Start-up-Nation Israel bezeichnet einen Gründerboom im High-Tech-Bereich seit Mitte der 1990er Jahre, der dem Staat Israel zum Attribut Start-up-Nation verhalf. Hierzu trug die Schaffung eines entsprechenden wirtschaftlichen Umfelds durch die israelische Regierung bei. Der Erfolg der Venture Capital-Branche in Israel wurde durch „Yozma“ (hebräisch für „Initiative“) aufgebaut, einer Regierungsinitiative des Jahres 1993, die ausländischen Risikokapitalinvestoren in Israel attraktive steuerliche Anreize bot und versprach, jede Investition mit staatlichen Mitteln zu verdoppeln.Geschichte von Yozma, Yozma Group, abgerufen am 17. Juli 2019 (englisch).
Keine andere Nation bringt – bezogen auf die Einwohnerzahl – so viele Start-ups, Business Angels, Inkubatoren und Investoren hervor.In Innovationen investieren, Deutsche Unternehmerbörse. Abgerufen am 7. Juli 2019. Mit einem Anteil von über 0,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes besitzen Venture Capital-Investitionen in Israel die mit Abstand größte volkswirtschaftliche Bedeutung unter allen entwickelten Ländern – noch vor den Vereinigten Staaten mit knapp 0,2 Prozent. Europa hinkt im Vergleich zu den USA oder Israel bei der Zahl erfolgreicher Startups hinterher.Unternehmensgründungen – Mehr innovative Startups durch einen Kulturwandel für Entrepreneurship?, IW policy paper · 2/2016, Institut der Deutschen Wirtschaft, S. 26. Abgerufen am 17. Juli 2019. Diese Entwicklung wurde in dem Buch Start-up Nation: The Story of Israel's Economic Miracle () beschrieben,Dan Senor, Saul Singer, Start-up Nation: The Story of Israel's Economic Miracle, Twelve, 2011, ISBN 1-4555-0239-1. das ins Deutsche übersetzt wurde.Auszüge aus der deutschen Übersetzung des Buches Start-up Nation Israel – Was wir vom innovativsten Land der Welt lernen können, Carl Hanser, 2012, ISBN 3-446-42921-2.
Geschichte Als Gründervater der israelischen Hightech-Industrie gilt der 1925 geborene Usia Galil. Zusammen mit Dan Tolkowsky gründete er 1962 die Holding-Gesellschaft Eltron Electronic Industries. Schwerpunkte wurden unter anderem die Bereiche Telekommunikation, Medizintechnik sowie Luft- und Raumfahrt. Insgesamt baute die Holding-Gesellschaft über 30 Firmen und Start-ups mit auf, darunter die Firmen Elbit Computer, das Elektronikunternehmen Orbotech und das Medizintechnikunternehmen Given Imaging.
Im Juli 2015 hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit „EXIST – Start-up Germany“ einen Modellversuch zur Internationalisierung von EXIST gestartet. Hier wird ausländischen Gründungswilligen beziehungsweise Start-up-Teams eine Gründung in Deutschland ermöglicht. Die Initiative wurde mit dem Partnerland Israel 2015 begonnen,Neues über die BMWi-Programme zur Innovations- und Technologieförderung im Mittel- stand: Ein Überblick, Bundestagsdrucksache 18/8600, 30. Mai 2018. Abgerufen am 17. Juli 2019. denn die Gründerquote in Deutschland liegt nur bei 1,06 % (Stand 2018).Anteil der Gründer an der Erwerbsbevölkerung (Gründerquote) in Deutschland von 2000 bis 2018, statista, 13. Juni 2019. Abgerufen am 17. Juli 2019. Die Friedrich-Naumann-Stiftung resümierte im Juni 2018 den Nachholbedarf mit dem Satz: „Deutschland muss das werden, was Israel längst ist: eine Start-up Nation.“Wo bleibt die Start-up Nation Deutschland?, Friedrich-Naumann-Stiftung, 14. Juni 2018. Abgerufen am 17. Juli 2019.
Israel investierte im Jahr 2018 rund 16 Milliarden US-Dollar in Forschung und Entwicklung (Research and Development, R&D) und hat diesbezüglich mit 4,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) einen der weltweit höchsten Etats.Economic, Environmental and Social Statistics – Expenditure on R&D, OECD Factbook 2015-2016, doi:10.1787/factbook-2015-64-en. Abgerufen am 17. Juli 2019. Mehr als 320 multinationale Unternehmen haben sich in Israel angesiedelt (Stand 2019) und betreiben Innovationszentren im Land, wobei die ausländischen Firmen sowohl eigene Innovationszentren in Israel eröffnen, als auch israelische Firmen aufkaufen und diese zu Entwicklungszentren ausbauen.
In einem am 24. Juli 2019 veröffentlichten Bericht der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) erreichte Israel den 10. Platz im Globalen Innovationsindex. In die Auswertung flossen 80 Faktoren ein, darunter Marktregulierung, Ausgaben für Bildung und Forschung sowie private Investitionen.
Im Dezember 2019 veröffentlichte TechAviv, eine Vereinigung israelischer Firmengründer in aller Welt, dass von den 500 weltweit vertretenen Unternehmen 13 Unternehmen aus Israel einen außergewöhnlichen Status erhalten haben. Ihr Firmenwert wird auf mindestens eine Milliarde US-Dollar geschätzt.TechAviv Abgerufen am 4. Januar 2020. Solche Unternehmen werden Einhörner genannt, weil sie so selten vorkommen.Sabine Brandes: Einhörner voraus – 13 Start-ups sind über eine Milliarde Dollar wert. In: Jüdische Allgemeine, 3. Januar 2020. Abgerufen am 4. Januar 2020.
2021 erhielt das israelische Start-up Unternehmen Amimon den Oscar in der Kategorie Wissenschaft und Technik. Mit dem Preis ehrt die die Academy of Motion Picture Arts and Sciences die Erfindung einer drahtlosen Videotechnologie, mit der dem Regisseur und der Steuerungscrew die Kontrolle über alle Aufnahmewinkel gleichzeitig ermöglicht wird.
Förderprogramme Die israelische Regierung hat drei verschiedene Programme zur Förderung von Start-up-Unternehmen aufgelegt:Bei Start-ups ist das kleine Israel eine Großmacht, Germany Trade & Invest (GTAI). Abgerufen am 7. Juli 2019. das TNUFA-Programm () für Jungunternehmer, die den Nachweis technologischer Durchführbarkeit und kommerzieller Realisierbarkeit ihrer Idee erbringen, mit einem Höchstzuschuss von 58.000 US-Dollar. das Incubator-Incentive-Programm für Start-up-Gründer mit einem Zuschuss bis zu einem Höchstbetrag von 800 Millionen US-Dollar bei 15 Prozent notwendigen Eigenkapitals. Das Darlehen muss nur im Erfolgsfall zurückgezahlt werden. Damit werden auch riskante Projekte finanziell möglich. Scheitert das junge Unternehmen, trägt der Staat die Kosten; ist es erfolgreich, verbleiben die Gewinne bei den privaten Investoren. Der Staat wiederum refinanziert sich im Erfolgsfall und erhält drei Prozent Tantiemen von gewinnbringenden Start-ups. das Renewable Energy Technology Center für Entwicklungsprojekte im Segment erneuerbare Energien und Energieeffizienz mit einem Förderbudget bis zu 730.000 US-Dollar je Projekt. Es umfasst die Bereiche Solarenergie, Windenergie, Geothermie, Brennstoffalternativen, Energieeffizienz, Smart Grid (Intelligentes Stromnetz) und Energiespeichertechnologie.Renewable Energy (Cleantech) Technology Center, Israel Innovation Authority. Abgerufen am 7. Juli 2019.
Banken Auch die israelischen Banken haben Innovationen zur Finanzierung von Start-ups entwickelt. Neugründer, die mit einer Bank Kontakt aufnehmen, haben normalerweise keinerlei Kenntnisse über Finanzen oder Bankgeschäfte. In der Regel sind sie Ingenieure oder gar „Träumer“. Wenn sie auf einen Bankier treffen, der ihr Geschäftsmodell nicht versteht, wird es nichts aus der Finanzierung. Es wurden deshalb neue Servicemodelle mit Bänkern, die auch entsprechendes technisches Know-how besitzen, ins Leben gerufen. Mit ihrer Hilfe werden Kredite an Unternehmen vergeben, die zunächst Geld verlieren und traditionell als nicht kreditwürdig gelten würden. Ferner wurden Möglichkeiten geschaffen, wie sich die Kreditvergabe an Start-ups verbilligen lässt, beispielsweise durch Vereinbarungen mit dem Europäischen Investitionsfonds, der auf Risikokapitalfinanzierungen (private equity) und Garantien zugunsten von kleinen und mittleren Unternehmen spezialisiert ist, um einen Teil des Kreditrisikos zu übernehmen.Why Israel is now the scale-up nation of the world, Growth Business, Bonhill Group, England, 28. März 2017. Abgerufen am 16. Juli 2019.
Non-profit-Organisationen Zu den Non-profit-Organisationen gehört Start-Up Nation Central. Sie verbindet Führungskräfte von Unternehmen, Regierungen und Nichtregierungsorganisationen aus der ganzen Welt mit israelischer Innovation und bietet israelischen Innovatoren Zugang zu potenziellen und zuvor unzugänglichen Märkten. Sie konzentriert sich derzeit auf die Sektoren Digital Health, AgriFoodtech und Industrie 4.0, zieht Investoren an und baut Tech-Communities auf und fördert sie, um die Zusammenarbeit, den Wissensaustausch und die Erweiterung von Fähigkeiten zu verbessern.Start-Up Nation Central. Abgerufen am 22. Dezember 2019.
Gründe Als Gründe, wie Israel in wenigen Jahren zu einem führenden Standort für die digitale Industrie aufstiegen gelten:
Die Armee: An der Gründung aller Start-up-Unternehmen waren Personen beteiligt, die zuvor in der israelischen Armee, meist in der Eliteeinheit 8200 zur Fernmelde- und elektronischen Aufklärung gedient haben. Die israelischen Streitkräfte haben seit den 1990er Jahren viel Geld und Arbeitskraft in die digitale Aufrüstung gesteckt, weil das Cyberspace zum größten Kampfplatz geworden ist. Auch werden in der israelischen Armee die Soldaten schnell zu Kommandeuren kleiner Einheiten, die dann Entscheidungen treffen müssen, die über Leben und Tod entscheiden können. Das Militär ist zudem die Möglichkeit, ein enormes Netzwerk aufzubauen. Oft werden Start-ups von Leuten gegründet, die in der gleichen Einheit gedient haben. Die Bildung: Als an Rohstoffen armes Land und umgeben von zunächst durchgehend feindlich gesinnten Nachbarstaaten hat Israel seit seiner Gründung stark in den Bildungssektor investiert. Nach einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) lagen die Bildungsausgaben 2015 gemessen am Bruttoinlandsprodukt bei 6,5 Prozent, Deutschland kam auf 5,4 Prozent, der Durchschnitt der OECD-Länder lag bei 5,2 Prozent. Die Zuwanderung: Die Zuwanderung aus Osteuropa seit dem Ende des Kalten Krieges aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion haben Israel stark verändert. Mehr als eine Million Menschen sind nach Israel eingewandert – ein Bevölkerungszuwachs um gut 15 Prozent. Diese hatten oft ein hohes Bildungsniveau, zehntausende Ärzte und Ingenieure halfen dabei, Israel in einen weltweit führenden Technologiestandort zu verwandeln. Die Mentalität: Der Physiker und Nobelpreisträger Dan Shechtman drückte die israelische Mentalität so aus: „Wir Israelis sind ein furchtloses Volk. Deshalb sind wir erfolgreich in den Wissenschaften, und deshalb werden in diesem Land auch so viele Unternehmen gegründet. Die Furcht vor dem Scheitern, die Furcht davor, eine Schande für sich selbst und die Familie zu sein, gibt es bei uns nicht. Wer es in Israel versaue, sei ein bisschen schlauer und fängt noch mal von vorne an.“
Schwerpunkte und Kritik Ein Schwerpunkt wurde dabei von Anfang an auf die Cyber-Sicherheit gelegt, in dem es mit 19 Prozent des globalen Investment Weltmarktführer ist. Ein weiterer Schwerpunkt sind die Technologien rund um das autonome Fahren. Weitere Bereich sind die Medizintechnik, die Biowissenschaften und die Informationstechnik.
Seit 2017 wird als weiterer Schwerpunkt die Quantentechnologie gefordert, besonders an der Ben-Gurion-Universität des Negev in Beʾer Scheva.
Aus der Entwicklung militärischer und polizeilicher Cybersurveillance sind Unternehmen sowohl der Verteidigung, als auch des Angriffs (Spyware/Malware) auf Daten und Netzwerke hervorgegangen. International kritisiert wird der Verkauf der Angriffstechnologie an Diktaturen und andere Staaten, die damit die Arbeit von kritischen Journalisten und Oppositionellen überwachen wollen, wie im Fall von Aserbaidschan oder Marokko. Problematisch ist vor allem die Spyware Pegasus des 2010 gegründeten Unternehmens NSO Group Technologies in Herzlia.
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