mini|hochkant=0.85|Ralf Richter (2014) Ralf Richter (* 17. August 1957 in Essen; † Nacht zum 15. September 2026 in Köln) war ein deutscher Schauspieler, Hörspiel- sowie Synchronsprecher und Musiker. Seinen Durchbruch als Filmschauspieler hatte er 1981 als Zentralemaat Frenssen in Wolfgang Petersens Das Boot. Weitere Bekanntheit erlangte er 1999 als Karlheinz „Kalle“ Grabowski in der Filmkomödie Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding. Sein Repertoire reichte von harten, düsteren Charakteren bis hin zum klassischen Kohlenpott-Proleten.
Leben und Wirken Herkunft Ralf Richter wuchs als zweitältestes von acht Kindern des Architekten Otto Richter und seiner Frau Hannelore in einer katholisch geprägten Familie in einem Bochumer Arbeiterviertel auf. Sein Vater realisierte als Architekt große Wohnbauprojekte und malte und zeichnete in seiner Freizeit. Richters jüngerer Bruder Frank-Martin Strauß ist der Künstler und Musiker FM Einheit.
Ausbildung und Theater Nach dem Besuch verschiedener Schulen absolvierte Richter von 1973 bis 1975 eine Schreinerlehre, ab 1977 besuchte er zwei Jahre die Westfälische Schauspielschule Bochum. Daneben arbeitete er für das Bauunternehmen seines Vaters. Nach eigenen Angaben startete Richter seine schauspielerische Laufbahn eher ungeplant, da er zum Termin der Aufnahmeprüfungen an der Schauspielschule gerade zufällig in Bochum war. Nach zwei Jahren wurde Richter als „nicht ausbildungsfähig“ von der Bochumer Schauspielschule verwiesen. Trotzdem war er zu Beginn an verschiedenen Theaterbühnen zu sehen, wie an der Freien Volksbühne in Berlin, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und am Theater Bonn.
Film und Fernsehen Erste Kurzauftritte übernahm Richter in den Tatort-Folgen Herzjagd (1980) und Duisburg-Ruhrort (1981), im selben Jahr folgte eine feste Serienrolle als Wölfchen in der sechsteiligen Fernsehserie Tour de Ruhr. Sein Filmdebüt gab er unter Wolfgang Petersen in der Rolle des Zentralemaats Frenssen in dem Spielfilm Das Boot, durch den er erstmals einem breiten Publikum bekannt wurde.
Richter wirkte in über 160 Film- und Fernsehproduktionen mit. Im Laufe seiner Karriere arbeitete er mit einer Vielzahl an renommierten Regisseuren des deutschen Films, darunter Dominik Graf (Die Katze), Oskar Roehler (Suck My Dick) oder Til Schweiger (Der Eisbär), zusammen.
Oftmals spielte er die harten oder „bösen“ Charaktere oder auch einen Ruhrpott-Proleten. In der TV-Bergarbeiter-Saga Rote Erde von Klaus Emmerich verkörperte er den Bergmann „Otto Schablowski“. Im Film Superstau von 1991 spielte er einen gestressten Gelsenkirchener Bergmann, der in seinem Audi 100 mit Frau und Sohn auf dem Weg in den Urlaub nach Korsika ist. Richter gab an, dass er eine Vorliebe für die Rolle des Proleten habe, seit er in der Kindheit eine Familie in seiner Siedlung erlebt habe, die er als „extrem asi“ empfunden habe. Kultstatus erreichte er vor allem 1999 als „Kalle Grabowski“ im Film Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding.Schauspieler Ralf Richter fährt standesgemäß mit goldenem Benz vor. Schwäbische Zeitung, 6. Mai 2010.
Neben seinen zahlreichen Filmrollen übernahm er wiederholt Gastrollen in verschiedenen Fernsehserien- und reihen, unter anderem in Auf Achse, Ein Fall für zwei, Der Alte, Bella Block, Alarm für Cobra 11, Großstadtrevier und Notruf Hafenkante.
Richter spielte zudem in einigen Kinder- und Jugendproduktionen, wie 2009 als Polizist in Christian Ditters Buchverfilmung Vorstadtkrokodile nach Max von der Grün und zwischen 2006 und 2012 wiederholt in der ProSieben-Märchenstunde.
2014 initiierte er das Projekt Grabowski – Alles für die Familie. Aufgrund des Kultstatus seiner Rollenfiguren Karl-Heinz (Kalle) und Harry Grabowski in der Unna-Trilogie von Peter Thorwarth initiierte sein Sohn Maxwell dieses Projekt, in dem Richter in einer Dreifachrolle noch einmal seine Kultfiguren spielen sollte. Das Drehbuch schrieben Vater und Sohn gemeinsam. Um den Film produzieren zu können, starteten die beiden eine Crowdfunding-Kampagne, die mit mehr als 1200 Unterstützern eine Summe von 127.000 € einbrachte. Das Projekt wurde mehrfach verschoben und nicht mehr umgesetzt.
In den letzten Jahren wirkte Ralf Richter regelmäßig in den Einspielclips der RTL-Sendung Die ultimative Chartshow mit und gab den miesepetrigen Kommentator, dem kaum ein Lied im Ranking zusagte. 2024 übernahm er die Rolle des Häftlings Barabbas in der Live-Show Die Passion.
Sprechertätigkeit und Musik Ralf Richter betätigte sich zudem als Hörspiel- und Synchronsprecher. So lieh er unter anderem Danny Trejo und Steve Coogan seine Stimme. 2015 übernahm er eine der Hauptrollen im Hörspiel Abwärts, nachdem er bereits 1984 eine Nebenrolle in dem gleichnamigen Thriller gespielt hatte.
Im Februar 2006 veröffentlichte Richter als Musiker das Pop-Rock-Album One Heart., Der Westen, 14. April 2009 Er wirkte zudem in zahlreichen Musikvideos mit, wie von den Rappern Eko Fresh, Sinan-G und Pillath sowie den Bands Tanzwut und Sondaschule.
Soziales Engagement Richter engagierte sich für die Alphabetisierung. Er wirkte bei dem Hörspiel Mit einem blauen Auge! des Projektes „iCHANCE“ vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung mit.Making Of Hörspiel Mehrere Jahre setzte sich Richter für ein Obdachlosenhotel in Köln ein.
Privates Richter war zweifacher Vater und hatte sechs Enkelkinder. Sein Sohn Maxwell ergriff ebenfalls den Schauspielberuf. Seine Tochter Aline hatte einen Kurzauftritt in Was nicht passt, wird passend gemacht als Tochter seiner Filmfigur Kalle Grabowski.Max und Aline Richter auf IMDB In Abspannen erscheint sein Vorname gelegentlich auch in der Schreibweise Ralph. Er lebte im Pantaleonsviertel der Kölner InnenstadtEspresso für den Kult-Asi. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 11. August 2014, abgerufen am 15. September 2026. und betrieb neben der Schauspielerei mehrere Restaurants.Bekannt aus „Das Boot“ – Schauspieler Ralf Richter ist tot. In: Die Welt. 15. September 2026, abgerufen am 15. September 2026.
In den 1990er Jahren saß Richter eine mehrmonatige Haftstrafe wegen Drogenhandels ab.
Tod Richter litt an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung und an einer Herzschwäche. Er starb in der Nacht zum 15. September 2026 im Alter von 69 Jahren in Köln.
Filmografie Kino
Fernsehen
Musikvideos 2003: Tanzwut – Nein Nein 2011: Eko Fresh – Köln Kalk Ehrenmord 2012: Sebel – Rock ’n’ Roll – Leben 2013: Sinan-G – Bademeister 2016: Betontod – Ich nehme dich mit 2016: Long Distance Calling – Getaway 2017: Pillath – Wie ein Onkel 2018: Owerstolz – Günther 2021: Sondaschule – Ich verspreche mir selbst 2021: Sondaschule – Home Sweet Home (Unbesiegbar Episode 5/13)
Hörspiele 1984: Sean O’Casey: Das Erntefest – Produktion: Rundfunk der DDR (mit Bernd Friebel: Ton) 1989: Knight Rider – Elliott, der Schlaukopf (Folge 5) (als Mac Gifford) – Regie: Heikedine Körting 1989: Cop & Co. – Der kleine Unterschied (Folge 6) (als Bernie Römer) – Regie: Heikedine Körting 1989: Stefan Wolf: TKKG – Hinterhalt im Eulenforst (Folge 67) (als Kriminalanwärter Valentin Paschke) – Regie: Heikedine Körting 1991: Jost Baum: Ruhrfrieder oder Keine Chance für Rudi – Produktion: WDR 1991: Lothar Meyer: Stop and go – Produktion: WDR 1991: Ria Endres: Weltmeister – Regie: Norbert Schaeffer – Produktion: BR 1992: Werner Schmitz: Schön war die Zeit – Regie: Hein Bruchl – Produktion: WDR 1993: Werner Streletz: Mankurt oder Die späte Rache eines Schülers – Produktion: WDR 1993: Adolf Schröder: Es gibt kein Ende – Produktion: SWF 1994: Karl-Heinz Bölling: Die Zeit macht keine Pause – Produktion: SWF 1994: Jens Hagen: Kein Absprung ohne Anlauf – Produktion: NDR 1994: Christian Geissler: Walkman weiß Arschloch Eins A – Produktion: SWF 1995: Peter Meisenberg: Happy End – Regie: Ulrich Lampen – Produktion: SWF 1995: Werner Streletz: Ein Misanthrop aus Herne Zwei – Produktion: WDR 1995: David Pownall: Die Party von Frau Dr. K. – Produktion: SWF 1996: Dirk Spelsberg: Der Sturz – Produktion: HR / WDR 1996: Hubert Wiedfeld: Mutabor oder Die Sprache der Störche – Produktion: WDR / NDR 1997: Klaus Hoggenmüller: Hasentöter – Produktion: NDR 1997: Erwin Koch, Friedrich Bestenreiner: Jernigan. The Visible Human Project – Produktion: HR 1997: Funny van Dannen: Jubel des Lebens – Produktion: SDR 1999: Jáchym Topol: Engel Exit – Produktion: BR 2001: Jörg Juretzka: Sense – Produktion: WDR 2002: Denis Johnson: Engel – Produktion: WDR 2003: Jon Ewo: Rache – Regie: Leonhard Koppelmann – Produktion: WDR 2007: Jean-Patrick Manchette: Tödliche Luftschlösser – Produktion: WDR 2010: Dirk Schmidt: Task Force Hamm – Produktion: WDR 2014: Dirk Schmidt: Calibra – oder: Die Geißel Gottes – Produktion: WDR 2021: Sebastian Büttner: Katsche, Kopp und Ko: Ein helles Köpfchen – Regie: Matthias Kapohl – Produktion: WDR 2021: Wimmel-Max & Wimmel-Biene – wimmelmax-verlag (Lern-Hörspiel für Kinder zum Thema Landwirtschaft)
Literatur Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag, München • Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 828.
Weblinks
Ralf Richter bei seiner Agentur hb management
Einzelnachweise
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