Küfferle war ein bekannter Wiener Schokoladenhersteller. Der Name existiert noch als Marke von Lindt & Sprüngli.
Geschichte Das Unternehmen wurde 1865 oder 1866 von den Brüdern August Josef Ignaz (1844Taufbuch Wien-Döbling (1844), Bd. 3, S. 210–1911Sterbebuch Hinterbrühl (1911), Bd. 4, S. 129) und Alois Ignaz Joseph, abgerufen am 7. Juli 2019 Küfferle (geb. 1843Taufbuch Wien-Döbling (1843), Bd. 3, S. 175), einem ehemaligen Korvettenkapitän und „Linienschiffs-Fähnrich“,, hier verwirrenderweise (vgl. Kurier-Artikel) bloß „Joseph“ geschrieben sowie einer Schwester, in Untermeidling, einem heutigen Teil des 12. Wiener Gemeindebezirks Meidling, gegründet. Ihr Vater war der Leinwand- und Baumwollfabrikant Josef Ignaz Anton Küfferle (1810Taufbuch Wien-Schotten (1810), Bd. 46, S. 163–1855Sterbebuch Wien-Schotten (1855), Bd. 19, S. 224; in der Deutschen Biographie (NDB) steht als Todesjahr fälschlich 1849); die Mutter Maria (geb. Fassnacht, ca. 1814–1887) stammte aus Bierlingen in Württemberg.Trauungsbuch Wien-Mariahilf (1836), Bd. 6, S. 36 Der Großvater väterlicherseits war der aus Konstanz stammende Ignaz Küfferle (1775Trauungsbuch Wien-Maria Treu (1807), Bd. 5, S. 187–18??von 1839 gibt es noch ein Lebenszeichen von ihm: ), der im Jahre 1806 nach Wien kam und hier eine Leinwandfabrik gründete. Die Großmutter väterlicherseits war eine gewisse Anna Hähnke aus Wien.
Das nötige Kapital für die Unternehmensgründung stammte aus einem geerbten Vermögen. Anfangs spezialisierte sich das Unternehmen vor allem auf die Erzeugung von Malzprodukten wie Bonbons, stieg im Laufe der Jahre vermehrt auf die Schokoladenproduktion um, wodurch es mit seinen Produkten einen ausgezeichneten Ruf erlangte. Ab dieser Zeit firmierte das Unternehmen als Wilhelmsdorfer Malzproduktion und Chokoladenfabrik Josef Küfferle & Co. (Wilhelmsdorf war einst ebenfalls eine eigenständige Gemeinde und gehörte mittlerweile ebenfalls zu Meidling). Nach einigen Jahren zahlte August Josef Küfferle, der nach der Matura am Schottengymnasium eine Drogistenlehre absolviert hatte, seine Geschwister aus und blieb alleiniger Geschäftsführer und Inhaber des mittlerweile angewachsenen Unternehmens.
Zu den Produkten zu dieser Zeit zählten vor allem Malzbonbons, Koch- und Speiseschokoladen, Kakaopulver und Pralinés, wobei die Produktpalette nicht nur in Österreich-Ungarn Anklang fand, sondern auch ins Deutsche Reich und auf den Balkan geliefert wurde. Niederlassungen des Unternehmens befanden sich unter anderem in Rumänien, Bulgarien, Galizien und Ungarn. 1892 wurden erstmals die sogenannten Katzenzungen, eine hauchdünne Schokolade, produziert. Diese wurden eines der erfolgreichsten Produkte des Unternehmens und sind noch heute (Stand: 2019) unter dem Firmennamen Küfferle und dem Küfferle-Schriftzug auf jeder einzelnen Katzenzunge erhältlich. Kurz vor August Josef Küfferles Tod beschäftigte das Unternehmen im Jahre 1910 200 Mitarbeiter.
Am 25. August 1911 starb Küfferle im Alter von 67 Jahren in Hinterbrühl bei Wien und hinterließ das Unternehmen seiner aus Budapest stammenden Frau Ida Aurelia Adelheid „Aranka“ (oder kurz „Ranka“) Schwach (1860Trauungsbuch Wien-Schotten (1886), Bd. 52, S. 164–1919Sterbebuch Wien-St. Stephan (1919), Bd. 49, S. 114) und seinen vier Kindern. Aus der Ehe – die beiden hatten 1886 in Wien geheiratet – entstammten August (1889–1967Taufbuch Wien-St. Karl Borromäus (1889), Bd. 24, S. 175), Walther (1890–1965Taufbuch Wien-St. Karl Borromäus (1890), Bd. 24, S. 291), Margarethe (1893–1976Taufbuch Wien-St. Karl Borromäus (1893), Bd. 25, S. 109) und Josef (1894–1976Taufbuch Wien-St. Karl Borromäus (1894), Bd. 25, S. 191), wobei alle vier Kinder im Unternehmen des Vaters tätig waren. Nach dem Ersten Weltkrieg gingen die ausländischen Niederlassungen des Unternehmens verloren. Im Jahre 1925 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und beschäftigte in den folgenden Jahren durchschnittlich 400 Personen. Im Jahre 1950 erfand das Unternehmen die sogenannten Schokoladeschirmchen, damals noch als Schoko-Knirpse bezeichnet,Anita Kattinger: Die Geschichte der Schokoschirmchen, in kurier.at, 28. November 2016, abgerufen am 7. Juli 2019 die ein ebenfalls legendäres Produkt neben den Katzenzungen wurden und noch heute (Stand: 2019) unter dem Firmennamen Küfferle vertrieben werden. Der Firmensitz befand sich jahrzehntelang bei der Adresse Eichenstraße 60, unweit des Bahnhofs Meidling.AT | 1120 Wien | Schokoladenfabrik Küfferle | 1941, auf schlotforum.wordpress.com, 27. April 2016, abgerufen am 7. Juli 2019
1959 beschäftige die Küfferle Aktiengesellschaft 210 Arbeiter und 50 Angestellte.Industrie-Compass Österreich 1959. Compass Verlag, 1959 Im Jahre 1972 wurde das Unternehmen an die Schokoladenfirma Hofbauer verkauft und genießt noch immer österreichweit durch Produkte wie die Schokoschirmchen und die Katzenzungen einen sehr hohen Bekanntheitsgrad, auf deren Verpackung bzw. deren Prägung der Name Küfferle bis heute präsent ist. Hofbauer selbst gehört seit 1994 zum Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli.Sophia Freynschlag: Was von süßen Wiener Marken blieb, Wiener Zeitung, 1. April 2011, abgerufen am 7. Juli 2019
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Hersteller von Kakao- und Schokoladenwaren (Österreich) Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Wien) Kategorie:Gegründet in den 1860er Jahren Kategorie:Aufgelöst 1972 Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Wien)