Romualds Grīnblats, auch Romuald Samuilowitsch Grinblat (, wiss. Transliteration ; * 11. August 1930 in Twer, später zeitweise Kalinin, Sowjetunion; † 14. August 1995 in Sankt Petersburg, Russland) war ein lettisch-russischer Komponist.In den Quellen wird Grīnblats oder Grinblat unterschiedlich aufgeführt, teils als lettischer, teils als russischer, teils als lettisch-sowjetischer oder lettisch-jüdisch-sowjetischer Komponist. Geboren in der altrussischen Stadt Twer und ausgebildet in Leningrad, war er von 1950 bis 1971 in der Lettischen SSR tätig, doch von 1971 an lebte er in Leningrad – bis zu seinem Tod 1995. Die Grabinschrift ist russisch mit Patronym.

Leben Grīnblats, Sohn eines Arztes und einer Textilkünstlerin, wuchs in einer lettischen Familie mit jüdischen Wurzeln auf. Er absolvierte zunächst ab 1946 die Musikfachschule des Leningrader Konservatoriums in den Fächern Klavier und Komposition bei Sergei Wolfenson und Orest Jewlachow. 1950 ging er nach Riga und studierte an der Lettischen Musikakademie Jāzeps Vītols Komposition bei Ādolfs Skulte. Sein Abschlussdiplom machte er 1955 mit seiner 1. Sinfonie. Danach war er bis 1957 als Toningenieur beim Lettischen Rundfunk und anschließend bis 1961 als Musikredakteur beim Staatlichen Musikverlag tätig. In dieser Zeit verzeichnete er seinen ersten großen Erfolg als Komponist 1959 in Riga mit dem Ballett Rigonda. Es folgten weitere Sinfonien, gleichzeitig schrieb Grīnblats auch zunehmend Musik für Theater und Kino. 1971 zog er nach Leningrad, wo er als Redakteur des Verlags „Sovietski kompozitor“ arbeitete. Sein Grabmal befindet sich auf dem Preobraschenskoje-Friedhof in Sankt Petersburg.Grabmal auf dem Preobraschenskoje-Friedhof (russisch)

Stil Grīnblats komponierte in einer bemerkenswerten Stilvielfalt – seine Bandbreite reichte von der Rockoper bis hin zu polystilistischen Werken, von der Unterhaltungsmusik bis hin zu Atonalität, Zwölftontechnik und Serialismus. Er schrieb Opern, auch Kinder-, Rockopern und Musicals, Ballette, Orchesterwerke, darunter 7 Sinfonien,Kurzbiographie und Werkauswahl auf kino-teatr (russisch) außerdem Vokal-, Kammer-, Klaviermusik sowie Theater- und Filmmusik. Sein kompositorisches Credo lautete:

Er zählte zur damaligen sowjetischen Avantgarde, Luigi Nono bezeichnete Grīnblats’ 4. Sinfonie (1967) seinerzeit als das wichtigste Werk der Sowjetära nach Schostakowitschs 8. Sinfonie. Grīnblats galt als einer der ersten Komponisten der UdSSR, die verschiedene Stilebenen miteinander kombinierten. So koppelte er in seiner 1970 entstandenen Suite Das Leben Molières (nach Michail Bulgakow) eine Melodie im Rokoko-Stil mit Cluster-Klängen. Auf dieses Werk wurde der Begriff Polystilistik in der Sowjetunion zunächst bezogen – noch vor Alfred Schnittkes 1. Sinfonie. Auch in der Rockoper Die flämische Legende über Till Eulenspiegel (1978) verschmolz Grīnblats Symphonik mit Pop, Estrada und Jazz.

Auszeichnungen 1960: Lettischer Staatspreis 1987: Verdienter Kunstschaffender der RSFSR

Werke (Auswahl) 1. Sinfonie, 1954 2. Sinfonie, 1957 Rigonda, Ballett (nach Vilis Lācis), 1959 Klavierkonzert, 1963 3. Sinfonie, 1964 Riga, Ballett, 1965 Nocturne für 17 Instrumente, 1966 Daugawa, sinfonisches Poem, 1966 Ballada, sinfonisches Poem, 1966 Die Legende von Till Eulenspiegel (Leģenda par Pūcesspieģeli), Musical nach Charles De Costers Roman La Légende de Thyl Ulenspiegel, 1966 (1978 revidiert zur Rockoper, siehe dort) 4. Sinfonie, 1967 Sonate für Klavier, 1968 Phonetische Übungen (Упражнения по фонетике), Kantate für Kammerchor und 5 Instrumente nach Robert Roschdestwenski, 1969 Kater und Vogel (басня Кот и птица), Märchen für Kinderchor nach Jacques Prévert, 1970 Das grüne Vöglein (Zaļais putniņš, Зелёная птичка), Musical nach Carlo Gozzi, 1970 Konzert für Flöte und Kammerorchester, 1970 Bãrddziņa meita (Die Tochter des Barbiers), Kinderoper nach Hans Christian Andersen, 1972 Das Leben Molières, Suite für Cembalo und 12 Streicher nach Michail Bulgakows Die Kabale der Scheinheiligen, 1973 Peter Pan (Pīters Pens), Musical, 1976 Die flämische Legende (Фламандская легенда), Rockoper nach Charles De Coster (urspr. Die Legende von Till Eulenspiegel), 1978 Die lustigen Weiber von Windsor nach William Shakespeare, 1981 5. Sinfonie, 1983 6. Sinfonie Intervalle, 1989/90 7. Sinfonie, 1995

Filmmusik (Auswahl) Двое, 1965 Die Abenteuer des Ballonpiloten J.A. (Сломанная подкова), 1973 Раз, два — горе не беда! 1988

Literatur

Weblinks

Kurzbiographie und Werkauswahl auf kino-teatr (russisch)

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Komponist klassischer Musik (20. Jahrhundert) Kategorie:Komponist (Sowjetunion) Lettische SSR Kategorie:Filmkomponist Kategorie:Sowjetbürger Kategorie:Lette Kategorie:Geboren 1930 Kategorie:Gestorben 1995 Kategorie:Mann