Die Orgeln von Joachim Wagner gehören zu den bedeutendsten Barockorgeln in der Mark Brandenburg. Sie werden sukzessive einzeln dargestellt.

Joachim Wagner (1690–1749) gilt als der bedeutendste Orgelbauer der Mark Brandenburg. Von ihm sind 52 Orgelneubauten bekannt, sowie weitere Arbeiten. Erhalten sind 15 Instrumente in größeren Teilen, sowie 8 Prospekte und kleinere Teile.

Orgeln (Auswahl) Es werden die ursprünglichen Instrumente dargestellt, spätere Veränderungen sind nur berücksichtigt, sofern sie zum Verständnis der Originalbauten nötig sind. Die Reihenfolge und Nummerierung folgt der Werkliste des Instituts für Orgelforschung.Joachim Wagner Werkverzeichnis Institut für Orgelforschung, vorher in Wolf Bergelt: Die Mark Brandenburg. Eine wiederentdeckte Orgellandschaft. Berlin 1989, S. 104–106

Berlin Marienkirche 1723 (Nr. 1, Prospekt erhalten) mini|Heutiger Prospekt der Orgel in der Berliner Marienkirche In der Marienkirche in Berlin baute Joachim Wagner seine erste heute bekannte Orgel. Sie hatte 40 Register auf drei Manualen.

2002 wurde ein neues Instrument von Alfred Kern & fils gebaut. Erhalten sind der Wagner-Prospekt und die Register.

Brandenburg Dom 1723–1725 (Nr. 3, erhalten)

Im Dom zu Brandenburg baute Wagner von 1723 bis 1725 eine Orgel mit 33 Registern auf zwei Manualen.Wagner-Orgel im Dom zu Brandenburg Domstift Brandenburg, mit Geschichte Den Prospekt schuf Johann Georg Glume, ein Schüler von Andreas Schlüter. Die Basspfeifen werden von Figuren der Schutzpatrone als Atlanten in ausschwingenden Risaliten getragen.

Das Instrument wurde nur wenig verändert und ist fast original erhalten. Von 1997 bis 1999 führte Schuke Orgelbau Restaurierungen durch, Schuke 2014 eine Generalreinigung und -stimmung sowie die Reparatur der Windladen. Märkische Allgemeine vom 28. August 2014 Die Orgel gilt als die bedeutendste erhaltene Wagner-Orgel.

Disposition

I Hauptwerk C,D–c3 1. Principal 8′ 2. Bordun 16′ 3. Viola di Gamba 8′ 4. Rohrflöte 8′ 5. Quintadena 8′ 6. Octav 4′ 7. Spitzflöte 4′ 8. Quinta 3′ 9. Octav 2′ 10. Cornett V 11. Scharff V 12. Cimbel III 13. Trompete 8′ II Oberwerk C,D–c3 14. Principal 8′ 15. Quintadena 16′ 16. Salicional 8′ 17. Gedackt 8′ 18. Octav 4′ 19. Rohrflöte 4′ 20. Nassat 3′ 21. Octav 2′ 22. Tertia 2′ 23. Sifflöte 1′ 24. Mixtur IV 25. Vox humana 8′ Pedal C,D–c1 26. Principal 16′ 27. Violon 16′ 28. Gemshorn 8′ 29. Quinta 6′ 30. Octav 4′ 31. Mixtur VI 32. Posaune 16′ 33. Trompete 8′

Spielhilfen: Ventile (zum Hauptwerk, Oberwerk, Pedal), Tremulant, Cymbelsterne, Calcantenglocke

Berlin Garnisonkirche 1724–1726 (Nr. 4, zerstört) mini|Orgel in der Berliner Garnisonkirche, Darstellung von 1737

In der Berliner Garnisonkirche baute Wagner von 1724 bis 1726 seine größte Orgel. Diese hatte 50 Register auf drei Manualen.Orgel der Garnisonkirche Garnisonfriedhof Berlin, ausführliche Geschichte

1892/1893 wurde sie durch Wilhelm Sauer umgebaut und erweitert auf III/P, 70. 1901 erhielt sie eine pneumatische Traktur. 1908 brannte die Orgel mit der Kirche nieder. Ein neues Instrument mit dem rekonstruierten Wagner-Prospekt wurde 1943 bei einem Bombenangriff zerstört.

Die Disposition der Wagner-Orgel war

I Seitenwerk CD–c3Quintadena 16′Principal 8′Gedact 8′Salicional 8′Octava 4′Fugara 4′Quinta 3′Octav 2′Waldflöte 2′Sifflöt 1′Scharff V ′Cimbel III 1′Trompet I–II 8′ II Mittel-Clavier CD–c3Bordun 16′Principal 8′Rohrflöt 8′Viol di gamb 8′Octava 4′Traversiere 4′Spitzfloet 4′Quinta 3′Octav 2′Cornett V (ab c1)Scharff VI ′Mixtur IV 1′Fagott 16′ III Oberwerk CD–c3Gedact 8′Quintadena 8′Principal 4′Rohrfloet 4′Nassat 3′Octav 2′Flageolet 2′Tertia ′Quinta ′Cimbel IV 1′Vox humana 8′ Pedal CD–d1Principal 16′Violon 16′Octava 8′Gemshorn 8′Quinta 6′Octav 4′Nachthorn 4′Quinta 3′Mixtur VIII 2′Posaun 32′Posaun 16′Trompet 8′Cleron 4′

Koppeln: 2 Manualschiebekoppeln. Spielhilfen: Tremulant; Schwebung zur Vox Humana; Sonnenzug; Zug zu den Paucken-Clavieren; 4 Sperrventile; 4 Züge zu den Engeln, Trompeten und Adlern.

Blumberg 1726–1727 (Nr. 6, ersetzt) Von 1726 bis 1727 baute Joachim Wagner eine kleine Orgel mit 7 Registern ohne Pedal für die Dorfkirche in Blumberg nordöstlich von Berlin.

1856 und 1878 erweiterte Wilhelm Remler das Werk auf 11 Register mit zwei Manualen und Pedal und baute einen neugotischen zweigeteilten Prospekt, der durch den Mittelpfeiler der Kirche unterbrochen wurde.Heutige Orgel Institut für Orgelforschung, mit historischem Foto der Wagner-Orgel und Zeichnung von Hans-Joachim Schuke von 1938 1899 führte Wilhelm Sauer Reparaturen durch.

1938 machte Hans-Joachim Schuke den Vorschlag des Baus einer neuen Orgel, 1952 wiederholte er ihn. 1957 wurde die Wagner-Orgel abgebaut und 1963/65 durch einen Neubau von Schuke mit 13 Registern ersetzt.

Freienwalde Nikolaikirche 1728 (Nr. 10, Prospekt erhalten) mini|Heutiger Prospekt der Orgel in der Freienwalder Nikolaikirche In der Nikolaikirche in Freienwalde an der Oder baute Joachim Wagner 1728 eine weitere Orgel. Diese hatte 24 Register auf zwei Manualen.Heutige Orgel Institut für Orgelforschung, mit Wagner-Disposition

1843 führte Gottlieb Heise Reparaturen durch, 1850, 1851 und 1858 erfolgten weitere Ausbesserungen. 1860 nahm Georg Mickley eine Umdisponierung vor und führte 1862 Reparaturen durch.

1899 baute Wilhelm Sauer eine neue Orgel im alten Gehäuse, ebenfalls mit 24 Registern. Diese wurde 1975 ausgebaut und 1976 durch ein neues Werk der Firma Sauer ersetzt, ebenfalls im alten Wagner-Prospekt.Foto des Prospekts Institut für Orgelforschung

Wriezen St. Marien 1728–1729 (Nr. 11, zerstört) In der Marienkirche in Wriezen baute Wagner von 1728 bis 1729 eine Orgel. Diese wurde 1837 von Gottlieb Heise umdisponiert und 1877 von Carl August Buchholz auf III/P, 34 erweitert. Ab 1901 gab es weitere Umdisponierungen. 1936 rekonstruierte Schuke die ursprüngliche Orgel unter Beibehaltung einer zusätzlichen Buchholz-Windlade mit III/P, 40.Foto Institut für Orgelforschung, 1920/1940er Jahre? 1945 wurde das Instrument mit der Kirche zerstört.

Templin 1730 (Nr. 12, zerstört) In der Maria-Magdalena-Kirche in Templin erbaute Wagner 1730 eine Orgel mit 30 Registern auf zwei Manualen und einem prächtigen Prospekt, die 1735 mit der Kirche einem Brand zum Opfer fiel.

Potsdam Garnisonkirche 1731–1732 (Nr. 17, zerstört) mini|Kanzel und Orgel der Potsdamer Garnisonkirche Für die Potsdamer Garnisonkirche baute Joachim Wagner eine Orgel mit 24 Registern auf zwei Manualen. Diese wurde 1944 zerstört.

Zachow 1736 ? (Nr. 24, Prospekt erhalten) In Czachów, dem früheren Zachow in der Neumark, entdeckte Karl Richter 2003 ein Barockgehäuse in der dortigen Kirche, das er als von Joachim Wagner erbaut vermutete. Das Regierwerk, die Disposition, die Terrassenwellenmechanik und die Grundkonzeption des Prospekts ähnelten denen der Orgel in Gramzow (heute Sternhagen, 26) sehr.Karl Richter entdeckt neue Wagner-Orgel in Zachow. In: Forschung Institut für Orgelforschung, letzter Absatz Er vermutete daher als Erbauungsjahr ebenfalls 1736, da die Zachower Kirche in jenem Jahr neu ausgestaltet wurde und Wagner in diesem Jahr zwei weitere Orgeln in den benachbarten Königsberg, Neumark (23) und Nahausen (22) baute.Karl Richter: Zachow (Czachów). In: Schinkel und ein Rätseltext oder: Zachow gibt uns noch zu denken. 20. März 2007. S. 2. Online (PDF, 1,5 MB)

Unterlagen von 1837 legten nahe, dass die Orgel möglicherweise an einem anderen Ort erbaut worden ist, denn in einem Brief heißt es, dass auf der Empore eine neue Orgel aufgebaut werden sollte.Vorwort von Wolf Bergelt zu Karl Richter: Zachow (Czachów). In: Schinkel und ein Rätseltext oder: Zachow gibt uns noch zu denken. 20. März 2007. S. 1 !. Online (PDF, 1,5 MB) Das würde bedeuten, dass das heutige Werk zu dieser Zeit noch nicht in der Kirche gewesen sein kann.

1837 (oder 1843?) baute Carl August Buchholz in das Barockgehäuse ein neues Werk unter Beibehaltung zweier alter Register mit Einbau eines Pedals. 1945 wurden alle Metallpfeifen gestohlen, so dass heute im leeren Gehäuse nur die Holzpedalpfeifen von Buchholz von 1837/1843 erhalten sind.Foto des Gehäuses Institut für Orgelforschung

Karl Richter rekonstruierte eine mögliche Wagner-Disposition mit 7 Registern ohne Pedal.

Schwedt Schlosskapelle 1735 (Nr. 25, Entwurf) Am 19. September 1735 schrieb Joachim Wagner einen Dispositionsvorschlag für die Orgel der Schlosskapelle in Schwedt an der Oder. Dieser sah 20 Register mit zwei Manualen und Pedal vor. Er berechnete 800 Thaler als Kosten.Text des Entwurfs Institut für Orgelforschung (pdf) Manuskript Institut für Orgelforschung Ob er die Orgel gebaut hat, ist bisher nicht bekannt, die Barockorgel aus dieser Zeit existiert heute nicht mehr.Historisches Foto der Barockorgel in der Schlosskapelle Institut für Orgelforschung

Gramzow, jetzt Sternhagen 1736 (Nr. 26, teilweise erhalten)

1736 wurde in Gramzow in der Uckermark eine Orgel mit 9 Registern auf einem Manual und Pedal erbaut, wie Inschriften im Inneren mitteilen. Die ursprüngliche Disposition ist unbekannt. 1786 führte der Orgelbauer Michael Lockstaedt aus Prenzlau Arbeiten durch, 1818 folgten weitere, 1830 von August Wilhelm Grüneberg aus Stettin und 1840 von (Friedrich Wilhelm) Kaltschmidt aus Stettin. Die Orgel war zu diesem Zeitpunkt etwas verändert. Die Disposition wurde um 1857 vom Organisten und Musikdirektor Bermann beschrieben:Baugeschichte der Wagner-Orgel Syernhagen

Zumindest das Pedalregister Octave 8′ war wahrscheinlich nicht von Wagner, da er ein solches an keiner anderen Orgel verwendete.

1857 wurde eine Umsetzung nach Meichow in der Nähe erwogen, aber nicht durchgeführt. Das Instrument wurde schließlich nach Sternhagen bei Prenzlau gebracht, und dabei durch Gesell und Schultze in der Disposition etwas verändert.

1917 mussten die Prospektpfeifen abgegeben werden. Um 1980 war die Orgel in einem sehr schlechten Zustand und nicht mehr spielbar. 1984/1985 ermittelten Wolf Bergelt und Dietrich Kollmannsperger die mutmaßliche Urheberschaft Joachim Wagners durch Vergleiche mit der Bauweise anderer Orgeln. Die Disposition war zu dieser ZeitHannes Ludwig: Orgelhandbuch Brandenburg. Band 1. Uckermark (Westteil). Freimut und Selbst, Berlin 2005. S. 120.

Manual C– Gedact 8′ Salicet 8′ 1857 Principal 4′ Rohrflöte 4′ Nassard ′ Octave 2′ Cornett III Pedal C– Subbass 16′ Oktavbaß 8′

Erst nach der Sanierung der Kirche konnte 2009 auch die Orgel durch die Firma Schuke aus Werder restauriert werden. Einige Teile mussten nach historischen Vorbildern von anderen Wagner-Orgeln rekonstruiert werden. Als zweites Pedalregister entschieden sich die Orgelbauer für eine Posaune.

Vom Originalbestand der Wagner-Orgel sind heute noch drei oder vier Register mit einem Teil der Pfeifen vorhanden, sowie ein Großteil der technischen Substanz wie Traktur, Windladen, Klaviaturen und die zwei Keilbälge im historischen Gehäuse.Wagner-Orgel Sternhagen Foto der Orgel Institut für Orgelforschung Brandenburg

Jüterbog Liebfrauenkirche 1737 (Nr. 29, erhalten)

1737 baute Joachim Wagner eine Orgel für die Liebfrauenkirche in Jüterbog. Diese hatte 15 Register mit einem Manual und Pedal.

1844 führte Friedrich August Moschütz eine Umstimmung durch. 1891 ergänzte Gustav Adolf Friedrich ein Salicional 8′ und baute eine Pedalkoppel ein. 1938 restaurierte die Firma Schuke das Instrument, 1974 wieder. 2017 führte Karl Schuke eine denkmalgerechte Restaurierung und Rückführung der Disposition auf den Originalzustand durch.

Die Orgel ist das größte erhaltene einmanualige Werk von Wagner. Sie hat die DispositionElke Lang: Barocke Pracht und schlichte Schönheit. Orgeln in Brandenburg. Culturcon Medien, Berlin 2014, S. 160.Liebfrauenkirche Jüterbog Orgeldatabase (niederländisch)