mini|Das Nationaal Holocaust Museum in Amsterdam Das Nationaal Holocaust Museum () ist ein niederländisches Museum, das sich mit dem Holocaust in den Niederlanden befasst. Das Museum befindet sich in der ehemaligen Hervormden Kweekschool (reformiertes Lehrerseminar) gegenüber der Hollandschen Schouwburg in Amsterdam. Das Museum ist Teil des Joods Cultureel Kwartier.
Während der Judenverfolgung unter der deutschen Besatzung der Niederlande 1940–1945 im Zweiten Weltkrieg war die Kweekschool Teil eines Netzwerkes, durch das mehrere Hundert Kinder vor ihrer Deportation in Sicherheit gebracht werden konnten.Je nach Quelle schwanken die Angaben über die Zahl der geretteten Kinder zwischen 500 und 600 Kindern.
Kweekschool und Crèche In Juli 1942 war die Schouwburg von den Besatzern zur Sammelstelle für zum Transport ins Durchgangslager Westerbork bestimmte Amsterdamer Juden umfunktioniert worden. Die ihr gegenüberliegende Kindergrippe, die CrècheZur Geschichte der Crèche siehe den Artikel von Frits Slicht: De Zuigelingen-inrichting van Amsterdam auf der Webseite Digital Joods Monument, 17. Dezember 2016., durfte fortan nicht mehr als normale Kinderkrippe arbeiten und wurde ab Oktober 1942 zur Betreuung der Kinder benutzt, deren Eltern in der Schouwburg gefangen gehalten wurden.Siehe hierzu auch den Artikel von Harm Ede Botje, Mischa Cohen: De kinderen van de Joodse crèche, Vrij Nederland, Amsterdam 4. Mai 2025 Wenn diese dann auf Transport gingen, musste das Personal der Crèche die Kinder rüberbringen und den Müttern aushändigen.De Kweekschool als plaats van verzet auf der Webseite Joods Cultureel KwartierKristine von Soden: Jüdische Waisenhauskinder 1995 (Interview-Transkripte) – Einzelgespräch mit Cilly Levitus-Peiser (geb. 19.10.1925), S. 11
Die Leiterin der Crèche, Henriëtte Pimentel, hatte schon recht bald damit begonnen, in Zusammenarbeit mit Walter Süskind, der für den Judenrat Amsterdam in der Schouwburg arbeitete, Kinder zu retten. Zusammen mit weiteren Helferinnen und Helfern fälschten sie Unterlagen und knüpften Kontakte zu Widerstandsgruppen, die Verstecke zur Verfügung stellen konnten. Es gab verschiedene FluchtmethodenSiehe dazu den Artikel in der niederländischne Wikipedia: :nl:Kindersmokkel Hollandsche Schouwburg & Alex Bakker: Vluchtroute naar de vrijheid, ons amsterdam, Nr. 5, Mai 2005, wobei häufig auch die vor der Schouwburg haltende Straßenbahn eine wichtige Rolle spielte. Wenn diese hielt und die Sicht versperrte, rannten Helferinnen aus der Crèche mit einem Kind an der Hand neben der Straßenbahn her und stiegen an der folgenden Haltestelle ein. Obwohl die Straßenbahnfahrer und die Passagiere dies sahen und wussten, woher die Kinder kamen, wurden sie nie verraten. Kleinere Kinder schmuggelten sie in Waschkörben oder Rucksäcken aus der Crèche heraus. Deren Eltern statteten sie mit Strohpuppen aus, die in Decken gewickelt wurden, um ein Baby vorzutäuschen. Die Kinder wurden in Pflegefamilien in Sicherheit gebracht.
Ab April 1943 suchte Henriëtte Pimentel den Kontakt zu Johan van Hulst, dem Direktor der der Crèche benachbarten Kweekschool. Zunächst ging es nur darum, deren Garten als Spielplatz nutzen zu dürfen, doch ab Mai stellte van Hulst der überfüllten Crèche auch ein Klassenzimmer zur Verfügung, in dem dann einige Kinder ihren Mittagsschlaf halten konnten. Durch diese Zusammenarbeit und das gegenseitige Vertrauen kam es schnell auch zur Zusammenarbeit beim Schmuggel der Kinder in sichere Verstecke. Allerdings war sie nicht von langer Dauer. Am 23. Juli 1943 wurde die Crèche von den Deutschen geräumt und die Kinder und ihre Betreuerinnen, darunter auch Henriette Pimentel, nach Westerbork verbracht, der letzten Station vor Auschwitz. Am 29. September 1943 wurden die letzten Juden aus Amsterdam ebenfalls nach Westerbork deportiert, und die Crèche wurde geschlossen. Im November 1943 folgte die Schließung der Schouwburg.
1972 wurde van Hulst für seine Mithilfe bei der Rettung der Kinder als Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet.
Das Museum Seit Mai 2016 beherbergt die ehemalige Schule das bis zur Neugestaltung noch im Aufbau befindliche Nationaal Holocaust Museum. Im Erdgeschoss des Gebäudes zeigte das Museum bereits Ausstellungen und es fanden regelmäßig Vorträge, Symposien und Gedenkfeiern statt. Auf den übrigen Etagen des Museums befanden sich noch Ateliers von Künstlern mit und ohne Flüchtlingshintergrund. Zur Eröffnung 2016 zeigte das Museum die Ausstellung De ondergang van Abraham Reiss (zu deutsch: „Der Untergang des Abraham Reiss“) des Künstlers Jeroen Krabbé, die sich mit der Geschichte seines Großvaters befasste. Das Museum sollte jedoch perspektivisch zu einer festen Übersichtsausstellung über Juden während des Holocaust in den Niederlanden ausgebaut werden. Als Zielsetzung nannten die Initiatoren hierbei eine möglichst umfassende Darstellung der Ereignisse, die sich nicht nur auf die Jahre 1940 bis 1945 beschränken, sondern schon in den 1930er Jahren ansetzen solle.
Im Januar 2020 sagte die deutsche Bundesregierung zu, den Aufbau des Museums mit vier Millionen Euro zu unterstützen. Das österreichische Bundeskanzleramt unterstützte die Errichtung mit insgesamt 400.000 Euro. Die endgültige Eröffnung des Museums, das wegen der Umbauarbeiten seit Sommer 2019 vorübergehend geschlossen war, wurde mehrfach verschoben.
Das Museum wurde am 10. März 2024 von König Willem-Alexander in Anwesenheit des israelischen Präsidenten Izchak Herzog eröffnet. Bundesratspräsidentin Manuela Schwesig vertrat bei dieser Zeremonie in der Portugiesischen Synagoge Amsterdams den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, für Österreich nahm Bundespräsident Alexander Van der Bellen teil. Bei der Eröffnung protestierten mehr als 1.000 Menschen gegen die Angriffe auf die palästinensische Zivilbevölkerung im Gazastreifen. Man warf Israel Massenmord vor. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei.
Anhand von Objekten, Fotos, Filmen und Installationen wird im Museum die Geschichte der systematischen Verfolgung der Juden dargestellt. Ein Raum ist tapeziert mit den Rassengesetzen und Verordnungen über den Ausschluss der Juden und veranschaulicht so deren schrittweise Entrechtung und Isolation.Kerstin Schweighöfer: Sieben Gulden fünfzig für jeden aufgespürten Juden. Das neue nationale Holocaustmuseum konfrontiert die Niederlande mit ihrer Mitschuld. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 11. März 2024, S. 9. In Vitrinen sind persönliche Gegenstände einiger Opfer zu sehen. Im Innenhof des Museums befindet sich eine Kunstinstallation von Gabriel Lester. Im Unterschied zu anderen, eher in düsteren Farben gehaltenen Holocaustmuseen ist das Nationaal Holocaust Museum hell und lichtdurchflutet gestaltet. Denn „die Farbe des Holocaust ist weiß. Es war nicht dunkel, es geschah am hellichten Tag“, so Emile Schrijver, der Generaldirektor des Joods Cultureel Kwartier.Zitiert nach Kerstin Schweighöfer: Sieben Gulden fünfzig für jeden aufgespürten Juden. Das neue nationale Holocaustmuseum konfrontiert die Niederlande mit ihrer Mitschuld. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 11. März 2024, S. 9.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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