Atticus von Konstantinopel (; * in Sebaste in Armenia; † 10. Oktober 425Lexikon für Theologie und Kirche (LThK), begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Josef Höfer und Karl Rahner, 2., völlig neu bearb. Auflage. Herder, Freiburg im Breisgau 1986, Bd. 1, S. 1006f. in Konstantinopel) war von März 406 bis zu seinem Tod als Nachfolger von Arsacius von Tarsus (404–405) und Vorgänger von Sisinnius I. (426–427) Erzbischof von Konstantinopel. In seiner Amtszeit jährte sich das Erste ökumenische Konzil von Nicäa zum 100. Mal.
Obwohl seine theologische Ausbildung mittelmäßig war und er auch kein rednerisches Talent besaß, hatte Atticus sowohl am Kaiserhof als auch in der Bevölkerung Rückhalt. Bevor er zum Patriarchen aufstieg, war er Presbyter in Antiochia gewesen.Sabine Hübner: Der Klerus in der Gesellschaft des spätantiken Kleinasiens. Franz Steiner, München 2005, S. 253. Bei der berüchtigten „Eichensynode“ 403 (Synodus ad quercum, so benannt nach einem kaiserlichen Landgut bei Chalcedon) stellte er sich gegen Johannes Chrysostomos, der gestürzt wurde: sein Eintreten für die Origenisten war ihm zum Verhängnis geworden.Karl Heussi: Kompendium der Kirchengeschichte. Mohr, 18. Auflage, Tübingen 1991, S. 134. Als Patriarch ging Atticus zunächst weiter gegen die Anhänger des Chrysostomos vor, war jedoch schließlich bereit, den Namen des mittlerweile verstorbenen Chrysostomos wieder in die Diptychen der Ortskirchen einzusetzen. Erhalten ist seine Korrespondenz mit Kyrill von Alexandria, in der er sein Vorgehen erläuterte.Thomas Graumann: Die Kirche der Väter: Vätertheologie und Väterbeweis in den Kirchen des Ostens bis zum Konzil von Ephesus (431). Mohr Siebeck, Tübingen 2002, S. 261–273.
Kaiser Theodosius II. sagte Atticus zu, dass Bischofsernennungen in Kleinasien nur mit Zustimmung des Patriarchen von Konstantinopel erfolgen dürften. Es gelang Atticus nicht, auch das Illyricum unter seine Jurisdiktion zu bringen. Auf dem Konzil von Ephesos 431 wie auch auf dem Konzil von Chalcedon 451 wurde Atticus für seine Orthodoxie gelobt. Er hatte diese unter Beweis gestellt, indem er gegen die Messalianer vorgingKlaus Fitschen: Messalianismus und Antimessalianismus: ein Beispiel ostkirchlicher Ketzergeschichte. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, S. 40. und Caelestius wegen seiner pelagianischen Positionen aus der Hauptstadt verwies.
Atticus von Konstantinopel wird in der orthodoxen Kirche als Heiliger verehrt (8. Januar, 11. Oktober).
Literatur
Weblinks Atticus von Konstantinopel in Johann Evangelist Stadler: Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 1, Augsburg 1858, S. 342.
Einzelnachweise
Kategorie:Heiliger (5. Jahrhundert) Kategorie:Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel Kategorie:Bischof (5. Jahrhundert) Kategorie:Geboren im 4. oder 5. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 425 Kategorie:Mann