeidungsmaßnahmen und vor allem zu grob für lokale Anpassungsmaßnahmen.
Regionale Klimamodelle berechnen die Grundgleichungen unter Berücksichtigung der globalen Klimamodelle in einem kleineren Gebiet, beispielsweise in Österreich oder im gesamten Alpenraum. Dabei werden Auflösungen von bis zu 10 km erreicht. Die ersten regionalen Klimamodelle in Österreich gab es bereits in den 1990er Jahren.
Anstieg der Temperaturen in Österreich mini|Temperaturanstieg in Österreich
In Österreich stieg die Jahresdurchschnittstemperatur im 20. Jahrhundert um 1,8 °C an, wovon alle Höhenlagen Österreichs betroffen waren. Damit war der Temperaturanstieg in Österreich im letzten Jahrhundert 2- bis 3-mal stärker als jener der Nordhalbkugel der Erde. Die ZAMG erstellte eine Übersicht der zehn heißesten Sommer der Messgeschichte.ZAMG: Zweitwärmster Sommer der Messgeschichte, 27. August 2019, abgerufen am 11. September 2019. mini|Temperatur von 10.000 v. Chr. bis 2100 (worst case) Der Temperaturanstieg der letzten vier Jahrzehnte ist in Österreich etwa doppelt so stark ausgeprägt wie global.
Zunahme an Wetterextremen mini|28. August 2023, das Vorarlberger Rheintal ging knapp an einer Katastrophe vorbei
Wetterextreme werden durch die globale Erwärmung häufiger und intensiver. Besonders schwere Unwetter sind in der Liste von Wetterereignissen in Europa zusammengefasst. Diese Extreme gehen können in alle Richtungen gehen. In Österreich betrifft es im Alpenraum beispielsweise sehr warme Winter und dann plötzliche große Schneemengen in sehr kurzer Zeit. Im Sommer gibt es zunehmend lange Trocken- und Hitzeperioden und dann plötzlich extreme Starkregenereignisse. Orkanartige Stürme, Gewitter und Hagel nehmen ebenfalls zu.
In Österreich waren bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts vor allem Kältewellen und Lawinenwinter das Hauptproblem.
Antike bis 1970 Extremwetterereignisse bis etwa 1970 hatten keine anthropogene Ursachen. Die weltweite Klimaanomalie 536–550 wurde vermutlich durch einen Vulkanausbruch verursacht. Die Wetteranomalien der 1430er Jahre mit sehr kalten und langen Wintern und nassen Sommern führte zu schweren Hungersnöten. Der Jahrtausendwinter von 1708/1709 brachte ebenfalls eine Hungersnot in ganz Europa. Der Winter 1962/63 brachte eine Kältewelle, bei der sogar der Bodensee zugefroren ist.
1970 bis 2000 Ab den 1970er Jahren stieg die Durchschnittstemperatur in Österreich merklich und die Wetterextreme nahmen dramatisch zu. Der Sommer 1976 war in ganz Europa der bis dahin heißeste Sommer. Der Lawinenwinter 1999 forderte allein in Galtür 38 Todesopfer. Das Pfingsthochwasser 1999 betraf Vorarlberg und Tirol. Große Teile von Bregenz standen unter Wasser. Am 26. Dezember 1999 brachte der Orkan Lothar den größten bekannten Forstschaden in Mitteleuropa.
2001 bis 2022 Das Donauhochwasser 2002 erzeugte in Österreich über drei Milliarden Euro Schaden. Nur drei Jahre später folgte das nächste katastrophale Hochwasser, das Alpenhochwasser 2005. Es folgte vier Jahre später das Hochwasser in Mitteleuropa 2009 und fünf Jahre darauf das Hochwasser in Mitteleuropa 2013.
Zusätzlich gab es zahlreiche Orkane mit schweren Schäden, Orkan Jeanett, Orkan Kyrill, Sturmtief Paula, Orkan Emma, Föhnsturm und Starkregen im Alpenraum im November 2014, Orkan Niklas und viele andere. Bei diesen Orkanen gab es auch Todesopfer.
Hitzewellen in Europa 2015 brachten Ernteausfälle durch Trockenheit, einen neuen Höchstwert in Deutschland mit 40,3 °C, zwischendurch gab es aber auch Kaltfronten mit schweren Unwettern, Starkregen und Tornados.
Die Unwetter in Europa im Frühjahr 2016 mit Starkregen und Blitzeinschlägen, Überschwemmungen, Sturzflut, Schlammlawinen, Windböen, Hagel und Tornados forderten Todesopfer und immense Sachschäden in ganz Europa. Das Orkantief Friederike streifte Österreich nur ganz am Rande, trotzdem musste die Westbahnstrecke zwischen Zams und Bludenz wegen Lawinengefahr gesperrt werden.
Eine dramatische Dürre und Hitze in Europa 2018 führte zu schweren Schäden in der Land- und Forstwirtschaft. In Europa kam es bei Menschen ab 65 Jahren zu einer hitzebedingten Übersterblichkeit von etwa 104.000 Personen.
Anschließend brachten die Unwetter im Alpen-Adria-Raum im Herbst 2018 orkanartige Sturmböen, Starkregen, Sturmschäden, Hochwasser, Überschwemmungen, Murenabgängen und Stromausfälle. In Österreich gab es auch mehrere Verletzte.
2019 gab es gleich mehrere Hitzewellen in ganz Europa. An 26 Messstationen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) wurde der heißeste Tag seit Messbeginn verzeichnet. Im Juni gab es in Wien 13 Tropennächte.
Das Hochwasser in West- und Mitteleuropa 2021 führt auch in Österreich zu schweren Schäden (Unwetter in Österreich 2021).
Der Sommer 2022 war der bis dahin heißeste in Europa seit Beginn der Aufzeichnungen. Durch die zusätzliche Dürre kam es zu negativen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, auf die Energieversorgung, auf die Landwirtschaft und die Wasserversorgung. Laut einer wissenschaftlichen Studie kam es in 35 europäischen Staaten für den Zeitraum 30. Mai bis 4. September 2022 zu rund 61.700 hitzebedingte Todesfällen.
Extreme Regenfälle am 19. August 2022 führten in Vorarlberg zu zahlreichen Überschwemmungen. In Bregenz fielen dabei in 24 Stunden 212 mm Regen, was in Bregenz einer Wiederkehrzeit von deutlich über 100 Jahren entspricht. Dieser neue Bundeslandrekord entspricht mehr als der gesamten Niederschlagsmenge, die in einem durchschnittlichen August fällt. Auch in Fraxern (192 mm, 43 Jahre Messgeschichte) und Feldkirch (167 mm, 121 Jahre Messgeschichte) wurden neue Stationsrekorde aufgestellt. Der Straßen- und Bahnverkehr brach zusammen.
Jahr 2023 Der jährliche Klimastatusbericht für Österreich zählt allein für 2023 unzählige Extremereignisse auf.
Im Sommer gab es zwei Hitzewellen und auch der Herbst war der wärmste seit Messbeginn. Es gab zahlreiche Starkregenereignisse mit Überflutungen und Erdrutschen. Regional gab es aber auch dramatisch zu wenig Niederschlag.
Schäden durch Wetterextreme sind nicht nur Folgen der globalen Erwärmung, es gibt noch andere Faktoren, die eine Rolle spielen. Die Bodenversiegelung ist beispielsweise ein Faktor für die Schäden bei Starkregenereignissen. Österreich versiegelt doppelt so viel Boden wie Deutschland oder die Schweiz, täglich 18 Fußballfelder.
Ausblick mini|Extremereignisse in Österreich (Abbildung aus dem AAR2)
Der Zweiten Österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel sagt in einer seiner Kernaussagen dazu:
Auswirkungen auf den Menschen Gesundheitliche Auswirkungen
Sterbefälle als Folge von Hitzewellen mini|Hitze und exponierte Personen in Österreich (Abbildung SPM.6) mini|Abkühlanlage als Gegenmaßnahme gegen klimabedingte Hitze in der Stadt am Wiener Praterstern
Die Hitzewellen in Europa von 2013, 2015 und 2018 wurden laut Darstellung der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und der Nationalen Meeres- und Atmosphärenbehörde (NOAA) mit Begründung anhand von zahlreichen Einzelwetterphänomenen wahrscheinlich (in wesentlichem Ausmaß) durch den Klimawandel verursacht.Extremwetter durch Klimawandel Mehr Hitzewellen, Dürren, Starkregen und Orkane, Bayerischer Rundfunk, Stand: 30. Juli 2019, abgerufen am 30. Juli 2019.
Hitzewellen als solche sind ein relativ junges Forschungsgebiet, früher wurde primär auf Dürren fokussiert. Es gibt auch keinerlei einheitliche Definition einer Hitzewelle.Christopher Polster: Sommerliche Hitzewellen der Nordhemisphäre: Ein Überblick und Fallstudien. Bachelorarbeit im Studienfach Meteorologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Physik der Atmosphäre, 2014, Kapitel 3 Definition einer Hitzewelle, S. 3 f (, uni-mainz.de, dort S. 11 f). Eine für Mitteleuropa verwendete Methode der Auswertung geht auf den tschechischen Meteorologen Jan Kysely zurück:Hitzewellen: 2015 eines der extremsten Jahre der Messgeschichte. ZAMG Klimanews, 13. August 2015; Anomalieauswertung letzter Abschnitt 2015 unter den ungewöhnlichsten Sommern der Messgeschichte; Definition der Kysely-Tage wörtlich zitiert (Ende des Artikels).
Die Hitzewellen führten zu erhöhter Mortalität, da insbesondere ältere oder gesundheitlich bereits geschwächte Personen leicht dehydrieren bzw. den Belastungen nicht mehr gewachsen sind.AGES: , 8. April 2019. Die zunehmende Hitzebelastung insbesondere in den Städten, Nachhaltigkeitspolitik: EU-Klimaziele, abgerufen am 28. Juli 2019. ist aber nicht nur auf Klimaänderungen zurückzuführen, sondern auch auf die Stadtentwicklung und die Versiegelung der Böden.APCC Special Report „Gesundheit, Demographie und Klimawandel“ (SR18), Kapitel 2: Veränderung der Gesundheitsdeterminanten (PDF, 52 Seiten), erstellt am 8. Mai 2019, abgerufen am 28. Juli 2019.Bodenversiegelung in Linz, LinzWiki, abgerufen am 28. Juli 2019.